Der letzte Exorzismus: The Next Chapter

Originaltitel: The Last Exorcism 2: The Beginning of the End (USA 2013)
Regie u. Schnitt: Ed Gass-Donnelly
Drehbuch: Damien Chazelle u. Ed Gass-Donnelly
Kamera: Brendan Steacy
Musik: Michael Wandmacher
Darsteller: Ashley Bell (Nell Sweetzer), Julia Garner (Gwen), Spencer Treat Clark (Chris), Muse Watson (Frank Merle), Louis Herthum (Louis Sweetzer), Boyana Balta (Lily), David Jensen (Calder), Tara Riggs (Cecile), E. Roger Mitchell (Jeffrey), Erica Michelle (Daphne), Sharice Angelle Williams (Mo) u. a.
Label/Vertrieb: Studiocanal
Erscheinungsdatum: 17.10.2013
EAN: 4006680067742 (DVD)/4006680067759 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,40 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 85 min. (Blu-ray: 89 min.)
FSK: 16

Titel bei eBook.de (DVD)
Titel bei eBook.de (Blu-ray)
Titel bei Amazon.de (DVD)
Titel bei Amazon.de (Blu-ray)


Das geschieht:

Vorgeschichte (s. „Der letzte Exorzismus“/„The Last Exorcism“, USA 2010): Prediger Cotton Marcus wollte eigentlich ein weiteres leichtgläubiges Opfer um seine Ersparnisse bringen. Stattdessen geriet er an die tatsächlich vom Teufel bzw. vom Höllenfürsten Abalam besessene Nell Sweetzer, die zu allem Überfluss von einem geheimen Kult abgeschirmt wurde. Marcus ging zum Gegenangriff über und konnte die endgültige Vereinigung von Abalam und Nell verhindern – eine Tat, die er mit dem Leben bezahlte.

Nell entkam dem Kult und wird später in der Wildnis aufgegriffen. Die junge Frau ist verwirrt und kann sich nur bruchstückhaft an die Ereignisse erinnern. Um sich wieder in die Gesellschaft einzugliedern, zieht Nell in ein Frauenhaus. Nach und nach lassen ihre Albträume nach, Nell findet Arbeit, und als Bonus gibt es den schmucken Chris, der ihr schöne Augen macht.

Doch die Atempause ist von kurzer Dauer. Bald fühlt sich Nell beobachtet. Anonyme Telefonanrufe kündigen „seine“ Rückkehr an. Nells verstorbener Vater erscheint als Geist und warnt seine Tochter vor Abalam. Dass ihre Mitbewohnerin im Internet ein Video finden, das sie als besessene und womöglich geschwängerte Teufelsbraut zeigt – Cotton Marcus hatte seinen Exorzismus aufgezeichnet –, ist ebenfalls von eher schädlicher Wirkung.

Immer heftiger werden Abalams Attacken, denn schließlich hat er Nell gefunden. Der tölpelhafte Nebenbuhler Chris findet ein hässliches Ende; auch sonst steigt die Todesrate in Nells Umfeld beträchtlich. Fast hat sich die junge Frau schon in ihr Schicksal ergeben, da tritt die Krankenschwester Cecile an sie heran und gibt sich als Mitglied eines geheimen Ordens zu erkennen. Professionell rückt man Abalam nun zu Leibe, aber der Dämon erweist sich als Gegner ungeahnten Kalibers …

Dämonen kommen immer wieder

Sie existieren, um den Menschen Übles anzutun: Dämonen treiben ihr Unwesen, seit es ihre Opfer gibt. Jede Kultur und jede Religion kennt sie, die unverdrossen erheblichen Aufwand treiben, um Seelen vom rechten Weg abzubringen. Mal gehen sie subtil vor, in der Regel bevorzugen sie jedoch den Holzhammer. Dennoch fühlen sie sich auch im 21. Jahrhundert zu Haus. Jedenfalls haben sie ihr Piesack-Repertoire modern ergänzt: Nun bringen sie beispielsweise Drehbuchautoren und Regisseure wie Ed Gass-Donnelly dazu, Filme wie diesen zu drehen, die ihren Zuschauern die Zeit rauben und ihre Gallensäfte gesundheitsabträglich hochkochen lassen.

„Der letzte Exorzismus“ wurde 2010 vom (deutschen) Regisseur Daniel Stamm inszeniert. Huck Botko und Andrew Gurland schrieben ein recht intelligentes Drehbuch. Sie stellten einen typischen US-Prediger in den Mittelpunkt, der fromme, dumme Mitmenschen an den Nasen herumführt und gut damit verdient. „Der letzte Exorzismus“ wurde als „Mockumentary“ gestaltet und schilderte den typischen ‚Arbeitsalltag‘ des genannten Predigers. Der Ton war locker, die Handlung manchmal komödiantisch. Stamm gelangen mit der unverstellten Sicht des Ausländers zudem eindrucksvolle (Stimmungs-) Bilder aus dem US-amerikanischen Süden, der wie aus der Gegenwart gefallen wirkte. Mit der Entdeckung, dass zumindest der Teufel tatsächlich existiert, nahm das Geschehen eine neue, dieses Mal ernste Wendung. Das Ende war erschreckend und mysteriös.

Vor allem war es endgültig. Doch Hollywood hat so etwas nie akzeptiert, wenn es in den Kinokassen klingelte. „Der letzte Exorzismus“ war kein Blockbuster aber angesichts der moderaten Produktionskosten erfreulich erfolgreich. So wurde die Fortsetzung eine dämonische Selbstverständlichkeit.

Die zweite Garde

Das Team Damien Chazelle & Ed Gass-Donnelly übernahm diesen Job. Sie verzichteten auf den „Found-Footage“-Look des ersten Teil – niemand dürfte ihn vermissen – und fanden den Anschluss an die vorangegangenen Ereignisse. Damit war ihr Einfallsvorrat freilich erschöpft. Für die folgenden anderthalb Stunden fabrizierten sie einen Handlungsmischmasch aus „The Haunting“ (1963, dt. „Bis das Blut gefriert“) und „Carrie“ (1974), den sie mit den üblichen Buh!-Effekten aus Hollywoods Mottenkiste garnierten.

Viel zu viele Minuten müssen wir Nell bei ihrer Rückkehr in ein Unterschichten-Leben beobachten. Vorgeblich spannend mehren sich dabei die Vorzeichen auf Abalams Rückkehr. Er kündigt sich durch seltsam maskierte Passanten sowie aus Fernseh- und Radiogeräten an und verschmäht auch das Telefon nicht. Solche Ansprachen erfolgen selbstverständlich ausschließlich dann, wenn Nell gerade allein im Raum ist. Zwar lebt sie in einem Haus voller Menschen, doch die sind offenbar mit Taub- und Blindheit geschlagen. Wenn Nell beispielsweise über ihrem Bett schwebt, schnarcht Zimmergefährtin Gwen notorisch ahnungslos im Bett neben ihr weiter.

Genretypisch sind Nells Mitmenschen darüber hinaus ‚vernünftig‘ bis zur Ignoranz, was u. a. dazu führt, dass der väterliche Frauenhaus-Leiter Nell mehr oder weniger droht, sie als Geisteskranke einliefern zu lassen, sollte sie weiterhin darauf bestehen, von einem Höllenfürsten belästigt zu werden.

Die Logik mit Füßen bzw. in den Hintern treten

Kein Wunder, dass Nell in Rekordzeit ‚gesundet‘! Der Zuschauer soll mit ihr fühlen, wenn sie nunmehr bei jedem Geräusch zusammenfährt. Um dies buchstäblich nachempfindbar zu machen, werden entsprechende Zwischenfälle durch musikähnliches Donnergetöse untermalt. Der Effekt ist denkbar billig, uralt und zielt auf den reinen Reflex. Man fürchtet sich nicht, sondern erschreckt sich nur. Das ist ein beachtlicher Unterschied: Emotion 1 setzt Adrenalin frei, Reaktion 2 nur Ärger.

Der steigert sich, wenn der Zuschauer gemeinsam mit Nell wieder in eines der bodenlosen Logiklöcher stürzt. Woher kommt eigentlich der Geist ihres Vaters? Warum kann ihn Gwen mit einer Blechkanne niederschlagen? Wie kommt der merkwürdige Geheimorden ins Spiel? Nell steht angeblich unter spiritueller Beobachtung, kam aber ohne diese Hilfe eindeutig besser über die Runden. Ausgerechnet der dilettantische Exorzismus weckt den Dämon in ihr, der sie dieses Mal nicht mehr aus den Klauen lässt.

Wieso eiert Abalam, der doch gern vorführt, wie problemlos er in einen Menschen schlüpfen und ihn steuern kann, so ausgiebig um Nell herum? Die ‚Erklärung‘: Er hat sich ausgerechnet in die graue Maus verliebt und lässt ihr deshalb die freie Wahl! Dämonen sind nicht unbedingt für solche Schmachtereien bekannt, und auch hier reagiert der Zuschauer peinlich berührt.

Mit der Wurst nach der Speckschwarte werfen

Wenn es in diesem konfusen, ideenfrei angerührten Horrorbrei überhaupt eine schmackhafte Zutat gibt, so verdanken wir dies Ashley Bell. Sie spielt sich förmlich die Seele aus dem zerbrechlichen Leib. Ihr Talent hätte ein lohnenderes Umfeld verdient. Bell ist jederzeit überzeugend – als verhuschte Randexistenz, die endlich das Leben und die Liebe kennenlernen möchte, als gepeinigtes Opfer einer dämonischen Besessenheit und sogar als Inkarnation einer unmenschlichen Macht. Aus einer Rolle, die wiederum vor allem ein Flickenteppich unzähliger Vorlagen ist, holt sie alles heraus.

Ihre Schauspielerkollegen bleiben chancenlos. Ihnen bleiben nur Klischee-Knochen, an denen sich beim besten Willen kein Fleisch mehr findet. Der Zuschauer stöhnt jedes Mal auf, wenn eine Pappfigur wieder eine Phrase drischt – ein unheimlicher, weil nie abreißender Klagelaut.

Tricktechnisch werden keine Bäume, sondern höchstens Büsche ausgerissen. Auf einen halbwegs gelungenen CGI-Effekt kommen mindestens drei minderwertige, weil als solche problemfrei zu erkennende Tricks. Gekillt wird mäßig und im Off, was möglicherweise als Andeutung gemeint ist, die einem nur teilweise sichtbaren Spuk Unheimlichkeit einflößen soll – eine Rechnung, die höchstens aufgeht, als Ashley sich in eine nur scheinbar gastliche Kirche verirrt, hinter deren Buntglasfenstern gruselige Schattengestalten in die Höhe wachsen.

Vor einer weiteren Fortsetzung sind wir keineswegs sicher: „Der letzte Exorzismus 2“ kostete ca. 5 Mio. Dollar, die mehrfach wieder eingespielt wurden. Aus einem kleinen Ärgernis droht sich ein Franchise zu entwickeln, das die Welt noch oft heimsuchen könnte. Produzent Eli Roth spricht es im Interview selbst an: Gibt es nicht vier Fortsetzungen eines Films mit dem Titel „Final Destination“ …?

DVD-Features

Eine knappe halbe Stunde vertun Ashley Bell und Produzent Eli Roth mit dem rührenden (Bell) bzw. dreisten (Roth) Versuch, einen höchstens mittelmäßigen Film schönzureden. Schon der ebenfalls aufgebrannte Trailer straft sie als Sammlung bekannten Situationen und Sprüche Lügen.

Kurzinfo für Ungeduldige: Dämon Abalam sucht nach der jungen Nell, die ihm nach dem letzten Exorzismus entwischt ist; als er sie findet, ergreift er keinen Besitz von ihr, sondern wirbt um sie, während Seelenretter einen allerletzten Exorzismus vorbereiten, um Nell von ihrem Peiniger zu befreien … – Was im ersten Teil mit viel Lokalkolorit spannend erzählt wurde, verkommt hier zum x-beliebigen Spuk-Spektakel, in dem nur Hauptdarstellerin Ashley Bell sich ehrenhaft behaupten kann: fauler Zauber!

[md]

Titel bei eBook.de (DVD)
Titel bei eBook.de (Blu-ray)
Titel bei Amazon.de (DVD)
Titel bei Amazon.de (Blu-ray)