haunted-hill-2Haunted Hill – Die Rückkehr in das Haus des Schreckens

Originaltitel: Return to House on Haunted Hill (USA 2007)
Regie: Víctor García
Drehbuch: William Massa
Kamera: Lorenzo Senatore
Schnitt: Robert Malina
Musik: Frederik Wiedmann
Darsteller: Amanda Righetti (Ariel Wolfe), Tom Riley (Paul), Steven Pacey (Dr. Richard Hammer), Erik Palladino (Desmond Niles), Cerina Vincent (Michelle), Andrew Lee Potts (Kyle), Kalita Rainford (Harue), Gil Kolirin (Norris), Andrew Pleavin (Samuel), Chucky Venice (Warren), Jeffrey Combs (Dr. Richard Vannacutt), Stilyana Mitkova (Saras Geist) uva.
Label/Vertrieb: Warner Brothers Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 11.10.2007 (Kauf-DVD)
EAN: 7321925007664 (Kauf-DVD)
Bildformat: 16 : 9 (2,40 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch, Ungarisch)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Dänisch, Finnisch, Französisch, Niederländisch, Norwegisch, Schwedisch, Ungarisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 78 min.
FSK: 18

Das geschieht:

Acht Jahre sind seit der verhängnisvollen Party vergangen, zu der Stephen Price im verrufenen Haus des nur körperlich toten Irrenarztes und Sadisten Dr. Vannacutt einlud. Zwei Menschen entkamen dem nächtlichen Gemetzel der wütenden Geister, die dort umgehen. Sara Wolfe blieb vom Haus besessen, was sich ungünstig auf ihre psychische Verfassung auswirkte. Schwester Ariel, eine erfolgreiche Redakteurin, hat deshalb den Kontakt schon vor langer Zeit abgebrochen.

Sie reagiert auch nicht, als Sara sie mit Anrufen und Mails bombardiert und um Hilfe bittet. Kurz darauf ist Sara tot; sie soll Selbstmord begangen haben. Die geschockte Ariel sucht in der Wohnung der Schwester nach Hinweisen. Stattdessen findet sie Dr. Richard Hammer, einen Archäologen, der mit Sara in Kontakt stand. Beide vermuteten, dass Vannacutt eine mittelalterliche Statue des Dämonen Baphomet in seinem Haus hütete, der ihn nach und nach in seinen unheilvollen Bann zog. Diese Figur will Hammer unbedingt bergen.

Ariel verweigert zunächst jede Mitarbeit, aber daheim findet sie das Tagebuch von Dr. Vannacutt, das Sara kurz vor ihrem Tod in die Post gegeben hat. Leider hat Desmond Niles, ein skrupelloser Kunsträuber, dies ebenfalls erfahren. Mit seiner Bande zwingt er, der zudem Saras Mörder ist, Ariel und ihren Freund Paul, ihn in das verlassene Haus auf dem Hügel zu begleiten. Dort suchen bereits Hammer und zwei seiner Studenten nach der Statue. Das Treffen der Gruppen verläuft nicht harmonisch, doch das wird nebensächlich, als sich das Haus hermetisch gegen die Außenwelt abriegelt, seine ‚Gäste‘ auf diese Weise einsperrt und ihnen mordlüsterne Geister auf die Hälse hetzt …

Zweiter Aufguss – mit Wirkungsverstärker

Franchises und Pilze teilen mindestens zwei Eigenschaften: Sie schießen aus dem Boden, und sie gedeihen am besten in einem Mistbeet. Das ist einer der Gedanken, die einem durch den Kopf gehen, wenn man mit einem Film wie „Haunted Hill 2“ konfrontiert wird. Schon das ‚Original‘ von 1999 war das Remake eines Mini-Kult-Thrillers von 1958 (dt. „Das Haus auf dem Geisterhügel“). Die Geschichte vom verfluchten Irrenhaus wurde 1999 auserzählt. Es gab keinen Grund, sie wieder aufzugreifen.

Acht Jahre später machte sich erwähnter Mistbeet-Effekt bemerkbar. Wo „The Butterfly Effect“, „Donnie Darko“ u. a. nie für eine Fortsetzung vorgesehene Filme in Serie gehen, ist sicherlich auch Platz für ein „Haunted House 2“, so müssen die zumindest im Bereich der Profitmaximierung kreativen Köpfe hinter diesem Streifen sich gedacht haben. Vorsichtshalber hielten sie das Budget kurz und realisierten die Rückkehr ins Hügel-Haus als „Direct-to-DVD“-Produktion. Um noch mehr zu sparen, heuerte man nicht nur Schauspieler der Kategorien B und C an (dazu unten mehr), sondern drehte in Budapest, wo die Arbeitslöhne sogar noch niedriger liegen als in Kanada.

Wenig Geld wurde außerdem für das Drehbuch ausgegeben; tatsächlich erzählte man die Original-Story einfach noch einmal und verschnitt sie mit einem törichten Gangster-Garn. Weil es keinen echten Grund für eine Rückkehr ins Geisterhaus gab, konstruierte man einen: Plötzlich summt eine Dämonen-Statue als Dynamo des Bösen im Bauch des Hauses. Die muss gesucht werden, während die Darstellerschar durch düstere Flure tappt, sich streitet und stetig dezimiert wird. Auch daran lassen sich geistlose Fortsetzungen erkennen: Die Morde geraten deutlich spektakulärer und blutiger, um auf diese Weise Unterhaltsamkeit vorzugaukeln. Keine Sorge; routiniert aber lieblos eingesetzte CGI-Technik mildert das aus dem Gemetzel erwachsende Grauen, das jederzeit als Produkt der digitalen Trickkiste erkennbar ist.

Das Haus hält’s aus

Wenn es etwas gibt, das den Zuschauer vor Tiefschlaf oder Wutanfällen bewahrt, so ist es die bemerkenswerte Kulisse des Hügel-Hauses. Zwar ist die einst blühende Filmindustrie Osteuropas heute nur noch ein Schatten ihrer selbst, aber dort findet man weiterhin Kulissenbauer und Ausstatter, die mit beschränkten Mitteln förmlich zaubern können. Dass „Haunted Hill 2“ eine Billig-Produktion ist, sieht man ihr niemals an. Das Haus ersteht in schauerlicher Pracht nicht nur auf, sondern beeindruckt mit 1999 nicht gesehenen und gruseligen Winkeln. Die Beleuchtung ist ausgefeilt, die Tonspur verblüfft durch allerlei akustische Tricks.

Noch ein Vorteil: Nach gerade einmal 78 Minuten ist der Spuk vorüber. „Haunted Hill 2“ präsentiert seine Geschichte in der gebotenen Eile, die keine Zeit für Fragen nach der Handlungslogik lässt oder Langeweile aufkommen lässt. Dazu kommt das erfrischende Fehlen politisch korrekter Zurückhaltung, die ein Film dieser Preisklasse, der seine Kosten auf jeden Fall einspielen wird, nicht nötig hat. Einige Übeltaten des Dr. Vannacutt fallen daher recht rabiat aus. Schade nur, dass es manchmal schwerfällt, sich beim Anblick toter aber spastisch zuckender Krankenschwestern oder rauchender Ofenmenschen daran zu erinnern, dass wir uns auf dem „Haunted Hill“ und nicht im zweiten Teil von „Silent Hill“ befinden.

Zum guten Ton des schlechten Films gehört schließlich der Anblick einiger nackter Busen, zu denen sich hier sogar einige blanke Hinterteile gesellen. Der kundige Zuschauer erkennt auch am Fehlen von Silikonverstärkungen, dass nicht in den USA gedreht wurde.

Wo ist Famke, wenn man sie braucht?

Wer sich als Schauspieler in einen Film wie diesen locken lässt, weiß wahrscheinlich, worauf er und sie sich einlassen. Die nuancenreiche Wiedergabe feinsinniger Gefühle ist es nicht, was der Arbeitgeber fordert. Bescheiden ließe sich aus Zuschauersicht dagegen einwenden, dass gute Darsteller auch einen weniger gelungenen Film adeln – wer erinnert sich nicht an Famke Janssens gut gelaunte Darstellung eines lupenreinen Miststücks im ersten „House on Haunted Hill“ -, doch das wird sich unter Produzenten wohl nie herumsprechen.

Also müssen wir Zeugen dessen sein, was Mimen wie Amanda Righetti, Tom Riley oder Cerina Vincent für Schauspiel halten. Die übrigen Darsteller schließen sich dem kollegial an. Andrew Lee Potts gibt wieder den trotteligen Nerd, als welcher er bereits durch diverse „Primeval“-Staffeln geisterte und dort ebenso wenig lustig war wie hier. (Er scheint sogar dasselbe bescheuerte Hütchen zu tragen!)

Wieder einmal am besten zieht sich der in jeder Rolle unverwüstliche Jeffrey Combs aus der Affäre, was dieses Mal gar nicht einfach ist. Während Dr. Vannacutt im ersten Teil eher schemenhaft sein Unwesen trieb, muss er hier oft ins allzu helle Kamera-Licht treten. Dafür entschädigen einige Splattereien, die der mehrfache „Re-Animator“ persönlich und stilvoll über die Bühne bringt.

Bleibt abschließend die bange Frage: War’s das jetzt? Darauf hoffen wir vorsichtshalber nicht, zeigt doch die Schlussszene, wie die Baphomet-Statue aus der Regenrinne des Hügel-Hauses direkt vor die Füße zweier Strandwanderer purzelt …

DVD-Features

Während der Hauptfilm optisch und akustisch überzeugen kann, bleiben die Extras enttäuschend überschaubar. Erstaunlicherweise fehlt das sonst übliche „Making-Of“, das gern als zusätzliche Werbeplattform missbraucht wird. Hier ist es durch eine seltsame Interview-Runde mit dem Titel „Die Darsteller auf dem Beichtstuhl“ ersetzt. Während die Schauspieler in ihren Rollen bleiben, geben sie darüber Auskunft, was sie auf den „Haunted Hill“ führte. Als Dr. Richard Hammer hält Steven Pacey darüber hinaus ein dreiminütiges (und daher wenig aussagekräftiges) Referat über Ursprung und Geschichte des Baphomet.

Vier zusätzliche Szenen erinnern an ein Feature, über das nur die ‚interaktive‘ Blue-ray-Fassung verfügt, von der es keine deutsche Version gibt: An diversen Filmstellen kann sich der Zuschauer in das Geschehen einklinken und dessen Fortsetzung beeinflussen. Dafür wurden Sequenzen erweitert bzw. zusätzlich gedreht, die indes den Hauptstrom der Story nicht wirklich beeinflussen.

Zu unguter Letzt trägt die Heavy-Metal-Gruppe Mushroomhead – optisch wie stimmlich eine unglückliche Mischung aus Kiss und Marilyn Manson – ihren angeblichen Hit „Simple Survival“ vor; der Clip wurde mit Szenen aus „Haunted Hill 2“ verschnitten, denn das Stück gehört zum Soundtrack dieses Films.

[md]

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