Dead Snow 2 – Red vs. Dead

Originaltitel: Død snø 2 (Norwegen/Island/USA/GB 2014)
Regie: Tommy Wirkola
Drehbuch: Tommy Wirkola, Stig Frode Henriksen u. Vegar Hoel
Kamera: Matthew Bradley Weston
Schnitt: Martin Stoltz
Musik: Christian Wibe
Darsteller: Vegar Hoel (Martin), Martin Starr (Daniel), Jocelyn DeBoer (Monica), Ingrid Haas (Blake), Stig Frode Henriksen (Glenn Kenneth), Amrita Acharia (Reidun), Ørjan Gamst (Standartenführer/Oberst Herzog), Derek Mears (Stavarin), Bjarte Tjøstheim (Priester), Kristoffer Joner (Sandsack-Zombie), Jesper Sundnes (Nazi-Doktor), Tage Guddingsmo (Zombie-Navigator), David Skaufjord (Zombie-Panzerfahrer), Charlotte Frogner (Hanna) uva.
Label: Splendid Entertainment
Vertrieb: WVG Medien
Erscheinungsdatum: 28.11.2014 (DVD, Blu-ray u. Blu-ray/Limited Steelbook)
EAN: 4013549062466 (DVD)/4013549051620 (Blu-ray)/4013549064057 (Blu-ray/Limited Steelbook)
Bildformat: 16 : 9 (2,40 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch, Französisch)
Untertitel: Deutsch, Französisch, Niederländisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 97 min. (Blu-ray: 101 min.)
FSK: 18

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Das geschieht:

Fünf Freunde entdeckten während eines winterlichen Wochenendes in den norwegischen Bergen eine Truhe voller Nazi-Raubgold. Da SS-Oberst Herzog und seine Männer, die diesen Schatz während der deutschen Besatzung des Landes zusammengerafft hatten, noch immer untot darüber wachten, wurden die glücklichen Finder massakriert. Nur Martin entkam, büßte aber seinen Arm ein. Auch Herzog verlor im Kampf mit Martin einen Arm, der wenig später mit ihm aus dem Wrack des Autos geborgen wurde, hinter dessen Steuer der schwer verletzte Martin einen Schwächeanfall erlitt.

Als Martin im Krankenhaus erwacht, gilt er als Massenmörder seiner Freunde. Seine Geschichte über Nazi-Zombies stößt erwartungsgemäß auf Unglauben. Zu allem Überfluss hat man ihm Herzogs Arm an den Stumpf genäht. Er verleiht Martin Bärenkräfte, entwickelt jedoch ein mörderisches Eigenleben. Martin flüchtet aus dem Krankenhaus und hinterlässt dabei eine Spur ‚versehentlich‘ gemeuchelter Pechvögel.

Herzog kehrt nicht in sein Grab zurück. Stattdessen will er endlich seinen letzten, von Hitler persönlich erteilten Auftrag erfüllen und die Kleinstadt Talvik vom Erdboden tilgen, in der vor sieben Jahrzehnten Untergrundkämpfer den Nazi-Besatzern das Leben besonders schwermachten. Martin will ihn aufhalten, sich rehabilitieren und an Herzog rächen. Aus den USA eilen ihm die „Zombie-Schlächter“ zur Hilfe: drei Nerds, die immerhin über theoretische Kenntnisse im Kampf gegen die Untoten verfügen. Unfreiwillig schließt sich noch der Transvestit Glenn der Gruppe an, aber zu echten Gegnern werden sie erst, als Martin entdeckt, dass er mit seinem ‚neuen‘ Arm die Toten erwecken kann. Glücklicherweise liegen in den Bergen noch die Leichen sowjetischer Partisanen um ihren wüsten Anführer Stavarin, der sich auch untot daran erinnert, dass es Herzog war, der ihn und seine Leute umgebracht hatte. So kommt es zum großen Finalkampf zwischen „Red“ und „Dead“ …

Fluch des Untods, Fluch des Erfolgs

2009 gelang dem norwegischen Regisseur (sowie Drehbuchautor, Produzent und Darsteller) Tommy Wirkola ein zwar erwünschter aber dennoch unerwarteter Erfolg: „Død snø“ – im skandinavischen Ausland „Dead Snow“ tituliert – wurde als wüste, politisch absolut unkorrekte Splatter-Komödie auch global oft und gern gesehen. Wirkola standen danach viele bisher verschlossene Türen offen. 2013 ereilte ihn sogar der Ruf aus Hollywood, wo Wirkola den Horror-Märchenfilm „Hansel & Gretel: Witch Hunters“ drehte, für den immerhin Schauspieler wie Jeremy Renner, Gemma Arterton, Famke Janssen und Peter Stormare vor die Kamera traten. Da dieser Film allein an den Kinokassen mehr als das Vierfache des Produktionsbudgets einspielte, konnte Wirkola seine Position im Filmgeschäft festigen.

Statt sich für „Hansel & Gretel 2“ anheuern zu lassen, kehrte er nach Norwegen zurück, wo er abermals die untoten Nazis um Oberst Herzog ihr Unwesen treiben ließ. Im Vergleich betrug das Budget von „Dead Snow 2“ zwar nur einen Bruchteil der Summe, die Wirkola in den USA hatte einsetzen können. Dafür entschädigte ihn eine Entscheidungsfreiheit, die er in Hollywood zu seinem Leidwesen nicht hatte beanspruchen können. Trotzdem floss US-Geld in den Produktionstopf, was sich zumindest in den Spezialeffekten niederschlug, die keinen Vergleich mit hochwertigem Privatfernsehen à la „The Walking Dead“ scheuen müssen.

Dennoch gab es eine Kröte zu schlucken – oder sogar deren drei: Damit „Dead Snow 2“ auch jenseits des Atlantiks vermarktet werden konnte, musste Wirkola drei US-Darsteller ins Geschehen integrieren. Dies erforderte von der Story eine Elastizität, die sie nicht besitzt. Folgerichtig wirkt der Handlungsstrang um drei plump nach der aktuellen Erfolgsserie „The Big Bang Theorie“ gezeichnete US-Nerds, die als „Zombie Squad“ nach Norwegen reisen, aufgesetzt und überflüssig. Zumindest zu Wirkolas Glück versendet sich das im Gesamtfilm.

Hauptsache lustig!

Schon „Dead Snow“ bot 2009 keine besonders stringente oder gar originelle Handlung. Dies war im Filmkonzept nicht vorgesehen. Im Vordergrund stand die Nummernrevue der Effekte. Immer wieder nennen Kritiker den neuseeländischen Splatter-Kultklassiker „Braindead“, den Peter Jackson 1992 inszenierte. Diese Blut-und-Eingeweide-Orgie wollen seither meist weniger fähige als ehrgeizige Epigonen überbieten. Gelungen ist es nie, weil „Braindead“ nicht nur vor Körpersäften trieft, sondern formal gelungen, inhaltlich flüssig erzählt sowie tatsächlich komisch ist: Qualitäten, die „Dead Snow 2“ noch stärker als „Dead Snow“ vermissen lässt.

Zumindest die genügsamen Zuschauer der „Hammer!“-Fraktion werden an dieser Stelle Einspruch erheben: Wozu braucht es eine Story, wenn mit aller Macht fröhlich geschnetzelt wird? Man will schließlich seinen Spaß haben! Darf und kann man, was „Dead Snow 2“ dennoch nicht zu einem Film aufwertet, den man mehr als einmal (oder überhaupt) gesehen haben muss.

Humor ist, wenn man trotzdem lacht: Selten trifft dieses verballhornte Sprichwort so punktgenau ins Schwarze. Für die Drehbuch-Trias Wirkola, Henriksen & Hoel ist primär witzig, was spätpubertäre oder wenigstens im Kopf junggebliebene Zuschauer jauchzen sowie Tugendwächter und -bolde schäumen lässt. Diese Klientel ist bekanntlich denkbar einfach zu reizen. Es reicht schon, politisch aufdringlich unkorrekt zu sein. Deshalb werden Mütter und Kinderwagen mit Granaten beschossen, Kinder im Sandkasten mit dem Panzer überrollt oder Rollstuhlfahrer in Stücke gehackt. Vielleicht ist es komisch; auf jeden Fall ist es nicht ernstgemeint. Selbst die deutsche FSK sah dies so und ließ für „Dead Snow 2“ die Schere im Halfter.

Tempo ist lebensnotwendig

Immer in Bewegung bleiben, lautet die Devise für Martin und seine Mitstreiter. Nicht nur die Zombies, sondern auch diverse Polizisten sind ihnen stets auf den Fersen. Das ist auch deshalb wichtig, weil die behauptete Tour-de-Force gnadenlos deutlich ins Straucheln gerät, sobald nicht mehr gemeuchelt wird. Vor allem im Mittelteil kommt Langeweile auf, wenn allzu maue Scherze die Fadenscheinigkeit der Story nicht verbergen können. Purer Klamauk drängt sich in den Vordergrund: Museumswächter und Kampfgenosse Glenn ist ein kunstvoll verschminkter Transvestit, Nerd-Frau Blake trägt eine Riesen-Brille, Monica äußert sich primär in „Star-Wars“-Zitaten. Endlos werden im Supermarkt Werkzeuge für den Zombie-Kampf gekauft, die später nie zum Einsatz kommen. Zwischendurch verschwinden die „Zombie-Schlächter“ gänzlich aus der Handlung und tauchen erst zum Finale wieder auf. Der unterbelichteten Polizei steht ein dauerfluchender Großkotz vor, der bei Gefahr umgehend untertaucht.

Generell wollen allzu viele Gags nicht zünden oder sind schlecht getimt. die Figuren flach, die Rollen schlecht geschrieben. Höchstens Vegar Hoel und Ørjan Gamst können so etwas wie schauspielerische Akzente setzen. Ansonsten toben Knallchargen. Manche Figur wird begründungslos aus heiterem Himmel eingeführt, um ein akutes Problem zu bewältigen: Wie kommt Martin aus dem Krankenhaus frei? Ein naseweiser Junge schleicht sich in sein bewachtes Zimmer! Kurz darauf bringt Martin seinen Helfer unabsichtlich um und das Publikum dadurch zum Lachen.

Meist wird – auch aus Kostengründen – außerhalb des Bildrandes gemordet. Schreiten die Zombies offen zur Tat, spritzt vor allem das digitale Blut mächtig. Im Grunde hat Wirkola schon im ersten Teil sein Pulver verschossen. Größer, blutiger, lächerlicher: Hat er diesen Dreisatz wirklich geplant? Wieder werden innere Organe zweckentfremdet. Ein siebzig Jahre alter „Tiger“-Panzer steht betriebsbereit und munitioniert vor dem Kriegsmuseum. Lacht tatsächlich noch jemand, wenn Polizeiautos niedergewalzt werden? Falls nicht, gibt es auch einen ‚netten‘ Zombie, der ständig erschlagen, verstümmelt und anderweitig ausradiert wird, bevor ihn Martin wieder auferstehen lässt. Der Grund? Es ist halt witzig, wie unser Zombie in Stücke zerrissen wird und trotzdem Faxen treibt!

Nicht stoppen, sondern auslaufen lassen!

„Red vs. Dead“ lautet der Untertitel. Der Klang stand hier vor dem Sinn, sind doch „die Roten“ genauso tot wie die Nazis. Wer meint, dass Stavarin und seine Horde relevant für das Geschehen sind, irrt sich. Sie werden erweckt, tauchen kurz auf und werden erneut niedergemacht. Die Handlung entlädt sich in einer unbeholfenen Kirchweih-Prügelei auf grünem Rasen; an den Bildrändern schwenken kostümierte Zombies erkennbar müde ihre Mordinstrumente.

Klischeetypisch läuft es auf ein Duell zwischen Martin und Herzog hinaus. Es wird mit Fäusten (!) ausgetragen, und zwischendurch geht der untote (!!) Nazi sogar zu Boden. Sein Ende soll wieder ulkig sein, wirkt aber höchstens durch den gut realisierten Digitaleffekt.

Ist jetzt Schluss? Die Geschichte ist jedenfalls erzählt, der Film geht noch viel zu lange weiter. Martin kann dank des implantierten Herzog-Arms ebenfalls Tote erwecken. Also fährt er nicht zur Gerichtsmedizin, sondern zum Friedhof, weil die erst am Vortag als Mordopfer entdeckte Freundin Hanna bereits feierlich begraben wurde, und lässt die Geliebte auferstehen, während auf der Tonspur „Total Eclipse of the Heart“ dröhnt, damit noch der Dümmste begreift, was diese Szene bekunden soll. Dann taucht der zerrupfte Zombie (s. o.) auf und sorgt für einen letzten Lacher, bevor die Schlusstitel anlaufen.

Zu früh gefreut! Es gibt noch eine letzte Szene, denn einen Oberst Herzog kann selbst ein mit der Panzerkanone von den Schultern geschossener Schädel nicht wirklich umbringen! Schließlich muss er spätestens für „Dead Snow 3“ wieder fit sein. Dazu könnte es kommen, denn ein Publikum, das global deutlich weniger kritisch (oder griesgrämig) als dieser Rezensent urteilte, sorgte erneut für beachtliche Einnahmen, was Wirkola darin bestärken dürfte, auch weiterhin auf grobschlächtigen Schmalspur-Schmunzel zu setzen.

DVD-Features

Zum Hauptfilm werden bis auf eine Ausnahme interessante Extras präsentiert: Einer kaum zweiminütigen (und sinnarmen) Aneinanderreihung digital realisierter Spezialeffekte („VFX Breakdown”) folgen keine als „Making-of“ oder „Interview“ getarnte Pseudo-Werbung, sondern zwei Kurzfilme.

Für den „Norsk rikskringkasting“ – den „Norwegischen Reichsrundfunk“ – produzierte Tommy Wirkola 2012 die siebenteilige TV-Serie „Hellfjord“, eine makaber-morbide Mischung aus Mystery, Krimi und Komödie, für die er mit den alten Weggefährten Zahid Ali und Stig Frode Henriksen auch die Drehbücher verfasste. Auf die „Dead-Snow-2“-Scheibe wurde die erste Folge gebrannt.

Ebenfalls zu sehen ist das von der armenischen Regisseurin Shaghig „Sherry“ Toukhmanian Festekjian 2008 inszenierte, nur vierzehnminütige Kurz-Drama „Armen“, das von einem Überlebenden des türkischen Völkermordes an den Armeniern (1915) erzählt, der auch dem Holocaust der Nazis entkommt und daran zu zerbrechen droht; „Dead Snow 2“ ist ein denkbar unpassendes Umfeld für diesen Film, der auf diese Weise immerhin eine Veröffentlichung erfährt.

Das „Limited Steelbook“ enthält zur Blu-ray zusätzlich ein 28-seitiges (und englischsprachiges) Comic-Booklet zum ersten „Dead-Snow“-Film sowie eine Postkarte.

Kurzinfo für Ungeduldige: Nazi-Oberst Herzog will 70 Jahre nach seinem Tod einen von Hitler befohlenen Rache-Feldzug vollenden. Der einarmige Martin und ein Grüppchen Möchtegern-Zombiejäger rekrutieren untote Sowjet-Soldaten, um Herzogs Gruseltruppe aufzuhalten … – Die Fortsetzung eines unerwarteten Überraschungserfolges hat keine echte Story, ärgert durch flache Figuren & entsprechende Witze und will dies durch Höllentempo, Hysterie und überspitzten Splatter ausgleichen: freigegeben hierzulande erst ab 18, obwohl unterhaltungstauglich eher für Hirne unterhalb dieser Altersgrenze.

[md]

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