final-destination-4Final Destination 4

Originaltitel: The Final Destination (USA 2009)
Regie: David R. Ellis
Drehbuch: Eric Bress
Kamera: Glen MacPherson
Schnitt: Mark Stevens
Musik: Brian Tyler
Darsteller: Bobby Campo (Nick O’Bannon), Shantel VanSanten (Lori Milligan), Nick Zano (Hunt Wynorski), Haley Webb (Janet Cunningham), Mykelti Williamson (George Lanter), Krista Allen (Samantha Lane), Andrew Fiscella (Andy Kewzer), Justin Welborn (Carter Daniels), Stephanie Honore (Nadia Monroy), Lara Grice (Cynthia Daniels), Jackson Walker (Jonathan Grove) uva.
Label: New Line Home Entertainment
Vertrieb: Warner Home Video
Erscheinungsdatum: 08.01.2010 (DVD) bzw. 22.01.2010 (Blu-ray u. Blu-ray Steelbook)
EAN: 5051890011008 (DVD) bzw. 5051890012210 (Blu-ray) bzw. 5051890012227 (Blu-ray-Steelbook)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch, Polnisch, Russisch)
Untertitel: Deutsch/Deutsch für Hörgeschädigte, Englisch, Holländisch, Russisch, Polnisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 79 min. (Blu-ray: 82 min.)
FSK: 18

Das geschieht:

Von ihren dummen aber netten Freunden wurden Nick und Lori zu einem Autorennen mitgenommen. Während die Rennwagen ihre Kreise ziehen, überfällt Nick eine Vision, die ihm zeigt, wie aufgrund eines fatalen Unfalls die meisten Tribünengäste ein grässliches Ende finden; auch ihn und Lori erwischt es. Erschrocken kann Nick seine Freunde sowie einige aufgeschreckte Besucher ins Freie locken, bevor sich der Unfall tatsächlich ereignet.

Weder Nick noch die von ihm geretteten Personen werden ihrer verschonten Leben froh, denn es ereilen sie in exakt jener Reihenfolge, in der Nick sie sterben sah, bizarre Tode. Lori recherchiert und findet im Internet Hinweise auf mindestens drei ähnliche Unfallserien in den letzten zehn Jahren: Offenbar holt sich der Sensenmann jene Opfer, die ihm aufgrund einer Vision entwischten, nachträglich und unerbittlich. Nur derjenige Kandidat kann ihm endgültig von der Schippe springen, dem es gelingt, seine Attacken auszuhebeln und so die Kette zu durchbrechen. Allerdings ist es möglich, dass der Tod daraufhin einfach die nächste Nummer auf seiner Liste ins Visier nimmt.

Trotzdem versuchen Nick und Lori den Aufstand gegen das Schicksal. Leider fällt es sowohl den potenziellen Opfern als auch ihren Freunden – die wie gesagt dumm sind – schwer, der Theorie vom düpierten Tod Glauben zu schenken, sodass dieser leichtes Spiel hat und sich die Jagd nach den flüchtigen Seelen durch den Einsatz einfallsreich sabotierter Abschleppwagen, Autowaschanlagen, Saugpumpen, Nagelpistolen u. a. zu Mordinstrumenten mutierender Gerätschaften unterhaltsamer gestalten kann …

Der Fluch des Erfolgs: Franchise-Wiedergänger

Wer sich nach der Sichtung von „Final Destination 4“ (hier von nun an als „FD4“ abgekürzt) die Frage stellen sollte, wieso dieser Film gedreht wurde, obwohl er sowohl inhaltlich als auch formal missraten ist, darf sich glücklich schätzen: Ihm (oder ihr) wurde soeben eine wichtige Lektion erteilt: Qualität oder wenigstens Unterhaltung zählen in Hollywood nicht einmal als sekundäre Tugenden. Beim Verb – also „zählen“ – können wir bleiben, doch damit verbinden müssen wir das Geräusch klingender Münzen.

Selbst Regisseur David Ellis gibt offen zu, dass es keine Existenzberechtigung für jenen Film gibt, den er nichtsdestotrotz selbst gedreht hat. Da „FD4“ bei einem überschaubaren Budget weltweit mehr als 150 Mio. Dollar eingespielt hat, sollte man dem Originaltitel, der „The Final Destination“ ankündigt, keineswegs Glauben schenken: Es wird weitergehen – blutiger und einfallsloser denn je.

Alles wie immer, nur ein bisschen schneller

Die Krux liegt im denkbar begrenzten Potenzial des Grund-Plots: Der Tod schnappt sich jene, die ihm zufällig entkommen. Was im „Final-Destination“-Original von 2000 neu war und gut umgesetzt wurde, war bereits mit „Final Destination 2“ (2003) ausgereizt. 2006 zeigte „Final Destination 3“, wohin das Franchise die Serie zu lenken gedachte: Möglichst groteske Mordszenarien sollten für Unterhaltung sorgen, während die Story mehr und mehr in den Hintergrund geriet. Während in den ersten beiden Teilen der mysteriöse Totengräber Bludworth einen Zugang zum übernatürlichen Hintergrund-Geschehen darzustellen schien, wurde dieser Strang inzwischen endgültig gekappt: Wer da wieso im Hintergrund entwichene Seelen einsammelt, ist für das Franchise unwichtig oder sogar störend. Stattdessen wird der Status quo zementiert.

Der besteht wie gesagt aus einer Steigerung in den Todessequenzen. Weil diese das zentrale Element der „Final-Destination“-Filme darstellen, wurde ihre Zahl für „FD4“ erhöht und die Schraube in Sachen Drastik noch einmal einige Umdrehungen angezogen. Weil gleichzeitig die Story entfiel, konnten Darsteller in zweistelliger Zahl binnen 79 Minuten zerquetscht, verbrannt, aufgespießt oder anderweitig umgebracht werden; oft sterben sie sogar mehrfach bzw. auf unterschiedliche Weisen gleichzeitig.

Tiefe Bilder für einen flachen Film

Noch nie lief ein „Final-Destination“-Film so kurz. Länger würden freilich selbst geduldige (oder anspruchslose) Zuschauer nicht ertragen, mit welchen faulen Tricks ihnen das Eintrittsgeld aus den Taschen gezogen wird. Im Kino mag dies noch funktionieren, weil die 3-D-Effekte des 21. Jahrhunderts inzwischen genossen werden können; anders als bisher stellen die an den Kino-Kassen ausgeteilten Papp-und-Plastik-Brillen keine Garanten für kollektiven Kopfschmerz mehr dar. Weil seit dem letzten Hochschwappen der 3-D-Mode wieder einige Jahrzehnte vergangen sind, vermögen sich die jüngeren Generationen außerdem für eine Weile wieder an spitzen Gegenständen erfreuen, die nicht nur simpel Körper durchbohren, sondern dabei tief in den Zuschauersaal ragen oder fliegen. Von diesem Effekt wird im 3-D-Kino seit jeher (über-) reichlich Gebrauch gemacht.

Leider erledigt sich dieses Vergnügen vor dem heimischen TV-Schirm. Dort müssen wir uns mit der altmodischen Simpel-Variante der 3-D-Technik begnügen und wie Anno 1953 – in diesem Jahr startete die erste Welle dreidimensionaler Filme – anaglyph in die Röhre schauen. Wer auf scharfen und farbtreuen Seh-Spaß verzichten kann, wird in die Raumtiefe reichende Bilder immerhin erahnen können. Ansonsten sei auf die traditionelle aber augenfreundliche 2-D-Fassung verwiesen.

„Denn alles Fleisch ist wie Gras“

Was bereits der Apostel Petrus wusste, wird in „FD4“ ausdrucksstark illustriert. Mit viel Energie betreiben Regisseur Ellis und Drehbuchautor Eric Bress im Bund mit einem Heer engagierten Spezialeffektler die möglichst variationsreiche Zerwirkung des menschlichen Körpers. Sie gilt als (inzwischen vielfach kopiertes) Markenzeichen der „Final-Destination“-Serie und unterliegt als solches dem üblichen Fortsetzungs-Fluch: Von Folge zu Folge müssen die Metzeleien sich steigern, während das Budget sinkt.

Der ehemalige Stuntman Ellis weiß, wie man Zerstörung bildgewaltig inszeniert. Da er dies bereits in „Final Destination 2“ getan hat, darf man eine gewisse Routine voraussetzen. Doch wie sich bald zeigt, unterliegt sogar das absurde Sterben einem Abnutzungseffekt. Die Tode der vier „FD“-Teile folgen einem bestimmten Muster. Das ist auch in der x-ten Variante recht lustig anzuschauen, aber es langweilt trotzdem, weil das Grundprinzip unverändert bleibt. Ellis versucht durchaus den Ausbruch; so verwandeln sich die makabren Unfälle, die dem Titelvorspann unterlegt werden, in Zeichentrick-Sequenzen; die Opfer verwandeln sich digital in medizinische Skelett-Modelle, deren Knochen die Verletzungen widerspiegeln, die beispielsweise eine durch den Schädel dringende Stahlstange verursacht. Diese Idee wird in der finalen Szene eindrucksvoll aufgegriffen.

Effekte ohne Logik

Doch das war’s denn auch in Sachen Einfallsreichtum. Die Todes-Szenen sind oft nur leicht veränderte Neuauflagen aus den drei Vorgängerfilmen. Der Effekt der puren, auf Überwältigung basierenden Überraschung – bestes Beispiel ist Georges abruptes Ende im Straßenverkehr – sorgt manchmal für einen gewissen Ausgleich. Wieder faszinierend ist auch die Vorbereitung der Unfall-Debakel, die als Kette murphyscher Zufälle sorgfältig aufgebaut werden und oft einen gänzlich unerwarteten Verlauf nehmen.

Der liebevollen Ankündigung folgen indes immer wieder miserabel umgesetzte Höhepunkte. So wurden beim Zusammenbruch der Rennplatz-Tribüne allzu offensichtlich Schaumstoff-Betonteile eingesetzt. Wo selbst das zu gefährlich war, griff die Regie zum scheinbaren Wundermittel CGI – ein gefährlicher Weg, wenn das Budget nicht ausreicht, die richtig gute aber eben teure Digital-Technik aufzufahren. Hier kann das längst geschulte Zuschauerauge viel zu oft den Trick identifizieren.

Auch die Logik wird um des Effektes willen allzu sträflich ignoriert. Welches Krankenhaus wird eine riesige, tonnenschwere Wasserwanne nicht im Keller, sondern in einem der oberen Stockwerke und über einem normalen Krankenzimmer aufstellen? Nur eines in Hollywood, das garantieren will, dass besagte Wanne durch die spannplattendünne Decke bricht und auf einem Patienten landet. (Nebenbei: Woher kommen eigentlich die Wasserfluten außerhalb der Wanne, die nur aus einem einzigen und mickrigen Hahn gefüllt wird?) Wie kann man innerhalb eines Autos ertrinken, wenn es ausreicht, eine Tür nur einen Zentimeter weit zu öffnen, um das einströmende Wasser abfließen zu lassen? Welche Swimmingpool-Pumpe saugt so stark, dass sie einem Menschen die Innereien aus dem Leib reißen könnte? Welche Sprinkleranlage kann mit simplem Wasser brennende Chemikalien löschen?

Einen richtig kapitalen Bock schießen Ellis und Bress, wenn sie Nick nach der ersten Vision, die ihm den Tod auf der Rennbahn enthüllt, in der zweiten Filmhälfte (und nachdem er bisher die sich anschließenden Einzel-Tode nur bruchstückhaft voraussehen konnte) noch einmal detailfroh in Farbe und Dolby-Sound visionieren lassen: Dies ist nicht nur ein Bruch mit der ohnehin fragwürdigen Handlungslogik, sondern auch ein offensichtlicher Vorwand, um die verbliebenen Hauptfiguren noch einmal umbringen zu können. Kurz darauf sind sie wieder lebendig, als sei nichts geschehen – und genau das trifft zu, und Ellis konnte erneut einige Filmminuten quasi drehbuchfrei hinter sich bringen.

Projektionsflächen für spektakuläre Tode

Da die Methoden des Todes die Zuschauer in die „FD“-Filme locken, muss in die Darstellung lebender Menschen wenig Sorgfalt investiert werden. Selten wurde dies so konsequent realisiert wie in „FD4“: Absolute No-Names wurden für flüchtig skizzierte Rollen angeheuert. Wir erfahren nichts über die Figuren, deren Ende uns deshalb absolut kalt lässt. Sie sind nur Kanonenfutter, das in den Sterbe-Szenen verheizt wird.

Wer sind Nick O‘Bannon und Lori Milligan? Sie sind noch recht jung, aber keine Studenten mehr, sondern anscheinend berufstätig; wenn man ihre geräumige und eindrucksvoll eingerichtete Wohnung betrachtet, verdienen sie ausgesprochen gut. Nie sieht man sie jedoch arbeiten oder auch nur über ihre Jobs reden. Überhaupt erfährt man nichts von ihnen. Nie und nimmer kann man sich den farblosen Nick oder die fade Lori als Streiter gegen Tod & Schicksal vorstellen. Den debilen Hunt und die hirnlose Janet hätte der Tod schon lange vor dem verhängnisvollen Tag auf der Rennbahn aus dem Spiel des Lebens streichen müssen. Für die übrigen Rollen gilt dasselbe harsche Urteil. Immerhin kriegt sie der Schnitter schließlich doch am Wickel; es wäre schön, wenn er seine Sense nunmehr dort einsetzen würd, wo bereits erste Triebe der Spezies „FD5“ aufkeimen …

DVD-Features

In letzter Zeit mehren sich die Zeichen für das nahe Ende der DVD-Ära. Gern würden Film-Produzenten, Händler und Verleih-Firmen die Kundschaft auf das technisch hochwertigere und vor allem profitablere Medium drängen. Ein Weg ist die Streichung von DVD-Features, die nur auf die Blu-ray-Version gebrannt werden.

In unserem Fall muss sich auch der Besitzer der Doppel-DVD-Fassung mit neun nicht verwendete Filmszenen begnügen, die insgesamt etwa acht Minuten laufen, während auf der Blu-ray das übliche Infotainment-Bündel aus Interviews und Blicken hinter die Kamera zu finden ist. Für Sehfaule gibt es außerdem eine endgültig von der lästigen Handlung befreite Reihung der hübsch-hässlichen Todesszenen.

Im Internet gibt es folgende (informationsdünne) Website.

[md]

Titel bei Amazon.de (DVD)
Titel bei Amazon.de (Blu-ray)
Titel bei Amazon.de (Blu-ray-Steelbook)