Dead Rising: Watchtower

Originaltitel: Dead Rising – Watchtower (USA/Kanada 2015)
Regie: Zach Lipovsky
Drehbuch: Tim Carter
Kamera: Mahlon Todd Williams
Schnitt: Mike Jackson
Musik: Oleksa Lozowchuk
Darsteller: Jesse Metcalfe (Chase Carter), Meghan Ory (Crystal O’Rourke), Virginia Madsen (Maggie), Keegan Connor Tracy (Jordan), Aleks Paunovic (Logan), Dennis Haysbert (General Lyons), Gary Jones (Norton), Carrie Genzel (Susan Collier), Rob Riggle (Frank West), Reese Alexander (Shearson), Julia Benson (Amy), C. Ernst Harth (Bonzo) uva.
Label: Polyband
Vertrieb: WVG
Erscheinungsdatum: 31.07.2015
EAN: 4006448764210 (DVD)/4006448363451 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 113 min. (Blu-ray: 118)
FSK: 18

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Das geschieht:

Seit Anno 2006 erstmals jene Seuche ausbrach, die Menschen in Zombies verwandelt, traf die US-Regierung Vorkehrungen. Als es in East Mission die Untoten abermals zu randalieren beginnen, kann die Stadt in Oregon rechtzeitig abgeriegelt werden. Sogar ein Serum steht bereit, doch „Zombrex“ scheint seine Wirkung verloren zu haben. Dem Seuchenschutz folgt das Militär, denn East Mission soll in 48 Stunden bombardiert und dem Erdboden gleichgemacht werden.

Für eine Routine-Reportage ist der selbstständige Web-Journalist Chase Carter nach East Mission gefahren. Dort steckt er nun mit den entsetzten Bürgern und den Untoten fest: So lange kein Ersatz für „Zombrex“ gefunden ist, darf niemand die Stadt verlassen; es wird scharf geschossen. Auf der ständigen Flucht vor den Zombies tut sich Chase mit der taffen Crystal und der trauernden Maggie zusammen, die gerade ihre zur menschenfressenden Untoten mutierte Tochter hat töten müssen.

Nicht nur die Zombies treiben ihr Unwesen: Warlord Logan und seine Bande schwingen sich zu Herrschern der Quarantänezone auf, wo sie nach Beute und schönen Frauen suchen. Crystal ist infiziert und seit Jahren auf „Zombrex“ angewiesen, um nicht zu erkranken. Ihr Privatvorrat dieses Medikamentes wirkt weiterhin, was Chase unbedingt der Außenwelt mitteilen will, da man ein Gegenmittel herstellen und die Vernichtung der Stadt vermeiden könnte.

Außerhalb der Zone hält Kamerafrau Jordan den Kontakt mit Chase. Sie entdeckt Hinweise auf eine absichtliche Sabotage des Serums unter Beteiligung der Regierung und des Militärs. Beweise gibt [natürlich] nur in der Stadt, wo Chase sich auf die Suche begibt und hofft, nicht nur die allgegenwärtigen Kameradrohnen des misstrauischen Generals Lyons, die (mord-) lüsternen Strolche der Logan-Gang und natürlich die niemals schlafenden, immer menschenfleischhungrigen Zombies auszutricksen, sondern auch rechtzeitig vor den Bomben East Mission hinter sich zu lassen …

Spielen wie die ganz Großen?

Obwohl die Verfilmung von Comics inzwischen das ganz große Geschäft ist, bleiben auch Digital Games, die sich auf einer Vielzahl unterschiedlicher Plattformen spielen lassen, im Blickfeld aufmerksamer aber denkfauler Produzenten: Das Publikum existiert bereits, es hat bewiesen, dass es Geld in ein Game investieren will. Warum also keinen Spielfilm inszenieren, der linear aber optisch spektakulär in Szene setzt, was die Fans kennen und lieben? Die Beute teilt man sich mit denen, die ärgerlicherweise die älteren Rechte am jeweiligen Games innehaben, und hofft auf den Start eines Franchises – geht „Resident City“ nicht gerade in die sechste Film-Runde?

„Dead Rising“ ist ein 2006 in Japan entstandenes Game, das zumindest hierzulande nicht mit den ganz Großen der Szene mithalten kann: Obwohl es nur Zombies an den Kragen geht, war die „Bundesprüfstelle für jugendgefährliche Medien“ – die hierzulande die Zensur mehr als ersetzt – so entsetzt, dass sie zum Schutze besagter Jugend Sorge dafür trug, dass „Dead Rising“ in Deutschland niemals veröffentlicht wurde (was wie üblich exakt jene, die nach Ansicht der BPJM besonders gefährdet aber eben nicht dumm sind, dazu veranlasste, sich dieses Game erst recht zu beschaffen).

Während der Spielverlauf Originalität so weit wie möglich vermeidet, waren es von Anfang an die Schauwerte, die „Dead Rising“ über das Gros der Jagen-Flüchten-Töten-Shooter erhob. Mit Fortschreiten der digitalen Technik nahmen diese wie das Spektrum der zur Verfügung gestellten Mordinstrumente stetig zu: Selten konnte man seine Opfer drastischer zermatschen! Der Erfolg blieb nicht aus, Dead Rising“ erfuhr mehrere Fortsetzungen; der gleichnamige Film spielt zwischen den Game-Teilen 2 und 3.

Hinein ins (mittelgruselige) Vergnügen!

Es ist nützlich aber nicht notwendig, das Spiel zu kennen. Die Handlung wird durch Unwissenheit keineswegs schwieriger begreiflich. Für die Eingeweihten im Publikum werden Nerd-Brocken eingestreut. So ist der großmäulige, illusionslose Kotzbrocken, den die geplagte Moderatorin des Senders UBN in ihrem Studio interviewt, jener Frank West, der die Hauptfigur im ersten „Dead-Rising“-Game darstellte. Auch sonst gibt es viele Hinweise, die ebenfalls problemlos ignoriert werden können.

„Dead Rising: Watchtower“ ist kein guter Film aber immerhin eine Parade-Antwort auf die Frage, wieso die meisten Verfilmung erfolgreicher Spiele nicht funktionieren: Es ist schlichtweg interessanter, Zombies auszutilgen, wenn man selbst den Finger am Abzug hat. Ist man dagegen auf die Rolle des Beobachters fixiert, verliert das fremdgeführte Spiel rasch seinen Reiz, wenn es auf zusätzliche Attraktionen verzichtet. Auch Drehbuchautor Tim Carter und Regisseur Zach Lipovsky – der als Tricktechniker bekannter ist denn als Regisseur (ein Glücksfall, weil sich die Zuschauer so nicht mehr an Gurken wie „Tasmanian Devils“ und vor allen an „Leprechauns: Origins“ erinnern) – sich voll und ganz auf den Unterhaltungswert des Games verlassen.

Auf diese Weise entstand ein seltsamer Film, der eher an eine nachträglich zusammengeschnittene TV-Serie erinnert. Knapp zwei Stunden geht es hoch her auf Leinwand oder Bildschirm, was viel zu lang ist, weil ausschließlich geschieht, was wir aus anderen Horrorfilmen bereits kannten; beklagenswert oft waren diese anderen Filme einfach besser. Vor allem stolpert Lipovsky über die TV-Serie „The Walking Dead“. Im 21. Jahrhundert hat das Fernsehen den Film nicht nur eingeholt, sondern kann ihn auch mühelos übertreffen. Obwohl Lipovsky vom Fach ist, verfügte er sehr offensichtlich nicht über ein Budget, das sich mit der genannten Serie vergleichen ließ. Folglich wirken die „Dead-Rising“-Zombies eher kümmerlich und sind nur ausnahmsweise erschreckend. (Ganz weit oben auf dieser kurzen List steht Bonzo, der untote Clown!)

Hektik ist nicht gleich abwechslungsreich

Der rote Faden hängt durch, immer wieder gleitet die Handlung ins Episodische ab. Vor allem die Raufereien mit den Bikern lassen den Zuschauer frustriert stöhnen: Mit solchen Faxen will man uns seit „The Wild One“ (1953; dt. „Der Wilde“) weismachen, dass Motorradfahrer im Rudel per se Unruhestifter und Bürgerschrecks sind! Die Zombies werden von Statisten gemimt, die mit mehr Elan als Überzeugungskraft schlurfen. (Siehe da: In einer der Massenszenen erkennt man unter den hungrigen Zombies die Horrorfilm-Zwillingsschwestern Jen & Sylvia Soska, die u. a. „American Mary“ und „See no Evil 2“ inszeniert bzw. über ihr Publikum gebracht haben.) Dauernd geschieht etwas, das Tempo ist hoch. Nichtsdestotrotz gerät der Zuschauer nie in Gefahr, den Anschluss zu verlieren, selbst wenn er mehrfach zwischendurch zum Kühlschrank wandert.

Stattdessen gefallen immer wieder einzelne Szenen, selbst wenn sie sich nicht zu einer runden Handlung fügen: Es ist schön, Virginia Madsen wiederzusehen, die selbst ihrer Routinerolle die meisten Klischees austreiben und die Lücken mit Leben füllen kann. Meghan Ory ist bildhübsch, lässt sich aber nicht als Opfer verheizen, sondern weiß sich ihrer Haut zu wehren. Jesse Metcalfe, der vor noch gar nicht so langer Zeit als Toy-Boy in „Desperate Housewives“ agierte, gibt gar nicht schlecht den Karrieristen, der auf die harte Tour lernt, Anteil zu nehmen.

In den Haupt- wie in den Nebenrollen spielen kanadische Darsteller. Offenbar herrschte in Hollywoods TV-Studios, für die sich sonst arbeiten, gerade Sommerpause. Man kennt quasi jedes Gesicht, ohne diesen Namen zuordnen zu können. Hier sind Profis bei der Sache; sie schaffen keine schauspielerischen Glanzleistungen, sondern erledigen zügig und punktgenau einen Job: Mehr geben weder der Stoff noch das Drehbuch her. (Das heißt nicht, dass kleine Kabinettstücke unmöglich sind: Großes Vergnügen bereitet der im Verlauf mehrerer Einspieler eskalierende Streit zwischen dem politisch betont unkorrekten Frank West und der konservativen, sarkastischen, immer saurer reagierenden UBN-Moderatorin Susan Collier.)

Ende offen – angeblich

Nachdem die Ereignisse sich zwei Stunden hingezogen haben, beginnt der „Watchtower“-Part der Handlung – um abrupt abgebrochen zu werden: „Dead Rising“ folgt der schlechten Angewohnheit moderner Franchise-Produktionen, die Story überlappen zu lassen. Auf diese Weise soll das Publikumsinteresse für eine Fortsetzung geweckt werden.

Auf die wartet man gern, um es neutral auszudrücken; in unserem Fall wurde sie inzwischen dank der nicht sensationellen aber respektabel Einkünfte von „Dead Rising: Watchtower“ genehmigt und soll bereits 2016 gezeigt werden – wieso auch nicht, da der weitere Verlauf der Ereignisse festliegt und am bewährten Flach-Konzept sicher nicht geschraubt werden dürfte.

Für Viel- und Alles-Seher sowie die leidgeprüften Fans des Zombie-Films bietet dieser Erstling nur aber immerhin professionell aufgewärmte Horror-Kost. Lipovsky und Kameramann Mahlon Williams sorgen trotz des Mini-Budgets für Großkulissen und klare Bilder. Die Synchronfassung verdient ein Sonderlob, weil sie realisiert, was eigentlich selbstverständlich sein sollte, vor allem von den Klein-Labeln jedoch sträflich mit Füßen getreten wird: Angeheuert wurden echte Sprecher, die hörbar wissen, was „Stimmbildung“ oder „Betonung“ bedeutet!

DVD-Features

Nicht einmal eine Viertelstunde laufen die ‚Extras‘; der obligatorische Trailer nicht einmal abgerechnet. Unter dem Pompös-Titel „The Epic One-Er!” gibt es einen vierminütigen (!) ‚Blick‘ hinter die Kulissen. Zweieinhalb Minuten dauert „The Making of Bonzo, Zombie Clown“. Als zusätzliches Lockmittel in Richtung Fortsetzung und Hinweis auf kommende Verwicklungen schließt „Weapons of Dead Rising: Watchtower“ den kärglichen Reigen ab.

Das eigentliche Highlight Extra ist in seiner unvergleichlichen Mischung aus Plumpsinn und Null-Informationen diese deutsche Cover-Aufschrift: „Von einem der Macher der ‚Transformers‘-Reihe“ – vielleicht der Hausmeister oder der Parkwächter?

Kurzinfo für Ungeduldige: Der Ausbruch einer Zombie-Seuche hält einen Reporter und seine beiden Begleiterinnen nicht davon ab, einer Regierungs-Schweinerei auf die Spur zu kommen, während Untote, Verräter und „Mad-Max“-Biker sie jagen … – Launig gespielte aber nicht nur ideenfreie, sondern auch unausgegorene Horror-Routine, die trotz Überlänge einfach abbricht: Fortsetzung soll folgen. Sehen – Spaß haben – vergessen, wobei die Satzmitte ignoriert werden darf.

[md]

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