Der Exorzismus der Emma Evans

Originaltitel: La Posesión de Emma Evans (Spanien 2010)
Regie: Manuel Carballo
Drehbuch: David Muñoz
Kamera: Javier Salmones
Schnitt: Guillermo de la Cal
Musik: Zacarías M. de la Riva
Darsteller: Sophie Vavasseur (Emma), Stephen Billington (Christopher) Richard Felix (John), Jo-Anne Stockham (Lucy), Lazzaro E. Oertli Ortiz (Mark), Isamaya French (Rose), Tommy Bastow (Alex), Emma Reynolds (Sarah), Douglas Bradley (Pater Ennis), Brendan Price (Brian), Clàudia Costas (Ana Salgado), Cristina Cervià (Sofia Salgado) u. a.
Label/Vertrieb: Universum Film Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 07.03.2012 (Verleih) bzw. 30.03.2012 (Verkauf)
EAN: 0886979887992 (DVD) bzw. 0886979887893 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 94 min. (Blu-ray: 98 min.)
FSK: 16

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Das geschieht:

Emma Evans ist 15 Jahre jung und als turbo-pubertierender Teenager eine echte Plage für ihre wohlhabenden und (allzu) wohlmeinenden Eltern Lucy, die für die Pharma-Industrie forscht, und John, der gern gelesene Artikel verfasst und sich die Zeit nimmt, die Kinder – außer Lucy gibt es noch den jüngeren Bruder Mark – daheim zu unterrichten, damit sie auf den öffentlichen Schulen nicht auf das Niveau des dort zwischengelagerten Pöbels herabsinken.

Dass Emma selbstverständlich die Nähe gleichaltriger Quälgeister vorzieht sowie die Nacht zum Tag macht, wird von den strengen Eltern mit Hausarrest und Vorwürfen geahndet. Eines Abends ist das Maß voll: Emma bringt dem Teufel ein Blutopfer. Er soll dafür sorgen, dass sie endlich „frei“ ist! Wie man das entsprechende Ritual durchführt, weiß Emma von ihrem Onkel Christopher, der nach einem außer Kontrolle geratenen Exorzismus seines Priesteramtes enthoben wurde. Seiner interessierten und aufmerksamen Nichte steht er gern Rede und Antwort.

Auch Satan hält die Ohren gespitzt. Über die ‚Einladungen‘ dummer Menschen freut er sich stets, denn er kann in deren Körper fahren und allerlei Spuk entfesseln. Dies erzeugt zuverlässig Angst und Horror, die ihm als Nahrung dienen. Im 21. Jahrhundert kann er zudem auf die Ungläubigkeit der Menschen zählen, die Besessenheit für eine psychische Störung halten. So ergeht es auch Emma, die nach einigen Anfällen einem Psychologen überantwortet wird, den Satan allerdings umgehend ausschaltet.

Einige erschreckende Vorfälle später beginnen sogar Emmas Eltern an teuflisches Wirken zu glauben. Sie rufen Christopher zur Hilfe, der eindrucksvoll dafür sorgt, dass Satan sich in Emma zu erkennen gibt. Ein illegaler Exorzismus beginnt, doch aus irgendeinem Grund will der Teufel nicht weichen, sondern setzt sein Werk ungehindert fort, bis Emma entdeckt, wieso gerade ihre Beschwörung so erfolgreich war …

Im Grunde ist alles gesagt

Als sich diese Entwicklung ankündigt, gewinnt „Der Exorzismus der Emma Evans“ endlich etwas, das der Film bisher gänzlich vermissen ließ: ein eigenes Profil. Es wird auch höchste Zeit, da der Zuschauer allmählich zur Überzeugung kam, mit einem inoffiziellen Remake des „Exorzisten“ von 1973 konfrontiert zu werden. Tatsächlich ist „Emma Evans“ der unfreiwillige Beweis für die Genialität dieses Vorgänger-Films, der eigentlich alles gesagt hat, was es zum Thema Exorzismus zu sagen gibt. Auf ihre Weise geben dies auch Regisseur Manuel Carballo und Drehbuchautor David Muñoz zu. In einer hübschen, durchaus selbstironischen Szene kleiden und inszenieren sie Pater Christopher auf seinem Weg zum Haus der Evans exakt wie Max von Sydow als Father Merrin im Film von 1973.

Dieser bleibt aufgrund seiner starken, später nie getoppten Szenen ‚authentischer‘ Besessenheit dem Zuschauer leider sehr präsent. Er wird stets „Emma Evans“ mit „Der Exorzist“ vergleichen und dabei zu Recht zu einem ungünstigen Urteil kommt. Dies verleitet zu missachten, wo Carballo und Muñoz zumindest versuchen, eigene Wege einzuschlagen.

Jugend ist die Hölle

Anders als Regan MacNeil, in die 1973 der böse Pazuzu fuhr und die dennoch eine Randfigur blieb, rückt fast vier Jahrzehnte später Emma von der ersten Filmminute an in den Vordergrund. Man lernt sie aus ihrer eigenen, sehr persönlichen und zusätzlich von der Pubertät getrübten Sicht kennen und versteht bald, wieso sich der Teufel ausgerechnet im Haus der ansonsten langweiligen und spießigen Evans-Familie niederlässt. Emma sieht sich als unglücklichster Mensch der Welt, fühlt sich geknechtet von Eltern, die sie nicht verstehen, und neigt auch ansonsten zu jenem irrationalen Verhalten, das den ‚typischen‘ 15-jährigen Teenager charakterisiert.

Normalerweise würde dies familienintern ausgekämpft, doch leider verfügt Emma über Fachwissen über die Beschwörung des Teufels. In diesem Punkt gelingt dem Film der einzige wirklich originelle Twist, denn Satan sucht die Evans nicht von ungefähr so gründlich heim: Onkel Christopher hat mit ihm noch eine Rechnung offen und fädelt die neuerliche Konfrontation ebenso geschickt wie heimtückisch ein.

Verständlicherweise kann keine Teufelsaustreibung gelingen, wenn der Exorzist Dreck am Stecken hat. Die zweite Hälfte unserer Geschichte zeigt die Konsequenzen. Wie man sich denken kann, nutzt Satan seine Gelegenheit, was dem Zuschauer diverse Szenen unschöner ‚Unfälle‘ und ‚Selbstmorde‘ beschert. Zwischendurch wird uns Emma präsentiert, die – an einen Stuhl gebunden – mit Weihwasser besprenkelt wird, woraufhin sich ihre Augen in gekochte Eier verwandeln und sie mit krächzender Stimme schlimme Schimpfworte oder das Abendessen von sich gibt.

Eigentlich trifft es die Richtigen

Dummerweise möchte man Satan grundsätzlich applaudieren: Wenn er schon Menschen piesacken muss, dann hat sich die ideale Sippe ausgesucht. Höchstens mit Emma hat der Zuschauer ein wenig Mitleid, weil eine tatsächlich noch sehr junge Sophie Vavasseur in ihrer Rolle erschreckend überzeugend aufgeht. Vater, Mutter, Bruder, Onkel, Tante usw. sind dagegen jederzeit so unsympathisch, dass sie ihr Schicksal verdienen. (Siehe da, Doug Bradley hat kurzfristig die Seiten gewechselt: Der „Pinhead“ aus den „Hellraiser“-Filmen mimt hier einen Priester.) Vor allem Vater John, ein selbstgefälliger Pantoffelheld, der das Denken lieber anderen (und notfalls dem Teufel) überlässt, wirkt durch das Chargieren des Darstellers Richard Felix abstoßend.

Was die schwierige Konfrontation der rationalen Moderne, die den Teufel ausgeklammert hat, mit der ‚Wahrheit‘ – nämlich dessen Existenz und Präsenz – verdeutlichen soll, wird durch das schwache, von Klischees durchsetzte Drehbuch zusätzlich ausgehebelt. Autor Muñoz dreht die Spannungsschraube recht willkürlich. So enthüllt sich Emmas Besessenheit urplötzlich und unspektakulär, als sie neben dem Küchenherd in der Luft zu schweben beginnt. Dramatik sieht anders aus, denn sogar den notorisch vernagelten Klugmenschen John und Lucy fallen daraufhin die Bretter von den Köpfen.

Trotzdem sind sie dem Teufel keine wahren Gegner: Als dieser durch Emmas Mund verkündet, dass John womöglich nicht Söhnchen Marks Vater ist, rast der sich prompt  gehörnt fühlende Gatte aus dem Haus, um Lucy dies vorzuwerfen, und lässt Emma unbeaufsichtigt zurück. Satan schlägt sich vermutlich frustriert die Klauenpranke vor die Stirn, weil er nicht einmal warmlaufen muss, um seinem Ruf als König der Lügen gerecht zu werden.

Der Teufel und der Kameramann

Zwar nehmen sich Carballo und Muñoz Zeit, um ihre Geschichte einzuleiten, zu erzählen und abzuschließen. Doch gleichzeitig scheinen sie unsicher zu sein: Wird das anvisierte Zielpublikum die Stringenz würdigen? Oder wird es sich langweilen, weil in diesem Film nichts wirklich Spektakuläres geschieht und die wenigen Spezialeffekte sich strikt der Story unterordnen? Also obliegt es Kameramann Javier Salmones, das Geschehen mit optischen Sperenzchen aufzupeppen. Dem Film wurden die Farben weitgehend entzogen; Grau- und Brauntöne herrschen vor, sie sollen offenbar für den passenden, d. h. depressiven Unterton sorgen.

Der Kameramann selbst scheint vom Veitstanz befallen zu sein. Sein Arbeitsgerät rüttelt, wackelt, saust durch die Räume. Immer wieder ‚springt‘ das Bild; im Stil der 1970er Jahre wirft sich die Kamera mit einem Ruck ein Stück näher ins Geschehen. Das Ergebnis tötet zuverlässig jegliche Gruselstimmung und verursacht vor allem Kopfweh, was kaum im Interesse der Verursacher gelegen haben dürfte.

Damit nicht genug: Immer wieder lösen sich Carballo und Muñoz vom linearen Zeitablauf. Ereignisse werden nur angerissen und erst später im Rückblick ergänzt. Diese Szenen dienen der Verschleierung  von Tatsachen, die um der Spannung wegen erst an anderer Stelle enthüllt werden sollen. Allerdings verliert dieses Stilmittel schnell seine Wirkung, weil es allzu offensichtlich sowie inflationär eingesetzt wird.

Der Teufel bleibt dezent

Bei einem überschaubaren Budget waren tricktechnisch keine großen Sprünge möglich. Man hätte versuchen können, dies durch Einfallsreichtum zu ersetzen. Stattdessen bleibt es beim bekannten dämonischen Budenzauber (s. o), der durch Digital-Effekte der kostengünstigen Art nicht wirklich überzeugender gerät.

Dass diese Geschichte in England spielt und in den Hauptrollen mit britischen Schauspielern besetzt ist, obwohl hinter der Kamera sämtlich Spanier aktiv waren, beruht wahrscheinlich auf einer ökonomischen Entscheidung: „Emma Evans“ ist für einen englischsprachigen und damit größeren Markt gedacht. Diese Rechnung ist freilich nicht wirklich aufgegangen; „Emma Evans“ wurde weder vom Publikum noch von der Kritik allzu gut aufgenommen.

In der Tat verbirgt sich hinter dem ehrgeizigen Konzept eine mangelhaft variierte Geschichte. Mehr Ideen und weniger Klischees & Kamera-Spielereien wären „Emma Evans“ besser bekommen, doch ist dies nicht ein (meist vergeblich geäußerter) Wunsch, den sich der geplagte Phantastik-Freund auf eine Karte drucken lassen sollte?

DVD-Features

Der Herr der Lügen macht offenbar seinen Einfluss auch außerhalb des Hauptfilms geltend; jedenfalls verbergen sich hinter den ‚Extras‘ nur ein Trailer und ein – freundlich ausgedrückt – informationsschwaches ‚Making of‘.

[md]

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Preisrätsel / Gewinnspiel 1 x 1 (KOSTENLOSE!) DVD: Um den Preisrätseltitel zu gewinnen, muss einfach folgende Aufgabe beantwortet werden: Als turbo-pubertierender Teenager eine echte Plage für ihre wohlhabenden und (allzu) wohlmeinenden Eltern ist die Protagonistin Emma Evans wie alt? Die richtige Antwort an gewinnantwort(x)filmbesprechungen.de mailen (als kleinen Spamschutz bitte (x) durch @ ersetzen, vielen Dank). Im Betreff bitte “Filmpreisrätsel” und den Filmtitel eintragen. Danke. Sobald 100 Mails eingegangen sind, wird unter diesen Einsendern der Gewinner mit der richtigen Antwort ausgelost. Weiter Informationen finden sich hier. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen!

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GEWONNEN HAT: Arne Hoffmann. HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH! WIR DANKEN ALLEN TEILNEHMERN UND UNSEREM SPONSOREN!