Haunt – Das Böse erwacht

Originaltitel: Haunt (USA 2013)
Regie: Mac Carter
Drehbuch: Andrew Barrer
Kamera: Adam Marsden
Schnitt: Tom Elkins u. Ruben Sebban
Musik: Reinhold Heil
Darsteller: Harrison Gilbertson (Evan Asher), Liana Liberato (Samantha), Jacki Weaver (Janet Morello), Ione Skye (Emily Asher), Brian Wimmer (Alan Asher), Danielle Chuchran (Sara Asher), Ella Harris (Anita Asher), Carl Hadra (Franklin Morello), Sebastian Barr, Brooke Kelly Maggie Scott (Morelli-Kinder), Jan Broberg (Meredith Tanner), Kasia Kowalczyk (Dämon) u. a.
Label/Vertrieb: Universum Film
Erscheinungsdatum: 27.06.2014
EAN: 0888430435995 (DVD)/0888430436091 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2.40 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 83 min. (Blu-ray: 86 min.)
FSK: 16

Titel bei eBook.de (DVD)
Titel bei eBook.de (Blu-ray)
Titel bei Amazon.de (DVD)
Titel bei Amazon.de (Blu-ray)


Das geschieht:

Das Ehepaar Morello hat in diesem Haus kein Glück gehabt: Die drei Kinder fielen schrecklichen Unfällen oder Selbstmord zum Opfer. Zuletzt fiel Gatte Franklin beim Versuch, mit seinen Kindern im Jenseits zu kommunizieren, die Treppe hinunter und brach sich den Hals.

Witwe Janet schreibt das Unglückshaus zum Verkauf aus. Da der Preis günstig ist, zieht bald Familie Asher ein. Auch Alan und Janet haben drei Kinder, die nicht so begeistert wie ihre Eltern sind, da ihnen das Haus unheimlich vorkommt. Aber selbst der introvertierte Evan lebt sich ein, als er bei einem Waldspaziergang die hübsche Samantha trifft. Sie haust mit ihrem Vater, einem Säufer, in einer verlotterten Hütte und ist froh, dass sie nun Evan hat, zu dem sie flüchten kann, auch wenn dieser im verfluchten Morello-Haus wohnt.

Dort geht es tatsächlich bald unheimlich zu. Vor allem Evan, der sich unter dem Dach einquartiert hat, bekommt Besuch durch hässlich anzuschauende und übellaunige Phantome. Sam schlägt vor, Franklin Morellos Funkempfänger ins Jenseits zu reaktivieren. Die Idee geht nach hinten los: Statt in Erfahrung zu bringen, worum sich der Spuk eigentlich dreht, locken die beiden die Geister des Hauses erst recht aus der Reserve.

Während die toten Morellos aus dem Jenseits warnen, stellt sich der Hauptspuk handgreiflich den Ashers vor. Der Dämon kann in Menschenkörper schlüpfen und diese zu Tätlichkeiten missbrauchen, wie er Evan und Sam nachdrücklich demonstriert. In ihrer Not wenden die beiden sich an Janet Morello, die ihnen dringend rät, weitere Kontakte zum Totenreich tunlichst zu unterbinden. Leider ahnen Evan und Sam nicht, dass Janets Ratschläge nicht uneigennützig sind. Sie weiß sehr wohl, was in ihrem ehemaligen Heim umgeht, und kennt auch den Grund. Schadensbegrenzung lautet ihre Devise, und dass sie die arglosen Neubewohner damit höchster Lebensgefahr aussetzt, kümmert sie nicht …

Geister drücken sich schrecklich unklar aus

Janet Morello fasst mit ihren den Film einleitenden Worten das Wesen der Geistergeschichte zusammen: Eine Geistergeschichte benötigt ein Haus und eine Tragödie. Dass sie für die aktuelle Tragödie hauptverantwortlich ist, verschweigt sie verständlicherweise. Dennoch hat Janet recht: Traditionell stecken Geister zwischen Leben und Tod fest, weil sie entweder großes Unrecht auf sich geladen haben oder ihnen großes Unrecht zugefügt wurde. In beiden Fällen hinterließen sie zu Lebzeiten lose Fäden, die sie im Tod festzurren möchten.

Allerdings ist die Verständigung zwischen Diesseits und Jenseits schwierig. Jedenfalls gibt es keine Geistergeschichte, in der die Phantome von ‚drüben‘ klipp und klar sagen, was sie wollen. Der Grund ist natürlich, dass die Geschichte damit zu Ende wäre. Das Missverständnis gehört zum Spuk, der umso intensiver tobt, je weniger er Gehör findet.

Gefährlich wird es, wenn eigentlich unschuldige, ohne ihr Verschulden gewaltsam zu Tode gekommene Zeitgenossen zu bösartigen Geistern mutieren. So geschieht es im Morello-Haus. Während der Zorn der Spukbolde durchaus nachvollziehbar ist, wundert sich der Zuschauer, warum es ausgerechnet die Ashers trifft. Sie sind nicht nur nette, sondern auch gefällige Leute. Evan will sogar ausdrücklich helfen, die Geister des Hauses zu erlösen. Wieso gehen sie ihm oder Sam trotzdem an die Kehlen? Ist es die Frustration darüber, dass sich die eigentlich Schuldige wohlweislich fernhält?

Guter, alter Geisterspuk

Leider bleibt uns Drehbuchautor Andrew Barrer eine Antwort schuldig; es ist nicht die einzige logische Lücke, die für Stirnrunzeln sorgt. Dies fällt dem Zuschauer glücklicherweise selten auf, während Regisseur Mac Carter seine Geister toben lässt. Ihm gelingt es stattdessen über weite Strecken gut, sein Publikum in Angst und Schrecken zu versetzen, obwohl Eingeweide und Köpfe an den vorgesehenen Stellen  sämtlicher Figuren bleiben.

Wie es sich für eine „ghost story“ gehört, manifestiert sich das Grauen langsam und leise. Der Zuschauer ist dank des Kameramanns deutlich früher im Bilde und sieht es des Nachts durch die Flure huschen, während die Ashers sich noch ahnungslos in ihren Betten wälzen. Das Haus selbst ist bei Sonnenlicht trügerisch heimelig. Leider liegt es eher abgeschieden im dichten Wald des US-Staates Utah und ist genretypisch mit altersschwacher Elektrik geschlagen, weshalb das Licht zum Flacken oder Ausbrennen neigt, sobald es ohnehin unheimlich wird.

In der Nacht kracht das alte Holz darüber hinaus verdächtig, während Zweige an die Fensterscheiben klopfen. Türen springen auf, Schatten verdichten sich zu bedrohlichen Gestalten, körperlose Stimmen ertönen. Carter kennt die gesamte Partitur des klassischen Grusels und setzt sie mit der Unterstützung seines Kameramanns Adam Marsden, der Licht und Dunkelheit zu setzen weiß, ohne Furcht vor den Klischees ein, zu denen sie längst geronnen sind. Damit liegt er dort richtig, wo er das richtige Maß findet. Leider übertreibt er es oft vorsichtshalber, lässt den Spuk zu früh zu deutlich werden und schreckt nicht davor zurück, ihn durch simple Buh!-Effekte und dröhnend anschwellende Hintergrundmusik zu konterkarieren statt wie erhofft zu verstärken.

Teenies, die man nicht unbedingt tot sehen möchte

Autor Barrer und Regisseur Carter sammeln durch eine ungewöhnliche Figurenzeichnung Pluspunkte. Genreüblich wäre die Heimsuchung einer Familie, die intern zerstritten ist, was den Geistern Angriffsflächen böte. Normalerweise sind die jüngeren Kinder altklug und die Teenager geil und zickig, was ‚Pubertät‘ genannt wird. Geschwistern ärgern einander, Eltern sind peinlich.

Nicht eines dieser Grundübel findet man in „Haunt“; eine Tatsache, für die man wirklich dankbar ist. Die Ashers sind eine Familie, deren Angehörige miteinander sprechen. Evan ist 18 Jahre alt und muss nicht verbergen, dass Sam bei ihm übernachtet. In seiner ältereen Schwester Sara findet er eine echte Ratgeberin. Evan selbst ist beinahe zu gut für diese Welt und trotzdem kein Teenie-Trottel, Sam weder Flittchen noch Spaßbremse. Sie durchbricht damit das gängige Klischee für weibliche Hauptrollen in Horrorfilmen.

Auch die anderen Darsteller überzeugen in ihren Rollen. Deshalb ist schade, dass sie das Drehbuch oft im Stich lässt. Barrer und Carter verzetteln sich. Sie verwenden viel Zeit darauf, Sams Probleme mit ihrem alkoholkranken Vater zu schildern, was jedoch letztlich kaum eine Rolle für das Geschehen spielt. Zwei Szenen zeigen die jüngste Asher-Tochter Anita, die ebenfalls von einem Geist bedrängt wird, was nutzlos verpufft, weil Anita irgendwann mit dem Rest ihrer Familie im Off verschwindet. Überhaupt fragt man sich, warum die Ashers drei Kinder haben, wenn zwei von ihnen sowie die Eltern nur Randfiguren bleiben und nie wirklich in Gefahr geraten.

Die Auflösung ist grundsätzlich gelungen, wird aber durch allzu deutliche Rückblenden zu früh mehr als angedeutet. Nichtsdestotrotz überrascht das konsequente und happy-end-freie Finale – und einen bösen Schlusstwist gibt es auch noch. Für durchweg durchschnittliche und nie lahme Unterhaltung ist damit gesorgt.

DVD-Features

Zum Hauptfilm gibt es keinerlei Features. Im Internet findet man diese Website. Sie informiert nicht nur über den Film und rührt die Werbetrommel, sondern gibt vor, dass es das Morello-Haus tatsächlich gibt und die verfilmten Ereignisse auf einer wahren Geschichte beruhen. Die Dürftigkeit des präsentierten Materials torpediert allerdings diesen Anspruch: Erfolgreiches virales Marketing sieht anders aus!

Kurzinfo für Ungeduldige: Familie Asher zieht in das angeblich verfluchte Morello-Haus. Dort wartet in der Tat mehr als ein Geist auf neue Bewohner, die es zu terrorisieren und in den Tod zu treiben gilt … – Die bekannte Geschichte vom Spukhaus wird nie wirklich neu oder gar ohne Klischees aber spannend, konsequent, ohne Klamauk und von guten Schauspielern dargeboten: unterhaltsame Gruselkost.

[md]

Titel bei eBook.de (DVD)
Titel bei eBook.de (Blu-ray)
Titel bei Amazon.de (DVD)
Titel bei Amazon.de (Blu-ray)