Evil Dead

Originaltitel: Evil Dead (USA 2013)
Regie: Fede Alvarez
Drehbuch: Fede Alvarez u. Rodo Sayagues (nach einem Originaldrehbuch von Sam Raimi)
Kamera: Aaron Morton
Schnitt: Bryan Shaw
Musik: Roque Baños
Darsteller: Jane Levy (Mia Allen), Shiloh Fernandez (David Allen), Lou Taylor Pucci (Eric), Jessica Lucas (Olivia), Elizabeth Blackmore (Natalie), Phoenix Connolly (Teenager), Jim McLarty (Vater), Randal Wilson (Dämon) u. a.
Label/Vertrieb: Sony Pictures Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 02.10.2013
EAN: 4030521732964 (DVD: Cut-Version)/4030521732971 (Blu-ray: Cut-Version)
Bildformat: 16 : 9 (2,40 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 86 min. (DVD: Cut-Version)/89 min. (Blu-ray: Cut-Version)/87 min. (DVD: Uncut-Version)/90 min. (Blu-ray: Uncut-Version)
FSK: 18 (Cut-Version)

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Das geschieht:

Nach einer lebensgefährlichen Überdosis will Mia Allen endlich den Drogen abschwören. Unter Aufsicht ihrer Jugendfreunde Eric, Olivia und Natalie versucht sie in der Abgeschiedenheit der großväterlichen Waldhütte einen ‚kalten‘ Entzug. Sogar Bruder David, der sich vor Jahren von der Familie abgesetzt hat, eilt ihr zur Hilfe.

Unglücklicherweise war die Hütte vor nicht langer Zeit Schauplatz einer Dämonen-Austreibung, wovon unzählige tote Katzen im Keller künden. Die entsetzten Freunde entdecken außerdem ein in Menschenhaut gebundenes Buch, das vor allem Erics Neugier erregt. Um die gelesenen Worte besser zu verstehen, spricht er sie laut aus – und ruft dadurch den gerade in die Unterwelt verbannten Dämon zurück auf diese Welt!

Die Kreatur strebt wie in Dämonen-Kreisen üblich die Weltherrschaft an. Um die dafür erforderliche Macht zu erlangen, müssen fünf Menschen sterben. Die Freunde kommen dem Unhold gerade recht. Er fährt in Mia, die rasch deutliche Anzeichen von Besessenheit erkennen lässt und ihren Gefährten ans Leben will. Wer von ihr verletzt wird, kann ebenfalls von dem Dämon ‚übernommen‘ werden.

Sintflutartige Regenfälle schneiden das Waldstück mit der Hütte von der Außenwelt ab, Handys haben keinen Empfang. Die Freunde sind auf sich selbst gestellt. Mit Spiegelscherben, Bratenmesser, Nagelpistole und Schrotflinte gehen sie aufeinander los. Selbst der Tod bietet keinen Frieden, denn der Dämon kann auch Leichen auferstehen lassen. Als der erbarmungslose Kampf Mensch gegen Dämon seinen Höhepunkt erreicht, verschwimmen die Unterschiede endgültig …

Eine leider erforderliche Vorbemerkung

Diese Rezension gleicht dem Tanz auf Eiern. Zumindest hierzulande gilt es sorgfältig zu unterscheiden zwischen einer Filmversion, die man sich anschauen sollte, und einer, über die man schreiben darf: Seit November 2013 gilt die ungeschnittene Fassung von „Evil Dead“ – die zuvor problemlos in den Kinos gezeigt wurde – als indiziert. Nur noch die um in den Gewaltspitzen etwa eine Minute gekürzte Version darf oberhalb der Ladentheke verkauft werden.

Gestattet ist weiterhin, sich die ‚böse‘ Fassung aus dem deutschsprachigen Ausland zu besorgen. Diese darf nicht beworben werden. In jenem vorauseilenden Gehorsam, den auch der Online-Handel den Behörden leistet, verschwinden nicht selten und vorsichtshalber auch gleich die geschnittenen und weiter geduldeten Versionen aus Angebot und Werbung.

Deshalb reihen wir uns in diesen Tanz um den Schandbaum ein: Wenn im folgenden Text über „Evil Dead“ geschrieben wird, geht es um die vom Rezensenten gesichtete ungeschnittene Fassung, deren Erwerbsquellen der Interessent selbst recherchieren muss. Verwiesen wird dagegen auf die geschnittene Version. Ansonsten gilt weiterhin (bzw. irgendwie): „Eine Zensur findet nicht statt“ (Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland, Teil I, Artikel 5).

„Wir werden euch kriegen!“

Dies ruft nicht nur der Walddämon, dies kann auch die deutsche Tugendboldschaft behaupten, die alles daran setzt, sich wie 1984 abermals in Sachen „Evil Dead“ lächerlich zu machen. Damals war es der Billig-Streifen „Tanz der Teufel“ (1981), der nicht nur den Zorn gesetzlich und vor allem moralisch besorgter Gruppen erregte, sondern auch zum Symbol für eine Darstellungsfreiheit wurde, die den Durchschnittsbürger eindeutig überforderte und deshalb zu seinem Wohle und in seinem Namen beschnitten werden musste. Aus diesem Grund wurde „Tanz der Teufel“ im April 1984 erst indiziert und dann beschlagnahmt.

Daran hat sich bis heute nichts geändert, obwohl sich dem ein mehrere Jahrzehnte währender Kampf um einen Film anschloss, der diese Art von Aufregung nicht lohnt und ohne sie heute wohl halbwegs vergessen wäre. Nicht einmal seine Fürsprecher würden dies leugnen. Doch „Tanz der Teufel“ wurde zu einem Prüfstein für den Status der Freiheit zwischen Zensur und ‚freiwilliger‘ Selbstkontrolle. Beide Seiten haben diese zudem in die Öffentlichkeit getragene und medial begleitete Auseinandersetzung keineswegs vergessen, was „Evil Dead“ eine besondere Aufmerksamkeit garantierte.

Im angelsächsischen Raum schätzen Horrorfreunde dagegen seit vielen Jahren sowie ohne negativen Nebenwirkungen sogar drei „Evil-Dead“-Filme, die Regisseur Sam Raimi 1981, 1987 und 1992 drehte. Vor allem Hauptdarsteller Bruce Campbell wurde als „Ash“ zur modernen Ikone; ein Ruf, von dem er heute noch zehrt. (Zwar gönnt sich Campbell im Remake nur einen Kurzauftritt, aber er sitzt als Produzent auch 2013 mit im „Evil-Dead“-Boot.) Unzählige Epigonen kopierten und parodierten die Trilogie und vor allem den ersten Teil.

Faktisch war ein Remake deshalb lange überfällig, werden heute doch sämtliche Kult-Horrorstreifen der 1970er und 80er Jahre aus ihren Grüften gezogen und neu verfilmt. Allerdings gab es einen Haken: „Tanz der Teufel“ vereint nicht nur eine große (= kapitalstarke), sondern auch eine fanatische, leicht erregbare Fangemeinschaft, die bereits im Vorfeld aufkommender Verfilmungspläne sehr genau unter die Lupe nahm, womit man sie beglücken oder den Mythos beschmutzen wollte.  Es dauerte daher mehr als dreißig Jahre, bis nach diversen Fehlstarts der Startschuss für ein Remake tatsächlich fiel.

Alles anders aber eigentlich wie sonst

Oder ist es ein Reboot? Das ist heutzutage manchmal schwer zu unterscheiden. In unserem Fall ging man auf Nummer Sicher. „Evil Dead“ ist Remake und Reboot. Deshalb wäre es möglich, in einer Fortsetzung die 2013 überlebende Mia und den zwar gesichtsbreit gewordenen aber weiterhin kreglen Campbell alias Ash miteinander tanzen zu lassen. (Ungeachtet dessen kommt die Fortsetzung sicher, da „Evil Dead“ bei einem Budget von 17 Mio. Dollar weltweit knapp 100 Mio. eingespielt hat.)

Da die Story von 1981 simpel ist und gut funktioniert, konnte man sie problemlos wieder aufwärmen. Für eventuelle Neuerungen sah jedenfalls niemand Bedarf; wer weiß, ob dies bedauerlich ist, da es leicht noch schlimmer hätte kommen können. Auch so kommt „Evil Dead“ oft sichtlich mühsam über die Runden und stellt sich selbst als gut ausgestattete und produzierte, handwerklich solide Hochglanzfassung eines Vorgängers bloß, der auch durch seine den Produktionsbeschränkungen bedingte Primitivität eine erschreckende Eindringlichkeit gewann, die dem Remake völlig abgeht.

Hier würden zumindest die Produzenten energisch Einspruch einlegen. In ausführlichen Interviews äußern sie sich stolz über die von ihnen initiierte Wiedergeburt des bösen, dreckigen, handgemachten Horrorfilms, wie er in den 1980er Jahren seine Hochzeit hatte. Die weitgehende Abwesenheit digitaler Effekte wird betont, stattdessen kamen wie in alten Zeiten Körperteilmodelle („prostetics“) zum Einsatz. Außerdem vergoss man hektoliterweise Kunstblut und sparte nicht mit Dreck und kaltem Wasser, wie Hauptdarstellerin Jane Levy leidvoll anmerkt.

Nichtsdestotrotz geht es heute wie damals um fünf Pechvögel, die vom Teufel geholt werden. Dies wird niemals subtil in Szene gesetzt, da „Evil Dead“ primär vom Effekt bestimmt wird – dies mit einem Anspruch, der geradezu zum Zwang wird, den legendären Vorgänger zu übertreffen.

Ohne welche Körperteile kann der Mensch überleben?

In diesem Punkt muss sich niemand Vorwürfe machen. Angesichts eines achtstelligen Budgets konnten die Splatter-Szenen nur besser geraten als 1981. Das nützt freilich wenig: Sam Raimi setzte die entsprechenden Standards, Fede Alvarez kopiert sie. Selbst die Variationen halten sich in Grenzen, weil man die argwöhnischen Fans nicht verärgern will. Also müssen Arm-ab-Messer und Motorsäge erneut zum Einsatz kommen, auch wenn Ash durch Abwesenheit glänzt.

Es wird gesäbelt und gemetzelt, was das Zeug hält. Die Arbeit der Effektspezialisten ist bewundernswert. Dem Publikum bleibt dazu genug Gelegenheit, denn abgelenkt – beispielsweise durch Spannung oder gar Furcht – wird es nicht. „Evil Dead“ erzählt seine Geschichte ohne Raffinesse oder Überraschungen. Das gelingt nicht so gut, dass man die Defizite verzeihen könnte.

Dabei beginnt es vielversprechend mit einer typischen „Monster-verfolgen-Maid“-Szene, die das Zuschauerauge gänzlich trügt. Solche Mühe geben sich die Drehbuchautoren Alvarez und Rodo Sayagues später nicht mehr. Die Handlung bleibt eindimensional. Was kommt, zeichnet sich stets deutlich ab. Wer trotzdem Schwierigkeiten haben sollte, die typische Attacke aus dem dunklen Hintergrund zu erahnen, wird durch einen Musikscore vorgewarnt, der angenehm altmodisch orchestral sein soll aber stattdessen wie die Posaunen des Jüngsten Gerichtes dröhnt.

Fünf Darsteller wälzen sich im Dreck

Wer meint, es sei bereits ein Fortschritt, dass nicht die berüchtigten Hollywood-College-Kids, sondern fünf ansatzweise erwachsene Twenty-Somethings in Opas Waldhütte geraten, wird enttäuscht sein. Respekt verdienen die „Evil-Dead“-Darsteller primär wegen ihrer Leidensbereitschaft. Vor allem Jane Levy stürzt sich beherzt in faulige Tümpel oder schlammige Erdlöcher und wird dabei vom Kunstblut beinahe ertränkt. Damit lenkt sie immerhin erfolgreich von ihrem ‚schauspielerischen‘ Einstand als entzugswilliger Junkie ab.

Shiloh Fernandez soll als großer Bruder David „family values“ transportieren, auf die auch ein Horrorfilm der harten Sorte nicht verzichten mag: Womöglich lässt sich der eine oder andere Filmkritiker durch Subtext ködern und günstig stimmen? Faktisch atmen diese Szenen bekannte und ungeliebte Klischees. Glücklicherweise röhrt schnell wieder der Dämon.

Zumindest der bekommt keine Vorgeschichte aufgepfropft, sondern bleibt eine schlicht böse Naturmacht, die gern Menschen verstümmelt und tötet – Punkt. Was benötigt eine solche Figur mehr? Deshalb gibt es im Finale keine erklärenden bzw. enervierenden Diskussionen zwischen Unhold und Opfer. Es wird gekämpft, bis die Knochen – buchstäblich – krachen. So passt es zu einem Film, den dessen Macher zu einem Kult erhöhen wollen, obwohl ihnen ‚nur‘ eine unterhaltsame Schlachtplatte gelungen ist, die nach dem Verzehr rasch verdaut und vergessen ist.

DVD-Features

Um die „Evil-Dead“-Gemeinde zu erfreuen, wurde echtes Geld in die Produktion der heute so beliebten „Features“ investiert. Der altbackene und geizige DVD-Käufer muss sich freilich mit einer schmalen Auswahl begnügen. Drei je etwa achtminütige Filmchen gestatten Blicke hinter die Kamera, die leider viel zu oft unterbrochen werden von „Interviews“ und „Statements“ des Regisseurs, der Produzenten (nur Sam Raimi hält den Mund) und der Darsteller. Sie sind stolz auf ihre Arbeit, was der Zuschauer in einem schon erwähnten Punkt unterstreichen mag: Die körperlichen Anstrengungen forderten jugendliche Schauspieler, da sonst die Dreharbeiten kaum ohne Herzinfarkte abgelaufen wären. Regisseur und Drehbuchautor Fede Alvarez philosophiert besonders schwurbelig über den aus seiner Sicht gelungenen Neuentwurf eines kultigen Horrorklassikers, und wir beobachten Jane Levy, die Maskenbildner in die besessene Mia verwandelt.

Wer sich „Evil Dead“ auf Blu-ray gönnt, wird mit zwei weiteren Extras belohnt. Außerdem beinhaltet die blaue Scheibe einen Audio-Kommentar mit Jane Levy, Lou Taylor Pucci, Jessica Lucas, Fede Alvarez und Autor Rodo Sayagues. Wer für das (allerdings längst vergriffene) „Evil-Dead“-Steelbook noch tiefer in die Tasche greift, findet dort eine zweite (DVD-) Scheibe, auf der Bruce Campbell himself seine Sicht des „Evil-Dead“-Kultes kundtut.

Kurzinfo für Ungeduldige: Fünf Freunde wollen in einer Waldhütte einen Drogenentzug durchhalten. Sie finden ein uraltes Zauberbuch, mit dem sie ungewollt einen Dämonen heraufbeschwören, der in ihre Körper fährt, um ihre Seelen zu ‚fressen‘ … – Das Remake eines Kult-Horrorfilms ist handwerklich hochwertiger und deutlich blutiger als die Vorlage, kann aber aufgrund flach gezeichneter Figuren und ausschließlich vordergründiger Effekte nie wirklich erschrecken: immerhin konsequent metzelstarkes Splatter-Entertainment.

[md]

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