Ich werde immer wissen, was du letzten Sommer getan hast

Originaltitel: I’ll Always Know What You Did Last Summer (USA 2006)
Regie: Sylvain White
Drehbuch: Michael D. Weiss
Kamera: Stephen M. Katz
Schnitt: David Checel
Musik: Justin Burnett
Darsteller: Brooke Nevin (Amber Williams), David Paetkau (Colby Patterson), Torrey DeVitto (Zoe), Ben Easter (Lance), Seth Packard (Roger), Michael Flynn (Sheriff Davis), K. C. Clyde (Hilfssheriff Hafner), Clay Taylor (P. J. Davis), Don Shanks (Fischer) uva.
Label u. Vertrieb: Sony Pictures Home Entertainment (www.sphe.de)
Erscheinungsdatum: 21.11.2006 (Kauf-DVD)
EAN: 4030521338494 (Kauf-DVD)
Bildformat: 16 : 9 (1,85 : 1   anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch, Spanisch)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Spanisch, Türkisch, Portugiesisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 89 min.
FSK: 18/keine Jugendfreigabe

Das geschieht:

Broken Ridge ist ein ödes Nest irgendwo in den hügeligen Weiten des US-Staats Colorado. Bevor Kunst-Fotografin Amber, ihr Lover Colby, die Nachwuchs-Sängerin Zoe, Kumpel Roger und Surfbold P. J. in die weite Welt hinausziehen, wollen sie sich mit einem Knalleffekt verabschieden. Der aufwändig inszenierte Streich, den eine spektakuläre Mordserie inspirierte – ein Killer in der Maske eines Fischers metzelte anderenorts vor Jahren diverse Teenies nieder -, nimmt allerdings ein unglückliches Ende, das P. J. sein Leben kostet. Seine Freunde, die Verdruss und Strafe scheuen – P. J. war der Sohn des Sheriffs! -, schwören einander ewiges Schweigen. Der Mörder, den es nie gab, kann nicht gefasst und der Fall muss zu den Akten gelegt werden.

Ein Jahr später hat das dunkle Geheimnis die Freundschaft zerstört. Man geht einander aus dem Weg. Zufällig naht der Jahrestag des Unfalls, als Amber Broken Ridge einen Besuch abstattet. Kurz darauf findet sie auf ihrem Handy gleich 50-fach folgende anonyme Nachricht: „Ich weiß, was ihr letzten Sommer getan habt!“

Um zu klären, wer ihnen mit Verrat und Rache droht, raufen sich Amber, Colby und Zoe wohl oder übel wieder zusammen. Roger ist allerdings wunderlich geworden und hat sich auf einen Hügel zurückgezogen, wo er in einer Sesselliftstation haust. Dort finden die Freunde ihn auch – zerfleischt und verblutet.

Während die wie üblich begriffsstutzige Polizei Selbstmord vermutet, sehen die überlebenden Drei sich mit einer vermummten Gestalt konfrontiert: Der „Fischer“ ist zurück und fordert mordend Vergeltung. Wer verbirgt sich hinter der Maske? P. J., der womöglich überlebt hat? Sein wütender Vater? Neffe Lance? Hilfssheriff Hafner? Die Liste der Verdächtigen ist lang, während die Zahl der Verfolgten rapide abnimmt …

Langer Titel – kurze Story

Nicht manchmal, sondern garantiert kommen sie wieder – jene Filmstoffe nämlich, die im Kino und/oder als DVD/Blu-Ray erfolgreich waren, wobei Erfolg nie durch Qualität, sondern ausschließlich durch die Höhe der eingespielten Geldsumme definiert wird. Dass in der Tat noch die dümmste Story aus der Mottenkiste geholt wird, wenn die Rechnung buchstäblich aufgeht, demonstriert die Existenz dieses merkwürdigen Streifens, dessen Bemerkenswertigkeit sich in der grotesken Länge seines Titels erschöpft.

Die Geschichte vom Fischer Ben Willis, dem gedankenlose Teenager übel mitgespielt hatten und der sich dafür bitter bzw. blutig rächte, hatte ihr logisches Ende schon im Finale des Originalfilms „I Know What You Did Last Summer“ (dt. „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“) gefunden. Der mit  diversen Jungdarstellern im Karriere-Aufwind besetzte und von der einstigen Horrorfilm-Hoffnung Kevin Williamson in ein solides Drehbuch gefasste Slasher wurde zum Überraschungs-Blockbuster des Jahres 1997 und spielte bei einem Budget von 17 Mio. Dollar weltweit mehr als 125 Mio. Dollar ein.

Diesen Erfolg konnte der unvermeidliche und 1998 hastig heruntergekurbelte Nachzieher „I Still Know What You Did Last Summer“ (dt. „Ich weiß noch immer, was du letzten Sommer getan hast“) verdientermaßen nicht annähernd wiederholen. Damit war eigentlich zu erwarten, dass der Fischer endgültig in den ewigen Meeresgründen ruhte. Aber der Horrorfilm ist ein unberechenbares Genre. Im 21. Jahrhundert werden ad acta gelegte Storys der Vergangenheit wiederbelebt und entweder direkt fortgesetzt oder als Remake einfach neu verfilmt. Interessant ist, wie tief dabei der Bodensatz aufgewühlt wird.

Mit Minimal-Budget und dem falschen Versprechung eines spannenden Metzel-Thrillers lockte ein geldgieriges „Last-Summer“-Franchise 2006 für das hoffentlich reichlich zahlende Publikum den Fischer aus seinem feuchten Grab, ernannte ihn kurzerhand zur Kult-Figur à la Michael Myers oder Jason Vorhees und versuchte sich dreist in der Etablierung einer weiteren einträglichen Schema-F-Serie. Da „I’ll Always Know …“ direkt für den Videomarkt entstand, hielt sich das Risiko in Grenzen.

Am Haken fauler Geschäftemacher

Einem ungleich höheren Risiko sieht sich der Zuschauer ausgesetzt, wenn er erwartet, unterhalten zu werden, denn dieser Faktor ist dem Franchise-Gedanken höchstens sekundär. Das erkennt man bereits an der Unverfrorenheit, den Fischer ausgerechnet in Colorado auftauchen zu lassen: Dieser US-Staat liegt ziemlich genau in der Mitte des nordamerikanischen Kontinents und ist viele, viele Meilen von jedem Meer oder See entfernt. (Abgesehen davon wurde „I’ll Always Know …“ nicht in Colorado, sondern im Mormonen-Staat Utah gedreht. Apropos: Wieso wählt man als Drehstätte einen Wintersportort wie Park City, um dann ausgerechnet im Sommer zu filmen …?)

Der Fischer wird zum „urbanen Mythos“ umgedeutet. Nicht mehr schnöde Rache lässt Ben Willis umgehen – er ist jetzt ein Spukbold mit Auftrag: Wer sich in jungen Jahren schlecht benimmt und anschließend vor der gerechten Strafe drückt, beschwört ihn aus dem  Geisterreich herauf. Wem er dann im Nacken sitzt, ist verflucht. Späte Reue ist zwecklos; eine Entscheidung des Schicksals, dem „I’ll Always Know …“ auch seinen niederschmetternd blöden Schlussgag verdankt.

Der wiederum eine Fortsetzung androht – aber Halt: Schon „I’ll Always Know …“ ist ja im Grunde keine Fortsetzung, sondern eine Kopie. Der Ursprung der „Fischer“-Legende und damit die Existenz der ersten beiden „Last-Summer“-Filme wird ebenso plump wie werbewirksam von der Handlung aufgegriffen. Ansonsten ist „I’ll Always Know …“ – klang dies schon an …? – ein stereotyper Slasher: Hübsche Teenies werden auf unterhaltsam bizarre Weise abgeschlachtet.

Wobei dies auf denkbar dezente Weise geschieht. Wieso dieses matte Metzel-Movie keine Jugendfreigabe erhielt, ist rätselhaft. Hier geschieht rein gar nichts Grässliches (wenn man die grobe Machart des Streifens einmal ausklammert), womit ein zentrales Lockmittel für einschlägig gepolte Zuschauer bereits ausfällt.

Auch Sex findet nicht statt; alle Busen bleiben bedeckt, aber es gibt eine Szene mit dem oberkörperfreien Colby in Badeschlappen, was eventuell das weibliche Publikum bezaubert. Für Ausgleich sollen endlose Aufnahmen eines angeblichen Talentwettbewerbs sorgen, an dem offensichtlich nur grottenschlechte Musik-Clowns teilnehmen durften.

Ob Regisseur Sylvain White (der sich als Drehbuchautor des ungleich besser geratenen Thrillers „Walled In“ 2009 rehabilitieren konnte) sein Bestes versucht hat, aus der kläglichen Grundidee, dem kümmerlichen Budget und den wenig inspirierten Darstellern (dazu gleich mehr) das möglichst Beste herauszuholen, muss als Frage offen bleiben. Das Heft hat stattdessen Kameramann Stephen Katz übernommen, der sein Arbeitsgerät wie entfesselt zoomen, springen und wirbeln lässt, um eine Handlungsdynamik vorzutäuschen, die nicht existiert, denn „I’ll Always Know …“ ist eine erschütternd statische Angelegenheit.

Die Verdammten dieser (Film-) Erde

Für den dritten Teil eines siechenden Filmreihe werden selbstverständliche keine Schauspieler wie Sarah Michelle Gellar oder Jennifer Love Hewitt angeheuert. Brooke Nevin weist als Amber immerhin die fuchshaften Gesichtszüge der beiden „Last-Summer“-Veteraninnen auf. Ansonsten gibt sie die früh gereifte, Karriere, Ehe und Familienleben bereits fest ins Auge fassende, aber (deshalb?) stets langweilig und verdrossen wirkende Heldin. Die einzige Kante in der stromlinienförmigen Persönlichkeit dieser Amber bildet die Bereitwilligkeit, die Mitverantwortung am Tod des Freundes zu vertuschen.

Die aparte und wesentlich anziehender wirkende Torrey DeVitto ist schwarzhaarig und schon deshalb doppelt verflucht: Sie darf nur eine Nebenrolle spielen und muss ins Gras beißen. Zuvor muss sie es wider Erwarten nicht mit einem der männlichen Darsteller treiben, denn so abgelegen liegt sogar Broken Ridge nicht, dass eine junge Frau auf Kandidaten wie den ebenso grausig blondierten wie strunzblöden Colby, den hohlköpfigen Roger oder den langweiligen Lance angewiesen wäre. (Muss dreimal geraten werden, wer aus diesem Trio überlebt und – Strafe muss sein – die blonde Amber am Hals hat?)

Dass sämtliche Teenie-Darsteller für ihre Rollen mindestens fünf Jahre zu alt sind und das überdeutlich zu erkennen ist, darf man nicht ihnen anlasten. „I’ll Always Know …“ is das filmische Pendant zu einem Fließband-Produkt: Auf die frist- und budgetgerechte Fertigstellung kommt es an. Also mimen alle Beteiligten, wozu sie das saft- und kraftlose Drehbuch verdammt, und begeben sich ohne Murren und zielgenau in jene einsamen und dunklen Ecken, die ein mit Hirn begabtes potenzielles Mordopfer tunlichst meiden würde, bevor die Karawane zum nächsten B-Movie oder zur nächsten TV-Episode weiterzieht. Dort werden wir, die wider besseres Wissen immer wieder auf überflüssige Filme wie diesen hereinfallen, sie zweifellos erneut treffen …

DVD-Features

Als kalt konstruierte und kalkulierte Konfektions-Ware kommt „I’ll Always Know …“ erstaunlich bild- und tonsicher daher. Auch das Beiwerk überrascht. Mit dem Trailer zum Hauptfilm war zu rechnen. Darüber hinaus gibt es ein knapp 27-minütiges „Making of“ (auch wenn sich dessen Aussagekraft in Grenzen hält und die übliche „Alles toll, alle Freunde“-Stimmung verbreitet wird) sowie – man lese und staune – einen Regiekommentar. Leider weiß Mr. White nicht, was er uns sagen möchte oder könnte, weshalb er einfach beschreibt, was wir ohnehin sehen (müssen).

[md]

Titel bei Amazon.de:
Ich werde immer wissen, was du letzten Sommer getan hast