Grave Encounters 2

Originaltitel: Grave Encounters 2 (Kanada 2012)
Regie: John Poliquin
Drehbuch: The Vicious Brothers (= Collin Minihan u. Stuart Ortiz)
Kamera: Tony Mirza
Schnitt: Schnitt: The Vicious Brothers u. John Poliquin
Musik: Quynne Alana Paxa
Darsteller: Richard Harmon (Alex Wright), Leanne Lapp (Jennifer Parker), Dylan Playfair (Trevor Thompson), Stephanie Bennett (Tessa Hamill), Howie Lai (Jared Lee), Sean Tyson (Wachmann), Sean Rogerson (Lance Preston), Ben Wilkinson (Jerry Hartfield), Arthur Corber (Dr. Friedkin) u. a.
Vertrieb: Ascot Elite Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 24.09.2013
EAN: 4048317359226 (DVD)/4048317459223 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1, anamorph)
Audio: DTS 5.1 (Deutsch), Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 95 min. (Blu-ray: 99 min.)
FSK: 16

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Das geschieht:

Die Filmstudenten und Freunde Alex, Trevor, Jennifer, Tessa und Jared drehen eher lustlos einen Horrorfilm, als Alex von einem Unbekannten aus dem Internet auf einen wesentlich interessanteren Stoff aufmerksam gemacht wird: Vor neun Jahren hat Geisterjäger Lance Preston eine Folge seiner TV-‚Reality‘-Show „Grave Encounters“ im Collingwood-Sanatorium gedreht. Seit Ende des 19. Jahrhunderts hatte man hier geisteskranke Patienten weggesperrt und misshandelt. Man schloss die Einrichtung, nachdem der wahnsinnige Dr. Friedkin Ende der 1940er Jahre grausige ‚Experimente‘ an Menschen verübt hatte. Seine Opfer sollen in den endlosen Korridoren der leer stehenden Anstalt umgehen. 2003 verschwand Preston mit seinem Team in Collingwood. Nur die Kamera mit den letzten Aufnahmen wurde gefunden.

Diese Geschichte ist angeblich eine Fiktion, die für den erfolgreichen Horrorfilm „Grave Encounters“ erfunden wurde. Doch sämtliche Schauspieler sind verschollen, der Produzent des Films mauert und muss in die Enge getrieben zugeben, dass er die tatsächlich realen Aufnahmen genommen und einen Spielfilm daraus montiert hat.

Alex ist begeistert und kann seine Freunde überreden, mit ihm nach Kanada zu fahren. Dort steht das im Film „Collingwood“ genannte Sanatorium. Das Quintett bricht in das Gebäude ein und stellt Kameras auf, um eventuelle paranormale Phänomene zu dokumentieren. Sie werden nicht enttäuscht; schon bald rumort und röhrt es mächtig in den dunklen, endlosen Gängen. Flucht ist unmöglich, denn sämtliche Ausgänge sind versperrt, und die Räume ‚verschieben‘ sich, sodass eine Orientierung unmöglich wird.

Schließlich steigen die Geister selbst aus dem Jenseits herab. Die Jagd beginnt, erste Opfer sind zu beklagen. Für eine kurze Atempause sorgt der plötzlich auftauchende Lance Preston: Er konnte neun Jahre Geister-Terror überleben. Allerdings hat sein Verstand gelitten, was ihn zu einem gefährlichen Verbündeten macht …

Schon besser aber noch immer nicht gut

Erfolg ist ein weit interpretierbarer Begriff. Ginge es nach der Filmkritik, wäre eine Fortsetzung zu „Grave Encounters“ keineswegs zustande gekommen. Harsch wurde dieser Film als billig heruntergekurbelte „Found-Footage“-Mockumentary der besonders abgegriffenen Art verurteilt: kopfschmerzproduktive Wackelkamera, Geschrei & zielloses Rennen statt Handlung, permanente Dunkelheit, nur schemenhaft sichtbare (und deshalb kostengünstige) Geister, schwachstromtalentierte Darsteller … Die Liste der Sünden wollte nicht abreißen – und diese Kritiker hatten recht.

Doch allzu viele Zuschauer dachten anders. Zwar entwickelte sich „Grave Encounters“ nicht gerade zum Blockbuster. Die niedrigen Herstellungskosten sorgten bei erfreulichen Verkaufszahlen im DVD- und Blu-ray-Bereich jedoch für einen erklecklichen Gewinn. So etwas weckt bei Produzenten stets Begehrlichkeiten. Auch das Drehbuchautoren- und Regie-Duo Collin Minihan u. Stuart Ortiz – die sich die „Vicious-Brothers“ nennen lassen – durfte sich über neue Arbeit freuen. Freilich interessierten sich die Geldgeber nicht für deren aktuelles Projekt: Sie wollten Planungs- und Kassensicherheit, d. h. „Grave Encounters 2“. So dick sind die Vicious-Brothers nicht im Filmgeschäft, dass sie es sich leisten könnten, solche Angebote auszuschlagen. Also nahmen sie den Job an. Das eher offene Ende des ersten Teils lässt das im Interview geäußerte Erstaunen über den ‚Wunsch‘ nach einer Fortsetzung ohnehin zweifelhaft wirken. Jedenfalls gingen die ‚Brüder‘ ans Werk.

Sie legen einen Film vor, der diverse Fehler des ersten „Grave Encounters“ ausbügelt. Gleichzeitig schießen sie so viele neue Böcke, dass sie die Skepsis der Kritiker bezüglich ihrer Fähigkeiten keineswegs milderten. Da hilft es wenig, dass sie die Regie dieses Mal ihrem alten Freund John Poliquin überließen, der nach zahlreichen Musik-Clips und Werbespots darauf brannte, endlich einen ‚richtigen‘ Film zu inszenieren.

Fortsetzung in der Meta-Sphäre

Das Spiel mit den Handlungsebenen ist gerade im Horrorfilm beliebt. Gern lassen Drehbuchautoren ihre Unholde in die ‚Realität‘ einbrechen, wenn ihnen für den x-ten Teil einer nur noch franchisebefeuerten Serie partout nichts mehr einfällt. So erging es schon Freddy Krueger („Freddy’s New Nightmare“, 1994) oder Mörderpuppe Chucky („Seed of Chucky“, 2004; dt. „Chuckys Baby“).

Hier kommt es zum Wiedersehen mit Lance Preston, dem aufgeblasenen Mini-Mogul, der einst gefakte Grusel-‚Dokus‘ für das Fernsehen drehte. Aber eigentlich ist es gar nicht Preston, den unsere Helden im Inneren des Horror-Hauses treffen, sondern der Schauspieler Sean Rogerson, der Lance Preston in dem angeblichen Spielfilm „Grave Encounters“ gemimt hatte. Verwirrt? Gut, dann ist der eigentliche Zweck solcher Metafiction erreicht …

Der Geschichte selbst nutzen solche Spielereien wenig. Sie nimmt fatalerweise erst Fahrt auf, wenn sich die fünf Hauptfiguren im fiktiven/realen Sanatorium wiederfinden. Dann beginnt eine ganz normale Horrorstory. Sie entschädigt ein wenig für die an endlosen und überflüssigen Irrungen & Wirrungen reiche bzw. schlicht dämliche Einleitung, die Alex und seine Freunde in ihrem Studentenalltag zeigt. Der besteht US-amerikanisch aus überbordendem Nerdismen auf der einen und lächerlich überzogener Promiskuität (oder was man in den USA dafür hält) auf der anderen Seite. Deshalb stiert Alex vom Ehrgeiz zerfressen in die Kamera; stechende Blicke und eine Scheitelfrisur à la Hitler sollen seine Besessenheit unterstreichen. Kumpel Trevor klebt dagegen der Bong quasi an den Schlauchlippen; er lässt es krachen, was u. a. zu einer dieser elenden Party-Szene führt, in denen dauergeile Jungmenschen Bier durch Schläuche saufen und wie am Spieß „Party!“ kreischen, um zu beweisen, dass sie sich prächtig amüsieren.

Verlass auf böse Geister

Besser i. S. von erträglicher wird das Geschehen wie gesagt, wenn endlich die Geister kommen. Abermals konnte im Riverview Hospital gedreht werden. Es liegt im Westen der kanadischen Provinz British Columbia in der Stadt Coquitlam. 1913 errichtet und 99 Jahre in Betrieb, wurde die Einrichtung 2012 aufgegeben. Seitdem steht sie leer: ein gigantisches Labyrinth aus Sälen, Gangfluchten, Räumen und Behandlungszimmern, das einst mehr als 4600 Menschen beherbergte.

So eine Kulisse ist bares Geld wert. Dies gilt erst recht, wenn man wenig davon hat: Das Budget für „Grave Encounters 2“ lag nur wenig über 1 Mio. Dollar. Neulinge und TV-erfahrene Veteranen werden für solche Produktionen angeheuert, weil sie kostengünstig und zügig arbeiten. In kanadischen ‚Ausland‘ liegen die Kosten ohnehin unter dem US-Niveau.

Anders als im ersten Teil setzen die Vicious Brothers dieses Mal stärker auf Spukhaus-Effekte. Normalerweise erregt eine Steigerung auf diesem Gebiet den Zorn der Filmkritik. Hier darf man froh über die Entscheidung sein, ein paar Dollar mehr in die Spezialeffekte zu investieren: Die „Grave Encounters“-Story ist fernab jeglicher Filmkunst reine Grusel-Unterhaltung der groben Art. Dagegen ist nichts einzuwenden, wenn man diesen Weg konsequent geht.

Kabinett der Pappkameraden

Schauspielerisch bewegt sich „Grave Encounters 2“ immerhin im Mittelfeld und übertrifft auch in dieser Hinsicht den Vorgänger. Natürlich wird die Figurenzeichnung durch Klischees gekennzeichnet. Folgerichtig steht hinter der Kamera wieder einmal ein Asiate, da dieses Volk bekanntlich viel von moderner Unterhaltungselektronik versteht. Als zweiter Kameramann fungiert eine Frau, die nach Feierabend oberhalb der Gürtellinie gern nur BH trägt und scharfen Schnaps trinkt, weshalb es sie alsbald erwischt. Jennifer ist brav und blond und neigt zum Greinen, wenn es hart auf hart geht; Leanne Lapp zeigt sich dieser dreifachen Herausforderung gewachsen.

Schlimmer als jeder Spukbold schockt Dylan Playfair in der Rolle des Trevor Thompson die Zuschauer: ein klumpennasiger Dödel mit stets halboffenem Mund über einem Granitkinn, der (hoffentlich nur im Film) Dummheit geradezu ausdunstet. Schon nach wenigen Minuten wartet man sehnsüchtig auf den Moment, in dem die Geister ihn endlich zum Schweigen bringen.

Sean Rogerson hat als Lance Preston angeblich neun Jahre in dem Horror-Hospital überlebt, indem er Wasser aus Kloschüsseln trank und Ratten roh fraß. (Beides wird vorgeführt.) Für seine Rolle hat er sich angeblich einer strengen Diät unterzogen. Doch Rogerson sieht nicht ausgemergelt, sondern unglaublich fit aus, weshalb man darüber nachdenken sollte, Menschen mit Gewichtsproblemen eine Kur in diesem Sanatorium anzubieten. Ansonsten demonstriert Rogerson geistigen Verfall durch irres Kichern & Selbstgespräche und leistet so seinen Beitrag zur Klischeevermehrung.

Wie man sich denken dann, sind die Vicious-Brother einer weiteren Fortsetzung nicht abgeneigt. Sollte es nicht dazu kommen, wird diese Lücke sicherlich mit anderem Horror-Mumpitz von der Resterampe des Genres geschlossen. Aber das ist traurige Zukunftsmusik; freuen wir uns erst einmal darüber „Grave Encounters 2“ überstanden zu haben!

DVD-Features

Dem zweiten Teil wurde nur ein mageres, knapp zehnminütiges „Making of“ aufgebrannt. Im ‚Interview‘ schwadronieren die „Vicious Brothers“ und John Poliquin über die tolle Gelegenheit, dem „Grave-Encounters“-Garn eine völlig neue Richtung zu geben, ohne dass alle dabei vom Blitz getroffen werden. Zwischendurch führt Sean Rogerson alias Lance Preston durch diverse Gänge des Riverview Hospitals. Schließlich gibt es Schnipsel von den Dreharbeiten, wobei diese Ausschnitte so gewählt wurden, dass sie ein echtes Grusel-Gewitter vermuten lassen. Wer sich darauf verlässt, darf eine böse Überraschung erwarten.

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Kurzinfo für Ungeduldige: Fünf Filmstudenten brechen in eine verlassene Irrenanstalt ein. Hier geht es nicht nur um: Vor neun Jahren ist eine TV-Crew spurlos verschwunden. Die Eindringlinge finden heraus, was damals geschah, doch lassen die Geister sie nicht mehr ziehen … – Als fiktives Spiel mit Fiktion und Wirklichkeit nur die übliche „Found-Footage“-Pseudo-Dokumentation; dass Teil 2 besser unterhält, liegt einfach daran, dass es endlich heftiger spukt: ungeachtet dessen Horror-Kost auf Kantinen-Niveau.

[md]

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