Exists – Die Bigfoot-Legende lebt!

Originaltitel: Exists (USA 2014)
Regie: Eduardo Sánchez
Drehbuch: Jamie Nash
Kamera: John Rutland
Schnitt: Andrew Eckblad u. Andy Jenkins
Musik: Nima Fakhrara
Darsteller: Chris Osborn (Brian), Dora Madison Burge (Dora), Roger Edwards (Todd), Denise Williamson (Elizabeth), Samuel Davis (Matt), J. P. Schwan (Onkel Bob), Brian Steele (Bigfoot)
Label: Entertainment One
Vertrieb: WVG Medien
Erscheinungsdatum: 27.03.2015
EAN: 4250148709426 (DVD)/4250148709433 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch, Französisch)
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte, Dänisch, Finnisch, Französisch, Niederländisch, Norwegisch, Schwedisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 77 min. (Blu-ray: 81 min.)
FSK: 16

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Das geschieht:

Tunichtgut Matt und sein dämlicher Bruder Brian klauen Onkel Bob die Schlüssel zur alten Familienhütte, die irgendwo im texanischen Wald (!) steht. Seit Bob vor Jahren etwas Unheimliches gesehen zu haben glaubt, lässt er dort niemanden mehr übernachten. Dabei ist der Ort ideal für Matts und Brians Vorhaben: Zusammen mit Kumpel Todd und den hübschen sowie weitgehend hirnentkernten Girls Dora und Elizabeth wollen sie am Tag Bike-Stunts für Youtube drehen und zur Nacht saufen, kiffen & Körpersäfte austauschen.

Auf der Fahrt zur Hütte fährt Matt auf einsamer Straße mit dem Wagen im schon nächtlichen Wald ein ‚Tier‘ an. Die Suche nach dem Opfer bleibt erfolglos, obwohl es im Gebüsch unheimlich raschelt und kurz darauf gruseliges Wehklagen ertönt. Mit einem kollektiven Achselzucken setzt man unverdrossen die Fahrt fort, denn schließlich will man sich amüsieren.

Die Hütte ist primitiv aber gemütlich, und während die Mädchen in einem nahen Teich planschen, treiben die Jungs auf ihren Bikes wüste Kapriolen. Brian filmt und hält dabei Augen und Ohren offen, denn er kennt Onkel Bobs Geschichte vom „Bigfoot“, der im Wald sein Unwesen treiben soll. Aufnahmen dieses Fabelwesens würden Brian reich und berühmt machen.

Tatsächlich entdeckt Brian Mysteriöses, doch die Gefährten glauben ihm erst, als es in der Nacht lebendig und laut wird: Eine sichtlich schwergewichtige Kreatur schleicht um die Hütte und versucht einzudringen. Geschockt beschließt die Gruppe am nächsten Morgen die Flucht zurück in die Zivilisation – und findet den Wagen demoliert und fahruntüchtig! Nun ist guter Rat teuer, denn niemand weiß, wo sich die Freunde aufhalten, und die Handys haben (selbstverständlich) keinen Empfang. Matt schwingt sich auf sein Bike, um Hilfe zu holen. Weit kommt er nicht, denn was im Wald lauert, hat es eindeutig auf die Eindringlinge abgesehen. In der nächsten Nacht kehrt die Kreatur zurück, und dieses Mal gedenkt sie nicht, von ihren Opfern abzulassen …

Ein wahrhaft schrecklicher Film!

Man kann sie verstehen und muss ihr dankbar sein, denn es stellt unbedingt eine gute Tat dar, jene fünf Holzköpfe aus dem Universum zu tilgen, die uns hier unglaublich auf die Nerven gehen! Im tragischen Gleichtakt mit einer Story, die so blöd und ausgelaugt ist, dass man auch nach Filmende nicht glauben mag, was einem da zugemutet wurde, wird „Exists“ zum besonderen Ärgernis eines ohnehin schuttreichen Filmjahres.

1999 hat Eduardo Sánchez den „Found-Footage“-Stil mit der Pseudo-Dokumentation „Blair Witch Project“ quasi (mit-) erfunden. Damals war dieser Stil neu und interessant, bevor er (nicht nur) hollywoodtypisch in Windeseile zu Tode geritten wurde. Zeitweise schien jeder zweite Horrorfilm mit subjektiver Wackelkamera gedreht zu werden. Heute fristet „Found Footage“ ein Nischendasein, aus dem Sánchez es offenbar wieder zu befreien versucht, nachdem die Technik den Rahmen deutlich erweitert hat: Leistungsstarke Kameras sind heute so winzig und dabei kostengünstig, dass es glaubhaft ist, wenn Haschdödel Brian den Wald mit „Action-Camcordern“ förmlich spickt, die auf Bewegungen ansprechen und sogar nachtsichtig sind.

Nichtsdestotrotz hat „Found Footage“ sich überlebt. Dies eindringlich (und sicherlich unfreiwillig) bewiesen zu haben, bleibt der einzige Verdienst, den Regisseur Sánchez für sich beanspruchen darf. Drehbuchautor Jamie Nash sollte hingegen schamvoll dort untertauchen, wo „Exists“ entstand: im Naturschutzgebiet „Big Thicket“ im Südwesten von Texas. Dort ist dieser US-Staat tatsächlich keine topfebene Rindersteppe, sondern hügelig und dicht bewaldet. Der Schauplatz selbst ist freilich Nebensache; „Exists“ hätte überall dort gedreht werden können, wo ein paar Bäume beisammenstehen.

Mythen und Monster

Der „Bigfoot“ – den man jenseits der kanadischen Grenze auch „Sasquatch“ nennt – gehört zu den modernen Mythen einer Welt, die ihre klassischen Fabelwesen ausrangiert hat. Nichtsdestotrotz sehnt sich auch der zivilisierte Mensch nach Mythen und Monstern, sodass er sich auf der Basis inzwischen gewonnenen (Halb-) Wissens Ersatz geschaffen hat. Daher wimmeln überall auf der Erde legendäre Kreaturen umher, die nie jemand wirklich gesehen hat: der Yeti, das Ungeheuer von Loch Ness, die große Seeschlange und viele, viele andere.

Das Fernsehen und hier speziell jene Sender, die ihr Programm ausschließlich mit ‚Dokumentationen‘ bestreiten, haben – verstärkt durch das allgegenwärtige Internet – den Neo-Monstern eine Bühne gezimmert, auf der sie dank digitaler Spezialeffekte eine Präsenz gewonnen haben, die zumindest Zuschauer schlichten Geistes mit Realität verwechseln. Vor die Kameras treten verstärkend ‚Wissenschaftler‘ ohne Ausbildung oder wenigstens Verstand, die als Beweis für Bigfoots Existenz stets nur mit Gips ausgegossene Titanen-Plattfüße, strähnige Haare, getrocknete Kothäuflein und wilde Geschichten vorweisen können, wie sie einst beinahe tatsächlich etwas im Unterholz gesehen haben.

Dies ist der Dünger, in dem „Exists“ wurzelt. Die genannten ‚Funde‘ sowie stets untauglich verwackelte Filmaufnahmen übernahmen Nash und Sánchez eins zu eins als Stilmittel und mischten sie mit dem Klischee grenzdebiler Partytiere, die sich im tiefen Wald und damit jenseits der wachsamen Blicke misstrauischer Eltern, Gesetzeshüter u. a. Spielverderber wüster als jeder Bigfoot aufführen wollen.

Nulpen & Nervensägen

Pflichtschuldig lässt Sánchez für die entsprechend gepolte Klientel einmal kurz Denise Williamsons milchbleichen Busen aufblitzen. Ausgelassenheit auf US-amerikanische Art demonstriert Chris Osborn, der beim Biken plötzlich die Hose fallen lässt und sein hohlwangiges Hinterteil präsentiert. Außerdem raucht er Joints, ist also wahrlich ein ganz Wilder!

Immerhin weist Brian etwas Ähnliches wie ein Profil auf. Samuel Davis als Bruder Matt ist ein völlig unbeschriebenes Blatt – ein Mann ohne Eigenschaften, wie überhaupt diese fünf Personen aus dem Himmel gefallen zu sein scheinen. Wir erfahren nichts über sie, und wenn wir sie beobachten und zuhören, wie sie erst Phrasen dreschen und später aus minderwertigen Horrorfilmen zitieren (inklusive des Jammerschreis „Ich will sofort nach Hause!“), können wir sie nur verabscheuen. Ein besonderer Unsympath ist Todd, obwohl Nash und Sánchez ihn – einen Afroamerikaner – vermutlich politisch korrekt als Anführer in der Krise vorstellen wollen. Stattdessen ist er ein humorloses, cholerisches Ekel.

Falls „Exists“ als Hommage an den Horrorfilm der 1970er und 80er Jahre gedacht sein sollte, wären die beiden weiblichen Darsteller Idealbesetzungen. Dora und Elizabeth sind zunächst zickig und später panisch. Noch bevor der Bigfoot sich zeigt, wimmern und heulen sie wie Schlosshunde. Als es dann wirklich kritisch wird, steigert sich die Lautstärke, bis der Bigfoot aus voller Kehle röhren muss, damit man seine Wut noch zur Kenntnis nehmen kann.

Vorbei aber nicht vergessen

Was unseren Waldaffen so in Rage versetzt hat, ist nur unseren Hohlköpfen ein Rätsel. Für die Zuschauer haben Nash und Sánchez diese Katze schon viel zu früh aus dem Sack geholt, was sie noch mehrfach wiederholen. Man darf froh sein, dass es im Grunde gleichgültig ist, was den Bigfoot umtreibt; er soll toben und für Terror sorgen (dessen blutige Ergebnisse allerdings aus Budgetgründen nicht gezeigt werden können).

Stattdessen schwankt der Zuschauer zwischen Lachen und Schnauben, wenn die mächtige Fäuste von außen gegen die Pappwände von Onkel Bobs Hütte hämmern, dann haarige Arme ins Innere langen und schließlich blutunterlaufende Augen durch Ritzen dorthin glotzen, wohin sich unsere Partybolde geflüchtet haben. Wenigstens geschieht dies im illusionsschützenden Dunkel der Nacht. Später erscheint Bigfoot bei Tageslicht und büßt dabei seine Bedrohlichkeit endgültig ein.

Das Finale soll dramatisch sein, schockieren und gleichzeitig ans Herz rühren. Da die Situation abermals die Wiederholung ohnehin ins Lächerliche gekippter Klischees darstellt und die schauspielerischen Leistungen vor der Kamera keinen plötzlichen Quantensprung erfahren, senkt sich des Zuschauers Daumen endgültig steil nach unten: „Exists“ ist endgültig an breiter & ganzer Front gescheitert.

DVD-Features

„Exists“ ist ein Film, der nicht nur ohne Ideen, sondern auch ohne nennenswertes Budget entstand. Aus der Not eine Tugend machend, drehte Regisseur Sánchez vor Ort und unter freiem Himmel, zumal ihn dies nach eigener Auskunft in die Lage versetzte, den legendären Bigfoot eindrucksvoll in dessen natürliche Umgebung zu zeigen. Das dreiteilige Feature „21 Tage in den Wäldern: Hinter den Kulissen von „Exists“ belegt den rustikalen Stil der Filmarbeiten, vermag aber auch nicht zu erklären, wieso der angebliche Urwald trotzdem wie eine beliebige Forstanpflanzung wirkt.

Auch die Featurette „Wie Bigfoot zum Leben erweckt wurde“ kündet mehr vom Wollen als vom Können. Angeblich soll der legendäre „Weta Workshop“ aus dem neuseeländischen Wellington – u. a. verantwortlich für die F/X der „Herr-der-Ringe“- und „Hobbit“-Trilogien – konzeptionell in die Spezialeffekte verwickelt sein. Man fragt sich, wohin dieses Knowhow versickert ist, denn selbst aus der Ferne und im Dunkeln mit der Wackelkamera betrachtet wirkt der danach umgesetzte Bigfoot stets wie das, was er ist: ein Mensch in einem Affenkostüm.

Darüber hinaus bieten die Extras sechs „Deleted Scenes“, wobei sich das angeblich „alternative Ende“ nur durch die Gestaltung der Schriftfonts für die Schlusstitel vom tatsächlichen Ende unterscheidet.

Kurzinfo für Ungeduldige: Fünf Jackass-Teenies wollen in Onkels einsamer Waldhütte Party machen, verärgern dabei einen riesenhaften Waldaffen und werden von diesem durch das Unterholz gehetzt, was nicht ohne Opfer bleibt … – Gänzlich ideenfreier „Found-Footage“-Film, der höchstens durch unfassbar nulldimensionale Figurenzeichnungen erstaunt: trotz gnädig kurzer Laufzeit pure Zeitverschwendung.

[md]

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