Während einer in der Wüste gefeierten Party geraten zwei Schulfreunde in eine nur scheinbar verlassene Geheimstation, in der das Militär Riesenameisen ausbrütete, die nun schlau geworden und ausgebrochen sind, um über die Menschheit herzufallen, was durch Teenie-Power verhindert werden soll … – Nostalgie-Monster aus dem B-Kino der 1950er Jahre werden mit dem Video-Trash der 1980er gekreuzt; weil Zitate allein kein Drehbuch ergeben, die Darsteller noch steifer als die gepanzerten Riesenameisen sind und der kümmerliche ‚Humor‘ in der Wüstenglut verzischt, dient „It Came from the Desert“ in erster Linie als Exempel für das Scheitern eines filmischen Jugendtraums.

Das geschieht:

Lukas hat sich einen Namen als Bike-Fahrer gemacht, weshalb ihm seine Sponsoren-Firma einen Preis überreichen möchte. Dies soll irgendwo in der US-Wüste und im Rahmen einer großen Party geschehen, zu der hübsches und saufstarkes Jungvolk als Jubel-Statisten eingeladen wurden.

Da auch die schöne Lisa anwesend sein wird, begleitet Brian seinem Kindergartenfreund und Bike-Mechaniker Lukas begleitet. Er ist schon lange in Lisa verschossen, traut sich aber nicht, ihr das zu gestehen, obwohl ihn Lukas mit ‚guten Ratschlägen‘ unterstützt und die Party als Ort preist, an dem die ewigen Hemmungen endlich fallen könnten.

Doch dieses Mal kommt Brian nicht zum Zug. Frustriert unternimmt er einen Wüstenspaziergang. Lukas findet ihn, und gemeinsam stoßen sie auf eine Höhle, die sie auf das Gelände einer geheimen Versuchsstation führt, die allerdings von der Besatzung verlassen wurde. Neugierig schauen sich die Freunde um und stoßen auf die Spuren seltsamer Experimente sowie Blutspuren.

Der Entschluss zum Rückzug fällt zu spät: Die neuen Hausherren der Station sind aufmerksam geworden. Das Militär hat Ameisen und Spinnen mit Alien-DNS ‚veredelt‘, um eine biologische Abwehrwaffe zu schaffen. Die Kreaturen haben sich prächtig entwickelt – und sind intelligent geworden. In den Menschendienst wollen sie sich nicht pressen lassen, sondern ausbrechen, eine Kolonie gründen und sich über die ganze Welt ausbreiten. Das wollen Brian und Lukas sowie die zu ihnen stoßende Lisa verhindern, doch die Kreaturen sind nicht nur schlau und stark, sondern auch zahlreich …

Ein skandinavisch bedingtes Problem?

Die ‚Schuld‘ tragen hauptverantwortlich sicherlich Timo Vuorensola, David Sandberg und Tommy Wirkola. Der eine – wie Marko Mäkilaakso Finne – erzielte 2012 einen beachtlichen Überraschungserfolg mit der Nazi-SF-Farce „Iron Sky“, dem anderen – aus Schweden – gelang 2015 Ähnliches mit dem Kurz-Spielfilm „King Fury“ (Kung Fu plus Nazis), der dritte machte sich einen Namen mit den Nazi-Horrorfilmkomödien „Dead Snow“ (Teil 1 2009, Teil 2 2014).

Es war nur eine Frage der Zeit, bis andere Filmemachen – nicht nur in Skandinavien – das Konzept aufgriffen, d. h. hemmungslosen Kitsch mit politisch unkorrektem Humor und beachtlichen Spezialeffekten mischten. Mäkilaakso verzichtete auf die Nazis, was womöglich ein Fehler war, denn er ersetzte sie durch Reminiszenzen an ein Videospiel, dessen Name heute nur noch digitalhistorisch bewanderten Zeitgenossen etwas sagt.

„It Came from the Desert“ erschien 1989 als frühes Computerspiel. Es mischte – damals aufgrund technischer Grenzen ausgesprochen zweidimensional – die Genres Adventure und Horror. Aus heutiger Sicht bot das Game sehr limitierte Möglichkeiten und war auch optisch sparsam gestaltet. Gerade das hat sich denen, die es spielten, nun älter werden und in nostalgischen Erinnerungen an die vergangene Jugend schwelgen, deutlich eingeprägt.

Nicht jede/r findet das lustig

Schon das Spiel setzte auf den Nostalgiefaktor. Riesige Ameisen, die aus einem Wüstenloch kriechen und die Menschheit bedrohen, waren bereits 1954 aufgetreten – im Filmklassiker „Them“ (dt. „Formicula“). Im B-Kino gehören sie zu einer langen Reihe eigentlich winziger und deshalb harmloser Tiere, die aufgrund von Radioaktivität ins Gigantische wuchsen, um dann hungrig und vermehrungsfroh über die Menschenwelt zu kommen: Spinnen („Tarantula“; 1955), Gottesanbeterinnen („The Deadly Mantis“/„Das todbringende Ungeheuer“; 1957), Fliegen („The Fly“/„Die Fliege“; 1958), Wespen („The Wasp Woman“/„Die Wespenfrau“; 1959). Zu diesen Kerbtieren gesellten sich titanische Echsen („The Beast from 20.000 Fathoms“/„Panik in New York“; 1953, „Gorgo“/„Gorgo – Die tödliche Bedrohung“; 1961, und selbstverständlich „Gojira“/„Godzilla“; 1955). Unvernunft – der Frankenstein-Effekt – oder außerirdische Einmischung verstärkten nicht selten das Grundproblem, was neben der reinen Unterhaltung die Möglichkeit bot, diese Filme moralisch (oder besser: moralisierend) zu unterfüttern.

In den 1980er Jahren kam mit der rasanten Entwicklung der Technik der Billig-Film auf, der nicht mehr ins Kino, sondern nur noch in die Videothek kam. Miserable Filme gab es schon immer, doch nun überschwemmten sie förmlich ihr Publikum. Die Minderwertigkeit wurde zum „Trash“, d. h. nachträglich geadelt, weil ‚Experten‘ zu dem Schluss kamen, dass der Murks womöglich Systemkritik transportierte, zumal er traditionelle = langweilige Vorgaben wie „Werte“ oder „Moral“ ignorierte.

Aus diesen beiden Quellen speist sich das Drehbuch für „It Came from the Desert“. Regisseur Mäkilaakso hat es zusammen mit zwei Mit-Autoren geschrieben, aber entweder nicht erkannt, dass der durchaus existierende Spaß-Effekt von Trash vor allem aus dem unfreiwilligen Scheitern ernsthaft gemeinter Filmgeschichten resultiert, oder er wollte nicht erkennen, dass sich schräger Humor schwer nachahmen und dabei noch steigern lässt.

Alles nur geklaut … und dann schlecht eingesetzt

Ausgerechnet die Neuerungen, die Mäkilaakso seinem Werk gönnt, verstärken dessen Schwächen. So meint er sich vom Chauvinismus der Vorlagen explizit abgrenzen zu müssen, indem er Lisa als taffes Mädchen einführt, das u. a. brunstgeilen Kerls in die Eier tritt und unsere Helden vor der ersten Riesenameise rettet. In der Tat erweisen sich die Jungs zumindest rhetorisch als Weicheier und Schwachköpfe, indem sie vor lauter Liebesangst in Lisas Anwesenheit kein Wort herausbringen (Brian) oder den so gehemmten Jüngling mit ‚witzigen‘ Phrasen überhäufen (Lukas), wenn ihnen gerade keine Ameise die Hohlschädel abbeißen will.

Als es ernsthaft zur Sache geht, wird Lisa von einer Riesenameise gepackt, in eine Höhle geschleppt und eingesponnen, woraufhin die ‚Männer‘ eben doch wie üblich zur Rettung schreiten müssen. Dass sie dafür nicht die geringsten Qualitäten mitbringen und trotzdem nicht nur überleben, sondern den Untieren eine Schlappe nach der anderen versetzen, soll ‚komisch‘ sein, geht aber eher auf die Zuschauernerven.

Das gilt auch für die Nebenfiguren, für die Mäkilaakso ausschließlich Klischees bedient. Also tobt sich allerlei kleidungsarmes ‚US‘-Jungvolk (das vor allem in Spanien rekrutiert wurde, wo der Film entstand) vor der Kamera aus, wobei es Dünnbier säuft, ohrenbetäubend grölt, weil es sich blendend amüsiert, und Glotzaugen an langen Stielen ausfährt, weil sich ein wollüstiges Weib bis auf den Badeanzug entkleidet. Aus dummen College-‚Komödien‘ importierte ‚Gags‘ und Sprüche runden das unerfreuliche Gesamtbild ab.

Tanz der Ameisen-Spinnen

„It Came from the Desert“ wirkt über weite Strecken wie ein Ratespiel für Film-Nerds und Nitpicker: Woher kennen wir diese Szene – diesen Dialog – diese Kulisse? Unsere Helden sprechen es mehrfach selbst an: „Terminator“, „Aliens“ oder „Jurassic Park“ sind ausgiebig geplünderte Vorbilder; die Verfolgungsjagden (Ameisen gegen Bike-Fahrer) sind quasi bildgleich mit entsprechenden Szenen aus „Eight Legged Freaks“ (2002; ‚dt.‘ „Arac Attack“).

Zwischendurch werden endlose Wüstenstriche überquert oder Höhlen erkundet: Das knappe Budget macht sich gerade durch solche Längen ständig bemerkbar. „It Came from the Desert“ gehört zu jenen Filmen, die durch Crowdfunding halbwegs finanziert wurden. Deshalb musste jederzeit gespart werden, weshalb wie schon erwähnt die US-Wüste von spanischen Trockengebieten gedoubelt wurde. Zumindest das ist kein Manko, zumal die Drohnen-Kamera ausgiebig und effektvoll zum Einsatz kommt. Überhaupt leistete Kameramann Juge Heikkilä deutlich mehr als seine Kollegen, doch auch er musste vor kärglichen Schauplätzen – die Bruthöhle mit den eingesponnenen Partygästen, die ‚Hightech‘-Versuchsstation – kapitulieren.

Die Spezialeffekte sind deutlich als solche zu identifizieren, was ein Stilmittel sein könnte, um die Game-Vorlage zu ehren. Explosionen und Feuerbälle wurden jedenfalls nachträglich eingefügt, und die Ameisen-Spinnen lassen an Glaubwürdigkeit ebenfalls zu wünschen übrig. (Die Königin sieht aus wie ein Raketenwurm auf Stereoiden.) Hin und wieder kommen sogar Großmodelle zu Einsatz; auch hier setzt Mäkilaakso auf den Nostalgiefaktor. Freilich sind sowohl die 1950er als auch die 1980er Jahre vorbei; Dilettantismus bleibt heute Produktionsfirmen wie „Asylum“ oder dem „Syfy“-Channel vorbehalten und wird als solcher nur von eingeschworenen (sowie völlig betrunkenen) Fans für gut geheißen. Blut- und Eingeweide-Spritzereien darf man von einem Film, der hierzulande ab 12 Jahren freigegeben ist, erst recht nicht erwarten.

Das könnte – schon wieder! – Folgen haben

Filme wie dieser leben von Story und Effekten. Schauspieler benötigt man nicht; Darsteller reichen aus. Deshalb muss und kann man sich weder die Gesichter noch die Namen der Unglücklichen merken, die darauf hoffen, dass sich „It Came from the Desert“ in einen „Kult-Film“ verwandelt, um die daraus resultierende Prominenz für den Ausbau der Karriere zu nutzen. Diese Rechnung wird nicht aufgehen, wie inzwischen feststeht, denn Mäkilaaksos Film wurde als das erkannt, wofür er steht: Wollen statt Können.

Das gilt auch für die Synchronisierung, für die anscheinend einige Überlebende der Wüsten-Party angeheuert wurden. Die akustische Minderwertigkeit trägt zusätzlich zum Scheitern dieses Films bei, der nur selten punkten kann – so mit einem erstaunlich gut den (Un-) Geist der trashigen 1980er Jahre aufgreifenden Score, zu dem ein Titelstück gehört, das sich mit seinen stumpfen Syntho-Klängen in den Gehörgang fräst und zum Ohrwurm zu mutieren droht. Ebenfalls witzig: Während die Schlusstitel ablaufen, sieht man auf der rechten Bildhälfte jemanden das PC-Game von 1989 durchspielen. Hier stellt sich tatsächlich Rührung ein, wenn man sich daran erinnert, wie begeistert man einst von der ‚Qualität‘ grellfarbiger Klotz-Grafiken war!

Weniger erfreulich: Die Schlusstitel werden unterbrochen, und die Kamera kehrt in den Untergrund der Versuchsstation zurück: Dort rumort etwas schnaufend hinter einer (noch) geschlossenen Tür und droht sie für eine Fortsetzung zu durchbrechen …

DVD-Features

Obwohl das deutsche Label ordentlich auf die Werbe-Pauke haut, um hintergründige Urkomik zu suggerieren, investierte man möglichst wenig Geld in die Veröffentlichung. Die Features beschränken sich auf den deutschen und englischen Trailer.

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It Came from the Desert
Originaltitel: It Came from the Desert (Finnland/GB/Kanada 2017)
Regie u. Musik: Marko Mäkilaakso
Drehbuch: Marko Mäkilaakso, Trent Haaga u. Hank Woon Jr.
Kamera: Juge Heikkilä
Schnitt: Joona Louhivuori
Darsteller: Harry Lister Smith (Brian), Alex Mills (Lukas), Vanessa Grasse (Lisa), Mark Arnold (Dr. Renard), Callum McGowan (Tim), Andrew Horton (Craig), Claudia Trujillo, Aino Sirje, James Alper (Party-Sauf- u. Gröl-Idioten) uva.
Label: Tiberius Film
Vertrieb: Sunfilm Entertainment
Erscheinungsdatum: 05.04.2018
EAN: 4041658120883 (DVD)/4041658190886 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 87 min. (Blu-ray: 90 min.)
FSK: 12

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