Über einem Berg in den Schweizer Alpen lastet eine mysteriöse Wolke; wer hineingerät, verliert den Kopf, bis ein US-Tatmensch und ein Journalist dem Grauen auf den Grund gehen … – Ungeachtet des hanebüchenen Plots, der Steinigung jeglicher Handlungslogik und der Trash-Tricks aus der Mottenkiste überzeugt diese Mischung aus SF und Horror durch eine stimmungsvolle Inszenierung und den Charme einer nostalgisch völlig aus der Zeit gefallenen Pseudo-Phantastik.

Das geschieht:

Die hellseherisch begabte Anne Pilgrim und ihre Schwester Sarah wollen eigentlich nach Zürich reisen, als ein geistiger Zwang Anne dazu bringt, am Bahnhof der kleinen Stadt Trollenberg auszusteigen. Mit ihnen tut dies Alan Brooks, ein für die UNO tätiger Sachverständiger, den ein alter Freund in die Schweiz gerufen hat: Professor Crevett, ein geachteter Physiker, der in seinem Berg-Observatorium am Monteville oberhalb Trollenbergs Strahlungsforschung betreibt, ist aufgefallen, dass am Südhang eine von Wind und Wetter offenbar unabhängige Wolke treibt, von der eine deutlich messbare radioaktive Strahlung ausgeht. Zudem verschwinden immer wieder Bergwanderer, die in diese Wolke geraten. Tauchen sie überhaupt wieder auf, fehlt ihnen der Kopf, der mit roher Gewalt vom Rumpf gerissen wurde – eine Tatsache, die der Bürgermeister von Trollenberg zum Nutzen der lokalen Tourismuswirtschaft an eine möglichst kleine Glocke hängt.

Vor einem Jahr haben Brooks und Crevett ein ähnliches Phänomen bereits in den südamerikanischen Anden beobachtet, bevor es plötzlich verschwand. Die neuerliche Sichtung bietet endlich die Gelegenheit, Crevetts abenteuerliche Theorie zu überprüfen. Der Wissenschaftler glaubt, dass die Wolke die Erkundungsaktivitäten außerirdischer Invasoren tarnt, die sich auf der Erde nach einer neuen Heimat umschauen.

Ohne eindeutige Beweise will Brooks verständlicherweise nicht bei seinen UNO-Vorgesetzten vorstellig werden. Er wird rasch eines Besseren belehrt. Bergführer Brett, der den Geologen Dewhurst auf eine Bergtour begleitete, kehrt allein und als Tiefkühl-Zombie zurück, der Anne nach dem Leben trachtet. Als er am aufmerksamen Brooks und seinem neuen Mitstreiter, dem Journalisten Philip Truscott, scheitert, lassen die Invasoren den Nebel gen Trollenberg ziehen, um die Bürger persönlich zwischen ihre Tentakel zu bekommen …

Was man nicht sieht, ist erst recht erschreckend

Dunkelheit, dichter Wald, trübes Wasser und eben Nebel: Was wäre der Horrorfilm ohne die Einschränkung der menschlichen Sinneswahrnehmung? Dort, dieser Schatten, diese Bewegung – ist er oder sie real oder ein Produkt der Einbildung? Wo man nicht scharf sehen kann, entscheiden die korrekte Einschätzung und die daraus resultierende Reaktion womöglich über Leben und Tod. Die begleitende Unsicherheit sorgt für Adrenalin und Angst, und die speist auch den Spaß am filmischen Grusel.

Hinzu kommt das für Produzenten erfreuliche Sparpotenzial, das derartiger Sinnesschwäche innewohnt. Der Nebel über dem Monteville und später über Trollenberg verbirgt etwas, das ist schnell klar, weil Wasserdampf keine Köpfe rollen lässt. Was dort umgeht, bleibt lange Zeit buchstäblich verborgen. Der Zuschauer erwartet sogar, hingehalten zu werden; allzu frühe Aufklärung zerstört den Schrecken, den die eigene Vorstellungskraft inszeniert hat.

Dieses Element wird umso wichtiger bei einem Film, der 1958 möglichst kostengünstig entstand. Wie weiter unten zu enthüllen ist, können die endlich ins Tageslicht tretenden Schrecken sogar unter Berücksichtigung der zeitgenössischen Möglichkeiten tricktechnisch beim besten Willen nicht einmal einen Dreijährigen überzeugen.

Worum geht’s hier eigentlich?

Das ältere Publikum ist bis dahin immerhin damit beschäftigt herauszufinden, worauf diese Filmgeschichte eigentlich hinauswill. Jimmy Sangster (geb. 1927) war als Drehbuchautor nie pingelig in Sachen Logik. Ihm ging es um den Effekt, der das Publikum in seinen Bann ziehen sollte. Zur Höchstform lief er diesbezüglich in den 1950er und 60er Jahren auf. Für die britische Produktionsfirma „Hammer Studios“ schrieb er die Vorlagen für Klassiker des modernen Horrorfilms: „The Curse of Frankenstein“ (1957; dt. „Frankensteins Fluch“) und „Dracula“ (1958) mit Christopher Lee und Peter Cushing, „The Mummy“ (1959, dt. „Die Rache der Pharaonen“) oder „Taste of Fear“ (1961, dt. „Ein Toter spielt Klavier“); beide ebenfalls mit Lee.

Freilich lieferte Sangster auch Drehbücher für Filme, die zu Recht (und zum Glück) vergessen sind. Wurde er nicht durch talentierte Regisseure, Schauspieler und Ausstatter unterstützt, schimmerte der Schematismus des Autors, der gern bewährte Versatzstücke miteinander verschmolz und dabei wenig Originalität bewies, allzu deutlich durch.

„Die Todeswolke von Monteville“ liegt irgendwo in der Mitte zwischen spannender Unterhaltung und heillosem Tohuwabohu. Damit ist nicht die Ausgangsidee gemeint, die zwar definitiv jenseits jeglicher Logik liegt, was jedoch im Horror kein Grund für Verdammnis ist: Das Genre ist schließlich DIE Spielwiese für das Ungewöhnliche. Im Rahmen der vorgegebenen Story sollte es dann allerdings halbwegs logisch zugehen – und hier schwächelt Sangster gewaltig.

Drolliges Bergmärchen aus Trollenberg

Seine Story siedelt er gänzlich im Hier & Jetzt an. Trollenberg wirkt dennoch wie aus dem Raum-Zeit-Kontinuum gefallen. Zwar gibt es mindestens ein Auto, aber ansonsten scheinen sich hier Auswanderer des mittelalterlichen Dorfes Frankenstein angesiedelt zu haben. Flachgeistige Männer mit komischen Hüten und naive Landfrauen ducken sich abergläubisch vor allerlei Berggeistern. Unwillkürlich wartet der Zuschauer darauf, dass sie mit Fackeln und Mistgabeln den allzu neugierigen Brooks (Eindringling und Wissenschaftler und damit der ideale Sündenbock) aus dem Dorf jagen.

Für die geradezu abstrakte Fremdheit Trollenbergs sorgen die stilisiert wirkenden Kulissen. „Die Todeswolke“ spielt in der Schweizer Bergwelt, doch entstanden ist dieser Film in der denkbar flachen englischen Grafschaft Middlesex: in den Southall Studios unweit von London, um genau zu sein. Die Schweiz wird durch eingeschnittene Archiv- und Trickaufnahmen heraufbeschworen, was vor allem vom heutigen Publikum gewaltige Vorstellungskräfte fordert. Jede ‚Außenaufnahme‘ entstand in engen Studioräumen, was andererseits durchaus für eine Atmosphäre der Beklemmung sorgt, die durch geschickte Lichtsetzung gefördert wird. Das Schwarzweiß der Bilder unterstützt deren Unwirtlichkeit und bestätigt einmal mehr, dass geschickte Studiotechniker auch mit geringen Mitteln für bemerkenswerte Schauwerte sorgen können.

Dünne Luft und schwache Klarsicht

Die Künstlichkeit dieser Filmwelt wird allzu übermächtig, wenn jedes ‚echte‘ Bild aus der Schweiz als Rückprojektion zu erkennen ist. Insofern ist Trollenberg der ideale Schauplatz für eine sehr verwirrende Geschichte, die (nicht nur) diese Fragen aufwirft: Was zum Teufel TREIBEN diese Außerirdischen eigentlich? Sie mögen ja fremd sein und anders denken als der Mensch, aber lässt sich so begründen, dass sie sich diese absurde ‚Invasion‘ einfallen lassen? Wie bescheuert muss man beispielsweise sein, um sich unter einer RADIOAKTIVEN Wolke zu ‚tarnen‘, die darüber hinaus hoch am Berg und im Tageslicht jedermann ins Auge sticht? (Wobei die aus der Radioaktivität resultierenden Gefahren von Sangster völlig ignoriert werden und für das Geschehen ohne Belang bleiben – oder ist die tranige Gleichgültigkeit der guten Menschen von Trollenberg ein Indiz für atomar bedingte Gehirnerweichung?) Wenigstens sind die Eindringlinge nicht wie in so vielen Filmen aus der Ära des Kalten Krieges allegorisch maskierte Sowjet-Teufel, nach denen das Publikum gefälligst Ausschau halten sollte.

Welcher unglückliche ‚Zufall‘ bringt die übersinnliche und deshalb geistig fernsteuerbare Anne Pilgrim nach Trollenberg? Wieso wollen die Außerirdischen unbedingt sie ausschalten, statt sich um Professor Crevet zu kümmern, der sie im Visier seiner Strahlenmessgeräte hat? Warum produzieren sie Zombies als Handlanger, die zudem so ungeschickt umher torkeln, dass nur das Drehbuch die Hauptfiguren zwingen kann, sie nicht augenblicklich zu entlarven?

Solche Unstimmigkeiten fallen in einem (zu) langem Mittelteil auf, der daran erinnert, dass „The Trollenberg Terror“ die Verfilmung einer sechsteiligen TV-Serie gleichen Namens ist, die zur Jahreswende 1956/57 ausgestrahlt (aber leider nicht archiviert) wurde. Sangster gelang es nicht, der Kinoversion die Behäbigkeit der deutlich längeren und für die fünffache Fortsetzung strukturierten Vorlage auszutreiben.

Britische-amerikanische Schweizer

Dem sind auch die grundsätzlich tadellos spielenden Darsteller nicht gewachsen. Man muss sie schon für die Unerschütterlichkeit loben, mit der sie in Wort und Tat den unglaublichsten Blödsinn über die Studiobühne bringen, ohne dabei in haltloses Gelächter auszubrechen. Der knorrige Forrest Tucker (1919-1986) wirkt trotz Akademiker-Brille ein wenig verloren in seiner Rolle als Wissenschaftler; er spielte sonst Tatmenschen in Western und Krimis und benötigte Platz, um seine Körpergröße und Präsenz zur Wirkung zu bringen. In diesen Film geriet er, um „Die Todeswolke“ auch für den US-Verleih attraktiv zu machen.

Tucker zur Seite stehen routinierte englische Schauspieler. Ihr Spiel ist einem B-Movie angemessen; darstellerische Höchstleistungen werden weder verlangt noch geboten. (Was wohl gut so ist, wenn man Andrew Faulds dabei beobachtet, wie er jeden Gesichtsmuskel in eine andere Richtung zwingt, um einen vom Alien-Teufel besessenen Zombie zu figurieren.) Erstaunlich selbstständig ‚dürfen‘ sich Jennifer Jayne (1931-2006) und Janet Munro (1934-1972) als Sarah und Anne Pilgrim geben. Nichtsdestotrotz ist zum Schluss eine Doppelhochzeit in Sicht.

Unbedingt erwähnt werden sollte noch Caroline Glaser in ihrer ersten und einzigen Filmrolle als wahrscheinlich schlechteste Kinderdarstellerin der Filmgeschichte: Als ein Außerirdischer sie packen will, steht sie stocksteif und völlig emotionsfrei in der Kulisse, bis der verzweifelte Regisseur aus dem Off einen Aliententakel um sie werfen und Angstgewimmer einspielen lässt.

Asthmatische Invasoren aus dem All

Womit wir zum eigentlichen Trollenberg-Terror kommen. Irgendwann lüftet sich der Nebel, aus dem die trotz ihrer Tücken bisher erfolglosen Aliens angeschnauft kommen. Ihr Aussehen fasst der US-Titel („The Crawling Eye“) anschaulich aber nicht ganz zutreffend zusammen. „The Crawling Brain“ träfe es besser, denn die Invasoren sind körperlose Gehirne, die einäugig in ihre, diese und andere Welten starren, über die sie auf krakenähnlichen Tentakeln kriechen. Dabei stoßen sie Geräusche aus, die so klingen wie das, was aus der Schlafkammer eines sehr alten Mannes mit rettungslos erschlafftem Gaumensegel ertönt.

Dies ist der Moment, in dem jeglicher Trollenberg-Terror beim Zuschauer in sich zusammenfällt und König Trash das Feld übernimmt. Forrest Tucker oder teure Aliens? Vor dieser Entscheidung standen die Produzenten. Zeitgenössisch ging ihre Rechnung auf, doch aus filmhistorischer Sicht haben sie Mist gebaut. Das Geld reichte nur für den Ankauf einiger Luftballons, die schlaff aufgeblasen und mit Adern und Hirnwindungen bemalt wurden. Vorn wurde das wild blickende und an einem Stiel wirbelnde Auge montiert und das Ganze auf einen Kranz dürrer Fangarme gesetzt, die mit Hilfe ‚unsichtbarer‘, tatsächlich aber deutlich sichtbarer Fäden in ungelenke ‚Bewegungen‘ versetzt wurden. Um ein unglückliches Opfer erhaschen zu können, musste sich dieses die Tentakel unauffällig um den Körper wickeln. Als der Journalist Truscott gepackt und emporgehoben wird, schaukelt an einem Zwirnsfaden eine kleine Gummipuppe.

Miniatur-Kulissen und Realaufnahmen bleiben einander stets fremd. Wie Wasser lassen sich auch Flammen und Rauchwolken nicht verkleinern, sodass ihre Trick-Herkunft das feurige Finale stark beeinträchtigt. Dass die bombardierten Aliens wie schmorender Hausmüll aussehen, ist nur der letzte Nagel zu jenem Sarg, in den sich ihr Film verwandelt hat – ein unwürdiges Ende für einen Film, der zuvor trotz seines inhaltlichen Wirrwarrs und der formalen Beschränkungen ein zwar naives und altmodisches aber intensives Vergnügen bereiten konnte.

DVD-Features

Diesem ersten Film aus der Anolis-Reihe „Galerie des Grauens“ wurden zahlreiche interessante Extras aufgespielt. So konnte man niemand Geringeren als John Carpenter für einen Audiokommentar gewinnen. Der Regisseur moderner Phantastik-Klassiker wie „Halloween“ oder „Flucht aus New York“ erzählt, wie ihn die Nebel-Szenen aus „Die Todeswolke“ in seinem eigenen Film „The Fog – Nebel des Grauens“ (1980) inspirierten. In der Tat hat Carpenter manche Szenen bildgenau übernommen. (Ein weiterer Audiokommentar wird vom Phantastik-Spezialisten Rolf Giesen und von Hans Joachim Thunack gesprochen.)

Weiterhin aufgespielt wurden folgende Features: englische Titelsequenz, Kino-Trailer (Großbritannien, USA, Deutschland), der US-Double-Feature-Trailer („The Crawling Eye“ wurde in den Vereinigten Staaten zusammen mit einem anderen Film gezeigt), eine 16-minütige Super-8-Fassung, Scans von Szenenbildern, dem Filmprogramm und einem Werberatschlag.

Ebenfalls in der DVD-Hülle steckt ein achtseitiges Booklet mit gedruckten Hintergrundinformationen.

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Originaltitel: The Trollenberg Terror (GB 1958)/The Crawling Eye (US-Titel)
Regie: Quentin Lawrence
Drehbuch: Jimmy Sangster (nach einer Story von Peter Key)
Kamera: Monty Berman
Schnitt: Henry Richardson
Musik: Stanley Black
Darsteller: Forrest Tucker (Alan Brooks), Laurence Payne (Philip Truscott), Jennifer Jayne (Sarah Pilgrim), Janet Munro (Anne Pilgrim), Warren Mitchell (Prof. Crevett), Frederick Schiller (Bürgermeister Klein), Andrew Faulds (Bergführer Brett), Stuart Saunders (Dewhurst), Colin Douglas (Hans) u. a.
Label/Vertrieb: Anolis Entertainment
Erscheinungsdatum: 15.06.2009 (DVD)
EAN: 4041036310110 (DVD)
Bildformat: 16 : 9 (1,66 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 2.0 mono (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 81 min.
FSK: 16

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