House of Good & Evil – Das Böse stirbt nie

Originaltitel: House of Good and Evil (USA 2013)
Regie: David Mun
Drehbuch: Blu de Golyer
Kamera: Jared Noe
Schnitt: Dan Graham u. David Mun
Musik: Austin Creek
Darsteller: Rachel Marie Lewis (Maggie Conley), Christian Oliver (Chris Conley), Marietta Marich (Mrs. Anderson), Jordan Rhodes (Mr. Anderson), Rob Neukirch (Rob Bradley), Bo Keister (Sheriff Hanituski), Blu de Golyer (Deputy Gardner) u. a.
Label/Vertrieb: Great Movies
Erscheinungsdatum: 06.12.2013
EAN: 4051238020120 (DVD)/4051238020137 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 104 min. (Blu-ray: 108 min.)
FSK: 18

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Das geschieht:

Feuerwehrmann Chris und Künstlerin Maggie führen eine verhängnisvoll turbulente Ehe. Er ist jähzornig und liebt den Alkohol, sie ist launisch und unzufrieden. Einer der lustvoll zelebrierten Streitkämpfe endet tragisch: Maggie, im achten Monat schwanger, verliert nach einem Sturz das gemeinsame Kind.

Der Schock sitzt tief. Das Paar sucht den Neuanfang. Zumindest der Ortswechsel gelingt: Die Conleys verlassen die Stadt und kaufen ein Haus irgendwo in der Waldwildnis des US-Staates Virginia. Der Makler konnte ihnen ein günstiges Angebot machen, denn die Bank hat die ursprüngliche Eigentümerin verjagt. Sie hatte ihr Heim in ein Mietshaus verwandelt, indem sie eine Wand einziehen ließ, die das Gebäude in zwei Hälften teilt. Doch Mr. und Mrs. Anderson werden bald ausziehen; sie sind alt und wollen sich in Florida niederlassen.

Die nie wirklich bewältigten Probleme sind mit den Conleys umgezogen. Chris saugt schon am ersten Abend wieder kräftig an seinem Flachmann, und Maggie macht ihm heftige Vorwürfe. Außerdem ist das Haus ohne Telefonanschluss, den Strom liefert eher unwillig ein alter Generator. Die Umgebung ist nur bei Sonnenlicht hübsch, wie Maggie schnell feststellt, als Chris zu einem mehrtägigen Löscheinsatz abkommandiert wird und sie allein zurücklässt.

In der Nachbarwohnung schrillt ständig ein Telefon. In der Nacht ist Kindergeschrei zu hören. Obwohl Maggie die Andersons mehrfach streiten hört, rührt sich auf ihr Klopfen nichts. Im Wald rumort es unheilvoll. Als Maggie endlich ihre Nachbarn kennenlernt, ist dies kein Grund zur Erleichterung: Mr. Anderson entpuppt sich als unheimlicher, schleimiger Widerling, der seine Frau zu schlagen scheint. Bald ist Maggie Gefangene einer Ereigniskette, die Vergangenheit und Gegenwart, Realität und Einbildung zu einem Knoten schürzt, der nur mit Gewalt und entsetzlichen Folgen durchtrennt werden kann …

Das Unglück als treuer Begleiter

Es ist eine bekannte Wunschvorstellung: Eine schmerzhafte Erfahrung lasse ich buchstäblich hinter mir, indem ich den Ort, an dem ich sie machen musste, verlasse und an anderer, ‚sauberer‘ Stätte neu anfange. So einfach ist es leider nicht: Probleme gilt es vor Ort zu bewältigen und zu verarbeiten, ansonsten nimmt man sie mit, wohin man auch geht. Übel kann dies enden, wenn man nun dort lebt, wo es keine Ablenkung gibt. Man wird mit sich selbst konfrontiert. Die alten Probleme tauchen erfrischt aus dem Unterbewusstsein auf und bringen sich nachhaltig in Erinnerung.

Diese Erkenntnis kann nicht nur bitter sein, sondern auch tragische Folgen nach sich ziehen. „House of Good & Evil“ erzählt eine solche Geschichte, wobei Drehbuch und Regie sich erfolgreich zusammentun, um sie in eine rätselhafte, bitterböse Spiralfahrt in die Abgründe der menschlichen Seele zu verwandeln.

Dass der Neubeginn scheitern wird, ist dem Zuschauer anders als den Conleys von Anfang an klar. Schon nach wenigen Filmminuten zeigt der ohnehin mühsam gewahrte Burgfriede tiefe Risse. Die Conleys machen sich etwas vor. Maggie hat weder den Tod ihres Kindes verwunden, noch kann sie Chris, den sie dafür verantwortlich macht, verzeihen. Chris ist sich dessen bewusst, will es aber verdrängen. Dabei hilft scheinbar der Alkohol, der mitschuldig an der Tragödie war.

Die Bühne steht bereit

Der Umzug wird zur Flucht, die an einen Ort führt, der sich verhängnisvoll perfekt eignet, um grübeln & brütend im eigenen Seelensaft zu schmoren. Das Haus im Wald sieht aus einiger Entfernung hell und freundlich aus. Doch es ist kein glücklicher Ort; die Eigentümerin musste es verlassen, und es wird durch eine seltsame Wand geteilt. Die Abgeschiedenheit bekommt den beiden Neuankömmlingen nicht. Sie fallen in alte Verhaltensmuster zurück, die in dieser Umgebung ein unkontrollierbares Eigenleben entwickeln.

In der zweiten Filmhälfte scheint uns Regisseur David Mun eine bekannte Geschichte zu erzählen: Im Haus geht Unheimliches vor, wobei nur Maggie es registriert. Wenn es in der Nacht mächtig umgeht, liegt Chris schnarchend im Bett und lässt sich weder durch Zurufe noch durch Rippenstöße wecken, weshalb stets Maggie allein dem Spuk auf die Grund gehen muss. Chris wird erst wieder wach, wenn sich die Geister verzogen haben. Beweislos bleibt Maggie zurück, die frustriert ihrem Zorn Ausdruck verleiht und sich damit erst recht verdächtig macht, unter einem Riss in der Hirnwaffel zu leiden.

Aus diesem Grund ist Maggie auch den Spielchen der Andersons ausgeliefert, die sich ausschließlich ihr offenbaren. Chris muss außer Haus seinem Job nachgehen, doch Maggie hält dies für einen Vorwand. Geht Chris etwa zu allem Überfluss fremd? Lässt er sich zwischendurch sehen, bricht sofort heftiger Streit aus, bis Chris wieder die Hand ausrutscht. Damit ist der Startschuss für das nicht große, sondern nur grausame Finale gegeben.

Die Geschichte hinter der Geschichte

Tatsächlich geschieht etwas gänzlich anderes. Was wir dank Regisseur Mun durch Maggies Augen sehen, ist nur eine Interpretation der Realität. Worum es geht, soll an dieser Stelle nicht verraten werden, da die Offenbarung der Wahrheit eine tragische aber dramaturgisch gelungene Auflösung darstellt.

Vor allem erklären sich nachträglich Handlungselemente, die den Zuschauer die Stirn runzeln ließen, weil sie auf eine schlampige Inszenierung zurückzugehen schienen. Das trifft ganz und gar nicht zu; sämtliche Rätsel werden gelöst, und die bisher losen Steinchen fallen an die für sie vorgesehenen Stellen des Mosaiks. Die Handlung stellt sich plötzlich aus einer neuen Perspektive dar. Der Zuschauer erkennt außerdem erstaunt, wie früh sich Realität und Handlung voneinander getrennt haben.

Die Kritik ist mit „House of Good & Evil“ mehrheitlich unfreundlich umgesprungen. In der Tat begehen Regisseur und Drehbuchautor Fehler. So manche Unheimlichkeit ereignet sich um des Gruseleffektes wegen und findet auch nachträglich keine zufriedenstellende Erklärung. Zudem muss Drehbuchautor de Golyer manchmal allzu dreist tricksen, um das Publikum weiterhin an der Nase herumzuführen. (Rätselhaft bleibt übrigens auch die deutsche „FSK-18“-Einstufung, da dieser Film spritzblutarm abläuft.)

Dennoch funktioniert „House of Good & Evil“ letztlich so gut, dass die Vehemenz der Ablehnung überrascht: Es gibt mehr als genug Filme, die ihre Story wirklich in den Sand setzen – etwas, das hier eben nicht geschieht. Womöglich liegt es an einer ungeschickten Vermarktung. „House of Good & Evil“ ist kein Horrorfilm, sondern ein Psycho-Thriller. Das Übernatürliche ist Ausfluss eines Menschenhirns und Ausdruck einer gestörten Wahrnehmung. Auf diesem Niveau sorgt David Mun ungeachtet aller Gemächlichkeit systematisch für Spannung.

Beinahe allein im Wald

Das Wohl oder Wehe von „House of Good & Evil“ hängt an den Darstellern. Dies ist kein Film, der mit Effekten aufwartet oder Action bietet. Stattdessen arbeitet er mit Symbolen und Andeutungen. Dies erfordert die Story, die wiederum vom Budget mitbestimmt wurde: Für „House of Good & Evil“ stand nur eine niedrige sechsstellige Produktionssumme zur Verfügung.

Gedreht wurde in dem winzigen Dorf Floyd im US-Staat Virginia (ca. 450 Einwohner) und dort in einer 1914 errichteten ehemaligen Internatsschule. Die Schauspieler brachten viel Liebe zum Metier sowie Leidensbereitschaft mit; so musste Rachel Marie Lewis mit einer Unterkühlung aus jenem Fluss geborgen werden, in dem sie sich drehbuchgerecht so lange treiben ließ, bis Regisseur Mun endlich zufrieden war.

Generell kann Mun seiner Hauptdarstellerin dankbar sein. Lewis ist erschreckend glaubhaft in ihrer Rolle. Ebenso sympathisch wie neurotisch kann sie in einem Moment Mitleid erregen und im Nächsten erschrecken. Ihre Maggie Conley ist keine eindimensionale Identifikationsgestalt nach gängigen Hollywood-Klischees, sondern vielschichtig auf eine düstere Art, die sich nach und nach über das Geschehen legt.

Für Christian Oliver bleibt die zunächst undankbare Rolle des schwachen, reizbaren Gatten. Einmal mehr gilt es rückblickend zu relativieren, da wir nur selten den ‚echten“, sondern den von Maggie projizierten Chris Conley erleben. Nichtsdestotrotz vermag Oliver deutlich zu machen, dass er als ‚böser‘ Ehemann auf verlorenem Posten steht. Die Beziehung, die er durchaus ehrlich zu kitten versucht, ist längst tot.

Eine kleine aber wichtige Rolle spielt Rob Neukirch als Makler Bradley. Er bringt die Handlung im Finale in die Realität zurück. Dabei übernimmt er gleichzeitig die Rolle des entsetzten Zuschauers, vor dessen Auge sich Stück für Stück enthüllt, was faktisch geschehen – oder eben nicht geschehen – ist.

Die Umsetzung ist konventionell aber solide, die Auflösung nicht neu. Sie ist aber stimmig und gibt dem Geschehen einen Sinn. „House of Good & Evil“ wird dadurch nicht zum verkannten Meisterwerk. Ganz sicher verdient dieser Film aber nicht die kollektiv nach unten gedrehten Daumen, mit denen ihn seine Kritiker verurteilen.

DVD-Features

Weder der DVD noch der Blu-ray wurde Hintergrundmaterial aufgespielt.

Kurzinfo für Ungeduldige: Maggie und Chris suchen den Neuanfang auf dem Land. Doch ihre Konflikte reisen mit, das neue Haus liegt einsam, und Chris ist oft auswärts, was die allein zurückbleibende Maggie geistig nicht gut verkraftet …  – Was von der Werbung ungeschickt als Horrorfilm vermarktet wird, ist letztlich ein Psychothriller, der nur scheinbar ereignisarm eine düstere Reise in den Wahnsinn beschreibt: sparsam in Szene gesetzt aber spannend.

[md]

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