House Hunting – Nur wer tötet kann überleben

Originaltitel: House Hunting (USA 2013)
Regie u. Drehbuch: Eric Hurt
Kamera: Todd Free u. Eric Hurt
Schnitt: Jay Thomas
Musik: Jaysen Lewis
Darsteller: Marc Singer (Charlie Hays), Art LaFleur (Don Thomson), Hayley DuMond (Susan Hays), Janey Gioiosa (Emmy Hays), Paul McGill (Jason Thomson), Rebekah Kennedy (Hanna), Victoria Vance (Leslie Thomson), Jon Cobb (Makler), Emma Rayne Lyle (Lizzy Thomson) u. a.
Label/Vertrieb: EuroVideo
Erscheinungsdatum: 27.02.2014
EAN: 4009750223499 (DVD)/4009750398319 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 103 min. (Blu-ray: 107 min.)
FSK: 16

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Das geschieht:

Witwer Charlie Hays sucht mit Tochter Emmy und neuer Gattin Susan den Neuanfang. Ihn lockt ein zwangsgeräumtes und deshalb günstig zu erwerbendes Haus irgendwo im Hinterland des US-Staates Virginia. Susan und Emma, die ansonsten einander nicht ausstehen können, sind sich einig in der Ablehnung dieses Plans. Dennoch besteht Charlie auf einer Besichtigung.

Auch die Thomsons sind keine besonders glückliche Familie. Vater Don ist ein grober Klotz, Sohn Jason ein Großmaul und Dummkopf. Mutter Leslie leidet unter dem Tod der jüngeren Tochter und ist psychisch angeschlagen. Ein Umzug soll für einen sauberen Schnitt sorgen.

Das Haus tief im Wald ist verlassen, als die beiden Familien eintreffen. Statt des erwarteten Maklers stoßen sie auf das Mädchen Hanna, dem die Zunge aus dem Mund geschnitten wurde. Deshalb kann Hanna nicht warnen, als das Unheil seinen Lauf nimmt: Die Hays und die Thomsons sind in einer von der Außenwelt abgeschotteten Vorhölle gelandet. Jeder Fluchtversuch endet immer wieder beim Haus.

Die Nerven der unfreiwillig Gefangenen liegen bald blank, zumal sie von Geistern heimgesucht werden, die zunehmend dreister auftreten und eine unerfreuliche Botschaft verkünden: Nur eine der beiden Familien wird das Haus wieder verlassen dürfen. Man soll untereinander ausmachen, wer dies sein wird – eine Aufforderung zu Mord und Totschlag.

Zwar drängt der rationale Charlie auf Verständigung und die Suche nach einem Ausweg. Doch die Solidarität bröckelt, als sich nach und nach herausstellt, das sowohl die Hays als auch die Thomsons mitschuldig am Ende der ursprünglichen Hausbesitzer sind, die endlich ihre Gelegenheit zur Rache gekommen sehen …

Familien im Fegefeuer

Eine Wahl zwischen der Heimsuchung durch Geister oder die Mitglieder der eigenen Familie fiele sicher nicht so eindeutig aus, wie sich dies die Anhänger einschlägiger „family values“ gern vorgaukeln. Deshalb bedauern wir die Hays und die Thomsons gleichermaßen, die von beiden Schrecken überfallen werden.

Darüber vergessen wir zeitweise sogar, dass die Mitglieder beider Familien sämtlich ihr Schicksal verdient haben und – dies zählt stärker – herzlich unsympathisch sind. Charlie Hays ist ein scheinheiliger Gutmensch, der einfach nicht wahrhaben will, dass sich Familienfrieden nicht erzwingen lässt. Töchterlein Emmy hasst Daddys neue Frau mit pubertärer Inbrunst, während sich Susan wenig überzeugend um eine Verständigung bemüht; lieber wäre es ihr, würde sich Emmy wie ihre Mutter in Grabesluft auflösen.

Die angebliche Bodenständigkeit der Thomsons entpuppt sich als spießige Verlogenheit. Don ist ein Patriarch, wie er im Buche steht. Gattin Leslie entweder zickig oder depressiv und Sohn Jason ein echtes Arschloch; eine vornehmere Umschreibung könnte seinen miesen Charakter nur bedingt definieren.

Diese beiden schrecklichen Familien haben gewisse Geheimnisse, die sorgfältig unter Verschluss gehalten werden. Deshalb wären Charlies ständige Aufforderungen zur gemeinschaftlichen Lösung selbst dann zum Scheitern verurteilt, wenn die Hays und die Thomsons nicht solche Widerlinge wären.

Überraschungen, die gelingen

Wenn die Familien aufeinandertreffen, stellt sich der Zuschauer auf eine längere – und langweilige – Phase gegenseitiger Beschimpfungen und Attacken ein. Stattdessen setzt umgehend und erfreulicherweise die eigentliche Geschichte ein: Es spukt in dem begehrten Traumhaus. Wenn sich die Mitglieder der beiden Sippen an die Gurgeln gehen, geschieht dies als Teil des Geschehens, das weiterhin ohne Verzögerungen seinem Höhepunkt entgegenstrebt. Solche Ökonomie ehrt den Drehbuchautoren Eric Hurt, der diese Eigenschaft mit dem gleichnamigen Regisseur teilt.

Die Story selbst interessiert, weil sich der Zuschauer fragt, wie oder ob die in dem Geisterhaus Gefangenen einen Ausweg finden und somit ihrer durchaus gerechten Strafe entgehen werden. Sie sind keineswegs grundlos ihrem Schicksal ausgeliefert. Statt um Mitternacht durch die Häuser ihrer Mörder zu spuken, haben diese Geister einen deutlich raffinierteren Plan ausgeheckt: Sie konfrontieren ihre Opfer – die auch Täter sind – mit den eigenen Übeltaten.

Zwar führt dies zur bekannten Verminderung der Figurenzahl, was leidlich brutal aber nicht wirklich splattrig vonstatten geht. Nichtsdestotrotz gelingen Hurt immer wieder unerwartete Wendungen. Diese profitieren von einer geschickt stimulierten Atmosphäre stetiger Bedrohung. Selbst die grundsätzlich beliebige Waldlandschaft nimmt schnell bedrohliche Züge an, wenn sie sich nicht nur um das Haus im Zentrum ‚krümmt‘, sondern auch von den rachsüchtigen Geistern bewacht wird, die nach und nach ihre Deckung fallenlassen bzw. Öl in die schwelende Glut gießen, die beide Familien um sich verbreiten.

Die Strafe ist schlimmer als der Tod

In der Tat können die Geister sich auf ihre Opfer verlassen. Selbst wenn es nicht spukt, zerfleischt man sich in endlosen Streitereien. Die Hays und die Thomsons zanken nicht nur mit-, sondern auch untereinander. Einigkeit ist allen Beteiligten ein Fremdwort. Stellt sie sich unversehens ein, dauert es nur kurze Zeit, bis der Burgfriede zerfällt.

Die böse Ironie liegt dabei in der Tatsache, dass eine Flucht durchaus möglich wäre, ohne dass die Familie die andere auslöscht. Mehrfach ist eine Entkommen zum Greifen nahe, bevor ein Hays oder ein Thomson wieder etwas Dummes tut und den Bann bricht. Sollte das nicht reichen, nehmen die Geister die Gestalt eines Familienmitglieds an und hetzen zu Handgreiflichkeiten auf, die nie lange auf sich warten lassen.

Da es Eric Hurt gelingt, dem Zuschauer das Gefühl des hoffnungslosen Ausgeliefertseins zu vermitteln, wirkt die Wiederkehr des Bekannten zusätzlich bedrohlich: Jeden Tag taucht für jedes Mitglied eine Dose Fleischeintopf auf. Als die Zahl der Dosen sinkt, nimmt dies jeweils den Tod eines Pechvogels vorweg. Die Betroffenen begreifen dies sofort – und müssen sich fragen, wen es in den nächsten Stunden erwischen wird.

Das Ende ist gleichzeitig Anfang

„House Hunting“ ist ein relativ handlungsruhiger und sichtlich günstig produzierter Film. Die erzählte Geschichte rechtfertigt beides. Sie leidet unter anderen Problemen, von denen eines nur zu bekannt ist: Kaum ein Rätsel kann so gelöst werden, dass diese Auflösung zufriedenstellt. Während Hurt über zwei Drittel der Laufzeit sein Publikum an der kurzen Leine zu führen weiß, gehen ihm schließlich die Ideen aus. Das Geschehen verliert seine Mehrschichtigkeit. Die Geister gehen zum offenen Angriff über, und einer der verbliebenen Überlebenden schnappt mörderisch über – eine Notlösung, die dem bisherigen Einfallsreichtum der Handlung hohnspricht.

Ohnehin beginnt sich die Zuschauerstirn im Finale stark zu runzeln. Die beiden Familien sollen gerichtet werden, nachdem sie der irdischen Gerechtigkeit entgehen konnten; das haben wir begriffen. Weniger einleuchtend ist, dass einige Familienmitglieder nichts getan haben, was eine solche Heimsuchung rechtfertigt. Dass Emmy eine pubertierende Plage ist, sollte eigentlich nicht drakonisch bestraft werden. Auch die stummgeschaltete Hanna ist ein Opfer – ein doppeltes Opfer sogar, denn sie wird nicht nur gequält, sondern auch missbraucht, damit der Strafzyklus in eine neue Runde gehen kann.

Was zu dieser Frage führt: Wieso beginnt sich im Epilog die Geschichte zu wiederholen? Die Geister bleiben, die Familie wechselt. Wie viele Charakterlumpen haben den vergeisterten Hausbesitzern noch zugesetzt? Oder dient das Haus auch als Vorhölle für andere Sünder, derer sich die Geister ebenfalls annehmen? Tatsächlich hat sich Hurt hier wohl an einem Twist versucht, der des Guten zu viel war.

Noch ein Gott des Gemetzels

Für seine Figuren fand Regisseur Hurt Darsteller, die sich ihre Rollen überzeugend zu Eigen machten. Er suchte einerseits bewährte Veteranen aus, die vor allem im Fernsehen oder im Kino der B-Kategorie arbeiten, während er andererseits einige vielversprechende Jungdarsteller rekrutieren konnte, die noch am Beginn ihrer Laufbahn stehen. Beide Gruppen haben ein relativ flachkurviges Honorarniveau gemeinsam, was angesichts der schmalen Budgetkasse eine Notwendigkeit war.

Marc Singer ist aus unzähligen TV-Serien (darunter vor allem „V – Die außerirdischen Besucher kommen“ und „Dallas“) und obskuren, quasi-klassischen Trash-Filmen (darunter drei „Beastmaster“-Machwerke) bekannt. Es dauert eine Weile, bis man ihn wiedererkennt, denn er ist alt geworden. Als verständnisvoller Familienvorstand mit psychopathischen Zügen wirkt er erschreckend authentisch, bevor er drehbuchbedingt dem Wahnsinn verfällt.

Als Gegenspieler kann Art LaFleur ihm problemlos Paroli bieten. Der wuchtige Schauspieler mit dem unpassend ätherischen Namen gehört zum Nebenrollen-Inventar des nordamerikanischen Kinos und Fernsehens. Hier zeigt LaFleur, dass er auch in einer Hauptrolle glänzen kann, denn Hurt gibt ihm die Chance, dem grobschlächtigen Don Thomson menschliche Züge zu verleihen.

Hayley DuMond ist eine schöne Frau, kann dies allerdings rasch vergessen lassen, wenn sie die hässliche Seite der von ihr verkörperten Susan hervortreten lässt. Weniger profilstark ist die Rolle der Leslie Thomson; Victoria Vance mimt primär die unterdrückte, familienfixierte Ehefrau und Mutter. Die jüngere Darsteller-Generation erfreut vor allem durch die Abwesenheit gruselfilmtypischer Teenie-Klischees. Selbst Paul McGill, der zunächst einen auch in der Krise geilen Bock zu geben scheint, zeigt später sein wahres, ganz anderes Gesicht.

Zwischen den Grusel-Stühlen

„House Hunting“ ist kein Meisterwerk, sondern ein etwas anderer und in diesem Rahmen gelungener Film. Erwartungsgemäß traf er auf ein Publikum, das ihn – anders als die Kritik, die ihn mehrheitlich lobte – entweder mochte oder hasste. Für beide Reaktionen gibt es gute Gründe, obwohl dieser Rezensent die Pro-Fraktion favorisiert. Ein Horror-Thriller, der zwar im US-Hinterwald spielt, ohne die allseits berüchtigten Backwood-Killer ins Spiel zu bringen, kann nicht wirklich schlecht sein. Hinzu kommen eine interessante, fast durchgängig gut umgesetzte Story, eine Kamera, die mit und nicht gegen den Zuschauer arbeitet, und Schauspieler, die diesen Titel tatsächlich verdienen.

Dass die Synchronstimmen wieder einmal schwächeln (aber immerhin nicht gänzlich versagen), kann nicht Eric Hurt zum Vorwurf gemacht werden. Er hat mit seinem ersten Lang-Spielfilm gut unterhalten sowie neugierig auf weitere Werke gemacht – zwei Reaktionen, die gerade im Horrorfilm keineswegs selbstverständlich sind.

DVD-Features

Das „Making of“ bietet zwar die üblichen Nullsinn-Interviews diverser Beteiligter. Zwischendurch gibt es aber interessante Blicke auf die Dreharbeiten, die durch Improvisation und Wagemut geprägt waren. So kamen für Kamerafahrten, die über die Köpfe durch den Wald laufender Darsteller führen sollten, kräftige Kerls zusammen, die den Kameramann einen Strick um den Oberkörper banden und ihn in Kronenhöhe hievten. Budget-Engpässe verrät außerdem die Wahl des Doubles für Art LaFleur; der gute Mann schiebt einen derartigen Wanst vor sich her, dass jeder Eindruck von Ähnlichkeit im Keim erstickt wird!

Kurzinfo für Ungeduldige: Zwei Familien werden in ein Haus gelockt, das sie nicht mehr verlassen können. Die erzwungene Gemeinschaft führt zu Konflikten, die sich mörderisch steigern, als sich Geister einschalten und deutlich machen, dass nur eine Familie besagtes Haus wird verlassen dürfen … – Mischung aus Grusel- und Psycho-Thriller, die spannend den Zerfall ohnehin imaginärer Familienwerte beschreibt; das zentrale Rätsel findet wie so oft nur eine bedingt gelungene Auflösung: trotzdem eine angenehme Abwechslung zum üblichen Spuk-Eintopf.

[md]

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