Final Destination 5

Originaltitel: Final Destination 5 (USA 2011)
Regie: Steven Quale
Drehbuch: Eric Heisserer
Kamera: Brian Pearson
Schnitt: Eric Sears
Musik: Brian Tyler
Darsteller: Nicholas D’Agosto (Sam Lawton), Emma Bell (Molly Harper), Miles Fisher (Peter Friedkin), Ellen Wroe (Candice Hooper), Jacqueline MacInnes Wood (Olivia Castle), P. J. Byrne (Isaac Palmer), Arlen Escarpeta (Nathan), David Koechner (Dennis Lapham), Courtney B. Vance (Agent Jim Block), Tony Todd (William Bludworth) uva.
Label: New Line Home Entertainment
Vertrieb: Warner Home Video
Erscheinungsdatum: 30.12.2011
EAN: 5051890052117 (DVD) bzw. 5051890052124 (Blu-ray) bzw. 5051890052131 (Blu-ray 2D/3D-Fassung)
Bildformat: 16 : 9 (2,40 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch, Spanisch)
Untertitel: Deutsch u. Englisch für Hörgeschädigte, Dänisch, Finnisch, Isländisch, Norwegisch, Portugiesisch, Schwedisch, Spanisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 88 min. (Blu-ray: 92 min.)
FSK: 18

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Das geschieht:

Die Verwaltungsetage einer kleinen Papierfabrik soll ein Motivationswochenende zusammen verbringen. Auf dem Weg in das dafür vorgesehene Stück US-Wildnis quert der Bus eine Hängebrücke, auf der eifrige aber unfähige Bauarbeiter an den tragenden Teilen sägen. Infolgedessen stürzt die Brücke ein und reißt nicht nur unsere Gruppe, sondern 87 andere Verkehrsteilnehmer in einen blutigen oder nassen Tod.

So wäre es jedenfalls geschehen, hätte Sam Lawton nicht eine Vision gehabt, die ihm genau diese Katastrophe vor das innere Auge führte. In letzter Sekunde kann er warnen und immerhin sieben Freunde und Kollegen in Sicherheit bringen, bevor die Brücke tatsächlich zusammenfällt.

Dieses wundersame Überleben ruft nicht nur die Medien, sondern auch FBI-Agent Block auf den Plan, denn schließlich könnte Sam Terrorist im Dienste einer der vielen Schurkenstaaten sein, die es auf die USA abgesehen haben. Block muss diese Theorie zwar fallen lassen, aber das berufsbedingte Misstrauen bleibt, weshalb er sich Sam und seinen Gefährten an die Fersen heftet.

Nur ein kurzes Stück hinter ihm wandelt der Tod, der es hasst, um seine Opfer gebracht zu werden, weil es ihn zwingt, persönlich die Klaue anzulegen. So erklärt es jedenfalls der mysteriöse bis unheimliche Leichenbeschauer William Bludworth, der außerdem ankündigt, was nun folgt: Bizarre ‚Unfälle‘ beginnen die scheinbar glücklichen Überlebenden dahinzuraffen. Es dauert einige Leichen, bis der Rest der Gruppe Bludworth Glauben zu schenken beginnt. Anschließend beginnt eine Phase hektischen Planens, die darauf zielt, dem Tod in den Knochenarm zu fallen.

Wie der Zufall spielt, scheint es wirklich einen Ausweg zu geben: Kommt ein Unschuldiger zu Tode, kann eine/r unserer Pechvögel dessen Lebenszeit ‚übernehmen‘ – eine Alternative, die besonders den skrupelarmen Peter ins Grübeln bringt …

Der Tod kommt immer wieder zurück

Hat 2009 wirklich jemand dem Titel „The Final Destination“ Glauben geschenkt? Nicht die Erkenntnis, eine Geschichte bis auf den letzten Blutstropfen ausgepresst zu haben, kann ein Franchise stoppen. Einzig und allein das Einspielergebnis entscheidet über Ende oder Fortsetzung. Da „The Final Destination“ – eigentlich „Final Destination 4“ – trotz schwacher Kritiken weltweit die stolze Summe von 186 Mio. Dollar und damit das Viereinhalbfache seines Produktionsbudgets einbrachte, war „FD 5“ schnell beschlossene Sache; dieser Teil folgte dem Vorgänger sogar bereits nach zwei statt wie bisher üblich nach drei Jahren.

Da sich das Konzept bereits vierfach bewährt hatte, bestand aus Hollywood-Sicht keinerlei Bedarf, den gut kalkulierbaren Erfolg von „FD 5“ durch Änderungen oder gar Originalität zu gefährden. Der Story-Hintergrund ist also der übliche: Eine Gruppe meist junger und hübscher Menschen kommt auf bizarre Arten & Weisen zu Tode. Nur in diesen Teil der Geschichte wird drehbuchseitig Hirnschmalz investiert, was die Langeweile der Einleitung, die Profillosigkeit der Figuren und das Fehlen eines Spannungsbogens erklärt, wobei letzterer – durch die diversen Tode vorgegeben – durch mehrere kleine Bögen bedingt ersetzt wird.

Faktisch könnte man die Todesszenen aus „FD 1“ bis „FD 5“ miteinander tauschen, ohne die jeweils erzählte Geschichte aus dem Gleichgewicht zu bringen. „FD 5“ führt uns dies selbst deutlich vor Augen: Der Nachspann wird durch ein „Best of“ der Tode aus den vorangegangenen vier Teilen bebildert.

Der Ring schließt sich – vorläufig

Seltsam mutet die Entscheidung an, „FD 5“ nicht als Fortsetzung, sondern als Prequel zu gestalten. Die meisten Zuschauer werden dies bis zum Finale gar nicht bemerken, sondern sich höchstens über die durchweg älteren Autos oder die seltsam klobigen „Mobiltelefone“ wundern. „FD 5“ spielt im Jahre 2000 und mündet in die Ereignisse des Originalfilms ein: Die Studenten Alex Browning und Tod Waggner werden aus einem Flugzeug geschleppt, nachdem Alex lautstark seine Vision vom Absturz dieses Fluges Nr. 180 kundgetan hat.

Dieser Handlungsverlauf ist reine Nerd-Spielerei und für das Geschehen absolut unwichtig. Nicht einmal der Kurzauftritt von Tony Todd, der als William Bludworth vielleicht den düpierten Tod selbst verkörpert, ergibt unter dieser Prämisse Sinn. Nur wer die „FD“-Teile 1 und 2 gesehen hat, kann diesen mysteriösen Unglücksboten einordnen. Dort war er allerdings wesentlich besser in die Handlung integriert und musste nicht den Mr. Mysterious aus Klischee-Kiste 08/15 mimen.

Wie viel Dünnsinn verkraftet der Mensch?

Andererseits: Wer schaut sich „FD 5“ an und kennt die vier Vorgängerfilme nicht? Trotzdem fragt sich sogar der gutwillige, d. h. primär auf den „FD“-Mordsspaß fixierte Zuschauer, wieso unsere Überlebenden ausgerechnet den einzigen ‚Mann‘, der offensichtlich mehr über die Hintergründe der Todesserie weiß, nicht intensiver befragen. Stattdessen machen sie sich lieber gegenseitig mit halbgaren Vermutungen verrückt.

Immerhin eine nützliche Information vermochten sie Bludworth zu entlocken. Man kann des Todes Griff brechen, indem man ihm ein Ersatzopfer präsentiert. Wo steckt da der Sinn? Sollte es den kosmischen Plan nicht noch weiter durcheinanderbringen, wenn sterbliche Menschen ihn zu richten versuchen? Wieso sollte der Tod sich auf einen derartigen Kuhhandel einlassen? Einfache Antwort: Er muss es tun – jedenfalls als Angestellter von „New Line Cinema“, wo man mit Argusaugen über das profitable „FD“-Franchise wacht. Der plump herbei fabulierte Ausweg soll wenigstens in Ansätzen für eine Spannung sorgen, die nicht aus der Frage resultiert, auf welche Weise es den nächsten Darsteller zerlegen wird.

Immerhin erwischt es die Richtigen

Übler als die logiklöchrige Handlung stößt die schlampige Figurenzeichnung auf. Man sollte als Drehbuchautor wenigstens versuchen, seinem Publikum die eingeführten Charaktere ans Herz zu legen. Es ist ein simpler aber legitimer und vor allem funktionierender Trick, um Spannung in Form von Mit-Leiden zu erzeugen. Doch Eric Heisserer, der schon die Reboots von „A Nightmare on Elm Street“ (2010) und „The Thing“ (2011) halbgar in den Sand bzw. in das Antarktiseis gesetzt hat, leistet höchstens Dienst nach Vorschrift bzw. schadet der Geschichte, indem er sie ausschließlich mit Karikaturen und Unsympathen besetzt. Wenn man es als Zuschauer nicht erwarten kann, dass die Hauptfiguren endlich das Zeitliche segnen, stimmt etwas mit einem Drehbuch nicht!

Visionär Sam ist ein (im negativen Sinn) gutes Beispiel: Als liebenswerter Twentysomething, der einen langweiligen aber festen Job hat, von einer Zukunft als Meisterkoch (!) träumt und seine Freundin von Herzen liebt, soll er herüberkommen. Stattdessen sehen wir einen blassen, liebeskranken Trottel, dem seine Molly – ohnehin eine nervige Zicke mit ständig mürrischem Gesichtsausdruck – zu Recht den Laufpass geben will. Dass Nicholas D’Agosto Gefühle ausdrückt, indem er mimische Schwerarbeit leistet, ist dem Film zusätzlich abträglich.

Ähnlich übertrieben wirft sich Miles Fisher in die Grimassen-Schlacht, wenn er das Abgleiten vom Sonnyboy zum paranoiden Mörder mimt. Gänzlich chancenlos (aber im Besitz der guten Ausrede, vom Drehbuch niedergezwungen zu sein) sind von Filmanfang an pure Witzfiguren wie der glatzköpfige Spießer-Chef Dennis Lapham, der dickliche Möchtegern-Weiberheld Isaac oder der quotenschwarze Held der Arbeit Nathan. Nach Auskunft des Studios soll „FD 5“ ‚grimmiger‘ und ‚ernsthafter‘ als die Vorgängerfilme sein, was sich angesichts der Vielzahl von Knallchargen als heiße Luft erweist.

Das einzig Wahre: die Tode

Der abschließende Blick auf die Inszenierung der Tode stimmt den Rezensenten endlich versöhnlicher, obwohl eines wiederum irritiert: Der Brückeneinsturz – fünf großartig inszenierte, angesichts des überschaubaren Budgets erstaunlich gut getrickste und fabelhaft geschnittene Minuten lang – wird im weiteren Handlungsverlauf von keinem weiteren Höhepunkt getoppt. Selbst der finale Flugzeugabsturz kann es mit der Intensität dieser Szene nicht aufnehmen.

Die tödlichen Unfälle selbst bereiten durch die krude, auf die Spitze getriebene Freude am Spiel mit der Tücke des Objekts auch im vierten Aufguss echten Spaß. Dabei ist es durchaus möglich, dass eine absurd verknüpfte Kette eigentlich harmloser Zufälle nicht das erwartete tödliche Ende nimmt, sondern durch eine sogar noch groteskere Wendung ersetzt und gesteigert wird. Vor allem Candices Tod in der Turnhalle könnte in die „FD“-Geschichte eingehen, während Dennis Laphams (zweites) Ende belegt, dass schwarzer, absurder Humor auch in der ansatzlosen Überraschung famos gedeiht. Leider hinterlässt nicht jeder Biss ins Gras diese Wirkung; die Variationsbreite der Möglichkeiten zur spektakulären Zerwirkung von Menschen ist halt begrenzt.

Für den vollen Genuss sorgt die dreidimensionale Fassung von „FD 5“. Der Film wurde nicht nachträglich konvertiert, sondern mit 3D-Kameras aufgenommen. Deshalb ist der räumliche Eindruck garantiert. „FD 5“ geht in dieser Hinsicht schon im Vorspann in die Vollen: Was lang, spitz und fies ist, wird durch berstendes Glas auf die Zuschauer abgefeuert. Natürlich entlarvt sich die angeblich den Filmgenuss auf eine neue Ebene katapultierende Räumlichkeit auf diese Weises schnell als das, was sie eigentlich ist und bleiben wird: eine Jahrmarktsattraktion.

Wenn sich der Staub über der letzten Unfallstätte legt, mag sich der „FD“-Kreis von 1 bis 5 geschlossen haben. Doch angesichts der Tatsache, dass „FD 5“ 160 Mio. Dollar in die Franchise-Kassen gespült hat, darf der Tod auf keine Schonung hoffen. „New Line Cinema“ wird ihm weiter Knüppel zwischen die Knochenbeine werfen und daran verdienen. Glaubt man Tony Todd, werden „FD 6“ und „FD 7“ sogar „back-to-back“ gefilmt. Solange die Todesszenen als „FD“-Markenzeichen ihre (finanzielle) Wirkung entfalten, wird das Massaker weitergehen.

DVD-Features

„Final Destination 5“ gehört zu jenen Filmen, die recht zuverlässig ein zahlenstarkes und kauffreudiges Publikum garantieren. Deshalb wurden für die Veröffentlichung auf dem Videomarkt zahlreiche lockende Extras produziert. Da die Industrie weiterhin die kostenintensivere und profitlukrativere Blu-ray pushen will, schaut der Eigentümer eines DVD-Rekorders in die (leere) Röhre: Er muss sich mit der Featurette „Final Destination 5: Der Todeskreis“ begnügen, der in fünfeinhalb Minuten einen „FD“-Mythos schaffen will.

Den guten Stoff gibt es nur auf der Blu-ray. Den Fan interessieren vor allem die „Alternativen Todes-Szenen“, die freilich nur bedingt alternativ sind, sondern in der Regel höchstens in Details von dem abweichen, was in die endgültige Fassung geschnitten wurde.

Dazu kommen zwei Features für den eher technisch versierten Fan. „Visuelle Todes-Effekte: Einstürzende Brücke“ und „Flugzeugabsturz“ demonstrieren den langen, trickreichen Weg zur Umsetzung der beiden größten „FD-5“-Katastrophen. (Den „Todeskreis“ findet der Blu-ray-Besitzer natürlich ebenfalls auf seiner Scheibe.)

Im Internet lässt sich ein nettes Video finden, das Darsteller Miles Fisher – der auch Musiker ist – und seine „FD-5“-Kollegen in den Kulissen der Sitcom „Saved by the Bell“ (1989-1993) singen und tanzen lässt; zu den Klängen des Songs „New Romance“ werden ihnen auch hier die Lebenslichter möglichst phantastisch ausgeblasen.

[md]

Titel bei Libri.de (DVD)
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