Auf der Suche nach dem Stein der Weisen gerät eine Expedition in die Katakomben von Paris und darunter in ein mit Todesfallen gespicktes Labyrinth, in dem bösartige Kreaturen ihr Unwesen treiben … – Tatsächlich in den Katakomben gedrehter und deshalb optisch eindrucksvoller Gruselfilm, dessen Story jedoch so hohl ist wie die oft gezeigten Schädel: viel Geschrei und Getöse, nur leidlich unterhaltsam.

Das geschieht:

Obwohl noch jung an Jahren, forscht Mehrfach-Doktorin Scarlett Marlowe seit Jahren besessen nach dem Stein der Weisen. Ihr Vater starb bei derselben Suche, und auch die Tochter geriet Immer wieder in Lebensgefahr, ohne sich dadurch bremsen zu lassen.

Aktuelle Hinweise lassen Scarlett den besagten Stein in Paris vermuten. Dort ließ sich Anfang des 15. Jahrhunderts der ebenso berühmte wie als möglicher Schwarzmagier berüchtigte Alchemist Nicholas Flamel tief unter der Erde mit dem Stein und einem gewaltigen Schatz in einer geheimen Kammer bestatten. Scarlett glaubt den Zugang zu kennen, und sie hat die Geschichte auf ihrer Seite: Paris wird von den Katakomben unterhöhlt, in denen die Gebeine von 6 Mio. Leichen gestapelt liegen. In diesem unterirdischen Labyrinth gibt es einen gut getarnten Gang, der zu Flamels Grab führt.

Scarlett kann ihren alten Freund George überreden, sie zu begleiten. Mit dabei ist Benji, der die Expedition für eine Dokumentation filmen wird. Mit dem Hinweis auf den Schatz gelingt es Scarlett, sich der tatkräftigen Hilfe des Katakomben-Kletterers Papillon zu versichern, dem seine Freunde Souxie und Zed zur Seite stehen.

Der heimliche Einstieg in die Katakomben gelingt, und der Eingang zum Geheimgang wird gefunden. Doch die Freude wird bald getrübt durch die Ahnung, dass man nicht allein in der Dunkelheit ist. Heidnische Messen werden hier unten gefeiert. Auch sonst treiben sich merkwürdige Gestalten herum. Die Gruppe stößt sogar auf einen alten Kumpel, La Taupe, der vor zwei Jahren in den Katakomben verlorenging. Er hat sich seltsam verändert, gibt aber vor, einen Weg ins Freie zu kennen.

Doch zuvor führt La Taupe sie zu Flamels Grab – und in eine uralte Falle, die dennoch zuverlässig zuschnappt. Der Rückweg ist versperrt, es geht nur vor- bzw. abwärts: immer tiefer in ein Labyrinth noch unterhalb der Katakomben, in dem es dämonisch umgeht …

Ein Ort realen Schreckens

Beginnen wir mit dem Grundsätzlichen: Die Idee ist gut, die Ausführung kann sich sehen lassen. Irgendwie gelang es den Brüdern Dowdle, die gemeinsam Drehbücher für Filme schreiben, welche John Erick – der Ältere – anschließend inszeniert, die dafür zuständigen französischen Behörden zu überreden, sie mit einem Filmteam und Schauspielern tatsächlich in die Katakomben zu lassen.

Dieser Ort ist nicht nur deshalb unheimlich, weil hier Menschenknochen gewaltige Stollen füllen und nicht selten dekorative Muster aus Schädeln und Langknochen formen. Vor allem ist dies das Fundament einer Stadt, die bereits im dritten vorchristlichen Jahrhundert entstand. Knapp zweieinhalb Jahrtausende später ist Paris eine Millionenstadt mit einer schier fantastischen Historie. Während deren Zeugen oberirdisch oft zerstört oder abgerissen wurden, beschränkten sich die Veränderungen unter Tage auf das Nötigste: Hier unten lebte niemand, weshalb Zweckmäßigkeit im Vordergrund stand.

Nicht nur unterirdische Steinbrüche – aus denen um 1800 die Katakomben wurden -, sondern auch Wasser- und Abwasserkanäle sowie Tunnel, Verbindungs- und Versorgungsgänge ließen ein Labyrinth entstehen, das nie richtig kartiert wurde. Nicht nur Historiker, sondern vor allem die „Cataphiles“ erforschen diese Unterwelt: wagemutige Hobbyforscher, die der Gefahr, sich zu verirren, verschüttet oder verhaftet zu werden, nachdrücklich trotzen, obwohl diese Höhlengänge durchaus ihre Opfern fordern

Gerippe-Grusel & Buh! von hinten

In dieser dunklen und morbiden Unterwelt konnten die Dowdles ihren Film „Katakomben“ realisieren, dessen Originaltitel sich etwas rätselhaft aber wesentlich themennäher als „Wie über uns, so auch darunter“ übersetzen lässt. Die Geschichte spielt in der Tat nur zum Teil in den Katakomben. Das Beinhaus wird bald verlassen, um in eine noch tiefere und nunmehr fiktive Höllenwelt abzusteigen: „Katakomben“ erzählt von einer Jagd nach dem Stein der Weisen und somit eine Geschichte, die eine gänzlich andere Richtung nimmt.

Mit ungestümer Unbekümmertheit plündern die Dowdle-Brüder die Historie. Sie profitieren von der Nähe zwischen Alchemie und Zauberei, die schon die Zeitgenossen misstrauisch machte. Kluge Alchemisten wussten um die Fragwürdigkeit ihrer Tätigkeit und verquirlten publikumswirksam Ankündigungen und Teilerfolge. Der üble Ruf der Schwarzmagie bedeutete auch kostenlose Werbung, die geschäftstüchtige Alchemisten sehr modern für sich arbeiten ließen. Entsprechende Legenden wob auch Nicholas Flamel um sich, die (nur) bei den Dowdles selbstverständlich der Wirklichkeit entsprechen.

Wieso ein Alchemist, der das Geheimnis des ewigen Lebens gelüftet hat, dieses ausgerechnet im dunklen Schmutz der Pariser Unterwelt verbringt, gehört zu den Fragen, die „Katakomben“ unbeantwortet lässt. Ohnehin geht es nur darum, unterhalb der Knochenhöhlen eine Geisterbahn einzurichten, durch die John Erick und Drew Dowdle ihre Schauspieler scheuchen können. Dabei gehen ihnen Effekte, Tempo & Geschrei jederzeit über Logik oder gar Sinn. Leider wollen die daraus resultierenden Turbulenzen schon recht früh nicht mehr zünden. Zu ausgelaugt sind die Schrecken, mit denen unsere Entdecker konfrontiert werden.

Der Film zum Game, das nie erfunden wurde

Das Irren durch Höhlen gibt die Ereignisse vor: In der Dunkelheit und hinter der nächsten Ecke wartet Böses. Darüber hinaus gibt es Fallen, Sackgassen und jede Menge Engpässe. Damit diese Umgebung besonders unheimlich und gefährlich wirkt, drehten die Dowdles „Katakomben“ im „Found-Footage“-Stil. Kameramann Benji hält mit seinem Arbeitsgerät selbst im Angesicht des Todes eisern auf das Zentrum der Geschehnisse. Für weitere Bilder sorgen Helmkameras, mit denen die übrigen Gruppenmitglieder ausgestattet werden. Glücklicherweise scheinen diese Geräte ihre Bilder drahtlos an die Oberfläche zu senden; wie sonst könnten wir nachträglich sehen, was von den verlorenen Kameras der zurückbleibenden Pechvögel aufgezeichnet wurde?

Sobald die Katakomben hinter ihnen liegen, betreten unsere Helden das Reich von Indiana Jones & Lara Croft, soweit sich dieses im Rahmen eines Gesamtbudgets von ca. 5 Mio. Dollar verwirklichen ließ. Von nun an reiht sich nur noch Einfall lose an Einfall, wobei man sich mehr und mehr an „Silent Hill“ erinnert fühlt. In der Tat erinnert „Katakomben“ mehr und mehr an ein Game. Unter Zeitdruck müssen Rätsel gelöst werden, während überall Monster lauern.

Unglücklicherweise gehört es zur Storyline, dass Scarlett irgendwann den mühsam erkämpften Weg zurücklaufen muss, um in Flamels Grabkammer ein übersprungenes Mysterium nachzuholen; die Leichtigkeit, mit der sie binnen Sekunden einen Weg zurücklegt, für den man zuvor viele Filmminuten plagen musste, wirkt ernüchternd auf ein Publikum, das ohnehin die Nase voll hat von immer neuen, nur angerissenen Seltsamkeiten, die sinnfrei Schaueffekte generieren.

Wer an die immerhin angedeutete Botschaft glaubt, ist selbst schuld: Angeblich ist die Gruppe in einem vor Magie bestimmten Unterwelt gelandet, in der das Unglaubliche („as above“) Realität wird, sobald man es akzeptiert hat („so below“). Außerdem muss man – Schuld, Sühne & Moral gehören zum US-Horrorfilm wie Fliegen, Wespen & Ameisen zum Picknick – verborgene Übeltaten kundtun und sich dadurch ‚reinigen‘. Auf diese Weise sind die wenigen überlebenden Katakombisten bereit, als die Dowdles plötzlich merken, dass sie genug Material für einen Film zusammen haben und sich ein echtes Finale sparen: Die Geschichte hört einfach auf.

Leiden für den Film

Für ein Garn, wie es sich die Dowdles hier zusammengesponnen haben, schinden sich keine prominenten Schauspieler. Die zweite und dritte Garnitur, die sich sonst von TV-Gastrolle zu TV-Gastrolle hangelt, ist genau richtig. Jugend ist hilfreich, da „Katakomben“ wie gesagt vor Ort gedreht wurde. Für ältere und bauchige Darsteller ist der Herzinfarkt zu nahe und das Krankenhaus zu fern.

Zumindest Perdita Weeks ist nicht nur hübsch, sondern versteht auch etwas von ihrem Metier. In ihrem Fall ist es doppelt bitter, dass die Gebrüder Dowdle keine Ahnung haben, wie man interessante Figuren zeichnet. Scarlett Marlowe ist so, wie sie hier auftritt, beim besten Willen nicht als geniale Wissenschaftlerin plus manische Tochter plausibel. Schon dass sie nicht in einem Overall, sondern in ihrer Häkelbluse in den Untergrund vordringt, lässt den Zuschauer Facepalms schlagen.

Die übrigen Charaktere sind wahlweise unsympathisch und profillos. Persönliche Traumata sollen seelische Tiefe suggerieren. Stattdessen regiert das Klischee: tragisch ertrunkener kleiner Bruder, in der Stunde der Not im Stich gelassener Vater, verleugnetes Kind etc. Ohnehin bleibt nie Zeit, solche emotionalen Brüche zu entwickeln. Sie werden der Handlung hastig aufgepfropft, weil solche Verwicklungen (sowie natürlich die Enteisung der Alt-Love-Story zwischen Scarlett und George) vom Filmpublikum angeblich erwartet werden.

Nicht einmal der Tod sorgt für Unterhaltung. Quasi aus heiterem Himmel beginnt das Sterben, nachdem der zwischenzeitlich geborgene Stein der Weisen – mit dem bisher Wunden problemlos verarztet werden konnte – seinen Dienst leider einstellt. Die Opfer rafft es beklagenswert unoriginell dahin. Für eines dieser Enden ließen die Dowdles sogar das Wrack eines VW Golf Typ II unter Tage schaffen und abfackeln. Da sage noch jemand, Dämonen gingen nicht mit der Zeit!

Auf diese Weise reiht sich „Katakomben“ in die schier unendliche Serie verheißungsvoll beginnender und dann in Routine versackender Horrorfilme. Die Dowdles dürfen trotzdem jubeln: Allein an den Kinokassen spielte ihr Werk mehr als 40 Mio. Dollar ein! Erfahrene Zuschauer wissen, was das bedeutet: „Katakomben 2ff.“! DAS ist der wahre Fluch, den Alchemist Flamel über seine Grabschatzkammer gelegt hat!

DVD-Features

Außer dem Trailer gibt es keinerlei Extras zum Hauptfilm. Dabei existieren die üblichen Featurettes („Behind the Scenes“ etc.) durchaus, wenn man im Internet nach ihnen sucht.

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Katakomben
Originaltitel: As Above, So Below (USA 2014)
Regie: John Erick Dowdle
Drehbuch: Drew Dowdle u. John Erick Dowdle
Kamera: Léo Hinstin
Schnitt: Elliot Greenberg
Darsteller: Perdita Weeks (Scarlett Marlowe), Ben Feldman (George), Edwin Hodge (Benji), François Civil (Papillon), Marion Lambert (Souxie), Ali Marhyar (Zed), Cosme Castro (La Taupe), Hamid Djavadan (Reza),  Roger Van Hool (Prof. Marlowe), Olivia Csiky Trnka (Goth-Frau/Priesterin/Dämon) uva.
Label/Vertrieb: Universal Pictures
Erscheinungsdatum: 15.01.2015
EAN: 5053083018078 (DVD)/5053083018030 (Blu-ray)/5053083022457 (Blu-ray/Steelbook)
Bildformat: 16 : 9 (1,85 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch, Italienisch, Türkisch)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Italienisch, Türkisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 89 min. (Blu-ray: 93 min.)
FSK: 16

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The Descent – Abgrund des Grauens

Die Höhle

Beneath – Abstieg in die Finsternis

The Tunnel – Fürchte die Dunkelheit!