Lake Dead

Originaltitel: Lake Dead (USA 2007)
Regie: George Bessudo
Drehbuch: Daniel P. Coughlin
Kamera: Curtis Petersen
Schnitt: Eamon Glennon
Musik: Mark Petrie
Darsteller: Kelsey Crane (Brielle), Jim Devoti (Ben), Tara Gerard (Sam), Alex A. Quinn (Bill), Malea Richardson (Tanya), Vanessa Viola (Amy), Kelsey Wedeen (Kelli), Dan Woods (John), James C. Burns (Chuck Lake), Pat McNeely (Gloria), Christian Stokes (Abel), Trevor Torseth (Kane), Edwin Craig (Willard/Großvater) u. a.
Anbieter: Cult Movies Entertainment
Erscheinungsdatum: 19.03.2008 (Kauf-DVD)
EAN: 8717377002682
Bildformat: 16 : 9 (1,85 : 1   anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch), Dolby Digital 2.0 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 90 min.
FSK: keine Jugendfreigabe

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Das geschieht:

Die Lakes sind eine sogenannte „disfunktionale“ Familie: Der Vater säuft, die Mutter ist tot, Adoptivtochter Sam eine drogensüchtige Schlampe und zerstritten mit ihren Schwestern Brielle und Kelli. Als man endlich wieder einmal zusammenkommt, ist das kein Grund zur Freude, denn dies geschieht beim Begräbnis des Großvaters, der erschossen wurde und von dessen Existenz die Enkelinnen keine Ahnung hatten.

Ein gewissen Glücksgefühl keimt dennoch auf, denn Opa hatte etwas zu vererben: Irgendwo in der Wildnis steht das „Lake Motel“, das womöglich lukrativ zu verkaufen ist. Mit ihrem Verlobten Ben, mit Kelli und den Freunden Bill und Tanya plant Brielle einen Wochenend-Ausflug, um die Immobilie in Augenschein zu nehmen.

Die fröhliche Fahrt leidet unter Spannungen, weil Kelli ihre Freundin Amy mitbringt, die dem chronischen Frauenhelden Bill schöne Augen macht, was seiner durch leidvolle Erfahrung klug gewordene Freundin Tanya arg missfällt. Sam hat sich hingegen selbstständig gemacht und ist solo zum Motel vorausgefahren. Dort wurde sie in der Nacht von zwei pizzagesichtigen Grunzriesen überfallen, grausam ermordet und in jenem See versenkt, der dem Motel seinen Namen gab.

Ahnungslos checken die übrigen Erben am nächsten Tag ein. Freundlich empfängt sie die alte Gloria, die seit 40 Jahren das Haus führt. Sie zeigt den Freunden einen besonders schönen Campingplatz, der an Qualität indes einbüßt, als auch dort die Grunzriesen erscheinen und mit Spitzhacke und Würgeschlinge die Darstellerreihen lichten. Entsetzt fliehen die Überlebenden. Sie wähnen sich gerettet, als sie auf den Polizisten Chuck treffen, der sich ihrer pflichtbewusst annimmt. Allerdings ist Chuck womöglich noch verrückter als die Grunzriesen, denn er arbeitet aktiv an einem außergewöhnlichen Familienprojekt mit, das zwingend den Einsatz junger i. S. von gebärfähiger Frauen vorsieht …

Ekel allein ist nicht unterhaltsam

Ekel ist ein wichtiger Faktor des Splatterfilms, der seinen Unterhaltungswert aus dem ebenso brutalen wie einfallsreichen Tod möglichst vieler Darsteller schöpft. „Lake Dead“ ist in dieser Hinsicht leider nur scheinbar doppelt gesegnet: Die Story ist so krude, dass einem wirklich speiübel werden kann, und das Ergebnis – der ‚Film‘ – ist zum Kotzen.

Es fällt schwer die unzähligen Dämlichkeiten aufzulisten, die „Lake Dead“ zu einem Totalausfall für ein Genre werden lassen, das mit Bockmist generell reich gedüngt wird. Der angebliche Impetus des ‚neuen‘ Horrorfilms ist offenkundig verpufft; er wird schon wieder von den alten Faulheiten und Fehler dominiert, die ihn Ende der 1980er Jahre in eine abgelegene Nische der Filmgeschichte abdrängten.

„Blut ist dicker als Wasser“ lautet ein in diesem Film oft gehörtes Sprichwort. Wahnsinn tritt dieses Mal kombiniert mit Inzucht auf, was Drehbuchautor und Regisseur wohl als Selbstläufer einschätzten: Die Lakes treiben’s miteinander – Bäh! Schreck! Schauder! Tatsächlich ärgert man sich höchstens über die einschlägigen Klischees, die „Lake Dead“ ebenso entarten lassen wie die Grunzriesen Kane & Abel, eine Leihgabe aus „Backwood“-Billig-Schockern à la „Wrong Turn 2-4“. Hier schockiert nur die plumpe Behauptung von Horror, der eher Kasperletheater ist.

Ort des billigen Grauens

Die kümmerlichen Kulissen teilt sich „Lake Dead“ mit einem weiteren Dumm-Dumm-Geschoss des modernen Horrorfilms: Auch „The Graveyard“ entstand 2006 hier. Der Ort – die Sable Ranch in Santa Clarita, Kalifornien – muss verflucht sein, denn ihm entspringen Müllfilme in Serie: „Crash Point Zero“ (2000), „VooDoo Curse: The Giddeh“ (2006), „Shiloh Falls“ (2007), „The Lost Skeleton Returns Again“ (2009) … Die Kette reißt auch zukünftig nicht ab.

Faktisch geht es sowieso einmal mehr darum, eine Gruppe hübscher Jugendlicher beiderlei Geschlechts an einen einsamen Ort zu locken, damit diese dort von tierhaft degenerierten Unholden geschändet & massakriert werden können. Das kann unterhaltsam sein, wenn man es richtig macht, d. h. dem Affen Zucker gibt und es buchstäblich mordsmäßig krachen lässt.

Schon an dieser flachen Klippe scheitert „Lake Dead“ kläglich. Geld war anscheinend nur für eine richtig fiese Metzel-Szene da, während sonst kostengünstig im Off gemeuchelt wird. Oder hat uns da wieder einmal der Zensor mit der großen Schere vor psychischen Schäden bewahrt, obwohl auf dem DVD-Cover groß die (gern missbrauchten) Zauberworte „uncut Version“ prangen?

Was bleibt von einem Splatter, wenn’s nicht splattert? Genau – gar nichts, zumal Drehbuchautor Daniel P. Coughlin und Regisseur George Bessudo anscheinend einen Pakt geschlossen haben, der ausdrücklich einen Film ohne originelle oder wenigstens geklaute Einfälle forderte. Wer so ein Machwerk sehen will, bleibt eine unbeantwortete Frage; nicht nur auf dem „After Dark“-Horror-Festival 2007, das ebenfalls auf dem Cover Erwähnung findet, wurde „Lake Dead“ als einer von „8 Films to Die for“ jedenfalls in seltener Einhelligkeit von der Kritik verrissen und vom Publikum verlacht.

Hilflos im Würgegriff des Trash-Kinos gefangen

Wieder einmal verraten und verkauft sind die Darsteller, die sich bereitwillig dem Diktat eines Regisseurs unterwarfen, der ihnen außer kargem Lohn nur die Gewissheit bieten konnte, dass der Weg zum Starstatus steiler sein kann als in düstersten Momenten des Selbstzweifels gealbträumt. Was können diese jungen Frauen und Männer schauspielerisch wirklich leisten? Wir wollen ihnen nicht wünschen, dass sie ihr Bestes am „Lake Dead“ gegeben haben!

Die weibliche Darstellerriege fällt genretypisch durch jugendlich straffe Körper und polarweiße Gebisse auf, wobei vor allem erstere fast zwanghaft entblößt werden. Ansonsten zog dieses Fall Vanessa Viola die Arsch- bzw. Tittenkarte, denn Drehbuch-Genie Dan Coughlin zwingt sie, sich augenblicklich in den scheeläugigen Schwachbier-Schluckspecht Bill zu verlieben, ihn zum Holzsammeln in den ‚Wald‘ (durchschnittliche Entfernung von Baum zu Baum: ca. 10 m) zu folgen, sich hinter dem ersten Busch das Shirt vom Leib zu reißen und „Ich will dich – sofort“ zu stammeln. Bill weiß sein Glück kaum zu fassen; eine Empfindung, die jeder Zuschauer teilt.

Beglückwünscht haben sich Drehbuchautor und Regisseur vermutlich zum Nerven zerfetzenden Intermezzo, als Brielle und Ben sich im See exakt über der Stelle vergnügen, an der die Leiche von Sam an ihrem Schlackenstein schaukelt, und trotzdem nichts merken. Obwohl dies im Verlauf des Geschehens verneint wird, könnte die Inzucht doch schon länger das Geschlecht der Lakes hirnschädigen als gedacht, denn so spricht Sam, als in der Nacht mit eindeutiger Bedrohlichkeit an der Tür zu ihrem Zimmer gerüttelt wird: „Es ist abgeschlossen!“

Familienwahnsinn oder geistlose Langeweile?

Was Kane und Abel erwartungsgemäß nicht abschreckt. Sie lässt Regisseur Bessudo durch zwei Darsteller verkörpern, die auch als Wrestler gute Figuren abgäben. Mit klassischen Hollywood-Inzucht-Gesichtszügen, die auch den Elefantenmenschen erschrecken würden, mimen sie in ihren Drillich-Strampelanzügen die Fleisch gewordene, unüberwindliche Bösartigkeit.

Trotzdem knockt sie der schmächtige Ben beide binnen Sekunden aus … Er ist aber anders als der spätpubertierende und untreue Bill ein guter Junge und darf deshalb wie die ebenso langweilige Brielle siegen und überleben. (Ist das ein Spoiler? Bei einem IQ-Null-Film wie „Lake Dead“ wird JEDE Anmerkung zum Inhalt ein Spoiler! Und kann mir bei dieser Gelegenheit jemand die Frage beantworten, wieso die Lakes jedes Nicht-Familienmitglied umgehend ermorden aber ausgerechnet Ben verschonen, der ihnen nichts als Schwierigkeiten macht? Gut, ich kenne ja die Antwort – er wird für’s Finale benötigt. Auf Kelli oder gar Brielle können wir nicht zählen; letztere bringt es fertig, sich auf völlig ebener Straße den Knöchel zu verstauchen …)

Wer sich sonst vor die Kamera locken ließ, litt entweder verzweifelt unter Geldnot oder wurde vom Regisseur erpresst. (Oder fällt in die Kategorie des Komponisten Petrie, der die Filmmusik schrieb und taub geboren wurde.) Andere Gründe kann es nicht geben. Wenigstens James C. Burns alias Chuck Lake ereilte noch im Film die gerechte Strafe: Er muss der faltigen Gloria einen Zungenkuss geben – übrigens eine Szene, die stärker erschreckt als im Prolog der Schrotschuss durch Großvater Lakes Schädel.

DVD-Features

Durch Recherche fand ich heraus, dass es zumindest ein „Making-of“ zum Film gibt, das aber nicht auf die DVD gebrannt wurde; schade, denn das verzweifelte Lügen zu verfolgen, mit denen die Beteiligten von vor und hinter der Kamera „Lake Dead“ schön zu reden versuchen, dürfte ein Genuss sein! So gibt es nur einen Trailer, der anders als der Hauptfilm unerhört innovativ wirkt: Er spiegelt nämlich erstaunlich offen wider, wie miserabel dieser anzuschauen sein wird.

Optisch gibt es übrigens für einen Film dieser Billigklasse wenig auszusetzen. Zumindest der Kameramann wusste, was er tat. Wenn dies nur auf die deutschen Synchronsprecher ebenfalls zuträfe! „Lake Dead“ gehört zu den Filmen, in denen diese – eventuell durch einen Piratenüberfall im Studio – abgelenkt wirken, während sie sich durch ihre Rollen leiern. Aber es gibt ja noch den O-Ton – in grandiosem Dolby Digital 2.0!

Womit der Rezensent erschöpft aber zufrieden sein Werk beschließt: Die Warnung wurde ausgesprochen, hoffentlich begriffen und beherzigt. Für mich ist es zu spät, aber ihr könnt euch noch retten!

[md]

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