Destination Death
Du bist der Nächste!

Originaltitel: Smile – La morte ha un obiettivo (Italien/GB/Marokko 2009)
Regie/Drehbuch: Francesco Gasperoni
Kamera: Gianni Marras
Schnitt: Charles Kaplan u. Francesco Loffredo
Musik: Federico Landini
Darsteller: Harriet MacMasters-Green (Clarissa), Antonio Cupo (Tommy), Manuela Zanier (Angelica), Mourad Zaoui (Rasheed), Giorgia Massetti (Jameela), Robert Capelli Jr. (Paul), Tara Haggiag (Geneva), Rabie Kati (Jäger), Armand Assante (Tollinger) u. a.
Label/Vertrieb: Sunfilm Entertainment
Erscheinungsdatum: 07.07.2011
EAN: 4041658224659 (DVD) bzw. 4041658294652 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (1,85 : 1, anamorph)
Audio: DTS 5.1 (Deutsch), Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 80 min. (Blu-ray: 84 min.)
FSK: 18

Titel bei Amazon.de (DVD)
Titel bei Amazon.de (Blu-ray)

Das geschieht:

Sieben Studenten wollen ihre Semesterferien in Marokko verbringen. Schon kurz nach der Ankunft wird Clarissa, die Fotoreporterin werden möchte, ihre geliebte Kamera gestohlen. Ersatz ist in dieser Gegend abseits der üblichen Touristenrouten schwer zu finden. Clarissa schätzt sich deshalb glücklich, dass sie nicht nur einen Laden entdeckt, in dem man ihre Sprache spricht, sondern dort eine alte Sofortbildkamera erspäht, die ihr Mr. Tollinger, der freilich etwas unheimliche Eigentümer, für erstaunlich wenig Geld überlässt.

Die Reise kann fortgesetzt werden, obwohl sich die blonde Geneva in der Nacht heimlich abgesetzt hat, da sie Marokko nichts abgewinnen konnte. Dieser Vorbehalt verdichtet sich zur Bestätigung, als sie im einsamen Bahnhof von einem langen Messer durchbohrt wird. Die Freunde bekommen davon nichts mit, als sie sich am nächsten Morgen mit dem Jeep ins Atlas-Gebirge aufmachen. Dort soll es einen Wald geben, in dem Dämonen umgehen, die man als Ferienspaß gern beobachten würde.

Stattdessen verläuft sich die Gruppe erst fürchterlich, um dann an einen unfreundlichen Jäger zu geraten, der sich aber erweichen lässt, die Verirrten unter seine Fittiche zu nehmen. Die junge Freundschaft zerbricht jäh, als der Jäger Clarissas Kamera entdeckt: Das Gerät sei verflucht, so seine Auskunft; wer vor das Objektiv gerate, könne seines grässlichen Endes gewiss sein.

Natürlich haben Clarissa und die Freunde bereits viele Bilder mit dem antiken Gerät geschossen; auch der Jäger wurde ohne sein Wissen fotografiert. Kurz darauf finden die Gefährten seine Leiche – sie ist von unzähligen Hirschgeweihspitzen durchbohrt. Leider kann der Jäger seine Aufgabe als Gästeführer in diesem Zustand nicht mehr wahrnehmen. Die Gruppe ist endgültig im Nirgendwo gestrandet. Dabei wäre eine Abreise mehr als ratsam, denn es beginnt nicht nur heftig zu regnen, sondern bald erwischt es auch den nächsten Pechvogel – und dann reißt die Kette der jähen Tode gar nicht mehr ab …

Reisen bildet … Reisen sollte bilden

Filme gibt es, die muss man gesehen haben, um anschließend doch ratlos vor der Frage zu stehen, wieso gerade dieses Projekt zur Ausführung kam. „Destination Death“ ist ein ideales Beispiel, denn hier wurde falsch gemacht, was falsch gemacht werden kann; der dämliche ‚deutsche‘ Titel ist nur das gebührende Tüpfelchen auf dem I.

Selbst elementare Grundsätze werden vernachlässigt. Welchen Sinn ergibt es, eine Geschichte in Marokko zu verorten, wenn das Land für die Story kaum bzw. gar nicht von Belang ist? Sie könnte an jedem Ort dieser Welt spielen – beispielsweise in Italien, wo unser Regisseur – Schrägstrich – Drehbuchautor Francesco Gasperoni beheimatet ist.

Offenbar konnte er jedoch nicht dort, sondern nur in Marokko das notwendige Budget auf die Beine stellen. In dem nordafrikanischen Land versucht die Filmindustrie Anschluss an internationale Märkte zu gewinnen und finanzierte deshalb dieses Werk, für das sein Verursacher ausgewiesen und mit einem ewigen Wiedereinreiseverbot belegt gehört.

Marokko ist ein schönes Land, das weitaus mehr zu bieten hat als karge Wüsten. Vor allem im endlosen Prolog sehen wir unsere urlaubenden Studenten durch großartige Landschaften fahren; man könnte meinen, Kameramann Gianni Marras sei der Fehlinformation aufgesessen, er solle „Destination Death“ als Mischung aus „Lawrence von Arabien“ und „Der Himmel über der Wüste“ drehen. Darüber legt sich dröhnend ein nur in diesen Szenen passender, ansonsten viel zu opulenter Score, für den die klassisch ausgebildeten, in dieser globalisierten Gegenwart für Erdnüsse arbeitenden Mitglieder des ukrainischen „Dnepropetrovsk Philharmonic Orchestra“ ihre Instrumente eher aus Leibeskräften als mit Gefühl bearbeiten.

Mord-Spuk ohne Sinne & Verstand

Will man Gasperoni Glauben schenken (was man tunlichst unterlassen sollte), ist Marokko ein menschenleeres Land, dessen Bevölkerung sich in den wenigen Siedlungen konzentriert. Der einzige ‚Einheimische‘, den wir neben unseren sieben Studenten und ihrem ebenfalls importierten Heimsucher in einer Hauptrolle sehen, wurde sichtlich von einem übereifrigen aber wenig fachkundigen Kostümbildner als solcher ausstaffiert; dazu passt ein Gebiss, das sogar noch aufwändiger saniert und laserweißer zum Strahlen gebracht wurde als die Zahnleisten der übrigen Darsteller.

Horrorfilm-Drehbücher stellen in der Regel keine intellektuellen Meisterwerke dar. Von Logikbrüchen lässt sich durch genretypische Höhepunkte – Spuk, Verfolgungsjagden, Morde – ablenken; sogar Schwachsinn kann auf diese Weise abgefedert werden. Dumm sieht es allerdings – vor allem für den Zuschauer – aus, wenn diese Ablenkungen so ungelenk in Szene gesetzt werden wie in „Destination Death“. Unverzeihlich wird es, wenn sich der Autor nicht die geringste Mühe gibt, Handlungswidersprüche zu vermeiden oder nicht einmal den Versuch unternimmt, sie zu erklären.

Gasperoni setzt die Unlogik des von ihm ersonnenen Geschehens schlicht als gegeben voraus. Dabei werden sich jene Zuschauer, die jenseits von Filmminute 30 noch nicht der Tiefschlaf am Schlafittchen gepackt hat, garantiert die Frage stellen, wieso selbst Gespenster sterben, die mit Clarissas Kamera fotografiert werden – sie sind doch schon tot! Aber was kann und will man erwarten von einem Spuk, der aus dem Ausland importiert werden musste? Dabei dürfte Marokko mehr als reich genug an eigenem Spuk und nicht auf Armand Assante als Wiedergänger angewiesen sein!

Sieben (leider nicht) auf einen Streich

Der dümmlichen Handlung passen sich die Darsteller – von „Schauspielern“ mag der Rezensent nicht reden – kongenial an; unfreiwillig, wie zu befürchten ist. Schon mit der Auswahl seiner sieben Hauptfiguren hat sich Gasperoni kräftig verhoben: Er lässt vier geradezu absurd schöne Frauen sowie drei überaus stattliche Männer durch Marokko irren, als seien hier die Models eines internationalen Mode-Journals auf einen außer Kontrolle geratenen Betriebsausflug geraten.

Entsprechend zicken sie sich an. Drehbuchautor Gasperoni scheint vom Ehrgeiz getrieben zu sein, den Darstellern ausschließlich Klischee-Dialoge in die Münder zu legen. Sie reden unverdrossen dummes Zeug, bis man es gar nicht mehr erwarten kann, den Geist zuschlagen zu sehen. Leider erwischt es die größte Nervensäge erst ziemlich spät: Robert Capelli Jr. gelingt es viel zu gut, den US-Boy Paul als hirnloses Arschloch zu mimen. Seine Kollegen schenken ihm indes nichts und sind immer vorne mit dabei, wenn es gilt, ansatzlos zwischen Streit und Panik zu wechseln.

Hysterie scheint das oberste Gebot für die Darsteller gewesen zu sein. Ihr frönen sie mit einer Kraft, die eines hehreren Zieles würdig gewesen wäre. Doch während unsere sieben Nervbolde immerhin hübsch und noch jung genug sind, dass Hoffnung auf Leistungsbesserung besteht, erzeugt der Anblick von Armand Assante echte Schmerzen. Dieser Mann hat einst in guten Filmen mitgewirkt: „Jimmy Hoffa“ (1992), „Mambo Kings“ (1992), „One Eyed King“ (2001; dt. „Hell’s Kitchen“). Selbst der Trash, in dem er auftrat („I, the Jury“, 1982; „Judge Dredd“, 1995), hatte unterhaltsame Klasse. Wie konnte Assante so tief sinken und sich nach Marokko locken lassen, wo er in einigen besseren Cameo-Auftritten die angeblichen Hauptfiguren ganz, ganz alt aussehen lässt?

Die Hausaufgaben nicht gemacht

Bei nüchterner Betrachtung – eine Pflicht, die in diesem Fall auf den Rezensenten beschränkt bleibt; dem immer noch nicht abgeschreckten Zuschauer sei ausdrücklich zum flankierenden Alkoholgenuss geraten – zerfällt „Destination Death“ zu allem Überfluss in seltsam qualitätsinkongruente Segmente. Da sind die aufwändig inszenierten, Weite und Schönheit der Landschaft unterstreichenden Wüstenszenen, denen die in engen, billigen Studiokulissen entstandene Mordsequenzen gegenüberstehen, die in Mittelitalien entstanden.

Falls Gasperoni den Spagat zwischen Anspruch und Splatter plante, ist ihm auch dieser vollständig misslungen. Stattdessen verärgert er die letzten auf Besserung hoffenden Zuschauer. Wenn im Horrorfilm gemordet wird, dann sollte dies einfallsreich oder wenigstens blutig geschehen; das Publikum erwartet es. Gasperoni scheint in dieser Hinsicht weder Ahnung noch Geld gehabt zu haben. Wenn es einen unserer hübschen Hohlköpfe erwischt, dann meist im Off: Schrei des Opfers – alle rennen zum Ort des Geschehens, an dem eine vom Maskenbildner präparierte ‚Leiche‘ liegt. Dafür sollte man indes dankbar sein, denn als Gasperoni gegen Ende der Dreharbeiten noch ein wenig Geld in seiner Tasche fand, beschloss er, es tatsächlich in ‚Spezialeffekte‘ zu investieren. Man hat ihn dabei fürchterlich über den Tisch gezogen, und das Publikum muss ausbaden, dass Gasperonis Effekt-Künstler hauptberuflich für Kasperle-Theater arbeiten.

Nur 80 Minuten währt dieser Film-Spuk, doch sie ziehen sich gespenstisch in die Länge. Das Ende entspricht dem bisher abgewickelten Trauerspiel; natürlich erwartet die Überlebenden eine böse Last-Minute-Überraschung, und siehe da, wir sehen, wie in einer anderen Stadt die mysteriöse Kamera in ein Schaufenster gelegt wird; der nächste Trottel steht bereits kauflustig vor dem Laden. Wir wünschen ihm viel Glück beim Versuch, dem Fluch ein Schnippchen zu schlagen, doch sollte er sich dabei von Francesco Gasperoni und seinem Filmteam begleiten lassen, wird sein Tod (= „Smile 2“?) garantiert ohne uns stattfinden, die ihm einmal auf den Leim gegangen sind!

Apropos „auf den Leim gehen“: „Destination Death“ ist als Film in Deutschland bereits ab 16 Jahren freigegeben, was völlig in Ordnung ist. Um denjenigen Horror-Freunden, die Gruselstärkeres verlangen, entsprechende Ware vorzugaukeln, wurden einige Filmtrailer aufgespielt, von denen mindestens einer („I Spit on Your Grave“) erst ab 18 Jahren angeschaut werden darf. Die Rosstäuscher der Vergangenheit sind heute in der Werbung tätig. Wer noch eine Bestätigung benötigt, richte seinen Blick auf die dem Cover aufgedruckte ‚Empfehlung‘: „Final Destination trifft auf Freitag, der 13te“. Schon die Grammatik ist eher Warnung als Werbung.

DVD-Features

Zu einem miesen Film passen miserable Extras, die sich auf den deutschen und den englischen Trailer beschränken.

Sehr schön ist dagegen die (italienische) Website zum Film.

[md]

Titel bei Amazon.de (DVD)
Titel bei Amazon.de (Blu-ray)