Living Hell – Das Grauen hat seine Wurzeln

Originaltitel: Living Hell (USA 2008)
Regie u. Drehbuch: Richard Jefferies
Kamera: Eric Leach
Schnitt: Russell Denove
Musik: Terence Jay
Darsteller: Johnathon Schaech (Frank Sears), Erica Leerhsen (Carrie Freeborn), Jason Wiles (Glenn Freeborn), James McDaniel (Colonel Eric Maitland), Terence Jay (Sergeant Arbogast), Charissa Allen (Private Aneta McQueen), Dylan Kenin (Sgt. Teegarden), Judy Herrera (Private Una Fernandez), Vic Chao (Sgt. Kinoshita), Josh Berry (Torbin Struss), Daniel Beer (Tristan Sears), Rick Herod (General Kenneth Lavigne), Joshua Rollins (Kermit Shourt), Darlene Kegan (Elenore Sears) uva.
Label: 3L-Film
Vertrieb: Ascot Elite Home Entertainment (www.ascot-elite.de)
Erscheinungsdatum: 09.07.2009 (Leih-DVD) bzw. 20.08.2009 (Kauf-DVD)
EAN: 4049834002282 (Leih- u. Kauf-DVD)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1   anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 88 min.
FSK: 16

Das geschieht:

Nach vielen Jahrzehnten soll Fort Lambert aufgegeben und abgerissen werden. Viele längst vergessene Geheim-Experimente fanden hier tief in der Wüste des US-Staates Neu-Mexiko während des Kalten Krieges statt. Deshalb müssen Spezialisten unter der Leitung von Glenn Freeborn das gewaltige und verschachtelte Gelände mit seinen drei unterirdischen Geschossen nach überlagerten Chemikalien und Waffen durchsuchen. Da Freeborn im Rollstuhl sitzt, ist es Gattin Erica, die an der Gift-Front aktiv ist.

Die schmutzige und heiße Arbeit wird dramatisch unterbrochen, als Schullehrer Frank Sears sich gewaltsam Einlass in Fort Lambert verschafft. Vor Jahrzehnten hat ihm seine Mutter, die in der Anlage beschäftigt war, beschworen, Sorge dafür zu tragen, dass „es“ im Fort niemals „gestört“ werde; anschließend brachte sie ihren Ehemann und sich um.

Durch Frank aufgeschreckt, finden die Freeborns bei der nochmaligen Überprüfung eines Kellergeschosses eine geheime Kammer. Dort steht ein Tank, der nicht nur die Kadaver unzähliger Versuchstiere, sondern auch eine Leiche enthält, die von einer seltsamen Rankenkreatur befallen ist. Die erweist sich als quicklebendig. Mit rasanter Geschwindigkeit beginnt sie zu wachsen, schnappt sich erst Glenn Freeborn und dann die meisten Soldaten des Forts, während sie an Größe stetig zunimmt und sich als kugelfest erweist.

Eine panische Flucht setzt ein, Washington wird informiert. Mit dem üblichen Brett vorm Kopf wird der Feind militärisch attackiert. Als das missglückt, wird der Einsatz der Atombombe befohlen. Dabei haben Frank und Erica inzwischen herausgefunden, dass dies die Kreatur endgültig unbesiegbar machen würde. Der Schlüssel zum Sieg ist Frank, dessen Blut das Wesen tötet. Doch es muss in seinem Kern getroffen werden, und der befindet sich in Fort Lambert, das unter sauggierigem Wurzelwerk förmlich begraben liegt …

Menschen gegen Monster – ein unsterblicher Klassiker

Am Anfang stand ein durchaus kluger Gedanke: Wir planen ein monumentales SF-Grusel-Epos und haben nur ein Budget von 4,5 Mio. Dollar. Deshalb sparen wir uns gedankliche Tiefe und drehen ein B-Movie nach klassischem Vorbild. Gemeint sind primär die US-amerikanischen Monster-Filme der 1950er Jahre. Die Besseren ihrer Art erzählen eine spannende Geschichte und enthalten zusätzlich ein wenig Stoff zum Nachdenken.

Einst stand vor allem die Angst vor „der Bombe“ und dem III. Weltkrieg im Vordergrund. Geändert hat sich seither allenfalls der Gegenstand der Furcht: „Living Hell“ thematisiert (SEHR trivial) die moderne Gänsehaut vor einer Gentechnik, deren Produkte sich im Verbund mit biologisch-chemischer Umweltverschmutzung sowie menschlicher Schlampigkeit unaufhaltsam verselbstständigen. In der Tat gleicht die Turbo-Wurzel, die erst Fort Lambert und dann die ganze Welt bedroht, dem umstrittenen Gen-Mais, dessen potenzielle Nebenwirkungen je nach Interessenlage negiert oder beschworen werden. Hier behalten natürlich die Pessimisten Recht, denn nur auf diese Weise kommt (so etwas wie) eine Filmhandlung in Schwung, die anderthalb Stunden trägt.

Zwar daran gedacht aber nicht entsprechend gehandelt

Theoretisch jedenfalls, denn realiter hat Regisseur und Drehbuchautor Richard Jefferies sein Ziel nicht nur knapp verfehlt. Das muss er sich hauptsächlich selbst vorwerfen, da „Living Hell“ sein ureigenes Filmkind ist. Dem hätte er zu mehr Schwung und inhaltlicher Stringenz verhelfen müssen. „Living Hell“ ist ein lahm und sprunghaft inszeniertes Abenteuer. Schon der Auftakt ist fauler Zauber: Jefferies springt mitten in die Handlung, um danach erst einmal 33 (!) Jahre zurückzuschalten; später wird das einleitend gezeigte Geschehen in voller Länge wiederholt.

Zu diesem Zeitpunkt hat sich der Zuschauer womöglich schon an die grassierende Langeweile gewöhnt, die „Living Hell“ immer wieder verbreitet. Überraschungen glänzen durch Abwesenheit, sämtliche Figuren verhalten sich exakt so, wie wir es aus unzähligen B-Movies kennen. Halt: Die „Living-Hell“-Soldaten sind möglicherweise noch vernagelter als üblich; allerdings belegen Fakten, die z. B. aus dem Irak bekannt werden, dass im US-Militär tatsächlich nicht nachgedacht, sondern nach Vorschrift gehandelt wird. Unter dieser Prämisse überzeugt die Deckel-zu-und-Beton-drauf-Mentalität, die den unglücklichen sowjetischen Überläufer Yurgeni Tarasov, der eine Superwaffe für seine amerikanischen ‚Gastgeber‘ entwickeln sollte, im eigenen Test-Tank enden ließ.

Jefferies spart sich durch einschlägige Mach-das-oder-du-kommst-vors-Kriegsgericht-Szenen außerdem viel Denkarbeit, weil er Unlogik direkt ins Geschehen einarbeiten kann. Manchmal kommt man nicht umhin zu vermuten, dass Jefferies diverse Soldaten-Aktionen parodistisch angelegt hat; General Lavigne ist beispielsweise ein Kommisskopp, den man sich lieblicher, d. h. dämlicher, nicht vorstellen kann, wenn er sinnlos Befehle an längst tote Untergebene bellend und mit seiner Dienstwaffe auf Würge-Wurzeln feuernd rückwärts durch eine Bowling-Bahn (!) stolpert.

Gefahr ohne Gesicht

Der übelste Fauxpas ist sicherlich die Wahl des Monsters: Eine Wurzel kann schwerlich so ungeheuerlich wüten, dass es den Zuschauer fesselt. Es fehlt das „Gesicht“, das dem Grauen Züge verleiht. Tarantula, die Riesenspinne, oder Ymir, das Weltraum-Ungetüm, sind Kreaturen, die ihr Publikum noch mehr als ein halbes Jahrhundert nach ihrem Filmtod in den Bann ziehen. Dass Handlung und Tricks von „Tarantula“ und „20 Million Miles to Earth“ denkbar altmodisch sind, ändert daran gar nichts. Diese Wesen haben Charakter, und sie wachsen dem Zuschauer trotz ihrer Untaten ans Herz. Da muss ein Wurzelgeflecht ohne Kopf, Augen oder Individualität passen. Dieses Problems war sich Jefferies wohl durchaus bewusst; nicht grundlos konzentriert sich der „Kern“ des Monsters im konservierten Körper seines Schöpfers. Lösen konnte er es auf diese Weise aber nicht.

Außerdem agiert unsere Wurzel einfallslos. Sie bohrt sich durch den Boden und dann in ihre Opfer. Ein Hirn besitzt sie nicht. Der ständig identische Tod ist trist. Daran ändert die angesichts des wahrlich nicht üppigen Budgets meist erstaunlich saubere Tricktechnik wenig: Die Wurzeln wachsen bemerkenswert überzeugend und unter Vorspiegelung räumlicher Tiefe durch die Wüstenlandschaft. Licht- und Schatteneffekte wurden berücksichtigt.

Das Pressen des Pennys

Für 4,5 Mio. Dollar lässt sich dennoch beim besten Willen kein Film inszenieren, der dem Zuschauer vor Staunen die Augen übergehen lässt. Jefferies tat sein Bestes. Klug wählte er die Wüste von Neu-Mexiko als Schauplatz. Schon Altmeister Jack Arnold ließ unsterbliche SF-Klassiker wie „It Came from Outer Space“ (1953, dt. „Gefahr aus dem Weltall“) oder den genannten „Tarantula“ (1955) vor der kargen aber eindrucksvollen Kulisse dieser Landschaft spielen.

Vor allem ist „Living Hell“ freilich ein Film, der durch Special-Effects lebt. Schon gelobt wurden die Schöpfer der Wurzel-Attacken. Mit Robert Kurtzman wurde ein in seinem Metier sehr bekannter Make-up-Künstler angeheuert, der trotz der finanziellen Einschränkungen in Sachen Wurzelbefall gute Arbeit leistet.

Auf der anderen Seite wird immer wieder geschludert. Einfach lächerlich wirkt vor allem Ericas und Franks CGI-Helikopter-Flug über die von der Wurzel bedeckte Wüste. Noch peinlicher ist die ‚Explosion‘ des Hubschraubers, die aus einem billigen Computerspiel übernommen scheint. Zwar einfallsreich aber allzu deutlich als Notlösung erkennbar ist die Darstellung einer militärischen Großattacke, die ausschließlich auf den Radar- und Infrarot-Bildschirmen des Hauptquartiers ’stattfindet‘: Für Vor-Ort-Gefechte mit richtigen Panzern und anderem Kriegsgerät war halt kein Geld da. Vielleicht hätte man die Gefahr eine Stufe niedriger ansetzen und nicht gleich den Weltuntergang anmahnen sollen.

Routiniers in Khaki und Tarnstreifen

An der Wurzel-Front finden wir viele übliche Verdächtige – Hollywood-Darsteller der zweiten und dritten Garnitur, die hart für ihr Geld arbeiten und trotzdem auf echten Starruhm verzichten müssen. Dass sie ihr Handwerk verstehen, wird in erster Linie dadurch ersichtlich, dass sie unsäglich dümmliche Dialoge über ihre Lippen bringen und sich der Zuschauer trotzdem nicht dauerhaft vor Lachen kugelt. Die Bürger des Wüstennestes Bennell, das ebenfalls in den Wucherweg der Wurzel gerät, werden von Laien dargestellt, die möglicherweise mit Freibier bei Stimmung gehalten wurden. Panisch wirken sie jedenfalls nicht, wenn die digitalen Wurzelstränge nach ihnen haschen.

Im Gedächtnis haften bleibt die unglaubliche Szene, in der Frank die nackte Erica mit seinem Blut einreibt, um ihr auf diese Weise seine Immunität gegen die Wurzel zu übertragen: Sie wird exakt wie eine Sex-Szene inszeniert, ausgeleuchtet und mit der entsprechenden Musik unterlegt. Vermutlich unfreiwillig gelingt Jefferies hier einer jener kruden Momente, die den ganz besonderen Charme des B-Movies ausmachen. Von ihnen hätte „Living Hell“ mehr benötigt; aus einer lahmen Routine-Produktion für den „Sci-Fi-Channel“ wäre womöglich ein weiterhin hanebüchener aber wenigstens unterhaltsamer Film geworden.

DVD-Features

Der Trailer und eine Bildergalerie wurden der DVD aufgespielt; einen Bonus zum Hauptfilm gibt es also im Grunde nicht.

[md]

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