jasper-parkJasper Park – Ausflug in den Tod

Originaltitel: Backwoods (USA 2008)
Regie: Marty Weiss
Drehbuch: Anthony Jaswinski
Kamera: James W. Wrenn
Schnitt: Thomas A. Krueger
Darsteller: Ryan Merriman (Adam Benson), Danny Nucci (Perry Walters), Haylie Duff (Lee), Troy Winbush (Basso), Craig Zimmerman (Dash), Mimi Michaels (Maggie), Jamison Yang (Mike Chen), Jonathan Slavin (Paul), Eric Larkin (Barmann), Willow Geer (Gwen Marie Holden), Mark Rolston (Ricks), Deborah Van Valkenburgh (Ruth), Robert „Bonecrusher“ Mukes (Josiah) u. a.
Label: Tiberius Film
Vertrieb: Sunfilm Entertainment
Erscheinungsdatum: 26.06.2009 (Leih-DVD) bzw. 24.07.2009 (Kauf-DVD)
EAN: 4041658222877 (Leih- u. Kauf-DVD)
Bildformat: 16 : 9 (1,85 : 1; anamorph)
Audio: DTS 5.1 (Deutsch), Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Englisch, Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 90 min.
FSK: 18

Das geschieht:

Weil ihr Arbeitgeber, eine hippe Videogame-Schmiede in Los Angeles, sich ‚hungrige‘ Angestellte wünscht, die als Business-Team wie Soldaten zusammenarbeiten, werden sechs junge Männer und zwei Frauen in die nordkalifornische Wildnis geschickt. Im Naturschutzgebiet Jasper Park teilen sie sich in zwei Gruppen und treten zum Paintball-Gefecht an.

Zuvor haben sich die arroganten Städter herzlich unbeliebt bei der geistig beschränkten und körperlich inzestuös gezeichneten Ur-Bevölkerung gemacht. Doch es kommt rasch schlimmer: Die Gruppe landet an einem See, der zum Territorium einer Sekte religiöser Wirrköpfe gehört, die sich in den Bunkern einer aufgelassenen Militärbasis häuslich niedergelassen haben. Unter der Leitung von „Mutter“ Ruth warten sie auf das Ende der sündhaften Außenwelt. Bis es soweit ist, locken sie dumme Touristen, an denen es nie mangelt, in den Wald, wo die Männer getötet und ausgeplündert werden, während man die Frauen in besagten Bunker verschleppt, wo sie der 2,10-Meter-Hüne Josiah schwängert, um die Schar der Gläubigen zu mehren.

Auch unsere Freizeit-Rambos tappen in die Falle. Bald finden sich die Frauen auf Josiahs Bett und die Männer in Bunkerkäfigen wieder. Die einen möchten, die anderen sollen sterben, aber dann bricht sich jener US-Kampfgeist Bahn, der selbst im dekadentesten Stadtmenschen steckt, und die Überlebenden treten zum Sturm auf das Hinterwäldler-Gesindel an …

Waldluft kann offenbar das Hirn schädigen

Wie viele US-Pechvögel sind eigentlich in den letzten Filmjahrzehnten nach einem Wrong Turn in die Hügel der blutigen Augen geraten, wo beim Sterben jeder der erste ist? Nun geraten acht weitere Opfer auf die Schlachtbank jener Neo-Neandertaler, von denen es in den Wäldern Nordamerikas zu wimmeln scheint. Wenn man Hollywood Glauben schenken möchte, verbarrikadieren sich dort schwerbewaffnete aber leichthirnige Zeitgenossen, um reinblütige Gottesstaaten zu errichten, was sie damit bekräftigen, dass sie sich ausschließlich untereinander vermehren. Für die Güter des alltäglichen Bedarfs sorgen eingangs erwähnte Pechvögel, die nicht selten auch frisches Blut oder gar Fleisch liefern müssen. Aber keine Bange, obwohl die Mehrheit der solchermaßen Betroffenen detailfroh niedergemetzelt wird, rafft sich der schockierte Rest im Finale zuverlässig auf, um dem Pack noch brutaler entgegenzutreten und es mit Stumpf & Stiel auszurotten.

Das ist besonders nach dem Genuss alkoholischer Getränke oder anderer entspannender Substanzen für den nicht an Leib und Leben bedrohten Zuschauer unterhaltsam zu beobachten, wenn es denn halbwegs gekonnt in Szene gesetzt wird, was in diesem Fall ganz sicher nicht zutrifft: „Jasper Park“ ist Trash-Horror der ungewollten Art, d. h. bierernst als Schlachtplatte gedreht, so ‚ernst‘ ein Splatter halt sein kann, und in wirklich jeder Szene missglückt.

Alles misslungen, und das auch noch armselig

Dieser Vorwurf richtet sich nicht ausschließlich gegen ein ‚Drehbuch‘, das nur zusammenklaubt, was im Genre schon oft funktioniert hat. Mit einschlägigen Effekten und vor allem in der richtigen Stimmung kann das anderthalb Stunden tragen. „Jasper Park“ ist freilich quasi schaumgebremster Horror, entstanden fürs Fernsehen und deshalb nicht nur möglichst kostengünstig, sondern auch ohne explizite Schnetzeleien und gänzlich ohne nackte Tatsachen umgesetzt.

Um Kosten zu sparen, kam mutmaßlich eine Video-Kamera aus dem 20. Jahrhundert zum Einsatz. Die Bilder sind kontrastschwach und flau, Äste und Laub verschwimmen zu einem grünbraunen Brei, die Arbeit des Beleuchters beschränkt sich darauf, die Lampe grob dorthin zu richten, wo die Kamera die Darsteller bei ihrem Treiben aufzeichnet, und „Regie“ mag man die Tätigkeit nicht nennen, mit der Marty Weiss seine Arbeitszeit totgeschlagen hat. Der Kameramann versucht’s ungeschickt zu richten, indem er sein Instrument wild schwanken und zoomen und es gern den Blickwinkel eines unsere Pechvögel belauernden Waldschrates übernehmen lässt. Schwarzweiß oder in Zeitlupe gefilmte Sequenzen gibt es auch; sie dienen (vergeblich) dem Zweck, gar zu jämmerliche Action- und Effekt-Szenen zu vertuschen. Die Filmmusik beschränkt sich auf brachialen Heavy-Metal-Rock, den US-Rednecks bekanntlich rund um die Uhr hören …

Was die ‚Spezialeffekte‘ angeht, lässt sich eine ungebrochene Tradition zur Tricktechnik der Stummfilmzeit erkennen. Wahllos in der Waldlandschaft verstreute Dekorations-Einzelstücke müssen symbolhaft aufwendige Kulissen ersetzen; der fußballfeldgroße Bunker, in dem Ruths Horde haust, hat beispielsweise einen Zugang, durch dessen Pforte sich kaum zwei Leute gleichzeitig quetschen können; dem Filmzimmermann erleichterte dies den Job, denn er musste nur einige Bretter zusammennageln und mit betonfarbenem Gips bepinseln. Ähnlich ‚überzeugend‘ wirken die oberirdischen Belüftungsschächte des Bunkers; wenn im Eifer des Gefechts Schauspielerfüße den Gebilden zu nahe kommen, verrät heftiges Wackeln, dass sie nur lose auf den Boden gestellt wurden.

Der Zuschauer merkt das bestimmt gar nicht …

Trick-‚Qualität‘ und Drehbuch-‚Logik‘ gehen ohnehin eine Zwangsehe ein. Typisch ist jene Szene, in der unsere Helden den Bunker-Teufeln buchstäblich einheizen wollen, indem sie Benzin in einen Belüftungsschacht schütten und anzünden. Der Kanister mit der brennbaren Flüssigkeit hat ein Fassungsvermögen von etwa drei Litern. Welcher Schaden lässt sich damit in einem wie schon gesagt riesigen Bunker anrichten? Glücklicherweise steht ‚zufällig‘ direkt unter dem Schacht ein Tisch mit leicht entzündlichen Drogen, die von den Hinterwäldlern in großen Mengen hergestellt werden. (Wieso, für wen – es bleibt das Geheimnis von Regisseur und Drehbuchautor.) Beherzt stürzen sich als Redneck-Debilisten verkleidete Stuntmänner mitten in das kümmerliche Feuerchen. Wider alle Wahrscheinlichkeit heftig in Brand geratend, tollen sie anschließend brüllend durch den Bunker, was in Zeitlupe gefilmt wurde, um wenigstens ein bisschen Dramatik zu suggerieren.

Staunenswert ist auch die Methode, mit der unsere Rednecks die Autos der Touristen lahmlegen: Sie sabotieren nicht den Motor oder lassen die Luft aus den Reifen, sondern saugen aufwendig das Benzin aus den Tanks. Doch was will man von Strolchen erwarten, die als Verfolger nie gleichzeitig von allen Seiten, sondern höflich nacheinander angreifen, damit sie von ihren Opfern einer nach dem anderen abgeknallt werden können?

Solcher Schwachsinn ist in „Jasper Park“ – was soll eigentlich dieser nichtssagende deutsche Titel? – Methode, was die Frage aufwirft, ob die wahren Hinterwäldler („backwoods“) sich wirklich VOR der Kamera tummelten …

Auch Schauspieler essen gern dreimal täglich

Zum x-ten Mal wird an dieser Stelle darüber nachgesonnen, was höchstwahrscheinlich psychisch stabile und wohl auch intelligente Männer und Frauen dazu veranlasst, sich für einen Bockmist wie „Jasper Park“ herzugeben. Der Blick auf die Darstellerliste verrät, dass hier die niedere Hollywood-Kaste ihre Faxen treibt. ‚Star‘ Haylie Duff ist beispielsweise nur die Schwester von Hilary Duff, die immerhin ein wenig Prominenz für sich beanspruchen darf.

Ein Job wie dieser bringt halt die Miete und das Essen auf den Tisch. No-Names können es sich nicht leisten, wählerisch zu sein. Enthusiasmus lässt ein Projekt wie „Jasper Park“ sicherlich nicht aufkommen. Kein Wunder, dass sämtliche Darsteller ihre eindimensionalen Rollen wie im Halbschlaf (oder Vollrausch) und höchstens körperlich ausfüllen. Selbstverständlich regiert das Klischee, was uns u. a. ein Wiedersehen mit nicht wirklich geliebten Figuren wie dem asiatischen Computer-Nerd, dem feigen Großmaul oder dem Alibi-Schwarzen beschert.

Dumm dran sind – die Inhaltsangabe deutet es nicht nur an – wieder einmal die Darstellerinnen (von hartgesottenen Dumpf-Horror-Fans liebevoll gern „fuck meat“ genannt). Zwar fällt die genretypische Nacktszene (s. o.) aus, doch lassen sich Begattungs-Zeremonien augenscheinlich auch angezogen sehr abstoßend in Szene setzen. Für reihenweises Zusammenschlagen weiblicher Zuschauer-Knie sorgt dabei sicherlich der Auftritt von ‚Bräutigam‘ Robert „Bonecrusher“ Mukes, eines in die Jahre gekommenen Ex-Wrestlers, der sich in Hollywood als Unhold und Schlagetot verdingt und mit wuchtiger Präsenz zu überzeugen weiß.

Gibt es denn gar nichts, das für „Jasper Park“ spricht? Das ist hier eine rhetorische Frage; die Antwort dürfte – gut begründet – eindeutig ausgefallen sein. Filme wie dieser sind ein echtes Ärgernis. Sie werden ohne Rücksicht auf ihr Publikum ausschließlich für den schnellen Dollar gedreht. Man sieht sie, ärgert sich und verdrängt die böse Erfahrung leider schnell, was gewährleistet, dass man womöglich auf „Jasper Park II“ – oh ja, eine Fortsetzung wird nicht nur angedeutet! – erneut hereinfällt.

DVD-Features

Da „Jaspar Park“ nur Billig-Futter für das Fernsehen ist, gibt es keine Extras. Aufgespielt wurde nur der Trailer. Ansonsten gibt es ausschließlich Clips, die weitere Filmproduktionen der Firma „RHI Entertainment“ ankündigen, vor denen der Horror-Freund an dieser Stelle ebenfalls ausdrücklich gewarnt sei!

[md]

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