DeadHeads

Originaltitel: DeadHeads (USA 2011)
Regie/Drehbuch: Brett Pierce u. Drew T. Pierce
Kamera: Robert Toth
Schnitt: Kevin O’Brien
Musik: Devin Burrows
Darsteller: Michael McKiddy (Mike Kellerman), Ross Kidder (Brent Guthrie), Markus Taylor (Cheese), Thomas Galasso (Thomas Jeremiah), Natalie Victoria (Ellie Masterson), Eden Malyn (Emily), Benjamin Webster (McDinkle), Greg Dow (Gillman), Harry Burkey (Cliff), Leonard Kelly-Young (Charles) uva.
Label/Vertrieb: Splendid Film
Erscheinungsdatum: 25.11.2011 (DVD/Blu-ray)
EAN: 4013549875363 (DVD) bzw. 4013549275361 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch, Niederländisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 95 min.
FSK: 16

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Das geschieht:

Als Mike Kellerman mit heftigem Kopfweh erwacht, findet er sich in einem Truck sowie in einem Leichensack wieder. Der Truck ist nach einem Unfall liegengeblieben, die Türen sind aufgesprungen und entlassen ihre Fracht: Mike und andere Zombies, die umgehend ausschwärmen und hungrig die Lebenden heimsuchen.

Anders als seine Leidensgefährten hat Mike zwar Leben und Gedächtnis verloren, seinen Verstand jedoch behalten. Kurz darauf stößt er auf den ebenfalls nicht verdummten Brent, der sich bereits an seinen Zustand gewöhnt hat, während Mike noch an seinem Untod zweifelt, bis ihn eine folgenlos überstandene Schrotladung in den Unterleib eines Besseren belehrt.

Mike hat keine Ahnung, wie er drei Jahre zuvor zu Tode kam. Woran er sich allerdings erinnert, ist der Heiratsantrag, den er der schon seit Schultagen geliebten Ellie endlich hatte machen wollen. Von Brent ermuntert, will er Ellie besuchen und ihr erklären, wieso er damals so plötzlich verschwand.

Die Flucht der Zombies kommt der für ihre Existenz verantwortlichen Organisation höchst ungelegen, denn von den nicht nur geheimen, sondern auch ungesetzlichen Menschenversuchen soll tunlichst niemand erfahren. Also schickt Firmenchef Charlie Zombie-Jäger wie den psychopathischen McDinkle, seinen tumben Kumpanen Gillman und den Ex-Sträfling Thomas Jeremiah aus, die sowohl die Untoten als auch die von ihnen gebissenen und infizierten Pechvögel fangen oder ausschalten sollen.

Mike, Brent und ihr neuer Gefährte, der riesenhafte Zombie „Cheese“, können nur auf die Unterstützung des Rentners und Vietnam-Veteranen Cliff rechnen, während sie versuchen, Ellies Heimatort zu erreichen, wo schließlich sämtliche toten und lebenden Beteiligten dieser Geschichte folgenschwer aufeinander treffen …

Tod allein ist nicht witzig

Humor ist ein seltenes, zwar vielfach definiertes und doch flüchtiges Phänomen. Selbst wer ihn zu besitzen glaubt, darf keineswegs sicher sein, dass die eigene Interpretation vom Mitmenschen geteilt wird. Worüber der eine sich buchstäblich schieflachen kann, sorgt beim anderen womöglich für angewidert nach unten gezogene Mundwinkel.

Alter und Alkohol scheinen zwei der Faktoren zu sein, die den Humor bzw. das Verständnis von Humor bestimmen. Grob gesprochen sind es vor allem jüngere Zeitgenossen, die es urkomisch finden, wenn Kleidung verloren geht oder Körperflüssigkeiten verspritzt werden. In Filmen wie „DeadHeads“ wird diese Palette des eher handfesten Witzes durch axtgespaltene Zombie-Hälse, die Ausdärmung schreiender Menschenopfer oder den reißverschlussverursachten Verlust untoter Geschlechtsteile ergänzt. Weitere Merkmale für den ‚jungen‘, schlichten Witz sind Lautstärke, dröhnender Billig-Hard-Rock, grimassierende Darsteller und schlechte Zitate aus älteren, meist deutlich besser gelungenen Filmen.

Womit „DeadHeads“ seine Kategorie-Schublade gefunden haben dürfte, denn die genannten Merkmale lassen sich hier sämtlich und ausgiebig finden. Zumindest die deutsche Werbung steigt voll darauf ein und meint ihre Klientel so ansprechen und locken zu können: „‚Shaun of the Dead‘ meets ‚Hangover‘“. Wer sich auf solches Whistleblowing verlässt und erwartungsvoll zugreift, könnte allerdings in Sachen Unterhaltung eine Bruchlandung erleben: Die genannten Filme waren grob, peinlich, gemein – und wahnsinnig komisch. „DeadHeads“ erfüllt höchstens die ersten beiden Bedingungen.

Theoretisch richtig, praktisch verbockt

Dabei haben die Brüder Brett und Drew Pierce – gemeinsam verantwortlich für Buch und Regie – ihre Hausaufgaben durchaus gemacht. „DeadHeads“ ist ein trotz aller Budgetschwächen kompetent in Szene gesetzter Film. Die Kamera liefert klare Bilder, die Anschlüsse stimmen, und zumindest in den Hauptrollen sieht man keine Amateure, sondern richtige Schauspieler.

Zum Stolperstein wird Piercesches Unvermögen an anderer, leider entscheidender Stelle. Eine ‚gute‘ Komödie bietet nicht nur ein möglichst dichtes Trommelfeuer aus Scherzen. Diese sollten in eine echte Geschichte eingebettet sein, die sie ohnehin nicht ersetzen können. Nicht zwangsläufig erforderlich aber bei korrekter Anwendung den Filmgenuss unterstützend wirken emotionale Intermezzos; schon Charles Chaplin hat bewiesen, dass sich Humor und Dramatik gut ergänzen.

Also beißen & flüchten Mike, Brent und Cheese nicht ziellos bzw. auf der Jagd nach dem nächsten Gag durch die US-Provinz. Sie haben eine Mission, die Minne heißt und den Aufwand wert ist, den unsere untoten Helden dafür treiben. Zumindest Mike muss zudem lernen, sich mit seinem Zombietum zu arrangieren. Die Idee, lebende Tote wenigstens in den Hauptrollen in redselige Figuren zu verwandeln, ist zwar nicht neu, bietet aber dem Zuschauer die Möglichkeit, Mike, Brent und sogar Cheese sympathisch zu finden und an ihren Schicksalen Anteil zu nehmen.

Dieses Miteinander von Handlung & Komik funktioniert freilich nicht, wenn dem Drehbuch für einen mehr als neunzigminütigen Film nur ein Quantum von Einfällen für höchstens die halbe Laufzeit zugrundeliegt. Nicht einmal bis Minute 45 geht es spannend oder gar komisch zu; von Anfang an geht „DeadHeads“ immer wieder die Luft aus, werden ohnehin weder dramatische noch witzige Szenen in die Länge gezogen, irrt die Handlung ziellos bis zum nächsten Einfall. Das Finale offenbart völlige Ratlosigkeit; was hier geschieht, bietet empörend zahlreiche Gründe zum Fremdschämen, Ärgern und Schimpfen.

Wieso reden, wenn man auch brüllen kann?

„Die nackte Kanone“, eine der besten modernen Slapstick-Komödien, funktioniert nicht nur trotz der albernen oder aufgrund der manchmal genialen Gags so hervorragend. Regisseur und Darsteller haben außerdem verinnerlicht, dass Witze am hellsten zünden, wenn sie im Brustton völliger Ernsthaftigkeit sowie mit unbewegter Miene präsentiert werden.

Fratzenschneider sind besser im Zirkus aufgehoben, wo diese Art des Humors seine ideale Heimat hat, weil er sich direkt vom Clown auf das personaliter anwesende Publikum übertragen kann. Im Film sorgt wildes Grimassieren schnell für Ermüdung und dann Ärger, weil der Zuschauer rasch merkt, dass er mit einem für das Medium nur bedingt geeigneten Mittel zum Lachen gebracht werden soll.

Gleich ein ganzes Rudel „DeadHeads“ fährt auf dieser Schiene. Michael McKiddy und noch mehr Ross Kidder schreien und fuchteln mit den Armen, um die Absurdität ihrer Situation zu unterstreichen; sie müssen es, da das, was sie uns dabei sagen und zeigen, definitiv nicht lustig ist und sie außerdem – obwohl Identifikationsfiguren – keine Sympathie, sondern höchstens den Wunsch wecken, ihnen die wahrscheinlich schon zu Lebzeiten leeren Loser-Schädel zu zerschmettern. Völlige Karikaturen bieten der manisch chargierende Benjamin Webster und Eden Malyn, wobei letztere zu allem Überfluss für das Geschehen ohne jede Bedeutung ist und ihre Dummchen-Klischees ins Handlungsleere mimt.

Markus Taylor spricht als Zombie Cheese nur zwei Worte und gibt ansonsten eine Art untoten Wookie; es soll witzig sein, dass er ständig daran gehindert werden muss, Menschen zu verspeisen. Thomas Galasso ist eine anstrengend ‚ulkige‘ Kopie des schwarzen Zombie-Kämpfers Ben aus George A. Romeros Grusel-Klassiker „Night of the Living Dead“ (1968). Harry Burkey als Vietnam-Opa Cliff drückt statt auf die Tränendrüse auf den Brechreiz-Auslöser des Zuschauers. Noch am besten zieht sich Leonard Kelly-Young aus der Affäre; er hat in unzähligen, oft obskuren Filmen und TV-Serien mitgespielt und zieht seine flache, miserabel unterfütterte Bösewicht-Rolle (Charlie ist nicht nur Chef der Zombie-Fabrik, sondern auch Ellies Vater UND Mikes Mörder – also bitte!) einfach durch, ohne dem Klamottenkomiker-Affen Zucker zu geben.

Lasst Waffen sprechen

Zombies ‚leben‘ gefährlich: Fortschreitende Verwesung lässt sie in Stücke fallen, was sich durch den Einsatz von Hieb- und Schusswaffen unterstützen lässt. Entsprechende Effekte werden vom Zielpublikum geliebt, während vor allem die deutsche Zensur entsprechendes Filmgut misstrauisch auf menschenverachtende und sittlich verrohende Aspekte überprüft. In der Regel wird man fündig und setzt die Schere an. „DeadHeads“ blieb ungeschoren und wird sogar ab 16 Jahren freigegeben, obwohl es hin und wieder drastisch & blutreich zur Sache geht. Aber dies ist ja eine Komödie, und Zombies sind keine ‚richtigen‘ Menschen, weshalb man sie – so funktioniert wohl Zensoren-Logik – ungestört zerschnetzeln darf.

Zudem sind die Spezialeffekte nicht nur zahlenarm, sondern meist auch recht ärmlich. Das gilt beispielsweise für die Zombie-Masken von Mike und Brent, die sich auf einige Schminkspuren und Farbschichten im Gesicht beschränken, während die Hände kostensparend nur auf den Oberseiten ‚zombiefiziert‘ wurden. Mike fällt manchmal ein Arm ab, Cheese zweckentfremdet seine Gedärme als Rettungsleine, Brent nagelt Mikes Hand an einen Fensterrahmen: In der Regel ist es solche niedrigvoltige Körper-Komik, die für Brou-har-har-Ausbrüche sorgen soll.

Einige nicht nur gelungene, sondern auch konsequente Splattereien verstärken das nie bewältigte Problem, zwischen Horror und Komödie eine sichere Linie zu fahren, statt kurslos hin und her zu schlingern. „DeadHeads“ ist einer jener Filme, die den Grund ihres Scheiterns schon im Titel tragen: Wie wäre er geworden, wenn die Zombies nur vor und nicht auch hinter der Kamera das Sagen gehabt hätten? (Vielleicht so etwas wie „Tucker & Dale vs. Evil“, aber das ist eine andere und bessere Geschichte …)

DVD-Features

Besonders viel Vertrauen scheint selbst das herausgebende Label nicht in diesen Film zu haben: Bonusmaterial gibt es nicht. Dabei hätte man sich über die üblichen Lügen der vertraglich zum ‚Interview‘ verpflichteten „DeadHeads“-Beteiligten womöglich intensiver amüsiert als über den Hauptfilm. Außerdem hätte man Impressionen vom „Frightfest London 2011“ oder einem der anderen Festivals zeigen können, auf denen „DeadHeads“ präsentiert wurde und & wo nach vielen Stunden exzessiven Horror-Trashes und ausgiebigen Biergenusses ein selig grölendes Publikum jeden Film brillant findet.

[md]

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