Last of the Living

Originaltitel: Last of the Living (Neuseeland 2008)
Regie, Drehbuch u. Schnitt: Logan McMillan
Kamera: Kirk Pflaum
Musik: Ben Edwards u. Kurt Preston
Darsteller: Morgan Williams (Morgan), Robert Faith (Johnny), Ashleigh Southam (Ash), Emily Paddon-Brown (Stef), Mark Hadlow (Stefs Dad), u. a.
Label u. Vertrieb: Ascot Elite Home Entertainment (www.ascot-elite.de)
Erscheinungsdatum: 20.05.2009 (Leih-DVD) bzw. 18.06.2009 (Kauf-DVD)
EAN: 4048317357673 (Leih- u. Kauf-DVD)
Bildformat: 16 : 9 (1,85 : 1 – anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 88 min.
FSK: 18

Das geschieht:

Als die Apokalypse kam, erreichte sie auch das ferne Neuseeland und verwandelte fast alle Menschen in kannibalische Zombies, die auf den Straßen ihr Unwesen treiben und hungrig auf unvorsichtige Zeitgenossen lauern. Morgan, ein erfolgloser Schauspieler, Johnny, ein erfolgloser Rockmusiker, und Ash, ein erfolgloser Buchhalter, haben sich deshalb in einer gut geschützten Villa verschanzt, wo sie ihre Zeit videospielend, dösend und einander ärgernd verbringen. Für Abwechslung sorgen Ausflüge in die Stadt, wo sich das Trio mit Lebensmitteln und Luxusgütern eindeckt und ihr Mütchen an den Zombies kühlt, denen reihenweise die Schädel eingeschlagen werden. So verstreichen die Monate, in denen die drei Jungs eigentlich nur eines vermissen: Frauen!

Auf ein lebendiges Exemplar dieser selten gewordenen Spezies stoßen sie dann eher zufällig. Die Medizinerin Stef ist einem möglichen Heilmittel auf die Spur gekommen. Proben verseuchten Zombie-Blutes müssten auf die abgelegene Insel Stewart Island gebracht werden, wo sie in einem Forschungsinstitut zu einem Serum verarbeitet werden könnten.

Weniger um die Rettung der Menschheit besorgt als bemüht, Eindruck auf die hübsche Stef zu machen, erklären sich Johnny, Morgan und Ash bereit zu helfen. Es beginnt eine Odyssee durch eine von Zombies wimmelnde Welt,, die nicht alle Teilnehmer überleben werden und an deren Ende eine böse Überraschung steht …

Wieso überleben stets die Trottel?

Schlimmer als jeder Weltuntergang durch Zombies oder Pandemien ist der Triumph des Trottels, der Talent durch jene Entschlossenheit wettmacht, die es ihm ermöglicht, seinem Unvermögen Gestalt zu verleihen. Hier ist es ein neuseeländisches Exemplar seiner Art namens Logan McMillan, der sich seinen Traum erfüllte bzw. leider erfüllen konnte, einen Spielfilm zu drehen, wobei die Definitionsgrenzen für „Film“ einer enormen Belastungsprobe unterzogen werden.

Wie selbstverständlich wählte er das Horror-Genre. Es ist seit jeher Spielplatz für die McMillans dieser Welt, weil einerseits beliebt und andererseits (scheinbar) simpel in der Umsetzung. Aber das ist ein Irrtum: Guter Grusel ist genauso schwer zu erzeugen wie Romantik, was wir nach der gefühlten Endlosigkeit des Trash-Machwerks „Last of the Living“ heftig kopfschüttelnd bestätigen können – immerhin ein Lerneffekt!

Was McMillan vorschwebte, wird allzu deutlich: Er plante nichts Geringeres als eine neuseeländische Version von „Shaun of the Dead“. Seinen Enthusiasmus muss man bewundern, denn durch die Tatsache, dass in seiner Kriegskasse permanent Ebbe herrschte, ließ sich der umtriebige Nachwuchs-Filmer nicht aufhalten. Er setzte auf den Volksfest-Charme, den der Dreh von Zombie-Streifen offensichtlich ausstrahlt, und heuerte absolute Neu-Darsteller sowie eine schier unendliche Reihe begeisterter Zombie-Statisten (oder heißt es hier besser Statisten-Zombies?) an. Nicht einmal 80.000 $ hat er nach eigener Auskunft ausgegeben. Man glaubt es ihm in jeder Filmsekunde.

Das Drehbuch blieb in dem Durcheinander der Filmvorbereitungen leider sekundäres Element. Die Story ist ohnehin nur Vorwand ist für eine Kette eher notdürftig miteinander verknüpfter Episoden. Sie könnten problemfrei in unterschiedlicher Reihenfolge montiert werden, was der Handlung weder nützen noch schaden würde. In der Tat hat McMillan in den drei Jahren, die er an seinem Film ‚arbeitete‘, diverse Szenen gestrichen bzw. neu konzipiert und nachgedreht. Der einzige Zweck war nicht selten die Notwendigkeit, das Endprodukt auf die markttaugliche Spielfilmlänge von ca. 90 min. zu bringen. Zu seinem Glück ist „Last of the Living“ ein fadenloses und fades Durcheinander, das solche brachialen Eingriffe verträgt.  Ein ‚offenes‘ Ende, das nichts als Ratlosigkeit verrät, krönt die Konzeptlosigkeit unfreiwillig genial.

Do it yourself – aber niemals richtig!

Wenn man dem Ideengehalt des Drehbuchs den Wert Null zuweist, muss man für die Bewertung der handwerkliche Umsetzung in den Minusbereich gehen. Die ‚Masken‘ wurden offenbar einem Schminkkasten fürs Kindergarten-Theater entnommen. Den ‚Zombies‘ wurde in 99 von 100 Fällen ein wenig graue und rote Farbe in die Gesichter geschmiert, was nicht nur gar nicht überzeugt, sondern auch nicht verbergen kann, dass einige der für diese Rollen angeheuerten Statisten sich das Grinsen nicht verbeißen konnten. Für angeweste oder verstümmelte Zombies wurde möglicherweise ein Gemisch aus Mehl und Mullbinden angerührt. Die Darsteller sehen darunter wahrlich scheußlich aus, aber es erschreckt höchstens die Dreistigkeit, mit der McMillans Spießgesellen ihr Publikum für dumm verkaufen wollen.

Das ist zu toppen: Hin und wieder gibt der Regisseur, wonach das einschlägige Publikum verlangt – Zombies müssen geköpft werden, wenn man sie stoppen will. Das gibt theoretisch Raum für unterhaltsame Ekel-Effekte, die in unserem Fall aus Kostengründen entweder entfallen oder durch Tricks aus der Dampfmaschinen-Ära der Filmgeschichte in ihrer Wirkung aufgehoben werden.

Gedreht wurde primär „on the road“, denn für Kulissen im eigentlichen Sinn war ebenfalls kein Geld da. Irgendwie gelang es McMillan, ganze Straßenzüge seiner Heimatstadt Christchurch zeitweise verkehrs- und menschenfrei zu halten. Er ließ die Kamera und seine Darsteller laufen und malträtiert folgerichtig seine Zuschauer mit endlosen Ansichten postapokalyptisch leerer Straßen (in denen die Auto ordentlich am Rand geparkt stehen und der Müll in den Eimern liegt).

Ansonsten stapft die Darstellerschar über Schafswiesen oder irrt zwischen verfallenen Nissenhütten umher, die als „Forschungsstation“ deklariert werden. Aufwendigstes Requisit ist ein prollig gepimpter Ford Cortina Baujahr 1974, der durch Rammstacheln in ein Mad-Max-Vehikel für Arme verwandelt wurde. Viele Minuten werden mit Schleichwerbung für eine obskure „down-under“-Hardrock-Band namens „The Frank Woo“ gefüllt. Für die alles verbindende Klammer sorgt das minderwertige Equipment, das ausschließlich unscharfe, grobkörnige, grau-grünstichige Filmbilder produziert.

Darsteller buchstäblich am Ende der Welt

Die Filmgeschichte ist reich an hoffnungsvollen und begeisterungsfähigen Nachwuchs-Schauspielern, die sich nicht selten lohnfrei in ein Projekt stürzen, das ihnen eine Filmrolle garantiert. Grausame Ernüchterung ist oft die Folge – nicht nur für die Beteiligten, sondern auch für das unschuldige Publikum.

Selbst das Internet gibt nur die Namen derer bekannt, die Logan McMillan für sein Regiedebüt anheuerte. Bis auf den Nebenrollen-Veteranen Mark Hadlow, der in seinem Ein-Minuten-Auftritt nicht glänzen kann, treten nur Anfänger vor die Kamera. Wenn es vor allem Führung war, die sie dort benötigten, haben sie diese von ihrem Regisseur und Drehbuchautoren nicht erhalten. Also chargieren die Herren Williams, Faith & Southam, aber auch Emily Paddon-Brown aus Leibeskräften. Beseelt wurden sie dabei womöglich durch Verzweiflung, weil sie Szenen improvisieren mussten, die ein erfahrener Filmemacher besser geschrieben oder nachträglich wenigstens auf Sekundenlänge zusammengestrichen hätte. Stattdessen plappern und mimen die Darsteller aus Leibeskräften, damit wenigstens etwas auf dem Bildschirm geschieht. Dabei bleibt keine Zeit für Nuancen oder für das Timing, das auch eine Horror-Komödie so dringend benötigt.

Ebenfalls nicht verstanden hat McMillan, dass Couch-Kartoffel-Proleten als solche nicht komisch sind. In „Shaun of the Dead“ waren die unterbelichteten ‚Helden‘ sympathisch gezeichnet. Hier sind sie einfach hohlköpfiges Pack. Die Versuche, ihnen exzentrische Züge zu verleihen, scheitern auf das ganzen Linie. Auch Stef ist weder so „taff“, wie Morgan, Johnny und Ash einander ständig versichern, noch überzeugt sie als ‚Wissenschaftlerin‘.

Letztes Rätsel bleibt, wieso die deutsche Version von „Last of the Living“ nur eine FSK-18-Freigabe erhielt. Die Splatter-Effekte sind nicht nur kläglich, sondern auch zahlenarm. Damit ist die Indizienlage eindeutig: „Last of the Living“ ist Trash: kein fröhliches Spucken auf politisch korrekte Unterhaltung, sondern Trash im Sinne von Abfall. Und Abfall gehört bekanntlich auf die Müllkippe.

DVD-Features

„Last of the Living“ ist ein Film aus Neuseeland. Aus Neuseeland kommt Peter Jackson, der u. a. mit „The Lord of the Rings“ Filmgeschichte geschrieben hat. Diese Blockbuster-Trilogie wurde in Neuseeland gedreht. Also ist Neuseeland ein Ort, an dem gute Film-Phantastik entsteht.

Etwa so müssen sich jene skrupellosen Krämerseelen, die „Last of the Living“ über uns brachten, das Wunschdenken ihrer Zuschauer (= Käufer) zurechtgebogen haben. Nur auf diese Weise kann die (übrigens stets zur Vorsicht mahnende) Bezeichnung „Kultfilm“ zu Stande gekommen sein. Um den Schein des Lohnenswerten zusätzlich aufrecht zu erhalten, wurden dem Hauptfilm ungewöhnlich viele Features beigegeben. Auch sie suggerieren einen Geheimtipp, fügen sich aber stattdessen nahtlos in das ärgerliche Gesamtbild ein.

Stolz stellen sich alle Hauptdarsteller sowie „total film maker“ Logan McMillan der Interview-Kamera. Man hat sie bisher sichtlich selten oder noch gar nicht über ihren Job befragt. Begeistert erzählen sie von den Dreharbeiten und scheinen dabei über einen ganz anderen und deutlich besseren Film zu reden.

Regisseur, Drehbuchautor und Cutter McMillan darf darüber hinaus den Abfall aus dem Schneideraum vorführen und kommentieren. Die „deleted scenes“ sind miserabel, ihr Fehlen macht das Werk nicht erträglicher. Das alternative Ende ist genauso bescheuert wie das ein Jahr nach dem eigentlichen Dreh nachgeschobene ‚richtige‘ Finale. Alles zusammen komplettiert den Tatbestand der fortgesetzten Publikumsverdummung.

[md]

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