houseHouse – Die Schuldigen werden bestraft

Originaltitel: House (USA 2008)
Regie: Robby Henson
Drehbuch: Rob Green u. Frank Peretti
Kamera: Marcin Koszalka
Schnitt: Andrea Bottigliero
Musik: David E. Russo
Darsteller: Reynaldo Rosales (Jack Singleton), Heidi Dippold (Stephanie Singleton), Julie Ann Emery (Leslie Taylor), J. P. Davis (Randy Messsarue), Leslie Easterbrook (Betty), Bill Moseley (Stewart), Lew Temple (Pete), Michael Madsen (Tin Man/Polizist), Alana Bale (Susan), Mark Fierer (Randys Vater), Florentyna Synowiecka (Melissa), Andrew Gorzen (Leslies Onkel) u. a.
Label/Vertrieb: Sunfilm Entertainment
Erscheinungsdatum: 04.12.2009 (Leih-DVD) bzw. 08.01.2010 (Kauf-DVD u. -Blu-ray)
EAN: 4041658500753 (Leih- u. Kauf-DVD) bzw. 4041658590754 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (1,85 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 96 min. (Blu-ray: 99 min.)
FSK: 16

Das geschieht:

Nach dem tragischen Unfalltod ihrer Tochter Melissa und trotz zahlreicher Therapiestunden haben sich Jack und Stephanie Singleton nichts mehr zu sagen. Stattdessen streiten sie, und das tun sie auch, während sie irgendwo im US-Staat Alabama durch einen einsamen Wald fahren. Es kommt, wie es in einem Film dieser minderen Güteklasse kommen muss: Jack rast mit dem Wagen in einen Graben. Das Handy bleibt ohne Empfang, sodass unsere beiden Pechvögel froh sind, im abgelegenen und ungastlich wirkenden „Wayside Inn“ unterschlüpfen zu können. Dort treffen sie Leslie und Randy, die ebenfalls Pech mit dem Wagen hatten.

Hotelchefin Betty ist keine Frau, die den Besuchern ein Gefühl des Willkommenseins vermittelt. Noch übler wirken Stewart, der ungehobelte Hausmeister, und Pete, Bettys beschränkter Sohn, der sich umgehend an Leslie heranmacht. Schon will Stephanie angewidert das Haus verlassen, da taucht vor der Tür ein maskierter und mit einer Schrotflinte bewaffneter Mann auf: Der „Tin Man“, ein mörderischer Psychopath, will die ‚Gäste‘ des „Wayside Inn“ für ihre ‚Sünden‘ bestrafen: Wenn sie nicht bis zum Morgengrauen einen aus ihrer Runde ausgewählt und umgebracht haben, will er sie alle töten.

Voller Angst ergreift das Quartett die Flucht. Der Keller des Gasthauses ist ein Labyrinth, in dem es umgeht: Visionen vergangener Vergehen suchen die Flüchtigen heim. Sie haben in der Tat alle etwas zu verbergen, das sie nunmehr noch einmal durchleben müssen. Jack stößt dabei auf Susan, die sich gegen den „Tin Man“ stellt. Nach und nach erkennen die Gestrandeten, dass sie in einem Zwischenreich gefangen sind und um ihre Seelen kämpfen müssen. Susan ruft zum Kampf gegen den „Tin Man“ auf, doch sie überschätzt das Gemeinschaftsgefühl der Leidensgenossen. Bis der Morgen tatsächlich graut, werden Verrat und Feigheit ihre Opfer fordern …

Der Teufel sieht alles & verzeiht nichts

Da es auf dieser Welt nichts gibt, das es nicht gibt, dürfte die Existenz eines  phantastischen Subgenres, das sich „spiritual thriller“ oder „religious fiction“ nennt, kaum überraschen. Wie alle Religionen basiert auch der Erfolg des Christentums auf ständiger Kontrolle und der Rekapitulation fundamentaler Verhaltensregeln. Zum Kummer derer, die sich berufen fühlen, dies zu beaufsichtigen, genügt es längst nicht mehr, den Schäfchen zu predigen und ihnen dabei jene Werte zu vermitteln, die „christlich“ genannt werden. Auch der Glaube muss heute unterhaltsam verpackt werden. Dass dies funktioniert, ist keine neue Entdeckung. Seit jeher haben vor allem liberaler denkende Zeitgenossen die Möglichkeiten genutzt, die ihnen der technische Fortschritt öffnete. Deshalb gibt es heute christliche Comics, christlichen Heavy-Metal-Rock und eben christliche Phantastik.

„House“, der Film, entstand nach einem gleichnamigen Roman, den Ted Dekker und Frank E. Peretti 2006 veröffentlichten. Vor allem Dekker hat sich auf „christliche Fantasy“ spezialisiert. Seine zahlreichen Beiträge zu diesem Genre bilden mehrere Zyklen. Obwohl er seine Romane als Unterhaltung bezeichnet, bezieht Dekker eindeutig Stellung. Die Welt ist für ihn nicht nur Daseinsort, sondern auch Schauplatz eines ewigen Kampfes zwischen Gut und Böse. Jederzeit kann der Mensch in eines dieser Gefechte gezogen werden. Dann gilt es Farbe zu bekennen, buchstäblich Seelenstärke sowie Bußfertigkeit zu beweisen und die Krise mit Gottvertrauen, Liebe und notfalls dem Willen zur Selbstaufgabe zum Wohle des Mitmenschen zu meistern.

Langeweile ist der Manipulation nicht hilfreich

Dekkers Werke werden in geistig entsprechend gepolten Kreisen viel gelesen. Dieser Erfolg soll nach Möglichkeit umgemünzt werden. Dazu bietet der Film ein geeignetes Medium. Schon 2006 drehte Robby Hensen ebenfalls nach einer Romanvorlage von Dekker den Film „Thr3e“ (dt. „Thr3e – Gleich bist du tot“), der inhaltlich große Ähnlichkeiten mit „House“ aufweist: Die Sünden der Vergangenheit leben weiter, und irgendwann muss sich der Verursacher ihnen stellen. Dann ist es ratsam zu wissen, wie man diese Herausforderung meistern kann.

Wer nicht ’nur‘ unterhalten, sondern auch belehren will, schwebt stets in Gefahr, im Eifer des Gefechts bzw. im Dienst der guten Sache erst ins Dozieren und dann ins Predigen zu geraten. Vor allem der nicht regelmäßige Kirchgänger stellt indes ein scheues Wild dar, und den erhobenen Zeigefinger verabscheut auch der Filmfreund mindestens ebenso heftig wie Schleichwerbung. Deshalb gilt es behutsam vorzugehen.

„House“ ist allerdings ein krudes Durcheinander, in dem jeder Versuch einer möglichen Manipulation hoffnungslos untergeht. Es bleibt nur ein laues Filmchen mit einem Plot, der – das dürfte Henson und Drehbuchautor Peretti besonders schmerzen – zuvor von deutlich weniger christlich gesonnenen Filmemachern wesentlich besser weil effektvoller realisiert wurde.

Das Auge ist ein unbarmherziges Organ

Ihren Weg per Film zu einer besseren Welt mussten Henson und Peretti offenkundig ohne finanzielle Unterstützung durch fromme Gesinnungsgenossen einschlagen. „House“ ist eine Low-Budget-Produktion, die (wie schon „Thr3e“) in Polen (der Heimat von Papst Johannes Paul II.) entstand, wo aus dem Dollar mehr Film als in Hollywood gepresst werden kann.

Groß kann das finanzielle Polster trotzdem nicht gewesen sein, denn „House“ erreicht nicht einmal B-Movie-Niveau. Sicherer Maßstab ist in der heutigen Filmwelt das Niveau der CGI-Tricks. Sie gelten als Allzweckwaffe im Versuch, das Übernatürliche realistisch zu bebildern. In der Tat können längst digitale Welten erschaffen werden, die absolut ’natürlich‘ wirken. Freilich sind zwei Faktoren unverändert geblieben: Gute Tricks kosten Geld. Das menschliche Auge ist inzwischen an digitale Spezialeffekte gewöhnt und kann sie sehr gut als solche erkennen. Der daraus resultierende Verdruss ist dem Filmgenuss wenig zuträglich.

Ausgerechnet die finanziell weniger bestückten Produktionen greifen gern auf CGI-Effekte zurück; „House“ bildet da keine Ausnahme. Die Strafe folgt umgehend: Wo bereits die ‚klassischen‘ Tricks (Gruselmasken, künstliche Körperteile, Blutbeutel) nicht gerade überzeugend gelingen, lassen die per PC geschaffenen Illusionen erst recht zu wünschen übrig.

Wer mimt mit – oder muss mitmachen?

Zwar lassen sich heutzutage auch Filmstars zum Dreh ins (osteuropäische) Ausland locken, aber weiterhin tummeln sich dort vor allem Darsteller, die diesen Aufenthalt mit der Rollenzusage in Kauf nehmen mussten. Kostengünstige Produktionen wie „House“ binden TV-„Gaststars“, Soap-Opera-Mimen oder andere No-Names, die es gewohnt sind, für wenig Geld und unter harten Drehbedingungen – hier primär das Waten durch Schlamm und Schmutzwasser – ihre Szenen schnell hinter sich zu bringen. Wie unsere Darsteller deutlich unter Beweis stellen, gilt Talent dagegen als sekundäres Gut. (Dies lässt sich übrigens auch auf die Synchronsprecher übertragen, die ölig-nölig, jede Betonung verfehlend oder falsch setzend letzte Reste von Spannung und Stimmung abtöten.) Wenn es lohnt, jemandem bei seinem Job zu beobachten, dann ist es Michael Madsen, der pro Jahr in durchschnittlich zehn Filmen spielt und deshalb durch Kritikerschelte ohnehin schwer zu erreichen ist.

Das Drohen & Wüten, das Bereuen & Weinen, das Flüchten & Scheitern verfolgt der Zuschauer völlig unbeteiligt. Die einfallslose Regie bringt keine Bewegung ins müde Spiel. Worauf die Geschichte hinausläuft, ist viel zu schnell klar. Überraschungen gibt es nicht. Falls Henson glaubt, er könne sie durch Tragik und den schockierenden Prozess allmählicher Erkenntnis ersetzen, liegt er falsch. Das ‚Große Finale‘ erweist sich als plumper, im Zeitraffer gestalteter Showdown zwischen Gut & Böse, dem die minderwertigen CGI-Effekte zusätzlich schlecht bekommen. Natürlich bleibt für jene Figuren, die gerade noch rechtzeitig ihr Heil in Liebe und Gewaltverzicht gesucht haben, die Belohnung nicht aus. Weil dies ein christliches Mystery-Drama ist, darf zusätzlich nicht der Hinweis fehlen, dass das Böse nur kurzfristig besiegt werden kann und weiterhin lauert. Diese Lehre sollte man verinnerlicht haben, wenn man beim nächsten Besuch in der Videothek die Neuerscheinungen mustert.

DVD-Features

Dem deutschen Label muss bereits geschwant haben, dass „House“ sich nicht an die Spitzen der DVD- oder Blu-ray-Charts setzen wird. Auf Zusatzmaterial wurde deshalb verzichtet.

[md]

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