June

Originaltitel: June (USA 2015)
Regie: Gustavo Cooper
Drehbuch: Sharon Y. Cobb u. Gustavo Cooper
Kamera: Ryan Patrick Dean
Schnitt: Thomas H. Park
Musik: Juliette Beavan u. Sean Beavan
Darsteller: Kennedy Brice (June), Victoria Pratt (Lily Anderson), Casper Van Dien (Dave Anderson), Eddie Jemison (Victor Emmanuel), Addy Miller (Lily als Teenager), Lance E. Nichols (Dr. Wynstrom), Juliette Beavan (Priesterin), Kevin Will, Cindy Hogan (Proll-Gesindel) u. a.
Label/Vertrieb: Ascot Elite Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 20.10.2015
EAN: 7613059805842 (DVD)/7613059405844 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,40 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 80 min. (Blu-ray: 83 min.)
FSK: 16


Titel bei Amazon.de (DVD)
Titel bei Amazon.de (Blu-ray)


Das geschieht:

Neun Jahre ist es her, dass Baby June sein Leben auf dem Waldaltar eines neo-heidnischen Druidenkultes aushauchen sollte. In letzter Sekunde meuchelte die Mutter lieber die Priesterin, doch ein Dämon namens Aer war schon halbwegs in das Töchterlein gefahren und ließ die untreue Anhängerschar tot umfallen. Nur die junge Lily entkam und konnte dabei June retten.

Die kam ins Waisenhaus und später zu diversen Pflegeeltern. Denen wurde das Kind rasch unheimlich, denn wenn June sich aufregt, färben sich ihre Augen tintenschwarz, Fliegensummen wird hörbar, und dann geht in ihrer Umgebung alles zu Bruch: Aer ist immer noch Junes Hirngast und stinksauer darüber, die Kontrolle nur zeitweilig übernehmen zu können.

Aktuell versucht Betreuer Victor Emmanuel, June bei den Andersons unterzubringen, denen eigener Nachwuchs versagt blieb. Das glückliche Paar muss rasch feststellen, dass man ihnen ein Kuckuckskind untergeschoben hat: Während June sich rasch eingewöhnt, bleibt Aer missmutig. Vor allem Neu-Vater Dave, den der Dämon zielsicher als schwaches Glied der Familienkette entdeckt, erleidet allerlei hässliche ‚Unfälle‘. Gern würde er das Teufelskind wieder abschieben, aber Lily gedenkt sich keineswegs von June zu trennen.

Die schwebt nicht nur in der Gefahr, die eigene Identität endgültig an Aer zu verlieren. Der böse Kult, der den Dämon einst aus dem Jenseits beschwor, ist keineswegs ausgerottet. Neue Druiden stehen bereit; sie wollen fortsetzen und vollenden, was einst misslang: Aer soll endgültig auf und über diese Welt kommen. Munkelmänner schwärmen aus, um June für eine neuerliche Opferung einzufangen. Verzweifelt versucht Lily, ihre Pflegetochter aus der Schusslinie zu bringen, aber die Druiden kommen, und Aer sorgt dafür, dass ihre Mission gelingt, denn der Dämon will endlich schlüpfen …

Hobby-Druiden stümpern im Unterholz

Die Filmhistorie und hier besonders die Geschichte des Horrorfilms ist reich an Geschichten, deren Bebilderung schlicht überflüssig ist. Jeder geplagte Phantastik-Fan kann problemlos eine schier endlose Kette von Titeln herunterbeten (bzw. -fluchen), die ihm oder ihr Lebenszeit und Geld gekostet haben. Nun kann die Liste um ein weiteres Machwerk verlängert werden. Es trägt den schlichten Titel „June“ und erzählt von einer verhinderten bzw. und nur teilweise gelungenen Besessenheit, die sowohl dem Opfer als auch ihren Mitmenschen körperschädlich zu schaffen macht.

Stärker sind freilich die Beeinträchtigungen, die dem Publikum drohen. Es muss eine Story ertragen, die in keiner Sekunde Unterhaltung bieten kann. Gustavo Cooper, der nicht nur als Regisseur Schuld auf sich geladen hat, sondern auch als Drehbuch-Mitautor versagte, erzählt eine x-fach ausgequetschte Story ohne jeden eigenen Einfall nach. Möchte man ihm zunächst seine private Herangehensweise an das Thema zubilligen, verflüchtigt sich diese Gunst, als nach recht kurzer Zeit deutlich wird, dass Cooper seine Geschichte nicht langsamer und sorgfältiger als heutzutage üblich präsentieren will, sondern einfach nur lahm ist.

Schon die erste Szene lässt wenig Gutes ahnen: ‚Druiden‘ in Ramsch-Kostümen stehen irgendwo im Unterholz und wollen ein Baby opfern. Das wird ohne jedes Gespür für Stimmung in Bild und Ton festgehalten. Da das Budget ebenso flach war wie das Unterhaltungsniveau ist, gipfelt die aus dem Ruder laufende Zeremonie in eine Schmalspur-Apokalypse, die im ‚großen Finale‘ beinahe Bild für Bild wiederholt wird. Gedreht wurde im US-Staat Lousiana, weil Cooper eine „Southern-Gothic“-Atmosphäre heraufbeschwören wollte, wie er im Making-of tönt. Tatsächlich könnte „June“ in jedem beliebigen Waldstück entstanden sein; vom Südstaaten-Grusel gibt es definitiv keine Spur.

Familie Brechreiz in der Bredouille

Die denkbar flache Story wird von entsprechenden Figuren weniger belebt als durchexerziert. Gibt es einen Grund, dass Victor Emmanuel aussieht und sich kleidet wie der junge Henry Kissinger? Die Andersons hasst man bereits, wenn man sie sieht, wie sie sich als Gutmensch-Vorzeigepärchen vor ihrem schmucken Vorstadthäuschen aufbauen. Zuvor hat sich Cooper in die Niederungen des US-Trailerpark-Proletenpacks begeben und ein Gesindel erschaffen, dem der Urschleim noch aus den Ohren tropft. Das soll tragisch wirken, weil die arme June ihnen ausgesetzt ist, wirkt stattdessen aber aufgrund der ausgeleierten Klischees – Fusel, Zigaretten, Wampe (Pflegevater), Specksteiß in hautenger Schlampenpelle (Pflegemutter), durchgeschwitztes Unterhemd (beide) etc. – durchweg lächerlich.

Ehrlich wirkt Grins-Dödel Dave höchstens in seinem scheinheiligen Bemühen, das Pflegekind wieder loszuwerden, als es sich als schadhafte Ware entpuppt und sich nicht ins Puppenhausidyll einleben will. Den Zuschauer beschäftigt derweil die nie beantwortete Frage, ob Lily – die June einst vor dem Messer der Priesterin gerettet hat – in die neuerliche Opferverschwörung eingeweiht ist und weiterhin zum Kult gehört. Mal scheint sie völlig ahnungslos, dann wieder weiß sie ganz genau, wo sich ihre Kutten-Kumpels treffen werden.

Ein Pluspunkt dieser Minus-Produktion ist die Besetzung der kindlichen Hauptrolle mit Kennedy Brice. Sie gehört zu jenen Kindern, die nicht einfach nur niedlich sind oder hilflos wirken, sondern bereits schauspielern können, ohne dem Publikum auf die Nerven zu fallen. In diesem Fall ist dies besonders verdienstvoll, da das Drehbuch auch der June-Darstellerin dicke Steine in Serie vor die Füße wirft. Schon optisch wird plump manipuliert: Kleidchen und weiße Söckchen in Sandalen plus ein in die Hand geschweißter Teddybär sollen kindliche Unschuld heraufbeschwören, obwohl nichts dagegenspräche, June etwas flotter anzuziehen.

Doppel-Dumm-Dämon in Lauerstellung

Im Making-of – einer wahren Fundgrube dreister Übertreibungen – versucht Cooper den Eindruck zu erwecken, die tricktechnische Unbeholfenheit sei ein dramaturgisches Instrument: Er klagt über den digitalen Overkill des gegenwärtigen Kinos und schwelgt in der Erinnerung an die handgemachten Tricks der Grusel-Vergangenheit, die Furcht & Schrecken wesentlich deutlich transportieren konnten. Damit liegt er sogar richtig, klammert aber wohlweislich aus, dass man wissen sollte, wann und wie man die klassischen Effekte einsetzen muss.

„June“ ist wieder einmal weder Fisch noch Fleisch. Sämtliche Tricks sind jämmerlich, wobei die Entscheidung, Aers Anwesenheit in Junes Hirn deutlich zu machen, indem des Kindes Kulleraugen schwarz geflutet werden, ganz oben auf der Liste steht. Dazu kommt eine ‚unheimliche‘ Stimme, deren Wirksamkeit dadurch konterkariert wird, dass sie nur Blödsinn zum Besten gibt: Aer gehört zu denjenigen Höllenbürgern, die keinen Schimmer haben, dass inzwischen das 21. Jahrhundert angebrochen ist, und deshalb noch immer mit halbgaren Bosheiten arbeiten, die im Mittelalter besser gewirkt haben dürften.

Die Problematik wird nicht ausgeräumt, weil Cooper es nie für notwendig hält, etwas über den Hintergrund des Kultes zu sagen. Was wollen diese Wirrköpfe eigentlich? Aer scheint eine Wiederkehr vorchristlicher Herrlichkeit vorzuschweben. Der Zuschauer muss sich dies aus kümmerlichen Indizien zusammenreimen. Das fällt schwer, weil sich dieser Kult durchweg dämlich verhält und gleich zweimal auf dieselbe Weise hereingelegt wird.

Schleppend zum Anti-Finale

„June“ erinnert fatal an jene neunzigminütigen ‚Spielfilme‘, mit denen die US-Networks ihr Publikum malträtieren: Kreuzbrave, auf den größten gemeinsamen Nenner zielende, verlogen ‚traditionelle Werte“ vertretende Langeweiler, die vor allem produziert werden, um möglichst zahlreiche Werbeinseln zu umspielen. Es gibt keine Schauwerte, keine Höhepunkt und erst recht kein spannendes Finale: Stattdessen stehen wir wieder im Wald und müssen neue Druiden-Deppen bei ihrem Treiben beobachten.

Schon zuvor will die Zeit nicht vergehen, während sich das Geschehen todmüde voranschleppt. „June“ wurzelt in einem früheren Kurzfilm, der grundsätzlich alles aus dem Thema herausgeholt hatte. Cooper und Mittäterin Sharon Cobb flanschen dem Plot sichtlich unwichtige Nebenhandlungen – June in der Schule, Lily im besorgten Gespräch mit dem Psychologen – sowie einigen aerigen Attacken an, bei denen in der Regel viel Geschirr zu Bruch geht.

Eine echte Auflösung gibt es nicht, sodass die Befürchtung naheliegt, Cooper behalte sich eine Fortsetzung à la „Paranormal Activity“ vor. Angesichts der teuflischen Langeweile, die er mit „June“ verbreitet – und die in der Grusel-Gemeinde weder unbemerkt noch unkommentiert blieb – ist die Gefahr allerdings wohl gering.

DVD-Features

Das Beiwerk verdient eher den Titel „Frechheiten“ als „Features“. Ein dermaßen penetrant auf Werbung und gegenseitige Lobhudelei getrimmtes Making-of ist glücklicherweise noch nicht die Regel. Interessant ist dabei immerhin, dass sämtliche Beteiligten im ‚Interview“ von einem (besseren) Film schwärmen, an dem sie ganz sicher nicht gearbeitet haben.

Sinnlos und nur dem Zweck dienlich, weitere Extras vorzutäuschen, sind vier minutenkurze Feature-Häppchen, die in ihrer Nicht-Qualität dem Making-of entsprechen. Leidlich interessant sind – theoretisch – einige virale Spots, in denen sich einige im Hauptfilm abwesende Pflegeeltern darüber äußern, was sie mit June erlebt haben. Abgerundet wird das Elend durch den Originaltrailer zum Film.

Kurzinfo für Ungeduldige: Seit bei einer verhinderten Opferung ein Dämon in Baby June fuhr, wird diese von einem Dämonen besessen, der sich mörderisch betätigt, wenn seine Gastgeberin sich ärgert … – Das Tempo der ohnehin ausgelaugten Story schwankt zwischen schleppend und holprig, die Inszenierung ist einfallslos, und die Darsteller wurden von allen Geistern bzw. vom klischeeklebrigen Drehbuch verlassen: Zeitvergeudung.

[md]

Titel bei Amazon.de (DVD)
Titel bei Amazon.de (Blu-ray)