Freitag, der 13.

Originaltitel: Friday the 13th (USA 2009)
Regie: Marcus Nispel
Drehbuch: Damian Shannon, Mark Swift u. Mark Wheaton
Kamera: Daniel Pearl
Schnitt: Ken Blackwell
Musik: Steve Jablonsky
Darsteller: Jared Padalecki (Clay Miller), Danielle Panabaker (Jenna), Amanda Righetti (Whitney Miller), Travis Van Winkle (Trent), Aaron Yoo (Chewie), Derek Mears (Jason Voorhees), Jonathan Sadowski (Wade), Julianna Guill (Bree), Ben Feldman (Richie), Arlen Escarpeta (Lawrence), Ryan Hansen (Nolan), Willa Ford (Chelsea), Nick Mennell (Mike), America Olivo (Amanda), Kyle Davis (Donnie), Richard Burgi (Officer Bracke), Rosemary Knower (Munkel-Lady), Nana Visitor (Pamela Voorhees), Caleb Guss (Jason als Kind) u. a
Label/Vertrieb: Paramount Home Entertainment (paramount.de)
Erscheinungsdatum: 16.07.2009 (Leih-DVD) bzw. 30.07.2009 (Kauf-DVD)
EAN: 4010884739428 (Leih-DVD) bzw. 4010884539424 (Kauf-DVD)
Bildformat: 16 : 9 (2,40 : 1 – 16 : 9)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch, Türkisch)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 93 min.
FSK: 18

Das geschieht:

Zwei Jahrzehnte sind seit der Tragödie im Camp Crystal Lake vergangen. Damals hatte die geistig verwirrte Pamela Vorhees eine Gruppe Teenager ausgerottet, die ihren missgestalteten Sohn Jason gepeinigt hatten. Ihr letztes Opfer war ihr über und schlug ihr den Kopf ab. Jason flüchtete in den Wald, das Camp wurde aufgehoben, und die Anwohner hüten sich seitdem, das scheinbar verwaiste Gelände aufzusuchen. Nur ahnungslose Touristen verstoßen gegen diesen Grundsatz, und von denen hört man in der Regel nichts mehr, wenn sie am Ufer des Sees gelagert haben.

Erst vor sechs Wochen ist ein Quintett abenteuerlustiger Teenies verschwunden. Zu denen, die am Crystal Lake saufen, Dope rauchen und bumsen wollten, gehörte auch Whitney Miller. Weil die Polizei die Fahndung inzwischen aufgegeben hat, setzt ihr Bruder Clay die Suche auf eigene Faust fort. Dabei gerät er mit Trent aneinander, der mit einigen Freunden im Wochenendhaus seiner Familie ebenfalls den bereits beschriebenen Teenie-Freuden frönen möchte. Der reiche Jungschnösel verhält sich so feindselig, dass seine empörte Freundin, die tugendreiche Jenna, sich lieber Clay anschließt, der nunmehr die Ruinen des Camps Crystal Lake durchstöbern möchte.

Dort fühlt sich Jason empfindlich in seinem Hausfrieden gestört. Erste Störenfriede aus Trents Gruppe haben bereits mit seiner Machete Bekanntschaft gemacht. Als ihm nun auch Clay und Jenna auf die Bude rücken, will Jason das Übel mit der Wurzel ausrotten. Er verlässt das Camp und kämmt die Gegend systematisch nach Teenies durch, denen er dann mit allerlei scharfen und spitzen Werkzeugen das Lebenslicht ausbläst. Bald wird das Wochenendhaus zur belagerten Festung, deren schwindende Besatzung sich verzweifelt gegen den ebenso ortkundigen wie bärenstarken Wüterich zu wehren bemüht …

Kein Film-Mythos bleibt ungefleddert

Es war nur eine Frage der Zeit, dass auch Jason Vorhees einer Rundum-Erneuerung unterzogen wurde. Im aktuellen Remake-Fieber wird die Geschichte des jüngeren Horrorfilms fieberhaft nach Titeln durchsucht, die sich in ein münzklingendes Franchise verwandeln lassen. Die meisten diesbezüglichen Klassiker der 1970er und 80er Jahre hat es bereits erwischt. Nun wurde also Jason fitgemacht für eine neue, hoffentlich ebenso langlebige Serie billig zu produzierender und einträglicher Neo-Splatter.

Dass diese Sektion an einem eigentlich noch quicklebendigen Patienten vorgenommen wird, spielt dabei offensichtlich keine Rolle: Der ursprüngliche Jason, der seinen Metzel-Dienst im originalen „Freitag“-Film von 1980 aufgenommen hatte*, war auch im 21. Jahrhundert tätig und nie offiziell in Pension gegangen.

Natürlich waren die neuen Folgen der schier unsterblichen Serie meist inhaltlich ein Witz bzw. ein Graus; das ist eine Interpretationsfrage. Jasons Unternehmungen stellten nie einen Quell der Freude für die Filmkritik dar. Sie sollten Geisterbahn-Spaß verbreiten; so waren sie konzipiert, so wurden sie fast wie am Fließband hergestellt.

Doch selbst unter dieser bescheidenen Prämisse gingen denen, die den „Freitag“-Claim weiterhin ausbeuten wollten, die Ideen aus. Statt über einen grundsätzlich neuen Ansatz für eine Fortsetzung nachzudenken, kam man auf die naheliegende Idee, die alte Geschichte einfach ’neu‘ zu erzählen.

(* Anmerkung für pedantische Splatter-Fanatiker: Ja, ich weiß, dass es Jasons Mutter war, die in diesem ersten Streifen umging, während Jason nur in der Schluss-Szene auftaucht.)

Fader Wein im oberflächlich neuen Schlauch

So etwas kann gutgehen, wie Rob Zombie mit seinem „Halloween“-Remake bewies, aber es ist riskant und endet meist in einem Desaster wie 2005 mit dem neu aufgewirbelten „Fog – Nebel des Grauens“. „Freitag, der 13.“ ist irgendwo an der Grenznaht zwischen „missglückt“ und „überflüssig“ zu platzieren. Ein kleiner, schmutziger, überdrehter, an einen Comic erinnernder Horrorfilm wird mit viel Geld aber wenigen bzw. den falschen Ideen noch einmal gedreht. Weil man die Natur des „Freitag“-Erfolgs nicht verstand bzw. es nicht wagte, in Sachen Sex & Gewalt unbekümmert so weit zu gehen wie in der glücklichen, deutlich liberaleren Ära des Originals, entstand nur unentschlossener Reißbrett-Grusel.

Die Schere zwischen Absicht und bierernster Umsetzung klafft einfach zu weit. Marcus Nispel ist ein Regisseur mit einem ausgeprägten visuellen Talent. Davon künden die wunderschön verkommenen Kulissen und die dies hervorhebenden, sorgfältig arrangierten Bilder, die indes die infantile Handlung nur unterstreichen und sie bloßstellen, statt ihr Halt zu geben. Ohnehin plagiiert Nispel sich selbst: Über weite Strecken wirkt „Freitag, der 13.“ Optisch wie eine Fortsetzung seiner „Texas Chainsaw Massacre“-Version von 2003 und Jason Vorhees wie ein Bruder von Leatherface.

Figurenzeichnung im Slasher-Kino

Im Trash-Horror ist es üblich, die Dinge auf die Spitze (und darüber hinaus) zu treiben. Das gilt auch für die Charakterzeichnung der Protagonisten, die gleichzeitig flach und grob ausfällt. Man könnte sagen, dass die „Freitag“-Filme der Vergangenheit das Bild des (US-) Teenagers im Horror-Kino entscheidend mit definiert haben. Durchaus folgerichtig sind es nie realistische Figuren, die einem Märchen-Metzler wie Jason in die Arme laufen. Leider werden primär die nervensägenden Seiten junger Menschen herausgestrichen, die demnach hyperaktiv vergnügungssüchtig, dumm wie Brot, zwanghaft promiskuitiv und scharf auf billiges Dosenbier und Marihuana sind. Dafür müssen sie ‚bestraft‘ werden, was in unserem Fall Jason übernimmt.

Wichtig ist der wertkonservative Gegenpol: Stets gibt es einen ‚guten‘ Jungen und ein braves Mädel, die züchtig bleiben, höchstens maßvoll trinken und merkwürdigerweise dennoch mit dem weiter oben geschilderten Idiotengesindel umherziehen. Der Junge kämpft entschlossen für die Maid und gegen das Böse, das Mädchen darf seine Bluse anbehalten, und die Idioten werden blutig feuchtfröhlich abgeschlachtet.

Wen solche Interpretation von ‚Spaß‘ abstößt, ist gänzlich fehl am Platze im Splatter-Kino, das Schreien mit Lachen mischt und dadurch politisch unkorrektes aber befreiendes Vergnügen erzeugt; die sich seit jeher ewig im Kreis drehende Diskussion um Sinn oder Unsinn oder gar Schädlichkeit des Genres wird an dieser Stelle jedenfalls nicht weitergeführt. In Sachen plakativer Brutalität bleibt der neue „Friday“-Film ohnehin weit hinter dem Original zurück, und sogar im letzten der ‚klassischen‘ Jason-Filme – „Freddy vs. Jason“ (2003) ging es mit Abstand blutiger zu.

Jason killt Teenies im Rentenalter

Obwohl (oder weil) gleich drei Autoren am Drehbuch zum „Freitag“-Remake gebastelt haben, blieben kapitale Fehler unberücksichtigt, die der Regisseur entweder ebenfalls übersah oder durchgehen ließ. Vermutlich der größte Bockschuss trifft die Auswahl der Darsteller: Jason jagt ein Dutzend „Teenager“, deren jüngste Danielle Panabaker und Julianna Guill (beide Jahrgang 1987) sind. Ansonsten schwankt das Durchschnittsalter unserer „Teenies“ zwischen 25 und 30, was man ihnen jederzeit ansieht. Das führt zu absurden Szenen, dass ein sichtlich erwachsener Mann wie Travis Van Winkle als Trent Furcht vor seinem Dad mimt, weil seine infantilen (bzw. eher senilen) Kumpels dessen Ferienhaus verwüsten.

Eventuell ist das hohe Alter zumindest bei den weiblichen Darstellern wichtig, da auch in den USA Schönheitsoperationen erst an volljährigen Patientinnen durchgeführt werden dürfen. Dass dieser Faktor zählt, belegt der hohe Bestand silikonverstärkter Brüste, die sämtlich offenkundig von einem ordentlich berauschten Dr. Frankenstein und ganz sicher nicht nach der Natur modelliert wurden.

Danielle Panabaker gleicht ihre (relative) Jugend dadurch aus, dass sie (s. o.) weder trinkt, hascht oder bumst, den tumben Trent verlässt und sich dem schwestersuchenden und sowieso coolen Clay – er fährt ohne Helm Motorrad! – anschließt. Allerdings kann biedere Langeweile die Dämlichkeit der übrigen Figuren keineswegs ausgleichen.

Das Auge des Sturms: Jason

Jason Vorhees ist eine Ikone des Horrorfilms. Als solche ist er sehr flexibel, wenn man sich erinnert, was ihm in den elf Filmen der ersten „Freitag“-Serie alles zugestoßen ist. Insofern ist er derjenige, der in dieser Neuauflage die wenigsten Federn lassen muss. Viele Kritiker vergessen gern, dass Jason nicht als unsterblich-unverwüstliche Kampfmaschine, sondern als ausgestoßene Randexistenz der Gesellschaft startete. Insofern ist es richtig, dass Jason auch in seiner zwölften Film-Inkarnation Mensch bleibt – ein erstaunlich agiler Mensch übrigens, denn vom feisten, tapsigen Mord-Roboter wurde Jason in einen flinkfüßigen Jäger verwandelt, dessen verwüsteter Schädel ein funktionstüchtiges Hirn beherbergt: Jason ist schlau bzw. hinterhältig, was seine Gefährlichkeit steigert.

Schade nur, dass diese neue Glaubwürdigkeit einem fragwürdigen Final-Gag geopfert wird: Clay und Whitney gönnen dem mühsam zu Tode gebrachten Jason eine Seebestattung. Schon dies ist Schwachsinn, denn überall im Gelände liegen verstümmelte Leichen, für die das Geschwisterpaar der Polizei besser einen Mörder präsentieren sollte. Aber Jason soll als Reminiszenz an das „Freitag“-Original urplötzlich genesen aus den Fluten schnellen, seine Bezwinger packen sowie eine Fortsetzung ermöglichen. Die plumpe Dreistigkeit, mit der dies in Szene gesetzt wird, setzt den ‚würdigen‘ Schlusspunkt unter dieses kümmerliche Machwerk. Die Rechnung ist freilich aufgegangen: Nachdem „Freitag, der 13.“ weltweit ca. 90 Mio. Dollar in die Kassen gespült hat, wird an einer Fortsetzung fleißig gewerkelt.

DVD-Features

Das kalte Kalkulieren eines Franchise-Neustarts, dessen Sinn ausschließlich im Generieren neuer Einkünfte begründet liegt, wird durch die Extras zum Hauptfilm niederträchtig und traurig zugleich bestätigt. Hinter den verlockend betitelten Features „Die Wiedergeburt von Jason Voorhees“ und „Hinten hacken, vorne schlitzen“ verbirgt sich ein in zwei Teile geschnittenes und schnödes „Making of“, das nicht nur skrupellos sämtliche mörderischen Höhepunkte des Film verbrennt, d. h. sie deutlich zeigt, sondern auch nackte, unverblümte Werbung darstellt. Hier fällt kein Wort, das den Tatbestand der Zuschauerinformation auch nur annähernd erfüllt. Darsteller, Produzent, Regisseur und Make-up-Mann kriechen einander grinsend in die Ärsche, während sie gleichzeitig damit beschäftigt sind, ihr Werk als Wiedergeburt des modernen Horror-Kinos zu hypen.

Darüber hinaus gibt es drei aus dem Film geschnittene bzw. veränderte und neu gedrehte Szenen. Wieso dies geschah, kann problemlos nachvollzogen werden, da beispielsweise der Moment, in dem Jason vom Kopfsack auf die berühmte Hockey-Maske umsteigt, nun in der Tat wirkungsvoller geraten ist. Der finale Kampf mit dem Killer wurde verlängert und in seinem Höhepunkt dramatisiert – auch das eine richtige Entscheidung, die freilich an der grandiosen Enttäuschung, die dieser „Freitag, der 13.“ hinterlässt, nicht wirklich etwas zu ändern vermag.

Offizielle Website zum Film:
– www.fridaythe13thmovie.com

[md]

Titel bei Amazon.de:
Freitag, der 13.
Freitag, der 13. [Blu-ray]