Intruders – Sie sind das, was du fürchtest

Originaltitel: Intruders (GB/ES 2011)
Regie: Juan Carlos Fresnadillo
Drehbuch: Nicolás Casariego u. Jaime Marques
Kamera: Enrique Chediak
Schnitt: Nacho Ruiz Capillas
Musik: Roque Baños
Darsteller: Clive Owen (John Farrow), Carice van Houten (Susanna Farrow), Ella Purnell (Mia Farrow), Pilar López de Ayala (Luisa), Izán Corchero (Juan), Kerry Fox (Dr. Rachel), Daniel Brühl (Vater Antonio), Héctor Alterio (alter Priester), Adrian Rawlins (Inspektor) u. a.
Label/Vertrieb: Universal Pictures Germany
Erscheinungsdatum: 24.05.2012
EAN: 5050582890501(DVD) bzw. 5050582890502 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Dänisch, Finnisch, Norwegisch, Schwedisch, Türkisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 96 min. (Blu-ray: 100 min.)
FSK: 16

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Das geschieht:

Der eine lebt in Madrid, die andere in London. Beide wissen nicht voneinander, doch beide werden vom gleichen Schrecken verfolgt. In Spanien muss sich Juan, der allein mit seiner Mutter Luisa in einem durch Gerüste allzu zugänglichen Hochhaus lebt, in beinahe jeder Nacht der Attacken von „Schattengesicht“ erwehren. Das durch eine Kapuze unkenntliche Phantom war einst eine geisterhafte Präsenz, die Juan, der gern Gruselgeschichten erfindet und niederschreibt, aus dem Jenseits heraufbeschworen hat. Schattengesicht kam ohne Gesicht in diese Welt, weshalb er es auf Juan abgesehen hat. Bisher konnte dieser sich mit der Hilfe seiner Mutter zur Wehr setzen, doch Schattengesichts Übergriffe werden zunehmend brutaler.

In England ist es die zwölfjährige Mia, Tochter des Architekten John Farrow, die durch einen unglücklichen Zufall Schattengesichts Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Während Mutter Susanna skeptisch an Einbildung denkt, schenkt ihr Vater John, der eine engere Beziehung zu seiner Tochter hat, eher Glauben. Er sieht sich dramatisch bestätigt, als ihn Mias Hilferuhe eines Nachts in ihr Zimmer rufen, wo er sich Schattengesicht gegenübersieht, der ihn zusammenschlägt und flüchtet.

Die Polizei vermutet einen überraschten Einbrecher, und John lässt eine Alarmanlage und Kameras installieren. Mia, die der Schock buchstäblich die Sprache verschlagen hat, weiß es besser. In einer weiteren Nacht kehrt Schattengesicht zurück und kann gerade noch von John vertrieben werden. Doch die Kameras zeigen nur ihn, der gegen sich selbst kämpft. Eine Psychiaterin stellt eine Vater-Tochter-Psychose fest und drängt auf Therapie und zeitweilige Trennung von John und Mia. Als John das gemeinsame Heim verlässt, erinnert er sich dunkel eines alten Familiengeheimnisses, in dem Schattengesicht eine prominente Rolle spielt. Er sucht Antworten bei seinen Eltern, während Schattengesicht triumphiert: Niemand steht mehr zwischen ihm und seinem Opfer …

Kein Grusel von der Stange

„Intruders“ gehört zu jenen Filmen, die einem Rezensenten den Job nicht einfach machen. Daran sind weder inhaltliche noch formale Eskapaden schuld, die unter dem Begriff „Kunst“ zusammengefasst werden könnten, denn „Intruders“ erzählt keine besonders komplexe Geschichte. Dennoch gibt es einen Twist, auf den das Drehbuch entschieden hinarbeitet. Soll er dem angestrebten Effekt gerecht werden, muss er auf einen unvorbereiteten Zuschauer treffen, dem an dieser Stelle das daraus resultierende Vergnügen nicht genommen werden soll.

Allerdings ist es schrecklich schwierig, stets um den heißen Brei herumzureden. Dies gilt in diesem Fall erst recht, weil es außer dem erwähnten Twist wenig gibt, das „Intruder“ zu einem erinnerungswürdigen Filmerlebnis adeln könnte. Faktisch reiht sich Juan Carlos Fresnadillo in die lange Reihe von Regisseuren ein, die mit großem Aufwand eine Geschichte erzählen, die diesem Ehrgeiz nicht gewachsen ist.

Mit „Intacto“ hatte sich Fresnadillo 2001 einen Namen gemacht. Das eindrucksvolle Drama um geborene Glückspilze und Pechvögel ebnete ihm den Weg ins Mainstream-Horrorkino: 2007 gelang Fresnadillo mit „28 Weeks Later“ die sehenswerte Fortsetzung eines Films, der eigentlich keine Fortsetzung benötigte. Mit „Intruders“ nutzte Fresnadillo seine gefestigte Position, um auf einem höheren finanziellen Niveau wieder eigenständiger zu drehen. 13 Mio. Euro standen ihm zur Verfügung, was angesichts eines Plots, der Spezialeffekte integriert aber nicht ausstellt, eine Summe war, die sichtlich gutes Handwerk sowie das Engagement echter Schauspieler ermöglichte.

Schrecken auf zwei Ebenen

„Intruders“ ist deshalb ein Film, der zumindest das Auge durchweg zufriedenstellt. Licht und Schatten werden aufwändig und einfallsreich eingesetzt, die Kulissen sind großzügig, oft verlagert sich das Geschehen in Landschaften, die ausgiebig und mit beweglicher Kamera eingefangen werden.

Seiner spanischen Herkunft zollt Fresnadillo durch den Handlungsort Madrid Tribut. Allerdings fällt die ‚englische‘ Hälfte seiner Geschichte keineswegs ab, obwohl die Story die Internationalität keineswegs benötigt hätte. Hier macht sich wohl bemerkbar, dass Fresnadillo die Geldgeber beider Länder zufriedenstellen musste: Multinationale Produktionen geraten immer in Gefahr, zum „Euro-Pudding“ zu gerinnen.

Geschickt konzentriert sich Fresnadillo stattdessen auf die räumliche Entfernung zwischen Madrid und London, um des Zuschauers Neugier zu steigern: Wieso treibt „Schattengesicht“ sein Unwesen an zwei weit voneinander entfernten Orten? Die Erklärung ist ebenso simpel wie logisch, auch wenn man sich dies nach Enthüllung des Twists nachträglich zusammenreimen muss.

Spuk & Psyche

‚Guter‘ Spuk wurzelt nach Ansicht (allzu) ernsthafter Kritiker stets in der menschlichen Psyche. Dies berücksichtigt die Tatsache, dass es ‚reale‘ Geister nicht gibt. Man kann sie für den Film erschaffen, was allerdings nach Ansicht genannter Kritiker primär das Element der Unterhaltung fördert, das sie als profan verachten und ablehnen. Eine Spukgeschichte muss mit Hintersinn aufgeladen und damit aufgewertet werden.

Wenn es gelingt, muss man zugestehen, dass es fesselt. Freilich gelingt es selten. Auch Fresnadillo mischt seinem Drama deshalb ein gerütteltes Maß an Unterhaltung bei. Der Spuk ist bei ihm insofern ‚echt‘, als er durch die Augen von Kindern in die Welt tritt. In jungen Jahren ist die Grenze zwischen Fiktion und Realität noch durchlässig. Darüber hinaus ist vieles von dem, was für Spuk gehalten wird, eine Interpretation durch das kindliche Hirn, dem noch die Vergleichsmöglichkeiten fehlen, um nicht Verstandenes oder Bedrohliches zu interpretieren. (Ein Hintertürchen hält Fresnadillo sich offen: „Schattengesicht“ mag zumindest bei seinem neuerlichen Auftritt ein waschechter Geist gewesen sein. Die Entscheidung überlässt der Regisseur dem Zuschauer.)

Krisenhafte Erschütterungen in der Kinderwelt fördern entsprechende Erscheinungen. In dieser Hinsicht konfrontiert Fresnadillo sowohl Juan als auch Mia mit einschlägigen Unerfreulichkeiten. Beider Familienleben weist verdrängte Dysfunktionalitäten auf, die umso heftiger auf die Betroffenen zurückschlagen, wobei die Erwachsenen nicht ausgespart bleiben. In einer solchen von Unsicherheit und Furcht geprägten Atmosphäre gedeihen die Schattengesichter dieser Welt.

Die Folgen von Furcht

Fresnadillo wählte bewährte Schauspieler, die ihr Talent schon oft unter Beweis gestellt haben, ohne daraus Starruhm schlagen zu können (oder zu wollen). Die Handlung stellt Menschen in den Mittelpunkt, die überzeugend vermitteln müssen, was dem Regisseur vorschwebt. Zudem sind gleich zwei Hauptfiguren Kinder, was stets ein Risiko bedeutet. Hollywood ist zum Glück weit, sodass wir hier nicht mit altklugen Landplagen geschlagen werden, sondern zwei Kinder im Kampf mit einem Phantom verfolgen, die dabei in ihren Rollen aufgehen.

Clive Owen ist ausgezeichnet als Vater, dessen Verständnis sich auch aus kindlichen Erfahrungen speist, die er aus gutem Grund vergessen hatte. Carice van Houten überzeugt als eher kühle aber auch eifersüchtige Mutter, die sehr wohl erkennt, dass sie ihrer Tochter niemals so nahe kommen wird wie der Vater. Pilar López de Ayala lässt den Zuschauer lange im Unklaren, ob sie ‚nur‘ überfordert, verängstigt oder psychisch gestört ist. Ihr Geheimnis bleibt (dank einiger filmischer Tricks) bis zum Finale gewahrt.

Schattengesicht ist als Phantom nur bedingt angsteinflößend. Als Konzept funktioniert er, doch man erkennt ihn zu deutlich als CGI-Gestalt. In diesem Punkt hätte Fresnadillo sich starker auf Andeutungen beschränken oder Schattengesicht tricktechnisch intensiver gestalten lassen sollen. So kann er selbst als Kinderschreck nur eingeschränkt wirken, da er sowohl Juan als auch Mia (und erst recht John) wesentlich detailschärfer erscheinen dürfte.

Womit abschließend wieder einmal festzustellen ist, dass „Intruders“ ein gut gemeinter und solide in Szene gesetzter Film ist, der dennoch im (guten) Mittelmaß steckenbleibt. Da ist nichts, das wir nicht schon kennen und oft sogar besser gesehen haben. Während man über „Intacto“ noch lange nachdenken kann (und mag), ist „Intruders“ abgehakt, wenn die Schlusstitel gelaufen sind.

DVD-Features

„Universal Pictures“ spart weder an Ausstattung noch an Features, woran sich andere Labels ein Beispiel nehmen sollten. Optisch und akustisch gibt es keinen Grund zur Klage, die Liste der Extras ist klein aber fein. So lassen sich sechs unveröffentlichte Szenen anschauen, die u. a. vermitteln, dass Fresnadillo den übernatürlichen Aspekt ursprünglich stärker hervorheben wollte.

Zu einem „Making-of“ wurden noch drei Featurettes aufgespielt, die leider viel zu kurz sind, um mehr als Eindrücke zu  vermitteln.

[md]

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