Ein mit Superkräften ausgestattetes aber kriminelles Geistwesen vom Planeten Arous nistet sich im Hirn eines irdischen Physikers ein, um die Erdwelt unter seine Herrschaft zu zwingen. Die Verlobte des Opfers und ihr Vater wollen diesen Plan vereitelt … – Die ohnehin krude Story wird unter geradezu vorsätzlicher Missachtung jeglicher Schauwerte so wuchtig in den Sand gesetzt, dass unfreiwillig aber aus heutiger Sicht gelungen ein urkomischer Klassiker des Trash-Kinos entstanden ist.

Das geschieht:

Seltsames geht vor im US-Staat Nevada, wo das US-Militär eine Atombombe nach der anderen zündet, um gewappnet zu sein, sollten die bösen Sowjet-Teufel es wagen, ihre blutroten Klauen gen (Nord-) Amerika auszustrecken. Doch Gefahr droht auch aus dem Himmel: Vom Planeten Arous, der von hochintelligenten Gehirnwesen bevölkert wird, hat sich der kriminelle Gor mit einem Raumschiff davongemacht. Er kann den esoterischen Freuden seiner vergeistigten Mitbürger nichts abgewinnen, sondern träumt davon, sich eine fremde Welt zu unterwerfen.

Gors Wahl ist auf die Erde gefallen. Mit seinem Raumschiff bohrt er ein Loch in einen Wüstenberg und sendet schubweise radioaktive Strahlung in die Welt. Irgendjemand wird ihm sicher in diese raffinierte Falle gehen. Gor liegt richtig. Die Physiker Steve March und Robert Fuller reisen neugierig in die Wüste, um dem geschilderten Phänomen auf den Grund zu gehen. Fuller fällt Gors Superkräften zum Opfer und wird gegrillt, während March dem teuflischen Eindringling als Gastkörper dient: Gor schlüpft in sein Hirn, sodass March nun seinem Willen unterworfen ist.

Neue Bombentests scheinen Gor das beste Publikum für seinen Anspruch auf die Weltherrschaft zu bieten. Um seine Übermacht unter Beweis zu stellen, lässt er Strahlen aus Marches Augen schießen, die u. a. Flugzeuge vom Himmel holen und Test-Atombomben vorzeitig zünden. Die Regierungen und Militärs dieser Welt sind beeindruckt und beginnen einzuknicken.

Glücklicherweise zeigen Sally, Marches Verlobte, und ihr Vater mehr Initiative. Sally ist doppelt motiviert, denn Gor hegt hochgradig unkeusche Gefühle ihr gegenüber, deren tatkräftige Umsetzung er drohend ankündigt. Glücklicherweise können Vater und Tochter auf einen unerwarteten Verbündeten zählen: Vom Planeten Arous ist Gehirn-Polizist Vol eingetroffen, um Gors Schurkenstreichen ein Ende zu bereiten …

Der Zuschauer muss es ausbaden

Da das Fernsehen in den 1950er Jahren auch in den USA noch in den Kinderschuhen steckte, blieb die Verdummung des Publikums weiterhin primär dem Kino überlassen. Schon der klassische Hollywood-Produzent investierte möglichst wenig Kapital in Filme, die umgekehrt möglichst viel Geld einspielen sollten. Auf die Spitze getrieben wurde diese Praxis von jenen Produzenten, denen die Börse ohnehin schlapp am Gürtel hing. „Poverty Row“ nannte man die abseits des Sunset Boulevards gelegenen Hinterhof-Studios, in denen binnen weniger Drehtage Filme für Miniatur-Budgets weniger gedreht als heruntergekurbelt wurden. Diese Mini-Studios kamen und verschwanden, und sie hinterließen nur wenige gelungene aber eine Flut missratener Werke, die für schlecht befunden und rasch vergessen wurden.

Heute gelten viele dieser unter haarsträubenden Bedingungen entstandenen Filmchen als Relikte einer besseren, weil unschuldigeren Vergangenheit. Schon zu ihrer Entstehungszeit galten sie höchstens konservativ-kirchlichen Kritikern u. a. Spießern & Spielverderbern als Meilensteine auf dem direkten Weg zur Hölle. Die aus dieser Quelle schwappende Unmoral blieb schon deshalb aus, weil die zeitgenössischen Spezialeffekte unendlich weit entfernt von jener Perfektion waren, die heute zumindest im Kino als Selbstverständlichkeit vorausgesetzt wird.

Illusion musste reine Behauptung bleiben, wenn sich selbst handgemachte Tricks nicht finanzieren ließen. Zwar konnte eine gute Story optische Armut ausgleichen. Diesen Weg wählten (und wählen) freilich nur wenige der bestenfalls enthusiastischen aber selten talentierten B- und C-Filmemacher. Wo Geld generell knapp war, wurde es ganz sicher nicht für gute Drehbuchautoren ausgegeben. Ray Buffum (1904-1980) schrieb sonst meist Skripte für billige Westernfilme und TV-Western. „Die Augen des Satans“ wrang er sich im Doppelpack mit der Vorlage für „Teenage Monster“ aus dem Hirn. Für diesen sogar noch schundigeren Film setzte sich Produzent Jacques R. Marquette (1915-1999) 1958 persönlich in den Regiestuhl.

Der Krug, der Brunnen, die Scherben

1957 hatte es Marquette im Grunde besser gemacht. „Die Augen des Satans“ wurde von Nathan Juran (1907-2002) inszeniert. Dieser war zwar kein Genie aber ein guter Handwerker, der u. a. Genre-Kost wie „20 Million Miles to Earth“ (1957; dt. „Die Bestie aus dem Weltenraum“), „The 7th Voyage of Sinbad“ (1958; dt. „Sindbads siebte Reise“) oder „First Men in the Moon“ (1964; dt. „Die erste Fahrt zum Mond“) drehte, die durch die Magie des Effekt-Zauberers Ray Harryhausen (1920-2013) zu Klassikern wurden. Doch auch Juran konnte kein Blut aus einem Stein pressen: Für „Die Augen des Satans“ standen ihm laut „imdb.com“ gerade einmal 58000 Dollar zur Verfügung.

Damit konnten Anspruch und Ergebnis beim besten Willen nicht in Einklang gebracht werden. So war es kein Wunder, dass Juran nach Sichtung des fertigen Films voller Entsetzen darauf bestand, nur als „Nathan Hertz“ – Hertz war sein zweiter Vorname – in Vor- und Abspann genannt zu werden. (Diesen Notausgang wählte Juran 1958 noch einmal, als er sich für den SF-Humbug „Attack of the 50 Foot Woman“, dt. „Angriff der 20-Meter-Frau“, anheuern ließ.)

Weiterhin fällt es schwer zu glauben, dass für die Spezialeffekte von „Augen des Satans“ Jack H. Pierce (1889-1968) verantwortlich war, der u. a. die klassischen, in die Filmgeschichte eingegangenen Gruselgestalten der „Universal“-Studios – Dracula, Frankensteins Monster, der Wolfsmensch – erschaffen hatte. Wiederum gilt, dass auch Talent gänzlich ohne Geld nicht blühen kann. Für Gor und Vol reichte das Budget offensichtlich nur für mit Helium gefüllte Mülltüten, die mit ‚Gehirnwindungen‘ bemalt wurden. Um die vordere Seite zu markieren, pinselte Pierce zwei schwarzumrandete Augen auf die Tüte. Für dreidimensionale Strukturen, die dieser kümmerlichen Kreatur ein wenig Glaubwürdigkeit verliehen hätten, waren weder Geld noch Zeit da. Stattdessen schaukelte die Gehirn-Tüte deutlich sichtbar an Zwirnsfäden.

Schauspieler im Teufelskreis

Wenn Gor und später Vol auf der Bildfläche erscheinen, waren sie nachträglich in die Szene eingeblendet. Die Darsteller mussten vorab ins Leere dorthin spielen, wo später die Außerirdischen erscheinen sollten. Dummerweise scheint das Budget noch während der Dreharbeiten weiter gekürzt worden zu sein: Immer wieder stehen die Darsteller in einer Ecke des Bildes und sprechen in den leeren Raum. Hier sollte wohl  ein Hirnwesen schaukeln, doch es wurde gestrichen, was der Dramatik verständlicherweise abträglich ist.

Wie sollen erwachsene Menschen überhaupt mit Mülltüten schauspielern? Zwar nimmt es der wahre Profi, wie es kommt. Darüber hinaus gab selten so abgebrühte, weil vom Hollywoodglanz nie getroffene Darsteller wie jene, die in Filmen wie diesem spielten. John Agar (1921-2002) war vielleicht der ‚Star‘ dieses Films, aber ansonsten ein einfacher Arbeiter in den Minen von Hollywood. Dort spielte er hin und wieder Nebenrollen in Meisterwerken wie „She Wore a Yellow Ribbon“ (1949; dt. „Der Teufelshauptmann“ von John Ford und mit John Wayne in der Hauptrolle), aber meist in Seltsamkeiten wie „Daughter of Dr. Jekyll“ (1957; dt. „Die Totengruft des Dr. Jekyll“), „Attack of the Puppet People“ (1958) oder „Women of the Prehistoric Planet“ (1966). Nur selten hatte er Glück und geriet in B-Movies, die eigene Qualitäten besaßen („Tarantula“, „Revenge of the Creature“; dt. „Die Rache des Ungeheuers“, beide von 1955 und Jack Arnold). Kein Wunder, dass Agar später lieber für das Fernsehen arbeitete.

Obwohl man die übrigen Darsteller oft auf Kinoleinwänden und TV-Bildschirmen sehen konnte – was angesichts der Honorare, die ihnen gezahlt wurden, lebensnotwendig war -, sagten ihre Namen bereits den zeitgenössischen Zuschauern wenig oder gar nichts. Dabei lassen die gebotenen Leistungen nichts zu wünschen übrig: Schauspielerische Herausforderungen sind niemals gefragt, kompetente Präsenz – wie fülle ich glaubhaft eine Uniform oder halte mich senkrecht auf zwei Beinen? – sowie die Fähigkeit, sich das Lachen zu verbeißen, genügten vollauf.

Schadenfreude ist die größte Freude

Was ihre Selbstbeherrschung betrifft, ernsthaft selbst dort zu bleiben, wo der Blödsinn nicht nur lauert, sondern laut kreischend im Bildvordergrund tobt, sind die Männer (und eine Frau), die „Augen des Satans“ vor und hinter der Kamera möglich machten, unbesungene Helden der Filmhistorie. Natürlich ist Drehbuch-Dummheit auch heute stets präsent, wobei jedoch jene Naivität verschwunden ist, die das Billig-Kino der 1950er Jahre prägte: Es musste ein Publikum geben, dass sich auf die ausschließlich der Unterhaltung dienenden Filme einließ und bereit war, deren Unzulänglichkeiten in Kauf zu nehmen. Hilfreich war dabei das Fehlen von Alternativen: Selbst die Spezialeffekte großer Hollywood-Filme sehen in der Rückschau oft kläglich aus.

Natürlich ist es einfach, sich über Filme wie „Augen des Satans“ lustig zu machen. Sie sind „Camp“ und haben im Laufe von Jahrzehnten eine zusätzliche Ebene der Lächerlichkeit gewonnen. So sind es zum einen die Mülltüten-Aliens, die dem Film heute jeglichen Schrecken austreiben, den er einst verbreitet haben mag. Auch die lausig gesprengten Flugzeug-Modelle, die dreist eingeschnittenen Aufnahmen realer Atombombenversuche oder die Absonderlichkeit, dass selbst Entscheidungen von globaler Bedeutung von höchstens einem Dutzend Männer in winzigen, karg möblierten Kammern getroffen werden, sind Teil des nachträglichen Vergnügens.

Hinzu kommt eine Komik, die in zeitgenössischen, heute überwundenen Konventionen wurzelt. Steve und Sally sind verlobt aber selbstverständlich keusch, da der Startschuss ins gemeinsame Bett noch nicht per Heirat gegeben wurde. Umso ‚schrecklicher‘ sind deshalb die schamlosen Übergriffe des geilen Außerirdischen, der sich ausgerechnet eine Erdenfrau als Opfer seiner Begierden wählte. Glücklicherweise reicht ein scharfes Wort der braven Maid, den stürmisch besessenen Steve zu bremsen, obwohl dieser Widerspruch sonst durch Todesstrahlen aus seinen bleigrau anlaufenden Augen ahndet; begleitet wird dieses grausige Treiben durch meckerndes Lachen, um Gors Verworfenheit zu unterstreichen.

Unbeholfen aber irgendwie liebenswert stolpert die Handlung in ein gleichermaßen unspektakuläres wie abruptes sowie ganz besonders unlogisches Finale. Doch bis es soweit ist, sind gerade 70 Minuten verstrichen, und kein Zuschauer fühlt sich betrogen: „Die Augen des Satans“ sind grundsolider Film-Trash, wir haben es gewusst, und wir wurden unterhaltsam bestätigt.

DVD-Features

Wie alle Filme, die in der „Galerie des Grauens“ erschienen, wurde auch „Die Augen des Satans“ reichlich mit interessantem Zusatzmaterial ausgestattet. Für die (marginal veränderte) US-Originalfassung sprachen die Filmkritiker und Autoren Christian Keßler und Ingo Strecker einen Audiokommentar ein.

Strecker ist zudem Verfasser eines zwölfseitigen Booklets, das der DVD beiliegt. Eine Blu-ray-Ausgabe ist angesichts des qualitativ keineswegs hochwertigen Filmmaterials unterblieben. Die DVD bietet nur eine Mono-Tonspur. Das (schwarzweiße) Bild ist dessen ungeachtet sehenswert, weil deutlich und kontraststark sowie fast ohne Kratzer und Verunreinigungen.

Auf 79 Texttafeln kann der Zuschauer die abenteuerliche Filmografie des John Agar nachvollziehen. Zwölf dieser Tafeln sind (mit kleinen Gehirn-Ikons!) verlinkt und führen zu Trailern anderer Filme, in den Agar gespielt hat.

Weiterhin gibt es den (US-amerikanischen) Trailer, der markig einen Filmschrecken verspricht, der sich schon 1957 kaum eingestellt haben dürfte. Wie man dieses Manko vertuschen und ein argloses Publikum möglichst kopfstark in die Kinos locken konnte, verriet der deutsche Hermes-Filmverleih im Rahmen eines Werberatschlags, der sich ebenfalls anschauen lässt. Abschließend gibt es eine kleine Galerie mit Bildern aus dem Film, die mit Musik unterlegt selbstständig abläuft.

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Die Augen des Satans
Originaltitel: The Brain from Planet Arous (USA 1957)
Regie: Nathan Hertz [d. i. Nathan H. Juran]
Drehbuch: Ray Buffum
Kamera: Jacques R. Marquette
Musik: Walter Greene
Darsteller: John Agar (Steve March), Joyce Meadows (Sally Fallon), Robert Fuller (Dan Murphy), Thomas Browne Henry (John Fallon), Henry Travis (Colonel Frogley), E. Leslie Thomas (General Brown), Tim Graham (Sheriff Pane), Dale Tate (Prof. Tate sowie Originalstimmen von Gor u. Vol) u. a.
Label/Vertrieb: Anolis Entertainment/Galerie des Grauens 10
Erscheinungsdatum: 12.08.2010
EAN: 4041036310202 (DVD)
Bildformat: 16 : 9 (1,33 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 2.0 mono (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 71 min.
FSK: 16

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