Fertile Ground

Originaltitel: Fertile Ground (USA 2011)
Regie: Adam Gierasch
Drehbuch: Adam Gierasch u. Jace Anderson
Kamera: Yaron Levy
Schnitt: Andrew Cohen
Musik: Joseph Conlan
Darsteller: Leisha Hailey (Emily Weaver), Gale Harold (Nate Weaver/William Weaver), Chelcie Ross (Avery), Jami Bassman (Mary Weaver), Stephanie Brown (Risa), JoNell Kennedy (Brittany McGraw), Douglas Roberts (Dr. Glasgow), Rod McCullough (Sheriff Crane), Kailah Combs (Geistermädchen) u. a.
Label: Senator Home Entertainment
Vertrieb: Universum Film
Erscheinungsdatum: 14.10.2011
EAN: 0886979283992 (DVD) bzw. 0886979284197 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 91 min. (Blu-ray: 95 min.)
FSK: 16

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Das geschieht:

Abermals endet für Emily und Nate Weaver der Versuch, eine Familie zu gründen, in einer Tragödie. Die neuerliche Fehlgeburt und die Nachricht, dass Emily nie mehr wird schwanger werden können, nimmt das Paar als Anlass, die Großstadt New York City zu verlassen, um auf dem ruhigen Land einen Neuanfang zu versuchen. In New Hampshire besitzt Nate noch den alten Familien-Stammsitz – ein 1813 erbautes, schönes, sehr abgeschieden liegendes Haus. Hier wird Nate, ein Kunstmaler an der Schwelle zur Berühmtheit, sein Atelier einrichten, während Emily daran denkt, wieder Modellkleider zu entwerfen.

Die anfängliche Freude trübt sich, als im Garten ein weibliches Skelett entdeckt wird, das dort vor 150 Jahren verscharrt wurde. Offenbar ist hier ein Mord geschehen – längst nicht die einzige Bluttat, die im Weaver-Haus begangen wurde, wie ein örtlicher Historiker den (noch) entgeisterten Neubewohnern mitteilt: Mörder und Selbstmörder haben sich hier förmlich die Haustürklinke in die Hand gegeben.

Vor allem die labile Emily beginnt sich auf die Vergangenheit des Hauses zu fixieren. Sie stöbert im Keller eine Truhe mit dem Nachlass von William und Mary Weaver auf, mit denen der Reigen der Gräueltaten einst begann. Kurz darauf spuken die Geister dieser beiden Vorbewohner bereits durchs Haus. Nur Emily sieht sie, denn Nate hat sich in seinem Atelier vergraben und wird zusehends unzugänglicher. Kurz darauf erfährt Emily von ihrem Arzt, dass sie wider Erwarten wieder schwanger ist. Nate reagiert wenig erfreut; überhaupt scheint er sich in eine andere, unsympathische, gefährliche Person zu verwandeln, vor der Emily sich zu fürchten beginnt.

Dies steigert sich zur Panik, als sie alte Quellen studiert und feststellt, dass jede Frau, die in dem Haus schwanger wurde, spurlos verschwand oder ein blutiges Ende nahm. Kurz darauf ist es soweit: Auch Nate verfällt dem Fluch und verfolgt Emily mit dem wild geschwungenen Gehstock seines Vorfahren …

Noch fruchtbar ist der Schoß, aus dem dies kroch …

Natürlich reizt ein Film, der sich um das Thema Fruchtbarkeit dreht, zu Wortspielen und Sarkasmen, wenn das Ergebnis trotz heftiger Wehen eher kümmerlich ausfällt. In diesem Fall kommt erschwerend hinzu, dass „Fertile Grounds“ unterhaltsam beginnt und die Geschichte sorgfältig entwickelt wird, um dann im Finale umso spektakulärer in Schwachsinn und Unlogik zu zerfallen.

Die Story selbst ist so fern jeglicher Originalität wie das neuenglische New Hampshire entfernt von Iowa, wo „Fertile Ground“ tatsächlich gedreht wurde; dieser US-Staat liegt zwar deutlich weiter im Westen des nordamerikanischen Kontinents, lockt aber mit finanziellen Gaben Filmleute an, die auf den Dollar schauen müssen.

Zu ihnen gehörte Adam Gierasch eindeutig, denn „Fertile Ground“ ist ein Gruselfilm fast ohne Spezialeffekte und spielt überraschend oft bei Tageslicht, womit das Problem überzeugender = kostspieliger Nachtaufnahmen umgangen wird. Dies muss nicht von Nachteil sein, zumal die Story vom Spukhaus besser gedeiht, wenn die Geister nur ansatzweise umgehen. Sie sind unheimlicher, wenn man sie erahnen muss, was auch Gierasch mehrfach unfreiwillig belegt, wenn er die unvermittelte Begegnung von Gespenst und Mensch unter Einsatz dröhnender Musik inszeniert: Solche plumpen Buh!-Effekte verblassen neben Szenen, in denen sich die Welten unmerklich mischen. Schade, dass gleich zwei Drehbuchautoren dies weder aufgefallen, noch ihnen diesbezüglich mehr & Besseres eingefallen ist! (Nebenbei bemerkt: Ich habe noch nie ein ‚Spukhaus‘ von 1813 gesehen, das so gut in Schuss, modern eingerichtet und gemütlich war wie der Weaver-Landsitz, der Geistern ganz sicher keinen fruchtbaren Boden bietet …)

Spukt es noch, oder spinnst du schon?

Wohin Gierasch mit seiner Geschichte wollte, kann sich das Publikum zwar nachträglich zusammenreimen. Das muss es auch, denn der Film lässt den Betrachter spätestens im Finale völlig im Stich. Schon vorher gibt es Momente derartiger Logikferne, dass der Zuschauer lauter schreien mochte als die leicht aus der Fassung zu bringende Emily.

Es gibt zu viele Details, an denen sich der Kritiker aufreiben könnte. Generell ärgert die Nonchalance, mit der Gierasch zwischen Horror- und Psycho-Thriller schwankt. Spukt es im Weaver-Haus, oder ist sehen wir Emily, die langsam dem Wahnsinn verfällt? Dummerweise gibt es Indizien, die mit gleicher Lautstärke für beide Theorien sprechen. Lässt man die übernatürlichen Geschehnisse Revue passieren, bleiben sie nicht selten ausschließlich durch Geistertreiben ‚erklärbar‘. Auch bei gutem Willen bleibt nur eine sehr unbefriedigende Deutung: Es geht in der Tat um im Weaver-Haus, was nur Emily registriert, während sie außerdem den Verstand verliert.

Solche Larifari-Auflösungen hinterlassen großen Ärger, zumal Gierasch lange & erfolgreich vorgibt, seine Zuschauer erwarte ein Feuerwerk überraschender Enthüllungen. Er schürt Erwartungen und erzählt formal ruhig aber mit einem ständig drohenden Unterton. Seine Geschichte gliedert er in Kapitel, deren Titel die sachte Steigerung eines sich entwickelnden Dramas andeuten. Deshalb nimmt man es doppelt übel, wenn Gierasch schließlich offenbart, dass er keine Ahnung hatte, wie er seiner Geistergeschichte ein adäquates Ende geben konnte.

Keine Ahnung von gutem Spuk

Weshalb er nicht einmal davor zurückschreckt, dieses Finale durch ein Gewitter untermalen zu lassen, um wenigstens ein bisschen Gruseldynamik unterstützend ins Feld zu führen. Leider ist dieser Effekt nicht nur abgedroschen, sondern er wird hier von Spezialeffekt-Technikern realisiert, die offenbar niemals ein Gewitter erlebten: Sie stellen es sich jedenfalls als endlose Folge greller Blitzchen vor, denen manchmal ein Donnerschlag folgt.

Nachdem Gierasch die Handlung bisher wohltuend ruhig inszenierte, verfällt er plötzlich in uralte Horror-Klischees, die hier sogar dann fehl am Platze wären, wenn er eine Ahnung hätte, wie man sie spannend in Szene setzt. Mit großem Schlachtmesser muss Emily durch das dunkle Haus schleichen und unerhört schlecht motiviert ein wenig Blut vergießen, um wenigstens die Altersfreigabe von 12 auf 16 Jahre zu hieven.

Dem inspirationslosen ‚Höhepunkt‘ folgt eine ‚tragische‘ Coda, die Emily summend und ein unsichtbares Baby im Arm wiegend in der Gummizelle zeigt. Mit diesem faulen Trick ist das Maß voll bzw. Zuschauers schon viel zu lange strapazierter Geduldsfaden gerissen.

Von fruchtbar zu furchtbar

(Unverdientes) Glück hatte Gierasch mit seiner Hauptdarstellerin. Emily ist der Dreh- und Angelpunkt dieser Geschichte, und Leisha Hailey gibt ihm zerbrechlich aber entschlossen Gestalt. Hat man sich erst von der Furcht befreien können, gleich fiele der Rest der „L-Word“-Clique ins Weaver-Haus ein – Hailey gehörte zur Stammbesetzung dieser TV-Serie –, wirkt sie sehr glaubwürdig als nicht mehr ganz junge Frau, die über ihrem vergeblichen Kinderwunsch geistig zu zerbrechen beginnt. Viele und lange Szenenfolgen bestreitet Hailey allein und erfolgreich. Ohne ihre Leistung wäre „Fertile Ground“ so verdorrt wie das Ahorn-Bäumchen, das die Weavers vor ihr neues Heim pflanzen, wo es im Laufe der Filmzeit aufdringlich symbolisch verdorren kann.

Gale Harold übernimmt zwar eine Doppelrolle. Ihm bleibt dennoch nur die eher undankbare Position des (zumindest anfänglich) verständnisvollen aber letztlich notorisch begriffsstutzigen Gatten, der über seine eigenen Probleme den geistigen Absturz seiner Frau ignoriert; im Finale ereilt ihn dafür die ‚Strafe‘. Karikaturenhaft überspitzt spielen JoNell Kennedy (beste Freundin) oder Stephanie Brown (arrogante Nebenbuhlerin), aber ihre Rollenzeiten bleiben glücklicherweise knapp bemessen. Weitere Darsteller sind hin und wieder anwesend, ohne irgendwelche Eindrücke zu hinterlassen, was auch nicht ihre Aufgabe ist.

Ungeachtet seines Titels bietet „Fertile Grounds“ letztlich nur dürren Durchschnitts-Grusel. Was nach 90 Minuten bleibt, ist ein Zorn, der hilft, die Namen „Adam Gierasch“ (Regie, Drehbuch) und „Jace Anderson“ (Drehbuch) ins Gedächtnis das Zuschauers zu gravieren; ein Wissen, das nützlich ist, um zukünftig Enttäuschungen zu vermeiden, die sich aus dieser trüben Quelle speisen könnten.

DVD-Features

Obwohl nicht nur der Hauptfilm, sondern auch die deutsche Synchronfassung belegen, dass Schmalhans Küchenmeister im Kochstudio „Fertile Grounds“ war, gibt es doch ein zehnminütiges Filmchen, das als „Making Of“ firmiert. Wenn man die üblichen Lobhudeleien ausblendet, bleibt der kurze aber interessante Blick hinter die Kulissen einer Produktion, die mit Zeit und Geld ständig knausern musste und trotzdem handwerklich solide und ansehnlich geraten ist.

[md]

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