Devil – Fahrstuhl zur Hölle

Originaltitel: Devil (USA 2010)
Regie: John Erick Dowdle
Drehbuch: Brian Nelson (nach einer Story von M. Night Shyamalan)
Kamera: Tak Fujimoto
Schnitt: Elliot Greenberg
Musik: Fernando Velázquez
Darsteller: Chris Messina (Detective Bowden), Logan Marshall-Green (Tony), Jenny O’Hara (Jane Kowski), Bojana Novakovic (Sara Caraway), Bokeem Woodbine (Ben Larson), Geoffrey Arend (Vince McCormick), Matt Craven (Lustig), Jacob Vargas (Ramirez), Joshua Peace (Detective Markowitz), Caroline Dhavernas (Elsa Nahai), Joe Cobden (Dwight), Zoie Palmer (Cheryl), Vincent Laresca (Henry) uva.
Label/Vertrieb: Universal Pictures Germany
Erscheinungsdatum: 26.05.2011 (DVD/Blu-ray)
EAN: 5050582822731 (DVD) bzw. 5050582822755 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch, Türkisch)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Dänisch, Finnisch, Niederländisch, Türkisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 77 min. (Blu-ray: 80 min.)
FSK: 16

Titel bei Libri.de (DVD)
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Das geschieht:

In Philadelphia ist der Teufel los, doch nur der fromme Sicherheitsmann Ramirez erkennt die untrüglichen Zeichen, zu denen u. a. das kurze Aufflammen von Satans Fratze auf einem Überwachungsmonitor gehört. Der eher weltlich orientierte Kollege Lustig sieht nur eine Fahrstuhlkabine, die auf ihrem Weg in den 42. Stock stehengeblieben ist; die Kamera zeigt fünf verärgerte Passagiere.

Ein Geschäftsmann, eine hübsche junge Frau, eine würdige ältere Dame, ein Mechaniker und ein Wachmann verfluchen das Schicksal, das sie in diese Lage geraten ließ. Zwar werden Lustig und Ramirez diensteifrig aufmerksam, aber der störrische Fahrstuhl lässt sich nicht in Bewegung setzen. Das kabineneigene Nottelefon empfängt nur, und immer wieder fällt die Innenbeleuchtung aus.

In einer dieser Dunkelphase beißt jemand die junge Sara in den Rücken. Misstrauen und Angst breiten sich aus, die Insassen beginnen in der engen Kabine zu streiten. Besorgt alarmiert Lustig die Polizei. Detective Bowden ermittelt quasi um die Ecke in einem Selbstmordfall und übernimmt auch diesen Einsatz, der kurz darauf zu einer Polizeiangelegenheit wird: Nach einem neuerlichen Stromausfall liegt einer der Fahrstuhlinsassen mit durchschnittener Halsschlagader da.

Einer der ihren muss der Mörder sein. Aus Furcht wird nackte Panik. Hilflos muss Bowden von außen zusehen. Er weiß inzwischen, dass sämtliche Kabinenpassagiere mehrfach gegen das Gesetz verstoßen haben oder zur Gewalttätigkeit neigen. Eile ist geboten, um die Eskalation der Situation zu verhindern. Doch es ist wie verhext: Sämtliche Rettungsversuche scheitern oder enden tragisch. Dass Ramirez den Teufel als Verursacher vermutet, wird erwartungsgemäß als Hirngespinst abgetan. Als weitere Insassen auf mysteriöse Weise zu Tode kommen, beginnt auch Bowden an Spuk zu glauben, ohne freilich zu ahnen, welche entscheidende Rolle ihm in diesem teuflischen Spiel zugewiesen wurde …

Horrorfilm mit unverdienter Hypothek

„Drehbuch nach einer Story von M. Night Shyamalan”: Vor nicht einmal zehn Jahren wäre diese Anmerkung einem Ritterschlag gleichgekommen. Nach inhaltlich kunstvoll vertrackten und dabei spannenden Filmen wie „Sixth Sense“ (1999), „Unbreakable – Unzerbrechlich“ (2000) und „Signs – Zeichen“ (2002) war Shyamalan ebenso Liebling der Kritik wie des Publikums; ein seltenes Kunststück, das der in den Hollywood-Olymp aufgestiegene Regisseur und Drehbuchautor auf ganz besondere Weise toppte: Mit seinen nächsten drei Filmen verspielte er nicht nur die Gunst seiner Anhänger und Fans, sondern verwandelte sich in eine Hass- und Spottfigur, die es niemandem mehr Recht machen konnte.

Obwohl Shyamalan das Paradebeispiel eines konsequenten Filmemachers ist, der sich selbst in eine Sackgasse gesteuert hat, ist das Pendel ungerecht weit in die Negativ-Richtung ausgeschlagen. Wäre seine Mitarbeit unbekannt, würden Kritik und Publikum „Devil“ sicherlich unvoreingenommener zur Kenntnis nehmen und als ‚kleinen‘ aber spannenden, schnellen, handwerklich hochwertigen Horror-Thriller genießen.

Satan hat offenbar zu viel Freizeit

So ist die Versuchung groß, die weniger gut geratenen Aspekte des Films Shyamalan in die Schuhe zu schieben. Damit würde die eigentliche Kritik in eine falsche Richtung zielen. Viele hochgeschätzte Genrefilme erzählen absurde, jeglicher Logik spottende Geschichten, ohne dadurch an Unterhaltungswert einzubüßen. Hier beschließt der  Teufel, einige böse Menschen in eine Fahrstuhlkabine einzuschließen, wo er sie tüchtig in Angst & Schrecken versetzt, bevor er sie umbringt und sich ihre Seelen holt.

Nüchtern betrachtet ist dies als kindliches (und kindisches) Verhalten eines zudem überflüssig personifizierten Bösen zu bewerten. Was ist von einem Teufel zu halten, der höchstpersönlich (und ausgerechnet in Philadelphia) einen Fahrstuhl sabotiert, um einigen sündigen Bürgern einzuheizen? Hat er nichts Besseres zu tun? Und sollte er seine Opfer nicht besser ziehen lassen, da sie doch eigentlich in seinem Sinne wirken, d. h. stehlen, betrügen oder Fahrerflucht begehen?

Auf der anderen Seite ist dieser Teufel sehr traditionell: Nicht nur die europäische Folklore ist reich an Geschichten, die Beelzebub zeigen, der die Menschen versucht. Kein Aufwand ist ihm zu groß, wenn er Gott eine Seele entwinden kann. Niemand ist sicher, niemand so unauffällig, dass ihn der Höllenfürsten übersieht. Diesen Schluss sollten die Leser oder Hörer derartiger Geschichten ziehen und entsprechend vorsichtig sein.

Fundamentalismus light?

„Wenn du an den Teufel glaubst, musst du auch an Gott glauben“, fasst Ramirez, der „Devil“ phasenweise aus dem Off kommentiert, die Erfahrungen der Überlebenden im Finale zusammen. Ist „Devil“ also Unterhaltung mit pädagogischem Subtext – eine religiöse Lektion mit Zuckerguss? Dafür könnte auch sprechen, dass „Devil“  der erste Teil einer Trilogie ist, die den Titel „Night Chronicles“ trägt. Diese drei Filme thematisieren den ‚handfesten‘ Einbruch des Übernatürlichen in eine rationale bzw. ‚ungläubige‘ Welt und tragen dabei auch dem metaphysischen Element ausdrücklich Rechnung.

Shyamalan ist freilich kein Christ, sondern Hindu und nach eigener Auskunft ein „spiritueller Mensch“. Das konfessionsübergreifende Interesse an Religion, die Suche nach dem Sinn oder der Bestimmung des Lebens ziehen sich durch sein Gesamtwerk, wobei er das Risiko, sich lächerlich zu machen, auf sich nimmt, wie das Scheitern von „Lady in the Water“ (2008; dt. „Das Mädchen aus dem Wasser“), einem Film, der Shyamalan sehr am Herzen lag und liegt, drastisch verdeutlichte.

Handwerk contra Aufwand

Seit der genannte Film Shyamalans steilen Absturz beschleunigte, sucht er nach Auswegen aus der beruflichen Krise. Das „Night-Chronicle“-Projekt ist in mehrfacher Hinsicht eine Kehrwendung, welche die positiven Aspekte des Shyamalan-Kinos betont. Grandiose Kulissen und spektakuläre Filmtricks werden zugunsten einer spannenden, geradlinigen und ökonomisch erzählten Story aufgegeben. Auch die (an Bollywood gemahnende) Melodramatik des ‚typischen’ Shyamalan-Films wird man in „Devil“ weder finden noch vermissen.

Die Story setzt furios ein; sie kommt auf den Punkt und bleibt auf Kurs: Sobald der Vorspann gelaufen ist, lässt Ramirez die Katze aus dem Sack: Der Teufel geht um. Geradezu mutwillig scheint Shyamalan zu spoilern. Wir erfahren, was Satan plant und wie er es anfangen wird. Doch von Brian Nelson wird das Enthüllte immer wieder hinterfragt, konterkariert und ad absurdum geführt. Nicht jeder Einfall zündet. 80 kurze aber längenfreie Minuten sorgen trotzdem für lupenreines B-Movie-Entertainment. Es ist bemerkenswert, wie sich eine winzige Fahrstuhlkabine in eine Kammer des Schreckens verwandeln lässt – man muss ‚nur‘ wissen, wie das geht!

Die religiösen Untertöne lassen sich ignorieren. Lauter werden sie im Finale, das ohnehin unter einem alten Problem leidet: Die Lösung eines Rätsels kann mit dem Weg dorthin selten mithalten. Irgendwann müssen Shyamalan, Nelson und Dowdle offenbaren, wo der Teufel sich verborgen hält. Die Möglichkeiten sind in einer Fahrstuhlkabine begrenzt. Das Trio greift auf Agatha Christie (und hier auf „Last Weekend“, 1941; dt. „Zehn kleine Negerlein“/„Und dann gabs keines mehr“) zurück, was funktioniert aber nicht überrascht. Und soll ein endlich persönlich auftretender Teufel, dem trotz des ohnehin überkomplizierten Seelenfang-Plans ein Opfer von der Gabel springen kann, womöglich tröstlich wirken? Wenn du ‚das Richtige‘ tust, bleibt Satan machtlos! Um damit durchzukommen, sollte Shyamalan auf Zuschauer mit ausgeprägtem Sinn für das Märchenhafte hoffen!

Profis am Werk

Wie im B-Movie dieser Budget-Stufe üblich, sieht man vor der Kamera viele bekannte aber nicht berühmte Gesichter. Man kennt sie aus dem US-Fernsehen, wo sie in zahllosen Serien ihre Wandlungsfähigkeiten unter Beweis stellen. Sie sind es gewohnt, unter Zeitdruck zu arbeiten, sie sind schnell und vor allem handwerklich zuverlässig.

Diese Mischung ist in einem Ensemble-Stück wie „Devil“ doppelt wertvoll. Hier spielt sich niemand in die erste Reihe und seine Kollegen an die Wand. Stattdessen spielen sich die Darsteller den Ball in hohem Tempo und passgenau zu. Eine gewisse Glätte ist zudem erforderlich, um die Identität des Teufels möglichst lange verborgen zu halten.

Die Figuren sind überzeugend alltäglich, wobei vor allem Matt Craven als abgeklärter Dienstmann glänzt. Chris Messina gibt einen Detective Bowden, der seine Trauer um die bei einem Unfall umgekommene Familie und seine Alkoholkrankheit nicht zelebriert. In der engen Fahrstuhlkabine leiden die fünf unglücklich Gestrandeten erfreulich plastisch. Weder der strahlende Held noch der düstere Schurke lässt sich blicken; diese Geschichte benötigt beide nicht. „Devil“ ist nie neu und selten originell aber immer unterhaltsam. Es entsteht ein Film, den man sich anschauen kann, ohne sich anschließend über vergeudete Zeit zu ärgern. Das ist vor allem dem erfahrenen Horror-Fan ein „Daumen hoch!“ wert.

DVD-Features

– Unveröffentlichte Szenen.
– Regisseur, Produzent und einige Darsteller äußern sich über „Die Story“. Der Informationsgehalt bleibt – freundlich interpretiert – angesichts der kaum zweieinhalbminütigen Dauer dieser Featurette beschränkt.
– „The Devil‘s Meeting“ beschreibt der Historiker und Mythologe Ysamur Flores die (nicht nur) dem Hauptfilm zu Grunde gelegte Mythologie: Der Teufel taucht nicht einfach auf, um sich seine Opfer zu schnappen. Sein Erscheinen und sein Wirken auf Erden wirken beinahe zeremoniell und sind von bestimmten Zeichen und Phänomenen begleitet, die der Eingeweihte erkennen und deuten kann.
– In „Die Night-Chroniken“ erläutert Produzent M. Night Shyamalan persönlich die Idee hinter jener Trilogie, deren Auftakt „Devil“ bildet.

Im Internet findet man (wenige aber werbungsschwere) Infos über „Devil“ hier.

[md]

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