Extraterrestrial
Sie kommen nicht in Frieden

Originaltitel: Extraterrestrial (Kanada 2014)
Regie, Drehbuch, Schnitt: The Vicious Brothers (= Colin Minihan u. Stuart Ortiz)
Kamera: Samy Inayeh
Musik: Blitz//Berlin
Darsteller: Brittany Allen (April), Freddie Stroma (Kyle), Melanie Papalia (Melanie), Jesse Moss (Seth), Anja Savcic (Lex), Gil Bellows (Sheriff Murphy), Michael Ironside (Travis), Sean Rogerson (Deputy Mitchell), Emily Perkins (Nancy McPherson), Mike Kovac (Ladenschwengel), Mackenzie Gray (Mann in Schwarz) u. a.
Label: Tiberius Film
Vertrieb: Sunfilm Entertainment
Erscheinungsdatum: 02.04.2015
EAN: 4041658228428 (DVD)/4041658298421 (Blu-ray)/4041658278423 (3D-Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: DTS 5.1 (Deutsch), Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch), Dolby Digital 2.0 (Deutsch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 97 min. (Blu-ray: 101 min.)
FSK: 16

Titel bei Amazon.de (DVD)
Titel bei Amazon.de (Blu-ray)
Titel bei Amazon.de (3D-Blu-ray)


Das geschieht:

Irgendwo in einem USA-Wald (der tatsächlich im filmbudgetgünstigeren Kanada liegt) steht die elterliche Ferienhütte, in der April glückliche Jugendjahre verbracht hat. Nun wird das Häuschen verkauft. Für den Makler soll April vor Ort einige Fotos schießen. Was als kurzer Trip geplant war, verwandelt sich in einen Wochenendausflug, denn Aprils Freund Kyle hat ohne ihr Wissen seinen debilen Kumpel Seth sowie die nur marginal geistreicheren aber hübschen sowie relativ kleidungsabstinenten Spät-Girlies Melanie und Lex eingeladen: Man will Hütte und Abgeschiedenheit nutzen, um Party im zünftigen US-Stil – komasaufen, kiffen, schreien wie am Spieß, das Ganze dröhnend untermalt von Retorten-Rockmusik – zu machen!

Gegrölt, getan, doch zu den außerdem angedachten Beischlaf-Ausschweifungen kommt es nicht mehr, weil des Nachts unweit der Hütte ein unbekanntes Flugobjekt niedergeht. Man vermutet einen Flugzeugabsturz und eilt herbei, um zu helfen. Doch am Ort des Aufschlages liegt eine waschechte fliegende Untertasse! Seltsam geformte Fußspuren verraten, dass der Pilot überlebt hat; sie führen auf die Hütte zu.

Dorthin zurückgekehrt bekommt unser Quintett wenig später tatsächlich unheimlichen Besuch. Im Keller hat April jedoch Daddys Flinte gefunden, sodass sie dem dürren Eindringling eine ordentliche Bauchportion Grobschrot verpassen kann. Damit ist die Krise keineswegs ausgestanden: Der Pilot konnte das Alien-Mutterschiff alarmieren! Von dort rücken weitere ETs rachsüchtig aus, um die dreisten Erdlinge zur Rechenschaft zu ziehen.

Man flüchtet und stellt sich dabei möglichst dämlich an, weshalb es den Außerirdischen gelingt, der Gruppe auf den Fersen zu bleiben. Wer sich nicht gut genug versteckt, wird von einem Lichtwirbel erfasst und in das Mutterschiff gesaugt, wo neugierige Alien-Forscher bereits die Rektalsonden wetzen! Die Lage wird bald bitterernst, weshalb nur wahre Liebe & Opfermut einen Ausweg bieten können …

Was wollen sie ausgerechnet hier?

Sollten die Aliens auf der Suche nach irdischer Intelligenz gewesen sein, haben sie sich monumental verflogen: Der IQ jeder Qualle dürfte sogar den addierten Grips unserer fünf Heimgesuchten übersteigen! Zu allem Überfluss haben die Außerirdischen nicht einmal die schlimmsten Tiefdruck-Hirne erwischt. Liegt es daran, dass die beiden Verursacher dieses Film-Elends in einem lichten Moment angesichts wahrscheinlicher Publikumswut den Tarnnamen „The Vicious Brothers“ angenommen haben?

Als solche sind sie höchstens den (hoffentlich wenigen, weil definitiv unglücklichen) Pechvögeln bekannt, die an das erste Meister-Machwerk der ‚Brüder‘ gerieten: 2011 verursachten sie den „Found-Footage“-‚Schocker‘ „Grave Encounters“, dem sie (dieses Mal nur als Drehbuchautoren aber mit ähnlich verheerender Wirkung“) 2012 eine Fortsetzung folgen ließen. Schon „Grave Encounters“ war ein unfreiwilliges Manifest allgegenwärtigen Talentmangels, den die ‚Brüder‘ offensichtlich kultiviert haben, statt an seiner Behebung zu arbeiten.

Niemand verlangt Neues von einem Film, der eine unheimliche Begegnung der dritten Art schildert, denn formal oder gar inhaltlich ist dieses Thema durch. Dies gilt erst recht, wenn nicht nur das Team hinter der Kamera, sondern auch das Budget beschränkt ist. Man kann deshalb damit leben, dass sich die Aliens dieses Mal in einem kanadischen Waldstück herumdrücken, das eine kostengünstige Kulisse abgibt. Dort leben sie ihren Drang zu seltsamen Experimenten am menschlichen Objekt aus, was – hier greifen die Brüder verwegen und kritisch nach den Sternen (bzw. ins sprichwörtliche Klo) – dem US-Regierung durchaus bekannt ist! Dope-Farmer Travis, ein desillusionierter Vietnam-Veteran, weiß Näheres und informiert die schockierten Jungmenschen sowie uns Zuschauer darüber, dass es einen ‚Vertrag‘ gibt, der den Aliens dies gestattet, wobei ihnen der Geheimdienst sogar zur Hand geht!

Lange ging es gut

Es ist wahrlich schwer nachvollziehbar, dass ausgerechnet eine Gruppe Hohlköpfe, wie sie die Brüder hier präsentieren, diesen global-galaktischen Pakt in Gefahr bringen. Wieso gehen die angeblich so fortschrittlichen Wesen aus dem All überhaupt so umständlich vor? Könnten sie sich ihre Opfer nicht von der Regierung liefern lassen? Das sind Fragen, die man lieber nicht stellen sollte, obwohl sie von einer Handlung ablenken helfen, die den Tatbestand der besonders hinterhältigen Publikumsverdummung erfüllt.

Erschütternd offensichtlich ist die Unfähigkeit der Brüder als Drehbuchautoren. Sie fischen die Filmgeschichte nach einschlägigen Szenen ab, die von weniger gelungenen Begegnungen zwischen Mensch und Alien erzählen. Die ausgewählten Vorlagen werden grob in eine chronologische Reihenfolge gebracht, wobei Nahtstellen nicht etwa angeglichen und geglättet werden. So kommt es, dass der Erzählton von einem Moment zum nächsten ohne nachvollziehbaren Anlass aber dafür umso abrupter kippen kann. Zu besonderer Anti-Meisterschaft schwingen die Brüder sich auf, wenn sie versuchen, April und Kyle in eine tragische Liebesgeschichte zu verwickeln, die sich grotesk schmalzig gern dort Bahn bricht, wo die Handlung eigentlich Dramatik gebietet.

Hinzu kommen mehrfach Episoden, die das Geschehen nicht voranbringen. Aufwendig eingeführt wird Sheriff Murphy, dem vor über zehn Jahren die Gattin spurlos abhandenkam. Jetzt dämmert ihm, wer dafür verantwortlich ist. Als er sich endlich vom Alien-Saulus zum Paulus verwandelt hat und gerade energisch in die Ereignisse eingreifen will, schalten ihn die Brüder buchstäblich aus. Sie sehen darin sicherlich eine schockierende Überraschung. Das Publikum fühlt sich so, wie dieser Moment inszeniert wurde, eher veräppelt – und dies keineswegs zum ersten Mal!

Handlung als Billardkugel

Auch eine stringente Handlungsführung sollte man lieber nicht erwarten. Endlos werden die Figuren eingeführt, während die Kamera ihren langweiligen Possen und Problemchen folgt. Urplötzlich schlägt die Stimmung um; die Hütte im Wald wird zur belagerten Festung. (Seltsamerweise wird „Extraterrestrial“ nun zeitweilig zum „Found-Footage“-Film; wir erleben das Geschehen durch den Sucher von Seths wackelnder Smartphon-Kamera.)

Irgendwann landen wir sogar im Inneren des Alien-Mutterschiffs! Dort geht es freilich wenig fortschrittlich zu. Man fühlt sich stattdessen an das Innere eines lange nicht mehr gereinigten Kanalrohrs erinnert; Schleim und Plastikplanen sind halt billiger als kostspielige Spezialeffekte, die deshalb nur sparsam eingestreut werden.

Die Außerirdischen selbst sind klassisch, d. h. lang und dürr mit Tropfenschädeln und Glotzaugen. Als Innovation lassen die Brüder sie zornig knurren und fauchen, wenn sie sich im Gebüsch verstecken. Man weiß, dass sie kommen, wenn das Licht einen ferkelleuchtenroten Ton annimmt. Außerdem werden offensichtlich halluzinogene Mittel versprüht; jedenfalls beginnt die Kamera derartig zu bocken und zu zoomen, dass man um den armen Wicht dahinter fürchtet.

Fünf Reiter der apokalyptischen Dummheit

Eine Bauchlandung, die an Wucht den Aufschlag des tölpelhaften Alien-Piloten weit übertrifft, verursachen die Brüder, wenn sie versuchen, ihre zusammengestoppelte Story mit Figuren zu bevölkern. Obwohl auch (und gerade) die jüngste Filmgeschichte reich an Pappkameraden und Nullgesichtern ist, dürfte „Extraterrestrial“ in besonders düsterer Erinnerung bleiben. Hier reagiert nicht einfach das Klischee; es überwuchert die Figuren wie ein geiler, giftiger Pilz und schafft, woran dieser Film ansonsten scheitert: Der kollektive Blutdruck des Publikums erreicht aus medizinischer Sicht besorgniserregende Höhen!

April wird von stümperhaft aufgepfropften Bindungsängsten heimgesucht und ist ansonsten die billighorrorfilmtypische Spaßbremse, die normalerweise überlebt, Kyle dumm aber wenigstens freundlich, während Seth einfach ein Brechmittel ist. Der arme Jesse Moss gibt das prollige Partytier, das anfänglich für ‚Humor‘ der gänzlich geistesfreien Art sorgen und später grundlos zum Feigling und Verräter mutieren muss; dafür verpassen ihm die Aliens schließlich eine Rektal-Untersuchung der richtig fiesen Art: wieder eine dieser Szenen, die der Handlung keinerlei Vortrieb geben, aber dafür schüttelt sich die Hirnarm-Fraktion des Publikums sicherlich vor Lachen!

Melanie Papalia und Anja Savcic sind einfach mit dabei, weil jede Geschichte dieses Schmalspurkalibers Kanonenfutter benötigt, während die Hauptfiguren bis zuletzt aufgespart werden. Unter die kanadischen Dutzendgesichter mischten sich Gil Bellows und Michael Ironside, die ein bisschen Kleingeld als „Gaststars“ mitnehmen wollten. Vor allem Ironside gibt (oder parodiert) wieder einmal den knorrigen Eisenfresser, der die Aliens mit der Knarre Mores lehren will; nach wenigen Spielminuten hat er das Geschehen folgenlos verlassen.

Zurück lässt er uns Unglückliche, die sich weiterhin dem verzapften Unfug in der Hoffnung auf eine halbwegs originelle Wendung widmen. Die Strafe ist hart; wir müssen ein höllisch vergurktes, melodramatisches, den bisherigen Ereignissen hohnsprechendes Finale ertragen, das die Brüder zu allem Überfluss aus dem Trash-Heuler „Cabin Fever“ (2002) ‚übernommen‘ haben. Deshalb abschließend drei Worte der zukünftigen Warnung: „The Vicious Brothers“!

DVD-Features

Ein Film, den man lieber aus dem Gedächtnis streichen möchte, benötigt keine Extras. Insofern muss man sich auch nicht darüber ärgern, dass es in der Tat keine gibt: Zu einem kümmerlichen, kaum achtminütigen „Making-of“, das nur ein verkappter Werbetrailer ist, gesellen sich die eigentlichen Trailer (deutsch und englisch).

Kurzinfo für Ungeduldige: Fünf geistig bestenfalls bruchteilanwesende Twentysomethings stolpern über eine im Wald abgestürzte fliegende Untertasse, empfangen den Piloten mit einem Schrotschuss und werden von ETs sauren Kumpels und dem US-Geheimdienst gejagt: eine x-(files)fach gesehene Reißbrettstory wird holprig, ohne Überraschungen sowie unter Vermeidung von Stimmung & Spannung abgespult; erwähnenswert sind weiterhin die mit dümmlichen Klischees dick ausgemalten Figurenzeichnungen: Bockmist!

[md]

Titel bei Amazon.de (DVD)
Titel bei Amazon.de (Blu-ray)
Titel bei Amazon.de (3D-Blu-ray)