Flug 7500 – Sie sind nicht allein

Originaltitel: Flight 7500 (USA/Japan 2014)
Regie: Takashi Shimizu
Drehbuch: Craig Rosenberg
Kamera: David Tattersall
Schnitt: Sean Valla
Musik: Tyler Bates
Darsteller: Leslie Bibb (Laura Baxter), Jamie Chung (Suzy Lee), Jerry Ferrara (Rick Lewis), Ryan Kwanten (Brad Martin), Amy Smart (Pia Martin), Scout Taylor-Compton (Jacinta Becket), Christian Serratos (Raquel Mendoza), Nicky Whelan (Liz Lewis), Johnathon Schaech (Pete Haining), Alex Frost (Jake), Rick Kelly (Lance Morrell), Aja Evans (Jenn Hafey), Ben Sharples (Jack Hafey), Ginger Filoteo (Geist) uva.
Label/Vertrieb: Concorde Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 04.09.2014
EAN: 4010324201102 (DVD)/4010324039996 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (1,85 : 1, anamorph)
Audio: DTS 5.1 (Deutsch), Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 77 min. (Blu-ray: 80 min.)
FSK: 16

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Das geschieht:

Chef-Stewardess Laura Baxter bereitet sich auf einen langen Routine-Flug nach Tokio vor. Sie freut sich auf drei freie Tage in Japans Hauptstadt, die sie nutzen will, um ihren Geliebten, den Piloten Pete Haining, zur Scheidung zu überreden. An Bord geht es ruhig zu, denn viele Sitzplätze bleiben ungenutzt, was Laura und ihre beiden Kolleginnen Jamie und Suzy auf einen stressfreien Flug hoffen lässt.

Doch nicht lange nach dem Start gerät die Maschine in heftige Turbulenzen. Eine Dichtung platzt und lässt den Kabinendruck rapide absinken. Den Piloten gelingt es, die schon abstürzende Maschine auf einer Höhe abzufangen, in der sich der Druck auf einem für Menschen verträglichen Niveau hält.

Kaum ist dieser Schrecken überstanden, erleidet Geschäftsmann Lance Morrell einen tödlichen Herzanfall. Trotz der Zwischenfälle entscheidet Kapitän Haining, den Flug fortzusetzen. Er lässt die ohnehin nur spärlich besetzte 1. Klasse räumen und die Leiche dort bis zur Landung lagern. Die Passagiere gruselt es zwar, aber sie finden sich mit der Situation ab.

Die Krise ist freilich keineswegs überstanden. Als Raquel Mendoza auf der Bordtoilette sitzt, wird sie durch den Boden von einer Geistergestalt attackiert. Dieb Jake, der in die erste Klasse schleicht, weil er es auf Morrells Rolex abgesehen hat, erlebt ebenfalls eine Begegnung der unheimlichen Art. Wenig später beginnt Morrells Geist diversen Passagieren zu erscheinen. Seine Leiche ist verschwunden, in seinem Handgepäck findet sich eine unheimliche Puppe, die auf okkulte Praktiken hinzuweisen scheint.

Weitere Passagiere und Besatzungsmitglieder lösen sich nach geisterhaften Begegnungen in Luft auf. Verzweifelt versucht eine kleine Gruppe den Widerstand, während Laura im Gepäckraum der Maschine nach weiteren Hinweisen fahndet. Die Wahrheit ist allerdings so bizarr, dass niemand sie begreift, bis es zu spät ist …

Von allen guten Geistern verlassen

„Flug 7500“ gehört zu den Filmen, deren Entstehungsgeschichte deutlich interessanter als das Ergebnis ist. Seit 2012 geistert er durch die Medien, aber der Ankündigung seiner Aufführung folgte regelmäßig eine Verschiebung des Starttermins. Die Fans wurden immer ungeduldiger: Immerhin hatte Takashi Shimizu „Flug 7500“ inszeniert! Der Japaner gilt als Erneuerer und Lichtgestalt des modernen Asia-Horrors. Ihm dankt ein interessiertes Publikum für „Ju-on: The Curse“ (2000), einen spannenden Gruselfilm, der ein eigenes Franchise mit mehreren Fortsetzungen hervorbrachte. 2004 führte Shimizu selbst beim US-amerikanischen Remake „The Grudge“ Regie. 2006 folgte „The Grudge 2“.

Verdrängt wurde in diesem Zusammenhang offensichtlich, dass Shimizu auch verantwortlich für „Tomie: Rebirth“ (2001) war, den blut- und spannungsarme Relaunch einer weiteren Erfolgsserie. Noch übler misslang ihm 2009 „The Shock Labyrinth 3D“. 2011 brachte es die Kritik zu „Tormented“ auf den Punkt: Shimizu ist ein Regisseur, dem eindrucksvolle Einzelszenen gelingen, die sich jedoch nur selten zu einer stimmigen Handlung verbinden. Der Effekt ist Shimizu stets wichtiger als der Gesamteindruck – eine Haltung, die stimmungstödliche Bruchhandlungen förmlich heraufbeschwört. Ein Musterbeispiel ist der absolut sinnlose Epilog, der in „Flug 7500“ für einen finalen Schock sorgen soll, stattdessen aber nur zuschauerliches Augenrollen verursacht.

Vielleicht ist ein Flugzeug prinzipiell kein geeigneter Ort für eine Geistergeschichte. Die Spuk-Möglichkeiten sind begrenzt. Es gibt das Cockpit, die Kabine, den Gepäckraum. Ein trittfestes Phantom kann zusätzlich auf den Flügeln balancieren und aus den Fenstern blickenden Passagieren in Angst und Schrecken versetzen; so geschah es schon 1963 einem sehr jungen William Shatner in der unsterblichen „Twilight-Zone“-Episode „Nightmare at 20.000 Feet“, die im Bord-Kino von Flug 7500 gezeigt wird.

Statt Grusel-Spuk nur fauler Zauber

Schon 2011 fanden die Dreharbeiten statt. In den folgenen drei Jahren rang die Produktionsfirma verzweifelt mit dem Ergebnis.  Vermutlich hätte man „Flug 7500“ gern im Giftschrank verrotten lassen, doch ein Film von Takaski Shimizu gerät (noch) nicht so einfach in Vergessenheit. Außerdem wurde eine zwar nicht hohe aber eben auch nicht schmerzlos abgeschriebene Geldsumme in diesen Film investiert. Irgendwann musste er deshalb das Projektionslicht der Welt erblicken.

Als dies geschah, hatten sich 20 der ehemals 97 Minuten Laufzeit in Luft aufgelöst. Man kann dies u. a. daran erkennen, dass einige Figuren zwar eingeführt werden, um dann ohne weiteren Auftritt aus der Handlung zu verschwinden. Nichtsdestotrotz muss man denen, die hier die Scheren schwangen, vermutlich dankbar sein: Trotz der verbliebenen und recht kurzen Laufzeit ist „Flug 7500“ erstaunlich langweilig und ereignisarm.

Beinahe die gesamte erste Hälfte vergeht mit den üblichen „Airport“-Stereotypien: Damit wir mit den Menschen fiebern, die später in Gefahr geraten, werden sie uns erst einmal ausführlich vorgestellt. Hier regiert die Seifenoper, denn in der Regel leiden diese Figuren unter identischen, faktisch nichtigen und für die eigentliche Handlung unwichtigen Problemen. Dennoch will keine Filmproduktion darauf verzichten, weil entsprechende Szenen billiger kommen als jene Spezialeffekte, die erforderlich werden, wenn ein Flugzeug aus den Wolken zu fallen droht oder bespukt wird.

Also treten u. a. auf: die schöne Stewardess, die unter ihrem beziehungsfeindlichen Liebhaber leidet; die junge Schönheit, die argwöhnt, von ihrem flatterhaften Freund geschwängert worden zu sein; das einst heftig verliebte Paar, dessen Ehe in den letzten Zügen liegt; die egoistische Zicke, die sich mit dem Economy-Class-Pöbel anlegt; die nonkonformistische Goth-Maid, die sich im Okkulten auskennt; der arrogante, nervöse Geschäftsmann, der ein Geheimnis verbirgt.

Müder Geist mit Erscheinungsängsten

Sie alle eint eines: Wir interessieren uns keinen Deut für ihre Klischee-Nöte, und deshalb nehmen wir auch keinen Anteil an ihren Schicksalen! Zudem ist die Figurenzeichnung schematisch und flach. Die weiblichen Darsteller scheinen sämtlich ehemalige Models zu sein; einen derartigen Auftrieb außerordentlich schöner Frauen erwartet man in einem B-Movie wie diesem nicht. Zur Glaubwürdigkeit des Geschehens trägt es aber wenig bei.

Allerdings gibt es deutlich aufprallstärkere Klopfer. So scheint Autor Craig Rosenberg mit an Bord gewesen zu sein, wo er das Drehbuch schrieb, als der Kabinendruck auf ein Minimum gefallen war. Wie sonst lassen sich die unerhörten Lücken und Logikbrüche der Handlung erklären? Das Flugzeug stürzt nach einem ernsten Schaden beinahe ab, aber Kapitän Haining kehrt nicht um, sondern fliegt weiter. Über eine Kammer, in der sich die Besatzungsmitglieder zwischendurch verschnaufen können, scheint ausgerechnet diese Maschine nicht zu verfügen; hier ließe sich eine Leiche wesentlich diskreter unterbringen, als sie in die 1. Klasse zu setzen!

Mal verschwinden die von Geistern gepackten Pechvögel spurlos, mal tauchen sie als Leichen wieder auf. Ansonsten raunen grausig verzerrte Stimmen, wallen gespenstische Nebel, greifen bleiche Hände nach erschrocken japsenden Protagonisten. Ein mysteriöses Köfferchen wird immer wieder ins Bild geschoben. Diese Gruseleien sind abgegriffen, werden aber immerhin solide in Szene gesetzt. Von den digitalen Effekten lässt sich das nicht behaupten. Flug 7500 von außen und in der Luft scheint einem Computerspiel älteren Jahrgangs entnommen zu sein. Die Künstlichkeit ist schmerzhaft offensichtlich.

Ein langer Flug raubt ihnen die Kräfte

Dieses Urteil lässt sich auf das Schauspiel sämtlicher Darsteller übertragen. Für „Flug 7500“ wurden kostensparend typische Nebenrollen- und TV-Mimen angeheuert. Sie arbeiten schnell, hinterlassen aber nur selten Eindrücke. Die Figurenzeichnung trägt ihren Teil zu den Teflon-Persönlichkeiten an Bord dieser Maschine bei: Die Identifizierungsbereitschaft des Zuschauers gleitet spurlos an ihnen ab. Dass viele Szenen gekürzt oder getilgt wurden, mag diese Gleichgültigkeit unterstützen.

Schöne Frauen stoßen auf stoppelbärtige Kerle in zerknitterten Klamotten. Die lassen sich schwer auseinanderhalten, zumal sie sämtlich denselben Unsinn reden. Phrasen, Floskeln, Hilfeschreie: Schade, dass die Turbinen nicht lauter dröhnen! Dann wäre auch jenes Routine-Gedudel übertönt, das uns als Filmmusik vorgesetzt wird.

Muss noch erwähnt werden, dass die ‚schockierende‘ Auflösung der Ereignisse keine Sekunde überraschen kann? Ohnehin setzen Rosenberg und Shimizu auf die Irreführung der Zuschauer, denen sie bis kurz vor Schluss eine völlig andere Spuk-Ursache vorgaukeln (die übrigens ebenso dürftig ist). Die Chiffre 7500 steht im internationalen Flugverkehr als Transponder-Code für eine Flugzeugentführung. „Sie sind nicht allein“, heißt es denn auch im Untertitel, der durch „… aber von allen guten Geistern verlassen“ ergänzt werden sollte.

DVD-Features

Dass wir es hier mit einem Schmuddelkind der Filmproduktion zu tun haben, zeigen auch die Extras zum Hauptfilm bzw. deren Fehlen: Nur zwei Trailer gibt es, für die beinahe sämtliche dramatischen Momente verbraten wurden.

Kurzinfo für Ungeduldige: Auf einem Langstreckenflug nach Tokio werden Besatzung und Passagiere einer Verkehrsmaschine zunehmend von geisterhaften Erscheinungen drangsaliert … – Grob inszenierte, lahm in Gang kommende, klischeestark aber logik- und spannungsfrei mäandrierende Null-Story, vor der die Darsteller sichtlich kapituliert haben: ein nur unfreiwillig gruseliges Desaster, das nicht grundlos zwei Jahre im Filmstudio-Giftschrank vor sich hin moderte.

[md]

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