From Within
Wenn du an Gott glaubst, musst du auch an den Teufel glauben

Originaltitel: From Within (USA 2008)
Regie: Phedon Papamichael
Drehbuch: Brad Keene
Kamera: Rafael E. Sánchez
Schnitt: Michael Matzdorff
Musik: Jason Cooper u. Oliver Kraus
Darsteller: Elizabeth Rice (Lindsay), Thomas Dekker (Aidan), Kelly Blatz (Dylan), Laura Allen (Trish), Adam Goldberg (Roy), Margo Harshman (Sadie), Rumer Willis (Natalie), Brittany Robertson (Claire), Steven Culp (Pastor Joe), Jared Harris (Bernard), Amanda Babin (Molly), Candace Scholz (Mary), David Ariniello (Paul), Jamie O’Brien (Kelly) Caitlin Gold (Julie), Jonathan Orcutt (Sheriff Cooper) u. a.
Label/Vertrieb: Kinowelt Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 03.06.2010 (DVD/Blu-ray)
EAN: 4006680050904 (DVD) bzw. 4006680050911 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 86 min. (Blu-ray: 89 min.)
FSK: 16

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Das geschieht:

Grovetown ist eine schrecklich nette und vor allem fromme Gemeinde in der Provinz des US-Staates Maryland. Hier schwingt Pastor Joe sonntags in seiner Kirche ebenso wortgewaltig wie scheinheilig das große Wort. Seine Schäfchen liegen ihm zu Füßen und spenden eifrig.

Die Unterstützung des HERRN ist besonders wichtig jetzt, da das Böse in Grovetown umgeht. Kürzlich erst hat man der Hexe Spindle, die am Fluss heidnische = satanische Riten zelebrierte, ein feuriges Ende bereitet. Sheriff Cooper, auch ein guter Christ, will gar nicht wissen, was geschehen ist, sodass dieser Sieg an die braven Bürger ginge, wären da nicht Aidan und Sean, die beiden Söhne, die den Tod der Mutter keineswegs auf sich beruhen lassen wollen.

Sean schießt sich allerdings eine Kugel in den Kopf. Ein Problem weniger, so scheint es, würde nicht plötzlich eine Selbstmordwelle die Dorfjugend heimsuchen. Kurz von dem Ende erscheint den Opfern ein entstellter Doppelgänger, der sein Ebenbild so lange heimsucht, bis dieses in den Tod flüchtet. Auch die Klassenkameraden und Freunde der hübschen Lindsay finden so recht hässliche Enden. Dabei hat Lindsey genug Sorgen mit ihrer trunksüchtigen Stiefmutter, deren prolligen Lover und mit ihrem Freund Dylan, Pastor Joes Sohn, der weitaus fanatischer als der Vater ist.

Viel freundlicher wirkt plötzlich Aidan, der die aufkeimende Liebe etwas widerwillig erwidert, denn er weiß sehr gut, was in Grovetown vor sich geht, hatten er, Sean und ihre Cousine Sadie doch das Zauberbuch der Spindles gefunden und einen Rachefluch ins Diesseits gerufen, der seitdem hervorragende Arbeit leistet. Auch Lindsay steht auf der Todesliste. Aidan möchte dies jetzt gern verhindern, doch inzwischen hat der eifersüchtige Dylan die Dörfler zu einem weiteren Kreuzzug gegen die überlebenden Spindles aufgehetzt …

Der Teufel kommt – Gähn! – in eine kleine Stadt

Beim besten Willen könnte niemand, der sich vorab mit der Story vertraut gemacht hat, auf anderthalb Filmstunden voller origineller Ideen rechnen. Nach diese Zeitspanne verstrichen ist, findet man diese Annahme völlig bestätigt; nicht, dass man sich unbedingt freuen würde, schon wieder Recht behalten zu haben …

Also: Der Teufel holt scheinbar brave Bürger. Sie haben ihren Tod jedoch durchaus verdient. Das der Zuschauer spätestens nach der zweiten Leiche begriffen. Dennoch wird weiter gestorben, denn dies ist der eigentliche und einzige ‚Sinn‘ des Horrorfilms der „Splatter“-Kategorie. Es gibt ein grölendes, popcornfressendes und vor allem zahlungsbereites Publikum dafür; freilich ist es verwöhnt und erwartet Gekröse bis zum Abwinken.

Regisseur Phedon Papamichael kann und will solche Erwartungen nicht erfüllen, weshalb schnell die Frage im Raum steht, wieso er ausgerechnet das Splatter-Genre wählte Es ist riskant, die oben charakterisierte Zielgruppe zu verärgern, indem man sie nicht mit Blut & Titten, sondern – und sei es nur in Ansätzen – mit Filmkunst konfrontiert. „From Within“ bietet zwar die obligatorische übernatürliche Rachegeschichte inklusive Lovestory. Darüber hinaus versucht sich Papamichael offenbar an einem Psychogramm der US-Provinzgesellschaft. Hier investiert er mindestens so viele Einfälle wie in das Horror-Element der Handlung. Das Ergebnis ist ein Film, der niemandem wirklich gefällt.

Kleine Erwartung aber mittelgroße Überraschung

Auch der etwas anspruchsvollere Gruselfreund kann mit den endlosen Variationen leben, die ihm ‚sein‘ Genre immer wieder vorsetzt. Manchmal springt der Funke ja trotzdem über, obwohl man die als ‚neu‘ präsentierte Geschichte quasi mitsingen könnte. Manchmal vertreiben wenigstens die Spezialeffekte die stets hinter dem Zuschauersessel lauernde Trias von Ärger, Frustration & Schlaf. Manchmal – und auf solche Momente hofft man – gibt es eine Überraschung dort, wo man nur Routine erwartet.

Dass „From Within“ ein etwas anderer Horrorfilm ist, verdeutlichen bereits und wohl am besten die ersten Minuten. Die Kamera bewegt sich durch Grovetown. Scheinbar dokumentiert sie den Alltag einer US-amerikanischen Kleinstadt der besonders heimeligen, altmodischen, langweiligen Art. Tatsächlich inszeniert Papamichael diese Idylle meisterhaft. Manches Bild zeigt keine Bewegung, sondern bleibt Stillleben – so aussagekräftig, perfekt arrangiert und ausgeleuchtet, dass man es sich ausdrucken und im Großformat an die Wand hängen möchte.

Phedon Papamichael, geboren 1962 in Griechenlands Hauptstadt Athen, ist ein ausgezeichneter sowie viel beschäftigter Kameramann. Er drehte Filmkritik-Lieblinge wie „Identity“ (2003) und „Walk the Line“ (2005) aber auch Publikumserfolge wie „Todeszug nach Yuma“ (2007) oder „Knight and Day“ (2010) (sowie Film-Müll wie „Trabbi Goes to Hollywood“, 1991). Seine eigenen Regie-Arbeiten sind noch selten. Papamichael dreht Unterhaltungsfilme, die wenig kosten aber durch sein Talent eine Dimension erreichen, die über bloßes Handwerk hinausgeht: Dieser Mann versteht es, mit Licht & Schatten zu zaubern! Da verwundert es nicht, dass Papamichael ehrgeizig und erfolgreich im Breitwandformat 2,35 : 1 drehte. „From Within“ überrascht mit erstaunlichen, stimmungsvollen Bildern, die den Rahmen sprengen, den ein Drehbuchautor vorgibt, der mit dem Regisseur nicht mithalten kann.

Die böse – und langweilige – Realität

Brad Keene schrieb u. a. das recht vergnügliche und spannende Grusel-Garn „Gravedancers“ (2006; dt. „Gravedancers – Ruhe nicht in Frieden“), ist aber auch für „The Grudge 3“ (2009; dt. „Der Fluch – The Grudge 3“) verantwortlich, der nicht als Klassiker in die Filmgeschichte eingehen wird, um es wertneutral auszudrücken. Für „From Within“ fielen ihm immerhin einige Abweichungen vom Todeslisten-Einerlei ein. So erspart er sich und vor allem uns, den Zuschauern, die ohnehin formelhafte Vorgeschichte, die er nach und nach in die Handlung einfließen lässt – geht doch!

Im Mittelteil schaltet Keene auf Autopilot. Der Spuk spuckt in die Klauenhände und arbeitet sich durch die sündige Bürgerschaft. (Wieso er sich dabei auf die Jugend von Grovetown konzentriert, die mit dem Tod von Mutter Spindle nichts zu tun gehabt haben dürfte, bleibt Keenes Geheimnis.) Hier kann auch Papamichael wenig ausrichten, weshalb er sich darauf beschränkt, die Kamera weiterhin kompetent auf das Geschehen zu richten.

Im Finale schert Keene erneut aus. Wie er diese Geschichte zu Ende bringt, soll hier nicht verraten werden. Es gibt aber weder ein Happy-End noch den Hinweis auf eine mögliche Fortsetzung. Wenn die Schlusstitel laufen, hat die Heimsuchung von Grovetown ein ebenso konsequentes wie grimmiges Ende gefunden.

Im Glauben stark, im Schädel schwach

Zwar übertrieben aber ungewöhnlich differenziert wirkt der Querschnitt durch eine täuschend sympathische Dorfgesellschaft. Nach und nach löst sich dieses Bild in Fragmente auf, die von Heuchelei, Bigotterie und fanatischem Wahn künden. Erneut gelingen Keene einige unerwartete Wendungen. Der geile Roy ist ein dummer Prolet und Ex-Sträfling, aber wirklich gefährlich ist er erst, seit der HERR in ihn fuhr. Seitdem begeht Roy nur Kapitalverbrechen, wenn es die Stimme in seinem Kopf gestattet. Dann hat er aber kein Problem damit, ‚Hexen‘ lebendig zu verbrennen.

Ebenfalls ungewöhnlich: Nicht Baseball-Bullys und Cheerleader-Zicken haben in der Schule das Sagen. Der Sohn des Pastors hält die Fäden in der Hand. Er manipuliert und löst schließlich sogar den entsetzten Vater ab, um eine zweite Hexenjagd zu inszenieren.

Zunächst als reine Opfer werden die Spindles dargestellt. Als der Zuschauer die wahren Zusammenhänge erkennt, fallen auch die Puzzlesteine des Prologs dorthin, wo sie passen, d. h. die Gesamtgeschichte unterstreichen. Damit endet freilich die Mehrdeutigkeit: Der zunächst rachsüchtige, dann reumütige und immer hübsche Aidan kann sich nie aus den Klischees der Rolle befreien. Seine finstere Cousine ist völlig fehl am Platze bzw. in diesem Film, der ohne sie problemlos funktionieren würde.

Die Stunde der Routiniers

„From Within“ ist ein Film, der dem Kenner des US-Unterhaltungsfernsehens zahlreiche Momente des Wiedererkennens bietet. Papamichael heuerte TV-Profis an, denen er nicht so viel zahlen musste wie einem ‚Filmstar‘, die aber andererseits möglichst viele Filmminuten an möglichst wenigen Drehtagen produzieren, ohne dabei trotz des Genres die Qualität zum Teufel zu schicken.

US-typisch werden die zahlreichen ‚Teenager‘ dieser Geschichte von Schauspielern gemimt, die den 20. Geburtstag schon hinter sich gelassen haben; wie das lächerliche, von den US-Medien aufgebauschte Drama um die Serie „Skins“ beweist, ist es weiterhin riskant, Teenies von echten Teenies darstellen zu lassen. „From Within“ bewegt sich hier auf der sicheren Seite. Der weniger prüde Zuschauer muss also damit leben, dass zumindest die männlichen ‚Teenies‘ ihr Alter nicht verhehlen können und in ihren Rollen nur bedingt überzeugen.

Auch Elizabeth Rice war zum Zeitpunkt der Dreharbeiten bereits 22 Jahre alt, die man ihr allerdings nicht ansehen kann. In ihrer Rolle als junge Frau/Jungfrau an der Schwelle zum Erwachsenwerden wirkt sie deshalb perfekt. Freilich können ihre schauspielerischen Fähigkeiten weniger überzeugen. Lindsay ist außerdem so naiv und herzensgut, dass kein Fluch sich an ihr vergreifen würde.

Nach anderthalb Filmstunden bleibt ein zwiespältig gestimmtes Publikum zurück. Die Story war lahm, aber sie wurde in eine Form gegossen, die immerhin ansatzweise mit den zahlreichen, endlosen Klischees versöhnen konnte. Was würde Phedon Papamichael zu Stande bringen, wenn er an ein wirklich gutes Drehbuch geriete? Warten wir „Arcadia Lost“ (2010) und „City of Jerks“ (2012) ab!

DVD-Features

Zum (deutschen und englischen) Trailer gibt es nur eine Fotogalerie; schade, denn über die Entstehung dieses zumindest formal überdurchschnittlichen Films hätte man gern Näheres erfahren.

[md]

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