fluch-2-schwesternDer Fluch der 2 Schwestern

Originaltitel: The Uninvited (USA 2009)
Regie: Charles Guard u. Thomas Guard
Drehbuch: Craig Rosenberg, Doug Miro u. Carlo Bernard
Kamera: Daniel Landin
Schnitt: Jim Page u. Christian Wagner
Musik: Christopher Young
Darsteller: Emily Browning (Anna Rydell), Arielle Kebbel (Alex Rydell), David Strathairn (Steven Rydell), Elizabeth Banks (Rachel Summers), Maya Massar (Mom), Kevin McNulty (Sheriff Emery), Jesse Moss (Matt), Dean Paul Gibson (Dr. Silberling), Don S. Davis (Mr. Henson), Lex Burnham (Iris Wright), Matthew Bristol (David Wright), Danny Bristol (Samuel Wright), Heather Doerksen (Mildred Kemp) u. a.
Label/Vertrieb: Paramount Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 29.09.2009 (Leih-DVD) bzw. 23.10.2009 (Kauf-DVD)
EAN: 4010884534528 (Kauf-DVD)
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1; anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 84 min.
FSK: 16

Das geschieht:

Nachdem ihre kranke Mutter vor zehn Monaten in einem Feuer umkam, brach Anna Rydell psychisch zusammen und musste in eine Nervenheilanstalt eingeliefert werden. Jetzt wird sie als geheilt entlassen und kehrt nach Haus zurück. In dem idyllisch aber einsam gelegenen Heim hat sich allerdings inzwischen Rachel, die Pflegerin der Mutter, als neue Hausherrin etabliert. Zwar versucht sie sich Anna zur Freundin zu machen, die darauf jedoch ablehnend reagiert. Bestärkt wird Anna dabei von ihrer älteren Schwester Alex, die schon länger mit der Frau im Clinch liegt, die nun auch noch ihre Stiefmutter werden soll, wie Vater Steven stolz verkündet.

Rachel scheint indes mehr zu sein als eine geldgierige Glücksritterfrau. Des Nachts spuken entstellte Gespenster durch das Haus. Unter ihnen ist auch Annas und Alex‘ Mutter. Alle warnen vor Rachel, die sie für ihren Tod verantwortlich machen. Nachforschungen ergeben, dass die neue Stiefmutter einen falschen Namen trägt. Die Mädchen beunruhigt außerdem eine beachtliche Todesrate in den Familien, die Rachel vor den Rydells als ‚Krankenpflegerin‘ betreute. Annas Ex-Freund Matt weiß mehr. Bevor er sich den Schwestern anvertrauen kann, fällt er einem bizarren ‚Unfall‘ zum Opfer und gesellt sich zur Schar der Geister, die Anna immer offensiver bedrängen.

Inzwischen hat Rachel Lunte gerochen. Ihren Steven hat sie so fest im Griff, dass er die Infos seiner Töchter als haltlose Beschuldigungen abtut. Perfide wirkt Rachel auf den Vater ein, Anna erneut ins Sanatorium abzuschieben. Als sich Steven auf eine Geschäftsreise begibt, bleiben die drei Frauen allein im Haus zurück. In der Nacht bricht ein Kampf auf Leben und Tod aus, in dem die böse Stiefmutter die Oberhand zu behalten scheint. Allerdings hat Rachel die Schwestern in einem bestimmten Punkt gänzlich falsch eingeschätzt …

Aschenputtel schlägt zurück

Die böse Stiefmutter ist eine Figur, die auf dem Umweg über das Märchen buchstäblich sprichwörtlich geworden ist; offenbar geht dieses Bild auf ältere Überlieferungen zurück, in denen statt der Stiefmutter eine erst recht böse, weil zusätzlich mit magischen Kräften begabte Hexe ihr Unwesen trieb. Beides passt hervorragend zur finsteren Geschichte vom „Fluch der 2 Schwestern“. (Das gilt zumindest, wenn man die Tatsache außer Acht lässt, dass es zwar zwei Schwestern aber keinen Fluch gibt, weshalb der US-Titel wesentlich zutreffender „Der ungebetene Gast“ lautet.)

Es ist eine heikle Sache und eine Herausforderung, diesen Film zu rezensieren. Sein grundsätzlicher Unterhaltungswert hängt an einem einzigen Twist, den der Zuschauer im Verlauf des Geschehens zu ahnen beginnt, um günstigstenfalls erst im Finale Aufklärung zu erfahren. Der Kniff ist weder neu noch originell, aber er wird solide und schlüssig eingefädelt und umgesetzt, sodass es unfair wäre, ihn an dieser Stelle zu verraten.

Generell ist es riskant, einen Film von einem Twist abhängig zu machen. Wenn der Zuschauer den Braten zu früh riecht oder er ihm gar nicht schmeckt, hat der Film ein ernstes Problem. Ohnehin wird nur der cineastisch harte Kern des Publikums sich einen so konstruierten Film noch einmal anschauen, um im Wissen um die Lösung nachträglich zu verfolgen, wie falsche Spuren gelegt und Eindeutigkeiten vorgegaukelt werden.

Albtraum in wunderschöner Landschaft

„Der Fluch der 2 Schwestern“ ist ein im positiven Sinn altmodischer Film. Er folgt einer soliden Geschichte, die stringent erzählt wird. Die Figuren ordnen sich ihr unter, die Bilder stellen sich in ihren Dienst, sie hat es nicht nötig, durch spektakuläre Spezialeffekte ‚aufgewertet‘ zu werden. Folgerichtig bleiben auch die Tricks nach heutigen Maßstäben moderat. Sie fügen sich so überzeugend in das Geschehen ein, dass dem Zuschauer trotzdem die Haare zu Berge stehen.

Die ausgedehnte und schwierige Suche nach dem ‚richtigen‘ Haus endete für das Filmteam auf Bowen Island in der kanadischen Provinz British Columbia. Das Rydell-Anwesen ist ein gleichermaßen behagliches wie isoliertes Heim, denn es liegt abgeschieden in einer Waldlandschaft, die bereits im Sommer nur auf Umwegen oder auf dem Wasserweg erreichbar ist. Trotz seiner Weitläufigkeit wird es zur Brutstätte unterdrückter und unkontrollierbarer Gefühle, die sich nur nach innen entladen können.

Wie so viele phantastische US-Filme der letzten Jahre basiert „Der Fluch der 2 Schwestern“ auf einer asiatischen Vorlage. „Janghwa, Hongryeon“ entstand 2003 in Südkorea und gilt als moderner Klassiker des Genres. Hier spukte es tatsächlich, und diverse Rätsel blieben ungelöst. Das Remake ist konventioneller. Regisseure und Drehbuchautoren schätzten das Original als zu komplex für ihr Publikum ein, das wohl primär aus US-amerikanischen Zuschauern bestehen dürfte. Das Drehbuch von Kim ji-woon wurde ‚gestrafft‘, d. h. um irritierende Ecken & Kanten erleichtert und in eine Story mit ‚glattem‘ Ende und ohne offene Frage überführt: Über diesen „Fluch der 2 Schwestern“ muss nach Filmende niemand grübeln, sich über möglicherweise nicht Verstandenes (oder Verstehbares) ärgern und Warnungen in Umlauf bringen, die potenzielle Zuschauer (= zahlende Kunden) abschrecken könnten.

Echte Schauspieler in richtigen Rollen

Schon oft wurde an dieser Stelle über die viel zu weit verbreitete Praxis geklagt, Horrorfilme mit ‚Mimen‘ zu besetzen, die primär körperlich zwecks Präsentation sekundärer Geschlechtsmerkmale sowie zum Abmurksen präsent sein müssen. Die Regie-Brüder Guard knüpfen an diese traurige Tradition erfreulicherweise nicht an. Sie heuerten echte Schauspieler an, die vorzügliche Arbeit leisten, was aufgrund der empfindlichen Ambivalenz der Handlung doppelt wichtig ist.

Der positive Eindruck setzt bereits damit ein, dass Emily Browning (Anna), Arielle Kebbel (Alex) realiter so jung sind, dass sie in ihren Rollen überzeugen: Sie balancieren unsicher auf der Kippe zwischen Mädchen und Frau. Die daraus resultierende emotionale, vor allem sexuelle Energie beeinflusst das Geschehen meist unterschwellig aber permanent und entscheidend. Was im Norm-Horror des B-Kinos dazu führt, dass silikonverstärkte Welk-Teenies zu geilen Schlampen mutieren, lässt hier zwei Mädchen/Frauen, die sich ihrer eigenen Motivationen nicht bewusst sind, zu gefährlichen Kurzschlussreaktionen neigen.

Die böse Schwiegermutter wird hübsch und hinterhältig von Elizabeth Banks gespielt. Im Interview betonen die Guard-Brüder, dass sie gezielt nach einer ‚amerikanischen‘ Schönheit mit klaren Gesichtszügen, blondem Haar und strahlend weißem Gebiss gesucht haben, um die Divergenz zwischen „Gut“ und „Böse“ bereits optisch zu verwischen. Banks ist eine schlaue Hexe, die ihren Beinahe-Gatten – überzeugend ahnungslos: David Strathairn – fest am Haken und ihre Stieftöchter im Visier hat. Gleichzeitig gelingt ihr jene Gratwanderung, die für das Gelingen des finalen Twists von Bedeutung ist, der anderthalb nicht originelle aber spannende Filmstunden zufriedenstellend abrundet.

DVD-Features

Was formal zunächst wie ein typisches „Making of“ wirkt, entspricht inhaltlich erstaunlich korrekt seinem Titel: „Entschlüsselt: Der Fluch der 2 Schwestern“ ist ein Beitrag, der tunlichst erst nach dem Hauptfilm angeschaut werden sollte, da er nicht nur die fundamentale Final-Auflösung offenbart, sondern auch Gravierendes und Verräterisches (und manchmal sogar Aufschlussreiches) zur Story beisteuert. Wer dieses Feature kennt, kann sich den Film im Grunde sparen.

Zwischen dem üblichen Lob – wieder einmal hatten alle Beteiligten das Glück, nur mit den Besten ihrer Branchen arbeiten zu dürfen – und der unverhohlenen Werbung findet der Filmfreund interessante Info-Häppchen. Dazu gehört der Vergleich zwischen der südkoreanischen Filmvorlage und dem US-Remake.

Den ‚Bearbeitungsprozess‘ belegen vier aus dem Film entfernte Szenen, die zum Verständnis der Handlung in der Tat nicht beitragen und höchstens auf das Tempo drücken. Außerdem gibt es ein alternatives Ende, das gedreht, aber wohl ebenfalls als ‚zu kompliziert‘ aussortiert wurde; stattdessen wird das letzte noch ausstehende Rätsel gelöst.

Eine Website zum Film findet man hier.

[md]

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