Eaters

Originaltitel: Eaters (Italien 2010)
Regie u. Schnitt: Luca Boni u. Marco Ristori
Drehbuch: Marco Ristori u. Germano Tarricone
Kamera: Paco Ferrari
Musik: Bahntier, Justin Bennett, Filippo Corradin, Stefano Rossello, Wheelsfargo
Darsteller: Guglielmo Favilla (Alen), Alex Lucchesi (Igor), Claudio Marmugi (Gyno), Rosella Elmi (Alexis), Elisa Ferretti (Cristina), Roberto Mariotti (Dottore Cangiato), Riccardo Floris (Rudi), Francesco Malcom (Wachposten), Steve Sylvester (Virenträger), Fabiano Lioi („Führer“) uva.
Label: Splendid Entertainment
Vertrieb: WVG Medien Gmbh (www.wvg.com)
Erscheinungsdatum: 29.07.2011 (DVD/Blu-ray)
EAN: 4013549875110 (DVD) bzw. 4013549275118 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Italienisch)
Untertitel: Deutsch, Niederländisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 90 min. (Blu-ray: 92 min.)
FSK: 18

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Das geschieht:

Die Apokalypse startete dieses Mal in Italien: Dort nahmen Experimente zur Behebung weiblicher Unfruchtbarkeit ein schlimmes Ende. Statt vermehrungsfreudigen Müttern zu helfen, dicke, fröhliche Säuglinge in die Welt zu setzen, ließ das entwickelte Medikament die Toten auferstehen. Wie üblich fielen die Zombies über die Lebenden her, die sich nach einem Biss ebenfalls in kannibalische Untote verwandelten. Zuerst erwischten sie die Frauen; diese gelten inzwischen als ausgestorben.

Möglicherweise auch deshalb brach die Zivilisation weltweit zusammen. In Mittelitalien haben sich die wenigen Nichtinfizierten in festungsartigen Lagern verschanzt. Von den Zombies belagert, fallen die Männer in archaische Stammesrituale zurück. Die Solidarität zwischen den versprengten Gruppen hält sich in Grenzen. Hin und wieder arbeitet man zusammen, aber lieber führt man Krieg gegeneinander.

Irgendwo in der Toskana hausen Alen und Igor mit einigen Notgefährten in einem mit Starkstrom gesicherten Lager. Widerwillig haben sie sich dem Mediziner Gyno unterstellt, für den sie Untote fangen, die Forschungszwecken dienen: Gyno sucht ein Mittel gegen den Zombie-Virus. Vor allem Alen unterstützt ihn, denn im Keller wartet angekettet weil untot Gattin Alexis auf Heilung. Kumpel Igor ist dagegen ein Mann der Tat. Er liebt aufregende Erkundungsfahrten in die von Zombies bevölkerte Außenwelt und legt sich gern mit dem zwergwüchsigen „Führer“ und seiner Horde geistig derangierter Neo-Nazis an, die sich in der Nachbarschaft niedergelassen haben. Außerdem suchen er und Alen den „Virenträger“, der über Funk damit prahlt, die Zombies in die „sündhafte“ Welt gebracht zu haben.

Als sie ihn eines Tages erwischen, müssen sie feststellen, nur Schachfiguren in einem bösen Spiel gewesen zu sein. Plötzlich sind intelligente Zombies hinter Alen und Igor her, die gerade die junge Christina entdeckt und gerettet haben. Sie kommt dem wahren Verursacher der Seuche gerade recht, denn der plant die Schaffung einer Rasse von Mensch-Zombie-Hybriden …

Die finanziell Nackten & die Toten

Es waren einmal in Italien … ein eifriger Regisseur zahlreicher TV-Dokumentarfilme und sein enthusiastischer Freund, der zwar keine Erfahrungen aber große Ambitionen hatte. Gemeinsam wollten sie ihren Traum vom eigenen Spielfilm verwirklichen. Zwar nannten sie weder Geld noch Ideen ihr Eigen, aber sie planten ohnehin einen Horrorfilm, für den das Nichtvorhandensein beider Elemente bekanntlich kein Hindernis darstellt.

Um wenigstens ein bisschen Kleingeld aufzutreiben, das auch für möglichst wenige Drehtage unverzichtbar ist, schickten unsere beiden wackeren Möchtegern-Filmer viele, viele E-Mails an mögliche und hoffentlich spendierfreudige Geldgeber. Ihre Anfragen wurden mit Ablehnung, Schweigen oder Hohngelächter beantwortet, aber es kam noch schlimmer, denn einer rief zurück, der Null-Potenzial so zuverlässig wie sein Spiegelbild erkennt: Uwe Boll!

Der total film-maker aus Deutschland überzieht die Welt seit Jahren mit seltsamen Filmwerken, die eigentlich unterhalten wollen aber stattdessen durch ihre unbeholfene Machart auffallen. Manchmal produziert er sie auch. Schwach sind die Drehbücher, schlampig ist die Umsetzung. Die Filmkritik reagiert bestenfalls spöttisch auf Boll-Werke, typische Zuschauerreaktionen sind Langeweile, Ärger oder Fremdschämen.

Faulen & maulen: die Splatter-Tarantinos

Auch das Genre Zombie-Horror hat der Meister durch „Bollshit“ – zum Inspirationsquell einer eigenständigen Wortschöpfung konnte er es immerhin bringen – bereichert. In der Tat sind die Parallelen zwischen „Alone in the Dark“ von 2005 und „Eaters“ frappant. Beides sind schlechte Filme im eigentlichen Wortsinn: dilettantisch geschrieben, hölzern gespielt, augenschmerzend umgesetzt, dabei aber nicht trashig genug, um wenigstens unfreiwillig unterhaltsam zu sein. In Ansätzen lassen Luca Boni und Marco Ristori stattdessen erkennen, dass sie es sehr ernst mit „Eaters“ meinen – und das wird ihr Verderben.

Zumal sie nicht einmal im Ansatz etwas Neues in ihre Geschichte einbringen. Stattdessen steht das Duo in der deprimierend endlosen Tradition derer, die „Horror“ und „Unterhaltung“ mit einem Overkill möglichst drastischer Effekte gleichsetzen. In diesem Punkt kann „Eaters“ allerdings punkten, was weiter unten kommentiert wird. Das Feature über die visuellen Effekte wirkt deshalb deutlich unterhaltsamer als der Hauptfilm. Wahrhaftig unterhaltsam wäre „Eaters“ vermutlich als Zusammenschnitt sämtlicher Zombie-Attacken.

Womit mehr als 80 Minuten Leerlauf blieben. Wenn sie nicht gerade Blut & Hirne spritzen lassen, fallen weder Drehbuchautoren noch Autoren durch den radikalen Willen zur straffen Story auf. Faktisch schlagen unsere Helden sinnfrei die Zeit tot. Sie fahren mit dem Jeep durch die Gegend, legen Zombies um, ärgern Neo-Nazis und suchen Bier. Dabei zetern und zanken sie wie ein altes Ehepaar.

Dies könnte man wohlwollend existenzialistisch nennen, würde nicht das vollständige Fehlen von Timing deutlich machen, dass hier nur Szenen aneinandergereiht werden; Szenen zumal, die oft keinen Handlungssinn erkennen lassen, von denen sich die Regisseure – die ihr Werk auch schnitten – aber nicht trennen wollten. Dazwischen schieben sich ‚tragische‘ Momente, die durch das Aufsagen entsprechender Worthülsen signalisiert werden. Bei vollständigem Idee-Ausfall kommt zuverlässig ein Rückblick, der Alens Gattin Alexa irgendwie verwickelt in die Machenschaften skrupellos genmanipulierender Naturwissenschaftler zeigt.

Handlung ohne Hirn

Wer sich langweilt, sucht nach Ablenkung. In einem Film wie „Eaters“ wird dies verhängnisvoll, denn der geistig abschweifende Zuschauer bleibt unweigerlich an jenen Logikbrüchen hängen, die ein schwungvolles Drehbuch glattbügeln würde. „Eaters“ bietet erwartungsgemäß eine breite Angriffsfläche. So bleibt unklar, wie viel Zeit nach dem Ausbruch der Zombie-Epidemie verstrichen ist. In der Ferne sieht man immer wieder (plump ins Bild montierte) Großstadt-Silhouetten mit qualmenden Hochhaus-Ruinen, während die Landschaft, durch die sich unsere Darsteller bewegen, den Anschein erweckt, die Katastrophe liege schon viele Jahre zurück.

Hier fiel die Ambition der Realität zum Opfer. So dick waren Bolls Spendierhosen nicht, dass seine Schützlinge sich echte Kulissen hätten leisten können. Sie drehten deshalb in leer stehenden, abbruchreifen Fabrikanlagen und ähnlich heruntergekommenen Umgebungen. Um die Hoffnungslosigkeit der Situation zu unterstreichen, wurde dem Film nachträglich die meiste Farbe entzogen; offenbar darf sommerliches Baumlaub nicht grün glänzen, wenn die Untoten umgehen.

Rätselhaft bleibt die Existenz von Neo-Nazis, die sich mit den Zombies in sozialdarwinistischen Zweikämpfen messen. ‚Geführt‘ werden sie von einem verwachsenen Gnom mit Hitler-Bärtchen, während echte Nazis wohl wie üblich eher einem Zombie folgen würden. Wollen Boni & Ristori mit solchem bizarren Dummfug den Untergang der Zivilisation symbolisieren, oder haben sie sich nur in eine bizarre, auf ein politisch unkorrektes und/oder denkfaules „Hammergeil!“-Publikum zielende Drehbuch-Grille verliebt?

Wer sind hier eigentlich die Zombies?

„Eaters“ gehört nicht nur aufgrund der erzählten Geschichte, sondern auch und gerade wegen der gebotenen Darsteller-‚Leistungen‘ dem Genre Zombie-Horror an. Engagiert fanden sich ausschließlich Anfänger, die mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht bezahlt wurden, sondern sich durch die Verheißung einer Teilnahme an einem ‚richtigen‘ Spielfilm locken ließen.

Da „Eaters“ in fataler Verkennung des tatsächlichen Unterhaltungswertes öffentlich und international angeboten wird und somit (theoretisch) angeschaut werden kann, sieht es mit Anschlussaufträgen sogar außerhalb Italiens freilich schlecht aus. Vielleicht kann sich Alex Lucchesi gewisse Hoffnungen machen, der mit Rauschebart und Grotesk-‚Frisur‘ seinen „Igor“ bereits optisch als Verkörperung des fröhlich-zynischen Haudegens mit sorgfältig verstecktem goldenen Herzen anlegt. Ihm ist es zu verdanken, dass der Zuschauer die anderthalb Stunden dieses Films durchhält, denn Guglielmo Favilla als gedankentiefer „Alen“ verbreitet ausschließlich ungepflegte Langeweile, Claudio Marmugi wurde als „mad scientist“ offenbar direkt vom Kostümfest eines mittelständischen Betriebes auf den Filmset gelockt. Rosella Elmi und Elisa Ferretti sind dabei, weil auch ein Horrorfilm, der in einer frauenfreien Welt spielt, ohne weibliche Darsteller nicht auskommt. Dies erzeugt ein Paradoxon, für das beide Miminnen büßen, indem sie in ihren Rollen darauf warten müssen, ob ein fauliger Zombie, ein verrückter Wissenschaftler oder Igor sie schwängert.

Wie untot können Untote aussehen?

Besser kommen jene Darsteller davon, die sich unter ihren Zombie-Masken vor der Wiedererkennung drücken können. Diese garantieren Blickdichte, denn falls sich im Rahmen des „Eaters“-Projektes überhaupt Spuren von Talent entdecken lassen, legen es die Maskenbildner und Modellbauer an den Tag. Hier wird keinem Statisten einfach rote Farbe ins Gesicht geschmiert, was zusammen mit Stolpern und Grunzen reichen muss, um einen Zombie darzustellen. Die „Eaters“ sind tot; ihr Anblick lässt keinerlei Zweifel aufkommen. Leichen verrotten von innen heraus. Dieser Effekt ist schwierig bzw. nur kostenaufwändig so zu realisieren, dass er überzeugt, weshalb er im Billig-Horror immer wieder enttäuscht.

Mit unheilvollem Eifer aber planmäßig erschreckenden Ergebnissen haben Bonis und Ristoris Effekt-Hexer nicht nur Fäulnis und Verwesung in den Griff bekommen, sondern auch berücksichtigt, dass Zombies Körperteile verlieren können. Folgerichtig treiben ordentlich ramponierte oder gar in Bauchhöhe ‚gehälftete’ Untote ihr Unwesen. Wenn Alen und vor allem Igor sich ihrer mit Macheten u. a. Klingenwaffen annehmen, werden die Folgen ebenfalls so detailreich ins Bild gesetzt, dass man sich über die Langmut einer deutschen Zensur wundert, die solche Blutrünstigkeit gern mit scharfer Schere eindämmt. Offenbar geht Metzeln in Ordnung, wenn die Opfer bereits tot sind.

Als unser Drama nach 90 für die Darsteller in ihren Rollen und für die Zuschauer gleichermaßen qualvollen Minuten endlich verendet, bleibt zumindest letzterem einmal mehr der Schwur, zukünftig seinen Griff zum Feierabend-Filmvergnügen gründlicher zu überdenken. Die anderthalb Stunden „Eaters“ werden ihm ebenso unvergesslich bleiben wie das diesem Erlebnis zu verdankende Magengrollen oder die ebenso dreisten wie verzweifelten Zweckbehauptungen des deutschen „Eaters“-Labels, das auf dem Cover mit sorgfältig ausgewählten Lobhudel-Zitaten allen Ernstes eine inhaltliche und formale Verwandtschaft mit Filmen wie „28 Days Later“ und „[Rec]“ suggerieren will.

DVD-Features

Zum Hauptfilm gibt es als Zusatzmaterial den Trailer, ein „Making of“ sowie einen Blick hinter die Kulissen der „Visual Effects“.

„Eaters“ ist auch als Website vertreten.

[md]

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