evil-groundEvil Ground – Fluch der Vergangenheit

Originaltitel: Hallowed Ground (USA 2007)
Regie u. Drehbuch: David Benullo
Kamera: Keith J. Duggan
Schnitt: Yale Kozinski
Musik: Neil Acree
Darsteller: Jaimie Alexander (Elizabeth Chambers), Brian McNamara (Sheriff O’Connor), Nick Chinlund (Jonas Hathaway), Hudson Leick (Sarah Austin), Chloe Grace Moretz (Sabrina), Ned Vaughn (Deputy Mark Simmons), Jim Cody Williams (Earl), Ethan Phillips (Prediger), Tamara Clatterbuck (Kellnerin), Dan Warner (Officer Chandler), Ryan Honey (Sabrinas Vater), Walter Phelan (Vogelscheuche) u. a.
Label: Tiberius Film
Vertrieb: Sunfilm Entertainment
Erscheinungsdatum: 08.01.2010 (Kauf-DVD)
EAN: 4041658222907 (Kauf-DVD)
Bildformat: 16 : 9 (1,85 : 1, anamorph)
Audio: DTS 5.1 (Deutsch), Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 83 min.
FSK: 18

Das geschieht:

Die Beziehungen zwischen den Provinzstädtchen Hope und Liberty sind etwas angespannt, seit die Einwohner von Liberty 1896 entdecken mussten, wo die vielen rätselhaft verschwundenen Mitbürger gelandet waren: Der irrsinnige Prediger Jonas Hathaway hatte sie im Bund mit den ihm hörigen Männern und Frauen von Hope lebendig an Kreuze schlagen und diese in den riesigen Maisfeldern um die Stadt aufstellen lassen; mit diesen Menschenopfern wollte er die Ernte sichern.

Von den wütenden Bürgern aus Liberty wurde Hathaway gekreuzigt und verbrannt, doch sein Geist blieb in der Erde lebendig, in der man seine verkohlten Überreste verscharrte, und wartet auf die Chance zur Wiedergeburt. Auch im 21. Jahrhundert blieben die Menschen in Hope ihrem Prediger und der Opfer-Tradition treu. Außerdem hält man die Augen nach einer passenden Kandidatin auf, in deren Baby Hathaways Geist fahren soll.

Die junge Elizabeth Chambers, die ein Motorschaden in Hope festsetzt, soll diese Rolle übernehmen. Erst vor fünf Wochen hat sie ihr Kind verloren und steht deshalb dem Plan denkbar ablehnend gegenüber. Der Reporterin Sarah Austin ist es inzwischen versehentlich gelungen, Hathaway aus seinem Grab zu beschwören. Er hat die Gestalt einer Vogelscheuche übernommen, die nun auf der Suche nach Liz – und nebenbei nicht in den Inkarnations-Plan eingeweihte Hope-Bürger niedermetzelnd – durch die Nacht schleicht.

Weil der Sheriff und seine Deputys mit der im Horrorfilm der B-Kategorie üblichen Begriffsstutzigkeit geschlagen und bald tot sind, muss Liz sich selbst ihrer Haut wehren, was schwer ist, da überall Hathaways Schergen lauern und es plötzlich auch ein kleines Mädchen zu retten gilt. Bis zum Morgengrauen gilt es durchzuhalten, denn erst dann muss der Geist des Predigers unverrichteter Dinge zurück in sein Grab …

Gottes Strafe für allzu vergnügungssüchtige Zuschauer?

Man muss den Prediger Hathaway korrigieren: Diese Welt ist weniger ein Ort des Bösen als des Blöden! Der Preis für diese Erkenntnis ist für die Unglücklichen, die an diesen Film geraten, leider identisch mit der Strafe für dessen Sichtung: Sie verlieren auf unerfreuliche Weise anderthalb Stunden ihres Lebens, die sich zudem subjektiv wie eine Ewigkeit hinziehen. Anders ausgedrückt: „Evil Ground“ gehört definitiv zu den Filmen, die niemand sehen will. Trotzdem werden sie immer wieder gedreht. Sie entstehen für Versender, deren Programmhunger unersättlich ist. Billig müssen solche Streifen bleiben, nicht über 90 Minuten lang sein und für eine Inhaltsangabe taugen, die möglichst viele Zuschauer lockt.

Zugegeben: Theoretisch klingt die Story gar nicht schlecht. Mumien und Monster bedrohen seit jeher angstvolle Mitmenschen, und auch Vogelscheuchen tragen ihren Teil zum unterhaltsamen Verderben bei. Sie sind sogar prädestiniert als Angstfiguren, wie sie vor allem in der Dämmerung viel zu menschenähnlich in alten Kleidern und mit gesenktem ‚Köpfen‘, doch ohne Gesichter trügerisch still auf galgen- oder kreuzähnlichen Gestellen hängen oder stecken und auf unvorsichtige Zeitgenossen zu warten scheinen, die sich ihnen nähern …

Praktisch wirft die Vogelscheuche kaum Schwierigkeiten auf, denn hinter ihrer Maske kann sich ein Darsteller gut und kostengünstig verbergen. Einige Strohhalme schauen aus Ärmeln und Hosenbeinen heraus – fertig! Die Gestaltung der Hathaway-Scheuche gibt denn auch keinen Grund zum Tadel. Leider muss sie durch eine krude Variante des „Kinder des Zorns“-Plots hetzen, die mit viel zu gut abgehangenen Horror-Standards versetzt und verseucht ist. An keiner Stelle darf der frustrierte Zuschauer eine Überraschung entdecken. Sollte er zwischenzeitlich einnicken, ist es erschreckend einfach, nach dem Wecken (weil der empörte Sitznachbar nicht allein leiden will) den Anschluss an die Handlung zu finden.

Kamera! Licht! Action! – Drehbuch?

Fast möchte man David Benullo in Schutz nehmen. Welcher Nachwuchs-Filmer würde ein Angebot ausschlagen, das eigene Drehbuch in bewegte Bilder umzusetzen? Womöglich löste der Verstand durchaus Alarm ob der Tatsache aus, dass für „Evil Ground“ nur ein Budget von 1,5 Mio. Dollar zur Verfügung stand, doch Debütant Benullo nahm die Herausforderung an bzw. erlag der Versuchung.

Hochmut kommt vor dem Fall, heißt ein zur Binsenweisheit verkommenes Sprichwort, dessen Treffsicherheit sich freilich nicht leugnen lässt. Zumindest der Zuschauer weiß schnell, dass Benullos Drehbuch keineswegs über 90 Minuten trägt, aber hat auch der Regisseur seine Lektion begriffen? Regie beinhaltet die stringente Umsetzung einer tauglichen Geschichte und erfordert die Führung von Schauspielern, die der Handlung buchstäblich Leben einhauchen – oder einhauchen könnten, wenn sie nicht wie in unserem Fall vom eigenen Regisseur in Zusammenarbeit mit dem Kameramann sabotiert werden. Man kann nur als Selbstschutz (aber trotzdem voller Schmerz) die Augen schließen, wenn beispielsweise offenbart wird, was Benullo unter einer Verfolgungsjagd versteht: Nach seinem Startschuss beginnen die Darsteller der spinnerten Sekten-Bürger, plan- und sinnlos kreuz und quer durch das Maisfeld zu stolpern, das die hauptsächliche Kulisse darstellt: Der Slapstick der Stummfilm-Ära ist offensichtlich noch sehr lebendig!

Man hätte ja auch etwas Anständiges lernen können …

Ist dies der Gedanke, der den Darstellern kollektiv durch die Köpfe schoss, als sie endlich merkten, in welchen Film ein böses Schicksal (oder ihr Agent) sie geschickt hatte? Irgendwie tragisch mutet es an, dass keineswegs die in Filmen dieser Güteklasse üblichen Null-Mimen vor die Kamera traten. Jung-Schauspielerin Jamie Alexander wirkt durchaus überzeugend in ihrer Klischee-Rolle als flüchtender Baby-Ofen. Hudson Leick gefällt als hübsche aber überdrehte Reporter-Blondine. Für wenige Augenblicke des Vergnügens kann sie sorgen, wenn sie Liz mit unguter Intensität und manischem Grinsen die Gruselgeschichte vom kreuzigungsgeilen Prediger Hathaway erzählt. Viel zu früh ereilt sie ein – natürlich – schlecht in Szene gesetztes Ende. Heimisch dürfte sich Tamara Clatterbuck – sie heißt wirklich so – gefühlt haben; ihre Laufbahn begann 1988 mit dem Horror-Heuler „Hobgoblins“, der vielleicht noch bescheuerter als „Evil Ground“ geraten ist.

Absolut profillos bleiben die männlichen Darsteller. Als Sheriff O’Connor ist Brian McNamara entweder überfordert, bewusstlos oder vom Teufel besessen. Nick Cinlund bemüht sich vergeblich, der ausgelaugten Rolle des fanatischen Priesters Leben einzuhauchen. Im Gedächtnis bleibt höchstens Jim Cody Williams als jovialer Tankwart Earl, dem in einer der durchweg gruselig misslungenen ‚komischen‘ Episoden versehendlich eine Hand ans Kreuz genagelt wird. Glücklich darf sich Walter Phelan schätzen – er muss zwar unter der Maske der Vogelscheuche schwitzen, bleibt aber wenigstens unerkannt.

Faule Tricks sind keine Spezialeffekte!

Wird die Ödnis der Handlung wenigstens durch blutige Ekeleien aufgelockert? Wer bisher hierher gelesen hat, wird bereits ahnen, dass dies eine rhetorische Frage ist. Die entsprechenden Effekte sind budgetbedingt lächerlich geraten und werden obendrein so ungeschickt inszeniert, dass jeglicher Schreck verpufft.

Der stellt sich allerdings ein, wenn CGI-Technik zum Einsatz kommt. Es fällt schwer zu entscheiden, welche Bilder nachhaltiger jede Grusel-Stimmung töten. Sind es die künstlichen, der Erdschwerkraft trotzenden Flammen oder die grausig schlecht ‚animierten‘ Cartoon-Krähen, die jenem Komitee gemeldet gehören, das alljährlich die „Goldene Himbeeren“ für die miserabelsten Leistungen im Filmgeschäft verteilt?

Bleibt abschließend die Frage, wieso „Evil Ground“ eine „FSK-18“-Einstufung erfuhr. Selbst den verbohrtesten Saubermännern und –frauen dieser Zensurbehörde kann die Dürftigkeit der zudem zahlenarmen Splattereien nicht entgangen sein; die kaum Video-Standard erreichende Bildqualität sorgt für das Verschwimmen letzter Details. So mag das Label, in dessen Programm diese Gurke geriet, dreist und verzweifelt die Flucht nach vorn er- und zu einem alten Trick gegriffen haben: Was erst „ab 18“ freigegeben ist, zieht zumindest den noch unerfahrenen Zuschauer magisch an. Bis sich im Kreis der potenziellen Käufer herumgesprochen hat, welches Kasperle-Theater „Evil Ground“ darstellt, hat man hoffentlich die Gewinnzone erreicht!

Anmerkung

„Hallowed Ground“ lautet der Originaltitel dieses Streifens. Korrekt übersetzt bedeutet dies „Heiliger Boden“, was im Kontext der Handlung seinen Sinn ergibt. Für die deutsche Fassung zermarterten sich offenbar die üblichen Verdächtigen, d. h. haargegelte Marketing-Spezialisten, ihre Zwergenhirne, verwarfen allzu deutsche = uncoole Titel und kreierten das denglisch-moderne „Evil Ground“. Müll bleibt indes Müll, auch wenn man ihn nett verpackt …

DVD-Features

Das geplagte Publikum darf dankbar sein: Nachdem es bereits dem Irrglauben verfiel, dass „Evil Ground“ das Anschauen lohnt, bleibt es von Extras zum Hauptfilm vollständig verschont; vermutlich wollten alle Beteiligten dieses trübe Kapitel ihres Lebens möglichst rasch hinter sich lassen …

[md]

Titel bei Amazon.de