Glücksritter suchen im indonesischen Dschungel nach einem Goldschatz, stoßen jedoch stattdessen auf mutierte japanische Kriegsgefangene und noch üblere Unholde … – Obwohl vor Ort in exotischen Kulissen gedreht und mehr Geld als B-Movie-üblich in die Hand genommen wurde, ist die Story nur zu bekannt; nicht die Klischees ärgern, sondern die lahme Gangart und das Fehlen jeglicher Grusel-Stimmung.

Das geschieht:

Glücksritter Warren Price und Freundin Su-Ling haben mit Hilfe der Historikerin Rie den Standort einer alten Mine ermittelt, die einen gewaltigen Goldschatz bergen soll. Auf einer indonesischen Insel hatten im Zweiten Weltkrieg japanische Eroberer unter der Erde ein Heerlager eingerichtet, das sie 1945 überstürzt und womöglich ohne Mitnahme des Goldes verlassen mussten.

Price hat einige indonesische Soldaten und den britischen Ingenieur Stanley angeheuert, die ihn in die Dschungelwildnis begleiten. Zwar findet die Expedition die Mine, läuft dabei jedoch eine Bande einheimischer Piraten in die Arme. Die Gruppe flüchtet in die Mine, deren Eingang gesprengt wird. Nun ist man im Berginneren gefangen; es bleibt nur der Weg noch tiefer in die Finsternis, um nach einem anderen Ausgang zu stoßen.

Stattdessen findet man das japanische Lager, das sich nicht nur als Gefechtsstützpunkt entpuppt: Hier hat das berüchtigte Spezialkommando 431 biologische und chemische Waffen entwickelt und dabei entsetzliche Menschenversuche an Kriegsgefangenen unternommen, was nach dem Krieg sorgfältig vertuscht wurde.

Dabei waren die Versuche auf grausige Weise erfolgreich: Zwar verloren die Versuchskaninchen ihren Verstand und ihre Gestalt. Dafür altern sie nicht mehr und sind übermenschlich stark. Deshalb wimmelt es in den Höhlenschächten von (zu allem Überfluss kannibalischen) Mutanten, die schnell auf die Eindringlinge aufmerksam werden.

Unter der Erde beginnt ein Hauen & Stechen Mann gegen Monster. Die Schatzsucher geraten bald in die Defensive. Dabei haben sie mit dem Höhepunkt der Experimente noch gar keine Bekanntschaft gemacht: In einer besonderen Kaverne wartet untot aber wachsam die „Garde des Kaisers“, vor der sich selbst die Mutanten mit gutem Grund fürchten …

Fernes Land – vertrauter Grusel

Die Idee an sich ist nicht schlecht: Im Zeitalter einer globalisierten Erde spielt die Musik nicht mehr primär oder gar ausschließlich in Europa oder Nordamerika. Der asiatische Markt wächst rapide, weshalb es klug ist, ihn einzukalkulieren und zu fördern, wenn man im Geschäft bleiben möchte. Dies gilt auch für die Filmwirtschaft. Hollywood ist längst nicht mehr das Zentrum der Kinowelt.

Das Unternehmen „Home Box Office“ (HBO) produziert hochkarätiges Bezahlfernsehen. Mit Serien wie „Die Sopranos“, „The Wire“ oder „Rome“ hat man TV-Geschichte geschrieben. Längst existieren HBO-Franchises mit südamerikanischen und asiatischen Sendern. 2008 wurde „HBO Asia“ gegründet. Für den südostasiatischen Raum entstehen TV-Serien und Filme, die nach Möglichkeit auch im Rest der Welt vermarktet werden. „Dead Mine“ ist ein typisches Produkt. Der Film entstand in Indonesien, vor der Kamera spielen asiatische und amerikanische (bzw. britische) Darsteller, dahinter standen Profis aus den USA. Sie trugen dafür Sorge, dass Story und Spiel ohne die für das asiatische Kino typische, für westliche Zuschauer aber schwer erträgliche Übertreibung von Emotionen blieben.

Die Vorteile eines solchen Franchises liegen auf der Hand; im besten Fall darf sich das Publikum auf das beste zweier Kulturwelten freuen. Worauf man sich selbstverständlich besser nicht verlassen sollte. „Dead Mine“ dokumentiert unfreiwillig, dass sich Asien und Amerika offenbar vor allem im Negativen gleichen: Hier wie dort vermeidet man allzu intensives Nachdenken. Man kombiniert lieber ebenso bewährte wie ausgelaugte Klischees.

Unter der Erde ist es überall ähnlich

Die Mine im indonesischen Dschungel könnte deshalb auch irgendwo in den US-Südstaaten oder in Kanada liegen. Dass man sich in Asien befindet, spielt für die Handlung keine Rolle. Land und Geschichte bleiben bloße Kulisse bzw. Staffage. Sobald die Story unter die Erde geht, ist es nebensächlich, in welchem Winkel der Welt man sich befindet. Zwar tauchen irgendwann untote Samurai-Krieger auf, doch die benehmen sich auch nicht anders als wiedergängerische Indianer oder Nazi-Zombies.

Kleine Gruppe wird isoliert und muss sich gegen übermächtige Feinde wehren: Die Story ist nicht nur sehr bekannt, sie wird auch wie üblich abgespult. Man flüchtet, verliert einander aus den Augen, Einzelgänger werden detailfroh abgemurkst, allmählich kristallisiert sich heraus, wer überleben wird: Held und Heldin gelingt es stets wider Erwarten sowie in letzter Sekunde, sich noch aus den perfidesten Todesfallen zu befreien. Natürlich gibt es ein großes Finale, in dem Menschen, Mutanten und Monster aufeinandertreffen.

Wenn sich etwas zugunsten dieses Films sagen lässt, dann betrifft dies in erster Linie die Ausstattung. „Dead Mine“ ist ein B-Movie mit Ausreißern in die C-Kategorie, doch finanziell ging es der Produktion offensichtlich nicht schlecht. Zwar nerven die stets gut ausgeleuchteten Bunker- und Labor-Kulissen – über sechs Jahrzehnte nach Kriegsende brennen hier noch sämtliche Lampen –, doch befinden wir uns hier nicht im Armenhaus des „Asylum-“ oder „Syfy“-Trash-Kinos.

United Colors of HBO

Gnädig fällt das Urteil auch über die Darsteller aus. Stars wird man in „Dead Mine“ ebenso vergeblich suchen wie oscarreifes Schauspiel. Nichtsdestotrotz hat man richtige Schauspieler engagiert und auf die üblichen weil billigen Knallchargen verzichtet. Auf der Suche nach dem größten gemeinsamen Nenner hat man nicht einmal ungeschickt Schauspieler aus denjenigen Ländern gecastet, die das potenzielle Publikum stellen. Ario Bayu ist ausgezeichnet in der eigentlich ausgelaugten Rolle des desillusionierten Soldaten, der keine Männer mehr verlieren will. Ähnlich überzeugend wirkt Miki Mizuno als Historikerin, die sich mit den Verbrechen ihrer Vorfahren auseinandersetzen muss.

Für groben Landser-Humor ist Bang Tigor zuständig, doch Regisseur Steven Sheil hält die Zügel fest in der Hand. Wirklich dumm und lästig werden die Klischees deshalb nur in den Rollenzeichnungen für Warren Price und Su-Ling, die das feige Ausbeuter-Schwein bzw. dessen skrupellose Gefährtin mimen müssen.

Die historischen Fakten wurden so lange mit Füßen getreten bzw. trivialisiert, bis sie auf dem Realitätsniveau jedes beliebigen Vampir-Grusels herunter gebrochen waren. So können nicht einmal die japanischen HBO-Kunden behaupten, dass ihre ruhmreichen Krieger als asiatische Mengeles bloßgestellt würden. Die brutale Wahrheit der japanischen Kriegsverbrechen bleibt vage Behauptung und dient nur der Erzeugung einer schaurigen Stimmung.

Die Hölle außerhalb des Bildes

Die hat „Dead Mine“ bitter nötig, da sie sich ansonsten partout nicht einstellen will. Kein Wunder, da Sheil den Spannungsfaktor Dunkelheit weitgehend ausklammert. Zwar bietet er sich angesichts des Handlungsortes an, aber vermutlich denkt Sheil weiter und an die zukünftige TV-Ausstrahlung seines Filmes, der auch auf kleinen Bildschirmen oder Mini-Monitoren gut verfolgbar bleiben soll.

Die Mutanten sind erfreulich hässlich, die Samurai-Zombies grotesk, aber was nützt es, wenn man sie allzu rasch und viel zu deutlich ihr Unwesen treiben sieht? Ständig ist es viel zu hell, weshalb man auch die Bunker- und Tunnelwände aus Holz, Gips und Pappmache problemlos erkennt.

Gemordet wird in der Regel im Off, was nicht nur die Kosten senkt, sondern auch die Zensoren besänftigt. Um die Freunde des härteren Horrors nicht völlig zu verärgern, wird ihnen hier ein Schwertstich oder da ein Kehlenschnitt geboten. Diese Szenen sind so angelegt, dass man sie dort, wo sie die Zensurvorgaben überschreiten, problemlos und ohne Schaden für die Handlung herausschneiden kann.

Nach anderthalb Stunden optisch gepflegter Langeweile endet „Dead Mine“ in einem finalen Fiasko: Ganz offensichtlich hoffte man auf einen Erfolgsfilm, der zu einem Franchise ausgebaut werden sollte. Wie sonst lässt sich erklären, dass a) der Schurke überlebt, b) der Held spurlos aus dem Geschehen verschwindet und c) gerade ein Zombie-Schwert auf die Heldin niedersaust, als der Film einfach abbricht? Doch diese Mine ist wohl tatsächlich ausgebeutet, wie der Titel unfreiwillig andeutet: Die für dumm verkauften Zuschauer merkten durchaus, dass man sie mit inspirationsloser Horror-Routine abspeisen wollte, und reagierten sauer. Dem deutschen Publikum wird nun die Möglichkeit geboten, sich dem mehrheitlich anzuschließen.

DVD-Features

Die noch junge Reihe der „HBO-Asia“-Filme wird dem potenziellen Publikum durch diverse Extras schmackhaft gemacht. Zum Hauptfilm addieren sich mehr als 50 Minuten Hintergrund-Infos, die in der Regel immer auch Zusatzwerbung darstellen. In der Tat bieten die Interviews mit Cast & Crew, die B-Roll oder das Making-of „In the Mine“ das übliche Potpourri rasant zusammengeschnittener Info-Häppchen und glücklich grinsender Filmschaffender, die mit sekundenkurzen Ausschnitten aus dem Film verschnitten werden. Hinzu kommen diverse „Deleted Scenes“, die der Zuschauer nachträglich um viele weitere Bildfolgen vermehren könnte, die es leider in den fertigen Film geschafft haben.

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Dead Mine
Originaltitel: Dead Mine (Indonesien 2012)
Regie: Steven Sheil
Drehbuch: Ziad Semaan u. Steven Sheil
Kamera: John Radel
Musik: Charlie Mole
Darsteller: Sam Hazeldine (Stanley), Ario Bayu (Captain Tino Prawa), Miki Mizuno (Rie), Les Loveday (Warren Price), Carmen Soo (Su-Ling), Joe Taslim (Djoko), Bang Tigor (Papa Ular), Mike Lewis (Ario), James Taenaka (Ryuichi), Use Badhu (Pirat), Rustam Effendi, Trever Love, Faizal Razali (Mutanten) u. a.
Label: Entertainment One
Vertrieb: WVG Medien GmbH
Erscheinungsdatum: 28.06.2013
EAN: 4250148707903 (DVD)/4250148707910 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch, Französisch)
Untertitel: Deutsch, Französisch, Niederländisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 88 min. (Blu-ray: 91 min.)
FSK: 16

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