Demon Days – Im Bann der Dämonen

Originaltitel: They Wait (Kanada 2007)
Regie: Ernie Barbarash
Drehbuch: Trevor Markwart, Carl Bessai u. Doug Taylor
Kamera: Gregory Middleton
Schnitt: Lisa Jane Robison
Musik: Hal Foxton Beckett
Darsteller: Jaime King (Sarah), Terry Chen (Jason), Regan Oey (Sammy), Cheng Pei Pei (Tante Mei), Henry O (Apotheker), Colin Foo (Raymond), Donald Fong (Ben), Chang Tseng (Xiang), Michael Biehn (Blake O’Connell), Vicky Huang (Shen), Paul Wu (junger Raymond), Maggie Ma (junge Mei), Nelson Wong (junger Ben), Vincent Tong (junger Xiang) u. a.
Label/Vertrieb: Splendid Film
Erscheinungsdatum: 19.03.2008 (DVD)
EAN: 4013549572828
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 85 min.
FSK: 18

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Das geschieht:

Nachdem Jason, Gattin Sarah und Söhnchen Sammy die letzten Jahre im chinesischen Shanghai lebten, ruft sie ein Anruf zurück in die heimatlichen USA. Jasons Onkel Raymond, der ihn an Vaters statt großzog, ist bei einem Jagdausflug ums Leben gekommen. Zur Beerdigung und um seiner Tante Mei beizustehen, fliegt Jason mit der Familie nach Nordamerika.

Dort beginnt Sammy buchstäblich Gespenster zu sehen; er besitzt das „zweite Gesicht“. Da nach chinesischem Glauben just der „Monat der hungrigen Geister“ begonnen hat, ist die Grenze zum Jenseits derzeit mürbe. Zornige Spukgestalten, die offenbar mit Onkel Raymond, dessen Bruder Ben, Tante Mei und dem gemeinsamen Geschäftspartner Xiang eine Rechnung offen haben, nutzen dies, um über Sammy ins Diesseits vorzudringen.

Ein alter chinesischer Apotheker, der sich mit Geistern auskennt, bietet Sarah, die selbst latent seherisch begabt ist, seine Hilfe an. Sarah soll nachforschen, was die Geister auf den Plan rief. Ben, Mei, Raymond und Xiang haben einst die Gebeine chinesischer Einwanderer exhumieren und nach China transportieren lassen, wo sie in Heimaterde ruhen konnten – ein Privileg, das sich die betroffenen Familie viel Geld kosten ließen. Doch dieses Geschäft betreibt man schon seit vierzig Jahren nicht mehr.

Was kann es also sein, das die Geister so erbost? Jetzt fahren sie in den kleinen Sam und lassen ihn ins Koma fallen; mit seinem Ableben ist stündlich zu rechnen. Verzweifelt stimmt Sarah einem gefährliches Plan zu: Mit der Unterstützung des Apothekers verschafft sie sich Einlass ins Jenseits, um dort für ihren Sohn zu kämpfen. Dort warten allerdings nicht nur Geister, sondern auch Dämonen auf sie. Auch in der realen Welt geraten Sarah und Sammy in Bedrängnis, denn Jasons Familie hegt einige Geheimnisse, die sie um keinen Preis aufgedeckt wissen will …

Einfacher Spuk im exotischen Ambiente

Seit vielen Jahrzehnten funktioniert die nordamerikanische Filmindustrie auch deshalb so prächtig, weil sie unerschrocken (und dreist) ausländisches Ideengut, das auf dem heimischen Markt funktionieren könnte, ‚adaptiert‘ und dabei Filmgeschichten, die auf fremden Kontinenten entstanden, nachdrehen und dabei auf den US-amerikanischen Geschmack herunter brechen lässt.

Der Horrorfilm bezieht seit den späten 1990er Jahren eine Art Bluttransfusion aus Asien, wo es diverse Ringe, Flüche u. a. Spukerscheinungen zu weltweiten Erfolgen gebracht haben. Mit „Demon Days“ gehen Regisseur Ernie Barbarash und seine drei Drehbuchautoren einen Schritt weiter: „Asia Horror“ ist längst ein Qualitätsmerkmal geworden, das sich verselbstständigt hat. Warum also nicht Formeln und Formen übernehmen, um ansonsten ein gänzlich heimisches Produkt darum zu stricken? Also ist „Demon Days“ ein Film, der im chinesischen Migranten-Milieu spielt und nur in der weiblichen Hauptrolle einen nordamerikanischen Darsteller ausweist, obwohl es keine asiatische Vorlage gibt, die Geschichte in den USA ausgebrütet und in Kanada gedreht wurde.

Siehe da, es funktioniert – wieso auch nicht, da es auf die Authentizität der präsentierten Riten und Glaubensvorstellungen letztlich nicht ankommt. „Demon Days“ erzählt eine Gruselgeschichte. Sie soll ausschließlich unterhalten. Ein wenig zusätzliche Exotik kann nicht schaden. Dabei ist der asiatische Background unnötig; über das, was hier an Unrecht geschah, wären US-Geister ebenso sauer.

Altes Unrecht will nicht begraben bleiben

Trotz der Bemühungen gleich dreier Drehbuchautoren bietet „Demon Days“ wahrlich keine komplexe Story. Jede Handlungswendung ahnt selbst der nur leidlich genrefeste Zuschauer sicher voraus. Nüchtern beurteilt bietet „Demon Days“ ein „Best of“ des „Asia Horrors“ der letzten Jahre. Da die dabei gewählten Elemente funktionieren und die Mischung gelingt, kann sich das Ergebnis sehen lassen.

Da die Geschichte trägt, kann sich Barbarash darauf konzentrieren, sie möglichst publikumswirksam umzusetzen. Diese Chance nimmt er erfreulich intensiv wahr: Obwohl „Demon Days“ eine Produktion mit schmalem Budget ist, wird dies nur in den (glücklicherweise seltenen) Momenten offenbar, wenn erbärmliche CGI-‚Effekte‘ den Betrachter zum Fremdschämen reizen.

Vortrefflich unterstützt von seinem Kameramann Gregory Middleton, ringt Barbarash den eher kargen Kulissen beachtliche Schauwerte ab. Vor allem die aufgelassene Textilfabrik hinterlässt (abzüglich der üblichen Übertreibungen durch Spinnweben-Schwaden, die sich nur Hollywood-Spinnen aus den Hinterteilen wringen können) echten Grusel, der durch eigentlich schlichte aber geschickt gesetzte Lichteffekte sowie einen ‚richtigen‘, sogar orchestralen Gruselfilm-Score unterstrichen wird.

Schauspieler statt Fratzenschneider

Mit sicherer Hand wählte Barbarash Darsteller, die glaubhaft in ihren Rollen aufgehen, obwohl diese nur Klischeebündel darstellen. Wieder einmal sind es keine teuren Star-Schauspieler, die vor die Kamera treten, sondern routinierte Darsteller, die meist im Fernsehen und dort in Nebenrollen auftreten. Sie verstehen ihren Job – denn mehr ist der Auftritt in einem Film wie diesem nicht – und sind außerdem so unbekannt, dass sie als Figuren überzeugen. (Eine Ausnahme irritiert: Was hat Michael Biehn in einer völlig überflüssigen Mini-Nebenrolle verloren? Steht es inzwischen so schlecht um seine Karriere? Immerhin hat er einst den ersten „Terminator“ bekämpft!)

Im Zentrum steht Jaime King, die als rasendes Muttertier Tod & Teufel trotzt und dennoch nicht komisch wirkt. Stets asiatisch lächelnd und gerade dadurch demonstrierend, dass sie etwas zu verbergen haben, sorgen Cheng Pei Pei und Donald Fong für das Element menschlicher Verdorbenheit, das wie üblich die Bosheit der Geister weit in den Schatten stellt. Eine echte und sehr angenehme Überraschung ist Regan Oey: Gerade in Horrorfilmen können Kinder eine echte Zuschauerplage sein. Faule Autoren beschränken sich gern darauf, sie in Lebensgefahr zu bringen, weil sie glauben, damit die Spannung zu steigern. Außerdem sind die jungen Darsteller ihren Rollenanforderungen oft nicht gewachsen; vor allem in Hollywood sehen sie vor allem niedlich aus.

Regan Oey ist entweder schon Schauspieler oder ein Naturtalent: Er verzieht kaum eine Miene, doch sein Gesicht spiegelt Emotionen und Gedankengänge wider. In seiner Figur wird das größte Plus des US-gefilterten „Asia Horrors“ deutlich: Vollständig entfällt das im asiatischen Film typische Overacting. ‚Große Gefühle‘ werden dort durch entsprechende Gesten sowie drastisch in die Länge gezogene emotionale Ausbrüche dargestellt oder besser: zelebriert, was dem westlichen Zuschauer nicht nur fremd, sondern auch lächerlich vorkommt und Gruselstimmung nachhaltig zerstören kann.

Einen Fluch auf diese Tricktechniker!

Apropos Zerstörung: Wo grub man im Produktionsjahr 2007 bloß Spezialeffekt-Spezialisten auf, die anscheinend zuletzt im Stummfilm gearbeitet hatten? Zum Glück ist „Demon Days“ kein Film, der auf solche Elemente setzt. In der Regel kommen gute, alte und bei korrektem Einsatz immer noch sehr überzeugende handgemachte Tricks zum Einsatz. Auch Licht & Schatten sorgen im Bund mit der geschickt stimulierten Einbildungskraft des Zuschauers für die notwendige Geisterstimmung.

Zwar wird anfänglich dem armen Onkel Raymond das Bein in einer Bärenfalle zerschmettert, und später spaltet ein Fleischerbeil einen Frauenschädel. Dennoch ist „Demon Days“ in Sachen Blut & Gewölle vergleichsweise zurückhaltend. Tatsächlich wurde der Film in Deutschland ab 16 Jahren freigegeben. Erst aufgespielte Trailer machten das in Horror-Kreises als Qualitätsmerkmal betrachtete „Ab-18“-Prädikat erforderlich; ein (wie auch der dämliche, irreführend Gewalt-Action suggerierende deutsche Titel) gern eingesetzter und kostenloser aber nichtsdestotrotz schäbiger Verkaufstrick. „Demon Days“ ist ein Film, der nicht zu Begeisterungsstürmen hinreißt, aber anderthalb Stunden unterhalten kann. Gilt das heutzutage als Risikofaktor, der durch faule Vermarktungstricks abgemildert werden muss?

DVD-Features

„Demons Days“ erschien ‚nur‘ auf DVD. Der nach dem Hauptfilm verbleibende Speicherplatz wurde mit Trailern gefüllt. Hintergrundinfos gibt es nicht; ein Film wie dieser braucht sie freilich auch nicht unbedingt.

[md]

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