Husk – Erntezeit!

Originaltitel: Husk (USA 2011)
Regie u. Drehbuch: Brett Simmons
Kamera: Marco Fargnoli
Schnitt: William Yeh
Musik: Bobby Tahouri
Darsteller: Devon Graye (Scott), Wes Chatham (Brian), C. J. Thomason (Chris), Tammin Sursok (Natalie), Ben Easter (Johnny), Joshua Skipworth (Corey), Nick Toussaint (Alex), Michael Cornelison (Farmer Comstock), Aaron Harpold (Autofahrer), Candice Maria Rose (Frau)
Label: Senator Home Entertainment
Vertrieb: Universum Film
Erscheinungsdatum: 23.09.2011 (DVD/Blu-ray)
EAN: 0886979269897 (DVD) bzw. 0886979269996 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 80 min. (Blu-ray: 84 min.)
FSK: 16

Titel bei Libri.de (DVD)
Titel bei Libri.de (Blu-ray)

Das geschieht:

Fünf Freunde möchten irgendwo im ländlichen US-Staat Iowa ein beschauliches Urlaubs-Wochenende verbringen. Die Fahrt zum Ziel führt über abgelegene Straßen, die von riesigen Maisfeldern eingerahmt werden. An einer besonders einsamen Stelle stürzen sich plötzlich Krähen vor den Wagen, an dessen Windschutzscheibe sie platzen und den erschrockenen Fahrer Chris das Lenkrad gen Straßengraben drehen lassen.

Als sich der Schrecken gelegt hat, ist das Auto Schrott und Kumpel Johnny spurlos verschwunden. Hat er versucht, eine alte Farm zu erreichen, die irgendwo hinter dem Feld aufragt? Brian und Scott wollen jedenfalls dorthin, um Hilfe zu holen, während Chris und Natalie beim Wrack bleiben.

Die Farm ist verlassen und wirkt nicht freundlicher, als Brian und Scott im Obergeschoss auf den offensichtlich toten Johnny treffen, der an einer Nähmaschine sitzt und aus einem alten Sack eine Maske schneidert. In dem Maisfeld hängen und liegen überall Vogelscheuchen, die bei näherer Betrachtung erschreckend menschlich wirken. Dies findet auch Natalie, die von einer dieser Scheuchen ins Feld gelockt, gepackt und verschleppt wird. Chris folgt ihr, um zu helfen – und tappt als letzter Pechvogel in eine gut geölte Menschenfalle.

Denn in dem alten Farmhaus geht es um, seit dort vor vielen Jahren der irre Corey seinen Bruder Nick mit einer Mistgabel erstochen und als Vogelscheuche aufgehängt hat. Nick kehrte als Geist zurück und meuchelt Unglücksraben, die es in ‚sein‘ Feld und auf die Farm verschlägt. Er fährt in ihre toten Körper, von denen er einen möglichst großen Vorrat anlegt, denn fällt eine Leiche aus, ‚springt‘ er in die nächste. Fünf jugendlich starke Körper üben einen unwiderstehlichen Reiz auf den spukenden Nick aus, der fest entschlossen ist, keines seiner Opfer entrinnen zu lassen …

Horror, trocken wie erntereifer Mais

Der beste Einfall floss in den Titel ein: „Husk“ bezeichnet jene Hülse, in der ein Maiskolben steckt, bevor er reif wird. In Hülsen verwandeln sich außerdem die vom Pech sowie vom bösen Geist des Maisfelds verfolgten Touristen, in deren Leichen dieser fahren und weiteres Unheil stiften kann.

Regisseur und Drehbuchautor Brett Simmons ist zu wünschen, dass er genug Zuschauer findet, die sich in der Landwirtschaft auskennen bzw. den Schlaf vor dem Bildschirm so lange abwehren können, bis sie den wortwitzigen Geistesblitz mit den Geister-Hülsen erkennen und würdigen. Vor allem letzteres wird sich zu einem Kampf entwickeln, der es an Heftigkeit mit den Attacken besagten Mais-Geistes spielend aufnehmen kann.

Womit umschrieben ist, was in klare Worte gekleidet so klingt: „Husk“ ist als Horrorfilm absolutes Mittelmaß. Dies ist als Urteil sogar schlimmer als ein senkrecht nach unten gerichteter Daumen. Ein richtig miserabler Film kann sich durchaus in das Gedächtnis seines gepeinigten Publikums einbrennen. „Husk“ gelingt nicht einmal das. Die Handlung läuft einfach ab. Selbst wenn sich der Schlaf schon nach dem ersten Drittel einstellt, kann der auf solche Weise glücklich Entkommene sie später problemlos rekonstruieren.

Unübersichtlichkeit als Element der Spannung

Dabei beginnt es zwar verdächtig klassisch aber durchaus viel versprechend. Fünf Twentysomethings stranden im ländlichen Iowa. Da dies ‚zufällig‘ in einem Funkloch geschieht, ist an Rettung per Handy nicht zu denken. Der Unfallort wirkt trügerisch harmlos, denn ringherum erstrecken sich gewaltige Maisfelder, die vermutlich bis zum Horizont reichen, wenn man ihn denn erkennen könnte: Die Pflanzen sind höher gewachsen als unsere Protagonisten, deren Rundumsicht deshalb – wie ihre Handlungsintelligenz, aber dazu kommen wir später – arg beschränkt ist.

So ein Maisfeld ist als Kulisse erfreulich kostengünstig und trotzdem wirkungsvoll. Schon nach wenigen Schritten findet sich der Eindringling in einem staubigen, raschelnden, dämmerlichtigen Nutzpflanzen-Dschungel wieder, dessen gerade gesetzten Reihen die Orientierungsprobleme eher erhöhen: Alles sieht gleich aus. Im Bund mit dem Wind simuliert der trockene Mais eindrucksvoll schleichende Schritte aus dem Hinterhalt.

Blöd nur, dass die daraus destillierbaren Spannungsmomente bereits sämtlich x-fach zum Filmeinsatz kamen. Obwohl sich Kameramann Marco Fargnoli mächtig ins Zeug legt, wähnt sich der Zuschauer im üblichen „Kinder-des-Zorns“-Spektakel. Siehe da, es naht tatsächlich jene böse Vogelscheuche, die offenbar in mindestens jedem zweiten US-Maisfeld auf Menschenbeute lauert, statt hungrige Krähen zu verschrecken.

Eine Blut-&-Boden-Geistergeschichte

Wie der Geist ins Maisfeld kam, ‚erklärt‘ uns ein Gemisch aus ruraler Historie und trivialisierten Mythen. Heute wird Landwirtschaft in den USA vor allem industriell betrieben, doch lange ist es noch nicht her, dass vom Ertrag eines Feldes die Existenz einer Familie abhing. Der Mais musste wachsen und bis zur Ernte um jeden Preis vor Ungeziefer, Unwetter oder Trockenheit gerettet werden – Faktoren, die der Farmer nur bedingt kontrollieren konnte. Hoffnungen und Ängste flossen in inbrünstige Gebete und heimliche Versprechen an Gott, deren Erfüllung mit einer erfolgreichen Ernte verknüpft wurde. Im Horror-Genre wird dieses Schraube einige Umdrehungen weitergedreht: Was, wenn nicht Gott, sondern der Teufel für pralle Feldfrüchte sorgt und sich dabei zuverlässig zeigt? Wie weit würden Farmer – zumal nach einigen harten Jahren – dann in Sachen Bezahlung gehen?

„Husk“ fügt dem ein zweites Element zu. Der Feld bzw. der Boden ist ‚lebendig‘. Als das Blut des gemordeten Bruders (!) in die Erde rinnt, werden dabei deren mythischen Kräfte freigesetzt. Alex wird zum Geist und zur Vogelscheuche, die Corey aus ihm gemacht hatte. So lange er den Boden des Feldes nicht verlässt, kann er spuken, wobei dies keineswegs auf die Nacht beschränkt ist. Streckt man ihn nieder, saust er in die nächste Leiche.

Logik ist was für Weicheier!

Klingt kompliziert und wirkt in Simmons‘ Inszenierung auch so. Oder liegt es daran, dass der Weg zur finalen Auflösung aufgrund bodenloser Logiklöcher praktisch ungangbar ist? Die offensichtliche Dämlichkeit, zu der ein primär auf den Buh!-Effekt gebürstetes Drehbuch die Darsteller zwingt, lässt im Zuschauer echtes Mitleid aufkommen. Man möchte den in hirnlosen Aktivismen gefangenen Protagonisten Tipps (und dem Regisseur Fragen) zurufen:

– Wenn eine neue ‚Hülse‘ sich erst eine Vogelscheuchen-Maske nähen muss, bevor sie sich in einen Killer verwandelt, wieso packt ihr sie dann nicht, wenn sie an der Maschine sitzt?
– Wieso tröpfelt ihr eine kilometerlange Benzinspur durch das Maisfeld, wenn ihr das Farmhaus direkt in Brand stecken könnt?
– Wie kommen die Krähen ins Spiel, die selbstmörderisch für frisches Geisterfutter sorgen, deren Verbindung zum toten Alex jedoch nie geklärt wird?
– Warum hat nur – oder ausgerechnet – Scott Visionen, die ihm die Ereignisse vor Augen führen, die im aktuellen Farm-Spuk mündeten?

Eine Vision aber wenig Ahnung

Und wozu, Mr. Simmons, haben sie Ihre Story einer Generalprobe unterzogen, ohne sie anschließend in Form zu bringen? „Husk“ existiert auch als 2005 von Simmons inszenierter Kurzfilm. Dieser wurde leider nicht der aktuellen DVD oder Blu-ray als Extra aufgespielt, sodass Vergleiche  nicht möglich sind. (Schenkt man denjenigen Kritikern Glauben, die diese Kurzfassung gesehen haben, ist sie auch nicht besser geraten.)

Wie schon erwähnt (oder beklagt), vernachlässigt Simmons die innere Logik jederzeit zugunsten äußerlicher Effekte. Er kann dabei auf einen Kameramann zählen, der aus den nicht gerade abwechslungsreichen Kulissen das Mögliche herausholt und auch mit Licht & Schatten umzugehen weiß. Eine lobende Erwähnung verdienen auch die Kulissenbauer, die mit großem Geschick die Comstock-Farm als verkommene, schimmelige, staubige Ruine präsentieren, deren Anblick allein Ekelschauer auslöst.

Fünf Freunde in Not

Während Marco Fargnoli sich wenigstens an seiner Kamera festhalten kann, treiben die Darsteller hilflos durch die Untiefen dieser trüben Geschichte. Erwartungsgemäß hat sich Simmons nicht allzu intensiv mit der Figurenzeichnung beschäftigt, sondern bemüht einschlägige Klischees. Irgendwie wirken unsere Urlauber, als ob sie sich in einer „Texas-Chainsaw-Massacre“-Fortsetzung wähnen. Vor allem Tammin Sursok sieht aus wie eine Schwester von Jessica Biel.

Ansonsten haben wir den starken Mann, den Feigling, den Nerd – original mit Riesenrad-Brille – und den armen Johnny, der gar keine Eigenschaften hat, weil es ihn schon nach wenigen Filmminuten erwischt. Ungelenk experimentiert Simmons mit einigen Charakterschwankungen. So legt ausgerechnet der schlappe Scott Rückgrat an den Tag, während der feige Chris im Finale plötzlich zum tragischen Helden mutiert. Überzeugend ist dies nicht, aber es hilft dabei, den Figuren keinerlei Sympathie entgegenzubringen.

Wenigstens ist der Spuk nach 80 Minuten vorüber, wobei Simmons selbstverständlich auf einen ‚überraschenden‘ Finalgag nicht verzichtet und ihn – ebenso selbstverständlich – vergeigt. So bleibt „Husk“ – wir bleiben im Bild – eine weitgehend leere Hülse, die spätestens im Gang der Filmgeschichte erbarmungsfrei und spurlos untergepflügt wird.

DVD-Features

„Husk“ ist in seiner deutschen Inkarnation eine „Unter-ferner-liefen“-Produktion. Es gibt keine Untertitel, und die Extras beschränken sich auf einen kurzen Blick hinter die Kulissen.

Wenigstens lassen Bild- und Tonqualität keine Klagen aufkommen. Und dass auf dem Cover das unerhört ‚originelle‘ Prädikat „Torture Corn“ auftaucht, ist nicht Brett Simmons vorzuwerfen. Seine Metzel-Szenen sind milde, und gefoltert werden höchstens Zuschauer, die Ansprüche an ihre Unterhaltungsfilme stellen.

[md]

Titel bei Libri.de (DVD)
Titel bei Libri.de (Blu-ray)