Demonic – Haus des Horrors

Originaltitel: Demonic (USA 2015)
Regie: Will Canon
Drehbuch: Max La Bella, Doug Simon u. Will Canon
Kamera: Michael Fimognari
Schnitt: Josh Schaeffer
Musik: Dan Marocco
Darsteller: Frank Grillo (Detective Mark Lewis), Maria Bello (Dr. Elizabeth Klein), Cody Horn (Michelle), Dustin Milligan (John), Megan Park (Jules), Scott Mechlowicz (Bryan), Aaron Yoo (Donnie), Tyson Sullivan (Luke Elton), Alex Goode (Sam), Ashton Leigh (Sara Mathews), Terence Rosemore (Jenkins), Jesse Steccato (Peter), Meyer DeLeeuw (Henry) u. a.
Label: Tiberius Film
Vertrieb: Sunfilm Entertainment
Erscheinungsdatum: 05.11.2015
EAN: 4041658229401 (DVD)/4041658299404 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,40 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 80 min. (Blu-ray: 83 min.)
FSK: 16

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Das geschieht:

Der fischmäulige John leidet unter Visionen, in denen ihn die kürzlich verstorbene Mutter Sara heimsucht. Sie geistert offenbar im Hinterland des US-Staates Louisiana und dort in den morschen Wänden des berüchtigten Livingston-Hauses umher. Es gewann seinen zweifelhaften Ruhm, als 1988 die damalige Eigentümerin fünf Freunde einlud, von denen sie vier offenbar im Rahmen eines obskuren satanischen Rituals mit der Axt zerlegte. Nur Sara entkam, litt aber ihr Leben lang unter den Folgen dieses Erlebnisses, das sie auch im Jenseits nicht loslässt.

Glücklicherweise kennt John vier halbprofessionelle Geisterjäger, die gern bereit sind, diesem Garn auf den Grund zu gehen. Dass die hübsche Michelle zu ihnen gehört, erfreut den ansonsten notorisch mürrischen John, denn sie ist seine Lebensgefährtin. Leider ist auch Bryan, Michelles Ex, Teil der Gruppe. Er reibt John gern das einstige Glück unter die schütterschnauzbartgestützte Nase, sodass die Stimmung bereits gereizt ist, bevor man im Livingston-Haus Kameras und Messinstrumente aufbaut.

Die Beschwörung der Hausgeister durch Möchtegern-Medium Jules funktioniert besser als erwartet: Schon bald geht es in den Zimmern und Fluren mächtig um. Möbel und Einrichtungsgegenstände nehmen ein Eigenleben an, bevor die Geister – im Haus spukt keineswegs nur Mutter Sara – handgreiflich vorgehen. Türen und Fenster werden jenseitig verriegelt, dann kreist erneut die Axt. Der Gefechtslärm alarmiert die ferne Nachbarschaft. Kurz darauf peilt Detective Mark Lewis die Lage. Er findet zwei Leichen und den bewusstlosen John im Inneren des Hauses. Bryan und Michelle sind verschwunden.

Wer ist Täter, wer Opfer? Lewis holt seine Freundin, die Psychologin Elizabeth Klein, an den Tatort. Sie soll John, der Gedächtnislücken vorgibt, aushorchen, um auf diese Weise den Mordhergang zu klären. Gleichzeitig läuft die Fahndung bzw. Suche nach den beiden Verschwundenen. Während sich John allmählich erinnert, setzen die Geister des Livingston-Hauses zum Sturm auf die Neuankömmlinge an …

Es spukt, aber keinen interessiert’s wirklich

Ruhm ist vergänglich: Selten trifft dieser knappe Spruch so folgenschwer ins Schwarze wie in der Filmwelt. Einfälle sind rar, und selbst wenn sie sich einstellen, kommt der Erfolg keineswegs automatisch. Deshalb werden Ideen, die einmal ihr Publikum gefunden haben, gnadenlos wiederholt, bis sich endlich auch der letzte Fan voller Grausen und Wut abwendet. Erst dann wird die nächste Plot-Sau durchs Film-Dorf getrieben.

James Wan galt vor gar nicht so langer Zeit als Erneuerer des Horror-Genres. Nicht nur die Kritik, sondern auch die dem beinharten Metzel-Grusel eher abholde Fraktion der Zuschauer registrierten erfreut die Werke eines Mannes, der zwar für die „Saw“-Schachtplatten mitverantwortlich war, daneben und zunehmend öfter jedoch auf leise Töne, angedeuteten Schrecken und intakt bleibende Körper setzte.

Diesen Weg beschritt Wan ebenso zielstrebig wie erfolgreich, wobei er die inhaltliche und formale Mixtur laufend verfeinerte, was realiter bedeutete, dass er Ecken und Kanten abschliff, sich auf publikumsbewährte Schreckeffekte konzentrierte und dabei allmählich zum Mainstream-Horror übelster, d. h. simpelster Machart wechselte. Die traurigen Ergebnisse hießen „Insidious“ und „The Conjuring“: Als-ob-Grusel, der sofort in Serie ging, da er niemanden erschrecken oder gar verstören konnte. Bald inszenierte Wan entsprechende Fortsetzungen oder Spin-offs nicht mehr selbst. Er nannte sich „Produzent“ und ließ das Fließband nunmehr andere bedienen.

Reihenhaus-Siedlung des Schreckens

Für Will Canon wurde „Demonic“ nach fünfjähriger Pause der zweite Spielfilm. Man muss davon ausgehen, dass er es satt war, tatenlos herumzusitzen, und lieber irgendeinen Film statt Däumchen drehte. Canon Talent als Filmemacher darf und sollte man jedenfalls nicht nach „Demonic“ beurteilen, obwohl er am Drehbuch mitgeschwurbelt hat: Dies ist ein typisches Massenprodukt der Wan-Fabrik.

Routine à la Hollywood muss keineswegs eine Zumutung sein. Mehr als ein Jahrhundert Kino und TV haben eine Unzahl von Genrefilmen hervorgebracht, die niemals innovativ aber trotzdem unterhaltsam sind. Es gibt Möglichkeiten, das Bekannte zu variieren, es gegen den Strich zu bürsten oder wenigstens durch fähige Schauspieler und gute Effekte mit Leben zu füllen. „Demonic“ versagt in jedem dieser Punkte kläglich.

Nicht einmal die Story kann dem Untergang trotzen, obwohl die Geschichte vom Haus, in dem es spukt, schon vor dem Kino ein populärkultureller Dauerbrenner war. Wen wundert’s: „Mein Heim ist meine Burg“, lautet ein wohl in allen Sprachen präsentes Sprichwort. Weil man sich außerhalb der eigenen Mauern vom Chef und von anderen zweifelhaften Autoritäten ständig sagen lassen muss, was man zu tun und zu lassen hat, will man wenigstens daheim seine Ruhe haben und abschalten können. Wenn es dort buchstäblich umgeht, degeneriert der Ort der Zuflucht und der Entspannung zur weiteren Alltagsfront.

Hauptsache laut und irgendwie unheimlich

Die Drehbuch-Trias La Bella, Simon & Canon sucht die Abwechslung ausgerecht in der Negierung der altbekannten Tatsache, dass man eine Geistergeschichte langsam angehen muss. Statt die Möglichkeit zu nutzen, Spannung aufzubauen, fürchten sie wohl eine Handlungsleere, die zumindest die Publikumsfraktion mit fruchtfliegengleicher Konzentrationsfähigkeit langweilen und in die Flucht treiben könnte. Also wird erstens dem Spuk eine ebenso tumbe wie krude Vorgeschichte angeflanscht, die eines der aktuellen Opfer in einen abenteuerlichen Zusammenhang mit dem Livingston-Haus bringt. Das wird zudem zäh in die Länge gezogen, obwohl das gelüftete Geheimnis vor allem uninteressant ist.

Zweitens erzählt Canon seine Geschichte zunächst auf zwei Zeitebenen. In die Gegenwart – Detective Lewis entdeckt das Haus der Leichen – schneidet er immer wieder Rückblenden ein, die unsere fünf Geisterjäger vor und während ihrer Expedition zeigen. Weil sie alle mit Kameras förmlich gespickt sind, malträtiert uns Canon zu allem Überfluss mit ausgiebigen „Found-Footage“-Sequenzen. Sie sollen primär der Einführung der Figuren dienen, die aber vor der subjektiven Kamera nur bekannt pubertäre Faxen treiben.

Irgendwann fließen die Ebenen zusammen, und die Handlung gerinnt zu ihrem eigentlichen Format: Sie wird eindimensional. An dieser Stelle soll nicht verraten werden, welchen Plan das im Livingston-Haus lauernde Böse verfolgt, doch eines darf und muss gesagt werden: Er ist von dämonischer Dämlichkeit – und so simpel, dass die Begriffsstutzigkeit der ermittelnden Polizei sogar einleuchtet: Wer würde dem Teufel solches Schmalspurdenken unterstellen?

Drehen, kassieren, vergessen

Für „Demonic“ wurden 3 Mio. Dollar ausgegeben. Das ist heutzutage ein Taschengeld aber mehr, als vielen unabhängigen Produktionen zur Verfügung steht. Handwerklich kann man dem Team hinter der Kamera keine Vorwürfe machen; hier wird das weiter oben erwähnte Hollywood-Knowhow tatsächlich unter Beweis gestellt. Gedreht wurde in Baton Rouge und somit tatsächlich in Lousiana, obwohl es keinerlei echten Lokalbezug gibt. Das Livingston-Haus ist außen und vor allem innen gebührend unheimlich verkommen, und selbst die kargen Spukeffekte – dazu gleich mehr – lassen sich anschauen.

Mit ein bisschen gutem Willen – oder besser noch: einigen Ideen – hätte sich daraus ein stimmungsvolles Garn stricken lassen. Dies verhindert nicht nur die sprunghafte Doppelzügigkeit des Geschehens, die selbst Anflüge potenziellen Schauders in Nichts zerstieben lässt, sondern auch die plumpe Drastik, mit der sich der Spuk schließlich materialisiert. Da werden Türen und dann Darsteller geworfen, schnaufen nur mit der Infrarotkamera sichtbare Phantome in die Mikrofone, glotzt die friedhofsverwitterte Fratze der früheren Hauseigentümerin um die Ecke. Selbstverständlich geschieht dies stets unter plötzlichem Anschwellen der Hintergrundmusik, was verständlich ist, da der behauptete Schrecken sonst höchstens Schulterzucken hervorrufen würde.

Echtes Elend kommt auf, sobald man die Darsteller eine Weile bei ihrer Arbeit beobachtet hat: Wir können die verkörperten Figuren von Anfang an nicht leiden, und das ändert sich in keinem Fall. Frank Grillo mimt einen harten Cop, der für den Täter hält, wer noch lebendig am Tatort angetroffen wird. Seine Verhörmethoden sind ein schlechter Witz, die Ermittlungen werden von Eingebungen gesteuert; hysterisches Gebrüll und hektisches Umherspringen im und um das Geisterhaus kündigen diese jeweils an.

Ein Ende ohne Schrecken

Die Geisterjäger sind weniger eine Gruppe als lästiges Pack. Vom weinerlichen John mit seinen Kabeljaulippen haben wir schon gehört. Er ist entweder eifersüchtig oder beleidigt. Obwohl ungemein geschwätzig, verheimlicht er seinen Gefährten exakt die wenigen wichtigen Kenntnisse, die er in seinem Spatzenhirn hortet. Scott Mechlowicz gibt das Arschloch, dessen Karrieresucht keine Sekunde überzeugt: Mit solchen Trotteln will der angeblich so smarte Menschen-Manipulator zum König des Spuk-Infotainments aufsteigen? Cody Horn ist eigentlich nur hübsch sowie präsent. Das gilt auch für Megan Park und – minus hübsch – erst recht für Aaron Yoo.

Ratlos und traurig stimmt der Auftritt einer echten Schauspielerin wie Maria Bello. Sie hatte offenkundig ein paar Tage drehfrei bzw. benötigte noch ein paar Dollar für Winterreifen oder ähnliche Nützlichkeiten. Jede Darstellerin – oder Darsteller – könnte die profillose Rolle der Dr. Klein füllen; die anderen Mimen sind ja auch nur anwesend.

Nach knapp achtzigminütigem Gerumpel und Geschrei fällt das Finale buchstäblich aus. Der Twist ist lahm, alt und wird kriminell schlecht vorbereitet. Die letzten Sekunden sorgen für den einzigen Schrecken, den dieser Film erzeugen kann: Sie öffnen den Weg für „Demonic 2“, für den in der Wan-Fabrik sicherlich Kapazitäten vorgehalten werden. Doch dieses Mal hat die träge Mehrheit nicht den Sieg davongetragen: „Demonic“ wurde von Kritikern und Publikum unisono verrissen. Eine Garantie dafür, dass die Fortsetzung nicht zustande kommt, ist das freilich nicht: Schließlich treibt auch „Annabelle“ – noch größerer Mist als „Demonic“, bei dem ebenfalls Wan seine Produzentenhände im Spiel hat – bald wieder ihr Unwesen!

DVD-Features

Zumindest hierzulande hat man den Braten wohl gerochen und diesem schnell vergessenen Filmchen außer dem Trailer keine Extras beigegeben.

Kurzinfo für Ungeduldige: Selbsternannte Geisterjäger spicken eine als Geisterhaus verschriene Bruchbude mit Kameras und Mikrofonen, was überflüssig ist, da es bald so deutlich spukt, dass den Besuchern Hören & Sehen vergeht … – Auf zwei Zeitebenen erzählter und handwerklich solider aber dadurch nicht spannenderer Routine-Horror vom „Conjuring“/„Insidious“ Lahm-Grusel-Fließband: sehen, gähnen, vergessen.

[md]

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