Ghost Bride

Originaltitel: Ghost Bride (Neuseeland 2013)
Regie/Drehbuch: David Blyth
Kamera: Marc Mateo
Schnitt: Samantha Sperlich
Darsteller: Yoson An (Jason Chen), Rebekah Palmer (Skye), Fiona Feng (May-Ling), Ian Mune (Frank), Geeling Ng (Madam Yin), Catheryn Wu (Alice Chen), Charles Chan (Mr. Yin) u. a.
Label: Shock Entertainment
Vertrieb: Alive!
Erscheinungsdatum: 25.04.2014
EAN: 8717903485743 (DVD)/8717903485750 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 79 min. (Blu-ray: 81 min.)
FSK: 18

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Das geschieht:

Das Ehepaar Chen ist aus China nach Neuseeland und dort zu einigem Wohlstand sowie zu Sohn Jason gekommen. Alice Chen ist inzwischen Witwe und sehr traditionsbewusst. Ihre Herkunft geht ihr auch in der neuen Heimat über alles. Deshalb soll Jason unbedingt eine Frau aus China heiraten. Mütter wie Alice gibt es viele, sodass die Geschäfte für Madam Yin, die Heiratsvermittlerin, ausgezeichnet laufen.

Jason steckt in der Zwickmühle. Er ist ein gehorsamer Sohn und Mutter Alice außerdem kränklich. Allerdings liebt Jason das Kiwi-Girl Skye, was er seit einem Jahr erfolgreich vor Alice geheim hält. Statt sich den Frauen zu offenbaren, treibt Jason das Doppelspiel weiter und besucht tatsächlich mit seiner Mutter Madam Yin. Die hat schon die ideale Kandidatin gefunden: May-Ling will unbedingt heiraten!

Der Bräutigam als Person interessiert sie dabei nur nebenbei, denn May-Ling ist schon seit längerer Zeit tot. Nach chinesischem Glauben müsste sie unvermählt im Jenseits ein einsames Leben führen, weshalb sie vor ihrem Ende für sehr viel Geld eine Geister-Ehe („minghūn“) bestellt hat. Da Madame Yin ahnt, dass die Chens einer solchen Verbindung nicht zustimmen würden, verschweigt sie den Tod der Braut und gedenkt Jason unter Einsatz starker Drogen vor den Traualtar zu zwingen.

Vorsichtshalber wird May-Ling selbst aktiv. Sie ist nicht nur tot, sondern auch ein Geist. Als sie von Skyes Existenz erfährt, reagiert May-Ling zornig. Zunächst spukt sie der Nebenbuhlerin und ihrem Bräutigam nur hinterher. Als das nicht fruchtet, geht May-Ling energischer vor und schreckt auch vor Mord nicht zurück. Ihr kommt dabei zugute, dass Jason sich immer noch nicht traut, Skye über seine Misere in Kenntnis zu setzen.

Die Situation wird heikel, als Jason in einem Anfall von Schuldbewusstsein Skye einen Heiratsantrag macht. Sowohl May-Ling als auch Madame Yin sind alarmiert: Geister-Ehe und Schwindel drohen aufzufliegen! Jason und Skye werden nunmehr von zwei Seiten in die Zange genommen …

Eine Lektion in Langeweile

Das Scheitern ist im Filmgeschäft an der Tagesordnung. Worin der Regisseur sein Herzblut investiert, muss nicht zwangsläufig die Zustimmung des Publikums finden. Die Wahrscheinlichkeit, dass es so kommen wird, wächst natürlich, wenn der Film formal und inhaltlich Defizite aufweist. Sind diese groß genug, schlägt die Ablehnung womöglich in Heiterkeit um: Aus Mist wird Trash und dieser – der ultimative Glücksfall – zum Kult.

„Ghost Bride“ gehört zu den Kandidaten, die über Position 1 nie hinauskommen werden. Drehbuchautor und Regisseur David Blyth ist nicht gut aber auch nicht schlecht genug, um als Kino-Knalltüte prominent zu werden. Dies ist ohnehin keineswegs sein Ziel. Wie sich der Website „www.davidblyth.com“ entnehmen lässt, sieht sich Blyth als zweiter Peter Jackson. Der hat ebenfalls klein und gruselklassisch sowie in Neuseeland angefangen und es zu einem der erfolgreichsten Filmemacher aller Zeit gebracht.

Freilich bietet noch der schlechteste Jackson-Film, was „Ghost Bride“ durchweg vermissen lässt: Unterhaltung. Dabei ist die Idee durchaus vielversprechend. Unmögliche Liebesgeschichten finden immer ihr Publikum. Hier lockt den anspruchsvollen Zuschauer zusätzlich das „Culture-Clash“-Element: Die Handlung spielt sich im realen Neuseeland ab, das für den Bewohner der nördlichen Erdhalbkugel eine noch nicht totgefilmte Kulisse darstellt. Darüber hinaus steht der Held nicht nur im Bann einer Geisterfrau, sondern auch sonst zwischen zwei Welten.

Problem ohne Funkenflug

Jason Chen ist Neuseeländer in erster Generation. Die Doppel-Insel im Südpazifik liegt zwar noch weiter vom asiatischen Festland entfernt als Australien, ist aber dennoch ein Einwandererland; die Asiaten stellen die drittgrößte ethnische Gruppe der Inselbewohner dar. Während die Einwanderer weitgehend unter sich blieben, suchen und benötigen ihre Nachkommen diesen Schutz nicht mehr.

Diese Integration bedeutet gleichzeitig den Bruch mit den Traditionen der Eltern – ein schwieriger Prozess, der David Blyth als Aufhänger für seine Geschichte dient. Dabei lässt er freilich jede Darstellungstiefe vermissen. Stattdessen sehen wir einigen in China geborenen Menschen zu, die einen tumben Jungmann zur Einhaltung offenbar wichtiger Traditionen zwingen.

Wieso vor allem Mutter Alice diese Traditionen so wichtig sind, vermag uns Blyth nicht nahezubringen. Man darf davon ausgehen, dass auch sie das Wohl ihres Sohnes im Auge hat. Doch Blyth stellt Alice als dummes Weib vor, das ihren mütterlichen Status und ihre Krankheit dazu missbraucht, Jason ihren Willen aufzuzwingen. Dass dieser förmlich gefangen ist in seiner Verpflichtung als Sohn, bleibt uns dank Blyth ebenfalls verborgen. Jason wirkt unreif statt zerrissen. Immer wieder will ihm der Zuschauer einen kräftigen Tritt in den Hintern versetzen, damit er dem Possenspiel endlich ein Ende bereitet.

Manchmal schimmert trotz Blythes Unfähigkeit durch, dass es sehr starke religiöse Bande sind, die Alice Chen und durchaus auch ihren Sohn binden: Schließlich ist es nach chinesischem Glauben möglich, eine Leiche zu ehelichen. Damit ist allerdings der Punkt erreicht, an dem auch Alice aussteigt: Ihr Jason soll eine lebende Braut heimführen!

Geistergeschichte der lahmen Art

An dieser Stelle schlägt die Stimmung um. Sollte jemand bisher noch auf eine irgendwie ungewöhnliche Geistergeschichte gehofft haben, dürfte die Enttäuschung umso größer sein. Blyth verlässt sich zunehmend auf Klischees. Selbstverständlich duldet die Geisterbraut keine Nebenbuhlerin. Warum sie außerdem Jasons Onkel killt, der ihr nie etwas getan hat oder dies plante, bleibt das Geheimnis des Drehbuchautors.

Ein Kardinalfehler ist es, May-Ling eine Persönlichkeit vorzuenthalten. Darstellerin Fiona Feng darf kein Wort sprechen und unter schwerem Make-up nur eisern bzw. unheilverkündend lächeln. Man kann sie weder verstehen noch hassen oder gar fürchten. Nur wenn diese drei Emotionen geweckt werden, ist eine zumindest latente Identifizierung mit dem ‚Monster‘ möglich. Für die teilnahmslos spukende Geisterbraut interessiert sich niemand.

Bleiben noch Madam Yin und ihr lumpiger Gatte, der für den groben Teil der betrügerischen Arbeit zuständig ist, mit der die angebliche Heiratsvermittlung den Löwenanteil ihres Verdienstes erzielt. Blyth beschränkt sie so ungeschickte auf ihre eindimensionalen Schurkenrollen, dass eigentlich sogar die dümmliche Alice sofort merken müsste, dass etwas faul ist (und in diesem Zustand für die anstehende Geisterhochzeit im Hinterzimmer gelagert wird).

Verliebte Hohlköpfe bleiben Hohlköpfe

Mit dem für ihn typischen Mangel an Timing und Einfühlungsvermögen verpfuscht Blyth auch die Liebesgeschichte von Jason und Skye. Das Problem liegt nicht in der Tatsache begründet, dass Darstellerin Rebekah Palmer eine jener bleich- bis fleckenhäutigen, gut genährten aber bindegewebsschwachen Keltenfrauen mit dicken Fesseln ist, wie sie gern von Mitgliedern des englischen Königshauses geheiratet werden: Wo die Liebe hinfällt, erweist sie sich bekanntlich als widerstandsfähiges Pflänzchen.

Dennoch kann man Jason und Skye als Paar schwer vorstellen. Während Palmer wenigstens darüber informiert wurde, dass Mimik zum Schauspiel gehört, wandelt Yoson An stocksteif (sowie ebenso dürr) und mit unbewegter Miene durch die Handlung; dabei ist er anders als May-Ling nicht einmal tot.

Ein anständiges Budget gab es selbstverständlich auch nicht. Vielleicht ist es besser so, denn die meist wie am Boden festgeschraubte Kamera wäre mit der Erzeugung kinogerechter Bilder vermutlich überfordert. Die Spezialeffekte halten sich in Grenzen, was angesichts ihrer minderwertigen Qualität ein weiterer Vorteil ist. Wen überrascht es, dass die „FSK-18“-Zertifizierung, die „Ghost Bride“ hierzulande erhalten hat, den Tatbestand der Rosstäuschung erfüllt: Nur einige der aufgespielten Trailer erfordern diese Einstufung, die gern als billiges Gütesiegel missbraucht wird: Unbedarfte Käufer schließen daraus, dass es im so ‚ausgezeichneten‘ Film heftig = blutig zur Sache geht. Vor Langeweile muss leider nicht gewarnt werden, was deshalb hier dieser Rezensent übernommen hat.

DVD-Features

Als ‚Extra‘ gibt es nur einen Trailer, der jenes Handlungstempo an den Tag legt, das der Hauptfilm vermissen lässt.

Kurzinfo für Ungeduldige: Jason liebt Kiwi-Girl Skye, doch seine Mutter vermittelt eine Hochzeit mit der Chinesin May-Ling, die allerdings tot ist, was ihrer Eifersucht keinen Abbruch tut, wie ihre arglose Nebenbuhlerin feststellen muss … – Die an sich interessante Geschichte krankt an ihrer unglaublich lahmen Umsetzung und harthölzernen Darstellern; erstaunlich ist höchstens, wie lang dem Zuschauer ein doch recht kurzer Film werden kann!

[md]

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