Dream House

Originaltitel: Dream House (USA 2011)
Regie: Jim Sheridan
Drehbuch: David Loucka
Kamera: Caleb Deschanel
Schnitt: Glen Scantlebury u. Barbara Tulliver
Musik: John Debney
Darsteller: Daniel Craig (Will Atenton), Naomi Watts (Ann Patterson), Rachel Weisz (Libby), Elias Koteas (Boyce), Marton Csokas (Jack Patterson), Taylor Geare (Trish), Claire Astin Geare (Dee Dee), Rachel Fox (Chloe Patterson), Jane Alexander (Dr. Greeley), Brian Murray (Dr. Medlin), Bernadette Quigley (Heather Keeler), Mark Wilson (Captain Conklin), David Huband (Officer Nelson) u. a.
Label/Vertrieb: Universum Film Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 25.10.2012
EAN: 0887254567592 (DVD)/0887254567691 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,40 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 88 min. (Blu-ray: 92 min.)
FSK: 16

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Das geschieht:

Star-Lektor Will Atenton verwirklicht seinen Traum: Er kündigt seinen Job, um mehr Zeit mit der Familie verbringen und endlich den geplanten Roman schreiben zu können. In einem schönen Haus außerhalb der hektischen Großstadt warten Gattin Libby sowie die Töchter Trish und Dee Dee schon sehnsuchtsvoll auf den geliebten Will bzw. Daddy.

Allerdings gibt es eine Schlange im Familienparadies. Erst spät bringen die Atentons in Erfahrung, wieso ihr Traumhaus so kostengünstig war: Vor fünf Jahren hat Vorbesitzer Peter Ward hier seine Frau und die beiden Kinder umgebracht. So dachte jedenfalls die Polizei, während Ward seine Unschuld beteuerte. Tatsächlich konnte ihm die Tat nie bewiesen werden. Ward verfiel dem Wahnsinn und verbrachte Jahre in einer Heilanstalt, aus der er kürzlich als geheilt entlassen wurde. Nun drückt er sich offenbar um ‚sein‘ altes Haus herum und beobachtet die Atentons.

Die Ortspolizei zeigt sich seltsam unwillig, den Stalker zu verfolgen. Nachbarn und Mitbürger halten sich fern, und im Keller erwischt Will die örtliche Gothic-Jugend bei einer zünftigen Grusel-Party im Haus des Killers. Der besorgte Hausherr stellt auf eigene Faust Nachforschungen an und bringt sich in Schwierigkeiten. Man versucht ihn zu überfahren, und die Polizei behandelt ihn jetzt ganz offen wie einen Irren.

Eine Erklärung erhält Will, als er sich offiziell beschwert. Man legt ihm Beweise vor, nach denen Libby und die Kinder schon lange tot sind. Das Atenton-Haus ist unbewohnt und verfallen, seit sie hier zu Tode kamen. Tatsächlich ist Will der oberflächlich genesene Peter Ward, der jede Erinnerung an die Blutnacht aus dem Gedächtnis verdrängt hat. Geblieben ist ihm nun nur noch die Überzeugung, kein Mörder zu sein. Bedrängt von seinen zunehmend feindseligen Nachbarn, versucht Peter das Rätsel jener Nacht zu lüften …

Grundsätzlich ideale Ausgangsbedingungen

„Dream House“ gehört zu jenen Filmen, deren Entstehungsgeschichte deutlich interessanter als die Handlung ist. Grundsätzlich schienen bei Drehbeginn sämtliche Voraussetzungen für einen spannenden und vom Publikum zahlreich frequentierten Film gegeben zu sein. Für die Hauptrollen konnte man gleich drei Top-Stars des aktuellen Hollywood gewinnen. Vor allem Daniel Craig steht als James Bond im Zenit seiner Karriere.

Die Regie übernahm Jim Sheridan, der für preisgekrönte, von Kritikern und Zuschauern gleichermaßen für Filme wie „Mein linker Fuß“ (1989), „Das Feld“ (1990) oder „Im Namen des Vaters“ (1993) geschätzt wird. Meist schreibt Sheridan auch das Drehbuch oder liefert die Vorlage. Hier schrieb allerdings David Loucka für ihn, der definitiv nicht in Sheridans Schuhe passt.

Für die Firma „Morgan Creek“ war „Dream House“ mehr als ein Brot-und-Butter-Film. 55 Mio. Dollar flossen in die Produktion, was auch in Hollywood viel Geld für einen Film ist, der spektakuläre Spezialeffekte vermissen lässt. Das Budget ermöglichte u. a. den quantitativ eindrucksvollen Einsatz von Kunstschnee, der dick und lückenlos die Außenkulissen bedeckt. Auch das Feuer musste nicht digital angefacht werden. Es brach in einem ‚richtigen‘ Haus aus und sorgte für ein zumindest optisch überzeugendes Finale.

Der doppelt forcierte Flop

Wo große Summen im Spiel sind, regt sich der Kontrollzwang. Auch Jim Sheridan musste die Erfahrung machen, dass ihm Abgesandte ‚seines‘ Studios im Nacken saßen. Schon während der Dreharbeiten gab es Unstimmigkeiten. Während Sheridan einen Film auf der Grenze zwischen Imagination und Realität gestalten wollte, bestand das Studio auf einem möglichst simpel strukturierten und zu vermarktenden Produkt.

Zwar ließ man Sheridan den Dreh beenden, nahm ihm aber dann den Film ab und ließ ihn nach eigenen Vorstellungen schneiden. Dies ist zwar juristisch möglich, gilt aber als Affront gegenüber dem Regisseur. Entsprechend verärgert reagierte Sheridan, der sogar versuchte, seinen Namen aus Vor- und Nachspann streichen zu lassen. Während er hiermit scheiterte, konnte man ihn nicht zwingen, sich für die Promotion-Arbeit einzuspannen. Daniel Craig und Rachel Weisz schlossen sich Sheridan solidarisch an. Das Ergebnis war ein doppelter Schuss in den Ofen: Die von den öffentlich gewordenen Querelen verunsicherten Zuschauer mieden den Film, und wer ihn sah, war enttäuscht von einer Schnittfassung, die eben nicht für erweiterte Massenkompatibilität sorgte.

Zu allem Überfluss hatte man jenen Twist, der den Blickwinkel auf die Ereignisse radikal kippen lässt, im Trailer bereits verraten. Der hollywooderfahrene und daher misstrauische Zuschauer roch den Braten: „Dream House“ entwickelt sich in der zweiten Hälfte zu einem jederzeit konventionellen Thriller, denn selbstverständlich ist Gutmensch Peter kein Mörder, sondern Opfer eines Komplotts, das nicht unbedingt aufgeklärt wird: Die Verschwörer sind so dämlich, dass sie sich selbst entlarven. Letztlich kommt es wie so oft darauf an, ob Peters Schädel hart genug ist, diverse Hiebe zu verkraften, ohne seinen Träger daran zu hindern, den Strolchen kräftig einzuheizen.

Spuk ohne Sinn, Mord ohne Motiv

Natürlich trifft es zu, dass das Leben nicht nur die interessantesten, sondern auch die banalsten Geschichten schreibt. Letztere haben in einem Unterhaltungsfilm freilich nichts verloren. Wieder einmal kann ein Plot der aufwändig aufgebauten Erwartungshaltung nicht gerecht werden. Was tatsächlich geschehen ist, mutet peinlich beliebig an. Vor allem kann es nicht überraschen. Den Schurken kennt der Zuschauer längst, wenn ihm endlich die Maske vom Gesicht gerissen wird; es ist jener Zeitgenosse, den wir drehbuchgelenkt als Widerling zu hassen gelernt haben.

Naomi Watts kommt zumindest in der vorgelegten „Dream-House“-Fassung unverdient schlecht davon. Sie spielt angeblich die zweite Hauptrolle, hat in der Geschichte jedoch keine echte Funktion und ist vor allem anwesend. Auf diese Weise bleibt sie immerhin von einer wahren Flut altbackener Hollywood-Klischees verschont, die sich über die arme Rachel Weisz ergießen. Sie mimt die liebende Gattin und Löwenmutter, die sich nichts als eine heile Familie und ein makelloses Traumhaus wünscht, deren Wände sie selbst (und schauerlich) bemalt. In der Krise jammert sie herum und macht ihrem Gatten Vorwürfe, dass er sie und die Töchter in eine Mörderhöhle verschleppt hat.

Recht hat sie, wenn Libby ihrem Will vorwirft, dass sie ihm die Würmer aus der Nase ziehen muss. Wie jeder stereotyp(isch)e Mustergatte kehrt er die Probleme unter den Tisch, um seine Familie „nicht zu beunruhigen“. Dass er damit den Strolchen erst recht Freiraum einräumt, fällt spannungsförderlich unter den Tisch – so kalkuliert Drehbuchautor Loucka, der nicht nur in diesem Punkt bedenklich falsch liegt.

Gleich für zwei Tüpfelchen auf dem „Ihh!“ sorgt das Schwesternpaar Trish und Dee Dee. Sie werden von echten Schwestern verkörpert, von denen auf jeden Fall die jüngere einfach nur niedlich ist. Schauspielen kann sie überhaupt nicht, weshalb ihre Zuckersüße erst recht kontraproduktiv wirkt.

Auch Psycho-Thriller sollten spannend sein

Noch am besten zieht sich Daniel Craig aus der Affäre. Ihm schanzt das Drehbuch allerdings die Filetstücke zu. Doch nachdem die Katze aus dem Sack bzw. Peter Ward aus Will Atentons Hirn geschlüpft ist, kann keine Steigerung mehr folgen. Ward verliert mit seiner ‚alten‘ Identität auch seine Initiative. Er ist nun in erster Linie tragischer Held, der – wiederum unglaubwürdig – ausgerechnet von Ex-Nachbarin Ann aufgefangen wird. Sie hat keinen echten Grund dafür und genug eigenen Ärger am Hals, der prompt und klischeelastig ins Geschehen einfließt. Die Steinchen des Mysterium-Mosaiks rutschen von selbst an ihre vorgesehenen Stellen.

Für Gattin Libby und die Kinder gibt es in der zweiten Hälfte keine Existenzberechtigung mehr. Trotzdem spuken sie weiterhin tränenreich durch ihr Haus, halten die Handlung auf und versauen das Finale, da sie den treuen Gatten und Vater – der „nicht loslassen“ will – erst nach schwülstigen Liebesschwören und quasi mit einem Arschtritt aus dem symbolisch lichterloh brennenden Traumhaus treiben. Da wünscht sich der Zuschauer längst, erheblich früher einen ähnlichen Liebesdienst erfahren zu haben, um diesem faulen Zauber keine anderthalb Stunden Lebenszeit opfern zu müssen!

DVD-Features

Zwar gibt es für diesen Film die üblichen Features, doch leider verlängern sie – ebenfalls typisch – in erster Linie die Werbung. Vor allem in den Interviews plappern die Beteiligten belanglos Freundliches übereinander und loben einen Film, den der Zuschauer in seiner angeblichen Bedeutungstiefe vergeblich nachzuvollziehen versucht.

Informativer sind einige Featurettes, die sich allerdings auf das Atenton-Haus konzentrieren. Wer also wissen möchte, wie Hollywood eine aufwändige Kulisse errichtet bzw. so in Flammen aufgehen lässt, dass Nachaufnahmen jederzeit möglich sind, ist mit den Kurz-Dokus „Building a Dream House“ und „Burning Down the House“ gut bedient. Darüber hinaus wird in „The Dream Cast“ über die – selbstverständlich – beste Crew der Welt schwadroniert. Wie üblich gibt es noch den Trailer zum Film.

[md]

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