Evil Dead Woods

Originaltitel: Abandoned Souls (Kanada 2010)
Regie, Drehbuch u. Schnitt: Chris Abell
Kamera: Ryan Knight
Musik: Ralph Rieckermann
Darsteller: Vicki Rivard (McKenzie), Aiden Simko (David), Ginette Gaskin (Lara), Ivana Stojanovic (Kayla), Troy Crossfield (Gary), Val McDow (Kyle), Allen Bergeron (Killer), Thomas Patrice (Chef-Söldner Theo), Mandy Magnan (Barfrau), Mike Mills, Justin Gateman, Robert Pearen, Reggie Eugene (Söldner) u. a.
Label: Paragon Movie
Vertrieb: Edel Media & Entertainment
Erscheinungsdatum: 28.02.2014
EAN: 4036382502296 (DVD)/4036382502302 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch), Dolby Digital 2.0 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 93 min. (Blu-ray: 97 min.)
FSK: 18

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Das geschieht:

McKenzie zieht es für ein herbstliches Ferienwochenende in das Elternhaus, das alt und klein sowie recht abgelegen irgendwo im Hinterland des US-Staates Illinois liegt. Begleitet wird sie von ihrem aktuellen Lebensgefährten David und den alten Freunden Lara, Kayla, Gary und Kyle. Denen flößt der schweigsame David ein wenig Unbehagen ein, zumal McKenzie stolz erzählt, wie dieser einmal eine Gruppe dreister Unholde im Alleingang aufgemischt hat.

Nachdem das Ziel erreicht ist, unternimmt man sogleich eine Bootstour, denn besagtes Haus steht an einem großen See. McKenzie erzählt eine örtliche Gruselgeschichte, nach der ein alter Eremit in seiner Inselhütte solange von Kindern belästigt wurde, bis er sie eines Nachts alle umbrachte. Seither gilt es als Mutprobe, die verfallene Hütte aufzusuchen und an die Tür zu klopfen; manchmal klopfe der Geist des Einsiedlers zurück, heißt es.

Gary und Kyle, die nur körperlich erwachsen sind, wollen daraufhin sofort zur Insel, zumal ihre Begleiterinnen tüchtig zimpern, was wahre Männer erst recht anstachelt. Die Mutprobe gelingt, doch als die Gruppe zum Anlegesteg zurückkehrt, treibt das Boot weit entfernt auf dem Wasser. Kyle springt ebendort hinein, um es zu bergen, doch an Bord erwartet ihn ein grindhäutiger Irrer, der ihn mit einem Hammer abschlachtet: Es gibt wieder einen Eremiten auf der Insel!

Der bläst erwartungsgemäß zur Jagd auf die übrigen ‚Besucher‘. Wie es in solchen Situation filmtypisch ist, zerstreitet sich die Gruppe und trennt sich, was dem Verfolger seine Arbeit erleichtert. Erschwerend kommt hinzu, dass Davids Erinnerungsschwäche sich gerade jetzt legt und ihm zu dämmern beginnt, wer auf der Insel sein Unwesen treibt. Zu schlechter Letzt suchen finstere Söldner nach einer Rotte mörderischer Psychopathen, die aus einer geheimen Versuchsstation ausgebrochen sind. Die Blutspur führt – wer hätte es nicht gedacht – an unseren See, wo die Ferienpopulation bereits kräftig abgenommen hat …

Langeweile überholt Frechheit

Manchmal war die gute, alte Zeit tatsächlich besser als die Gegenwart: Einst konnte sich nicht jeder Dilettant eine Kamera leisten, die Faxen ebenso motivierter wie untalentierter Kumpels in Bild und Ton festhalten und das Ergebnis anschließend als ‚Spielfilm‘ einem arglosen Publikum vorsetzen. Ein Machwerk wie „Evil Dead Woods“ und damit viel Verdruss wäre uns erspart geblieben.

Chris Abell ist einer jener selbst ernannten „total film maker“, die hinter der Kamera quasi sämtliche Aufgaben übernehmen. Er führte Regie, ist für das Drehbuch verantwortlich und hat das traurige Ergebnis so geschnitten, dass es die Zuschauer viel länger als jene fünf Minuten quälen kann, die der Story allerhöchstens angemessen wären.

Anfänger versuchen sich gern im Horrorfilm, weil er kostengünstig zu drehen ist. Auch für Abell reicht ein schlammiges Waldstück als natürlich gewachsene Hauptkulisse. Horror scheint außerdem ‚einfach‘ zu sein: Viele Genregrößen haben auf Blut, Geschrei & blanke Titten gesetzt und darauf eine Karriere gegründet. So heißt es auf dem Cover ebenso verheißungsvoll wie dummdreist: „Ein Film im Stile von ‚The Evil Dead‘“.

Vielleicht wird auch Chris Abell noch lernen, dass es nicht reicht, die Kamera richtig herum sowie dorthin zu halten, wo sich seine Darsteller tummeln. Schon damit scheint er heillos überfordert gewesen zu sein. Er hätte sonst gemerkt, dass Kameramann Ryan Knight für die Dunkelheit schwärmt oder ohne Ahnung war, dass Szenen ausgeleuchtet werden können. Selbst im hellen Tageslicht lassen sich aufgrund der künstlich verstärkten Kontraste kaum Details erkennen. Innerhalb geschlossener Räume muss der Zuschauer anhand von Kampfgeräuschen und Schnauflauten erraten, was vor sich gehen mag.

Das Runde passt nicht immer ins Eckige

Traditionell ‚borgen‘ sich junge Talente, was ihnen in selbst gesichteten Filmen gut gefallen hat. Riskant wird es, wenn solche Second-Hand-Drehbücher durch eigene Einfälle aufgepeppt werden sollen. In unserem Fall verdanken wir dem einen sinnarmen Handlungsstrang, der sich um eine „schwarze“ US-Versuchsstation rankt, in der aus Psychopathen Killer-Soldaten gebastelt werden sollen. Verortende Details bleiben unerwähnt. Ohnehin geht es Abell nur darum, eine weitere Konfliktpartei ins Geschehen zu bringen. Außerdem will er seinen einzigen Plot-Twist vorbereiten: Einer unserer Urlauber gehört auch zu den Versuchswölfen!

Ist das ein Spoiler? Nicht, wenn wie in diesem Fall mit dem Zaunpfahl nicht gewunken, sondern er dem Zuschauer an den Kopf geworfen wird. Abell hat nicht den Hauch einer Ahnung, wie man Spannung erzeugt, anfacht, hält und auflöst. Er reiht Episode an Episode. Die Verbindung bildet stets ein Handlungsloch, das die Figuren notdürftig überbrücken, indem sie einander Plattitüden erzählen oder miteinander zanken. Wenn sie dann wütend auseinanderlaufen, landen sie stets vor jenem Baum, hinter dem der Killer lauert.

Da Abell vom Ehrgeiz-Teufel geritten wird, will er mehr als ein simples Horror-Garn präsentieren. Es gibt eine dramatische/tragische/überraschende Hintergrundgeschichte, auf die freilich aufgrund ihrer miserablen Taktung keines der drei gerade genannten Adjektive zutrifft. Hier sind drei andere, die besser passen: „dumm“, „hölzern“ und „peinlich“. Damit ließe sich übrigens auch das Gesamtwerk charakterisieren.

Sechs Fälle akuter Selbstüberschätzung

Für Amateur-Theaterschauspieler gibt es die Laienbühne. Dort halten sich die Zahl der Zuschauer und damit der anzurichtende Schaden in Grenzen. Auf digitalem Film streut Dilettantismus viel weiter. Das Ergebnis sorgt auf beiden Seiten für Probleme: Das Publikum tobt, und die Darsteller haben sich überregional blamiert.

Manches Hobby sollte wahrlich nicht an die Öffentlichkeit geraten. Abell konnte verständlicherweise keine Profis anheuern, weil dies sein Geldbeutel nicht hergab. Beispielsweise ist Hauptdarstellerin Vicki Rivard eigentlich Englisch-Lehrerin. Nichtsdestotrotz müsste dem Regisseur Abell irgendwann aufgefallen sein, dass selbst Holzpuppen über ein lebhafteres Mienenspiel als seine Mimen verfügen. Zusätzlichen Würgedruck übte Abell als Drehbuchautor aus, der ausschließlich mit eindimensionalen Klischees arbeitet. Folgerichtig gibt es das gute Mädchen, die geile Schlampe und die frigide Zicke auf der weiblichen sowie den (hier vordergründig gebrochenen) Helden, das Großmaul und den Deppen auf der männlichen Seite.

Während die darstellerischen Talente noch ausreichen, solange unsere Pechvögel nur ein Bein vor das andere setzen müssen, nehmen die Aussetzer exponentiell zu, sobald Emotionen ausgedrückt werden sollen. Die weiblichen Mitspieler drücken ihren Gemütszustand dadurch aus, dass sie knappe Jäckchen eng um die Körper raffen und die Arme fest darüber verschränken. So stolpern sie durch den Wald, frieren und flennen herzergreifend, bis der Killer erscheint und dem – der Dank des Publikums ist ihm gewiss – ein Ende macht. Die Jungs balzen oder streiten; auch geprügelt wird sich heftig. Von einer Sekunde zur nächsten kann die Stimmung wechseln, was nicht einmal echte Schauspieler glaubhaft herüberbringen könnten.

Aus Abfall wird Sondermüll

Den Filmmarkt-Profis dürfte kaum entgangen sein, welcher angestaubte Mumpitz hier – wahrscheinlich billig – angeboten wurde. So etwas ist stets eine Herausforderung für Rosstäuscher, die dem potenziellen Kunden weismachen wollen, dass eine verborgene Film-Perle für ihn gehoben wurde. In Deutschland geht man per Marketing-Overkill auf Nummer Sicher.

Den Dumm-Dumm-Titel „Evil Dead Woods“ (= „The Evil Dead“ + „Cabin in the Woods“) bekam das Filmchen schon daheim, nachdem es zunächst „Abandoned Souls“ geheißen hatte. Für einen Splatter ist „Verlassene Seelen“ sicherlich kein guter Titel. Für einen Splatter mit minimalem Gore-Gehalt und aufgesetzter Tragik passt er zumindest theoretisch besser, doch was hilft es, wenn die Geschichte auch mit dieser Ausrichtung scheitert?

Da auch (oder gerade) den Dummköpfen dieser Welt das Geld in der Tasche brennt, werden dem Cover Lockreize aufgedruckt. Oben prunkt grellrot und übersehbar das ‚Gütesiegel‘ „Horror Extrem Collection“, was grundsätzlich gar nichts bedeutet. Eher kontraproduktiv sind schlecht ausgedachte Lobeshymnen wie diese: „Ein Film wie ein Schlag ins Gesicht“. Dem dürfte der Zuschauer uneingeschränkt zustimmen, wobei er diesen Schlag gern denen versetzen würde, die ihm Zeit und Geld mit solchem Schwachsinn gestohlen haben!

Auf dass noch der letzte Rest möglicher Unterhaltung getilgt werde, hat man für die Eindeutschung wieder einmal die üblichen Kreisch- und Knödel-Stammler engagiert, die zuvor selbst vom schäbigsten Shopping-Sender abgelehnt wurden. Hier dürfen sie nach Herzenslust nölen und quieken und dem Publikum den allerletzten Nervenfaden kappen!

DVD-Features

Keine Unterhaltung = keine Extras: So vergeudet man wenigstens keine weitere Zeit auf diesen Als-ob-Film!

Kurzinfo für Ungeduldige: Wochenend-Urlauber stranden in der US-Wildnis und geraten in die Fänge eines verrückten Serienkillers; auch ein Söldner mischt mordend mit … – Grausam dumm in der Handlung, hundsmiserabel gefilmt, erbarmungswürdig ‚gespielt‘ und kriminell ‚synchronisiert‘, rechtfertigt dieser elende Streifen immerhin das deutsche Cover-Motto: „Ein Film wie ein Schlag ins Gesicht“.

[md]

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