Long Weekend

Originaltitel: Long Weekend (Australien 2008)
Regie, Schnitt u. Musik: Jamie Blanks
Drehbuch: Everett de Roche
Kamera: Karl von Möller
Darsteller: James Caviezel (Peter), Claudia Carvan (Carla), Robert Taylor (Barmann), Everett de Roche (Säufer), Gordon Waddell (Mann im VW-Bus), Jude Beaumont (Frau im VW-Bus), Lara Robinson (Mädchen), Roger Ward (Truckfahrer) u. a.
Label/Vertrieb: Sunfilm Entertainment (sunfilm.de)
Erscheinungsdatum: 24.07.2009 (Leih-DVD/Blu-Ray) bzw. 14.08.2009 (Kauf-DVD/Blu-Ray)
EAN: 4041658222518 (Leih- u. Kauf-DVD) bzw. 4041658292511 (Blu-Ray)
Bildformat: 4 : 3 (2,35 : 1 – 16 : 9)
Audio: DTS 5.1 (Deutsch), Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 88 min. (Blu-Ray: 91 min.)
FSK: 16

Das geschieht:

Mit einem verlängerten Wochenende versucht Yuppie Peter, seine bröckelnde Ehe mit Carla zu retten. Er hat mit Freunden einen Surf- und Camping-Ausflug organisiert, der an einen See führen soll, der nur wenigen Eingeweihten bekannt ist. Die Fahrt steht von Anfang an unter einem Unstern. Carla hasst Camping, und Peter ist als Outdoor-Urlauber eher unerfahren. Schon die Fahrt zum See wird zum Abenteuer. Die Freunde lassen sich nicht blicken. Peter überfährt ein Känguru. Der Navigations-Computer lässt ihn ebenso wie das Handy im Stich. In der abgeschiedenen Zielgegend verfährt er sich. Die Nacht bricht herein, und die Spannungen zwischen den Eheleuten nehmen zu.

Der nächste Morgen scheint Erlösung zu bringen. Nur wenige Minuten jenseits des improvisierten Lagerplatzes lockt der gesuchte See. Die Landschaft ist traumhaft schön, und dank regelmäßiger Alkoholzufuhr beginnt Peter sich heimisch zu fühlen, während Carlas Unbehagen steigt. Zunächst nimmt nur sie seltsame Geräusche wahr, fühlt sich beobachtet und verfolgt. Für Peter wird dies zum Anlass, erst recht an dem Lager festzuhalten, obwohl sich die Freunde nicht blicken lassen. Erst als eine leichtfertig erschossene Seekuh ein unheimliches Eigenleben zu führen beginnt, wird auch Peter unruhig, zumal er auf einem Lagerplatz in der Nähe eine Tragödie entdeckt.

Weil Peter seinen im Busch verschwundenen Hund nicht zurücklassen will, flammt der Streit mit Carla wieder auf. Sie nimmt den Wagen und lässt ihn zurück, aber die Flucht aus der gespenstisch lebendig werdenden Wildnis will auch ihr nicht mehr gelingen …

Die Natur schlägt zurück … irgendwie

Der Mensch ist ein seltsam schizophrenes Wesen: Einerseits benutzt er diese Erde wie ein Papiertaschentuch, während er andererseits genau diesen Missbrauch bitter beklagt. Das kann wissenschaftlich begründet in klaren Worten geschehen, aber auch (film-) künstlerisch verbrämt werden. „Long Weekend“ geht von der Prämisse aus, dass besagte Erde nicht nur eine Art bewohntes Raumschiff, sondern auch ihr eigener Kapitän ist. Soll heißen: Die Natur präsentiert sich nicht als ökologisch verzahntes Funktionsgefüge, sondern bildet ein intelligentes Kollektivbewusstsein, dem Tiere und Pflanzen die Arme und Beine ersetzen.

Lassen wir die Frage, wieso sich diese ‚aktive‘ Natur ausgerechnet dort (und nur dort) manifestiert, wo Peter und Carla ihr Zelt aufschlagen, erst einmal außen vor. Verständlich ist jedenfalls, dass sie sauer ist: Zwar streiten unsere beiden Reisenden fast unentwegt, aber es bleibt ihnen genug Zeit für allerlei Umweltsünden. Mit einer achtlos aus dem Wagenfenster geworfenen Zigarettenkippe startet Peter einen verheerenden Waldbrand. Er und Carla verstreuen Abfälle; ihr Lager gleicht rasch einer Müllkippe. Carla liebt ihre Spraydose mit dem Insektengift. Peter ballert mit seinem Gewehr auf alles, was sich bewegt.

Die Gegenmaßnahmen kommen nur allmählich in Gang, was Peter und Carla (im Gegensatz zum Zuschauer) lange verborgen bleibt. Sie haben nicht nur ihren Müll, sondern auch ihren Streit mitgebracht und im Grunde keinen Blick für die traumhafte Umgebung. Ungeachtet dessen stellt sich die Natur reichlich dämlich an. Statt deutlich ihren Unwillen zu artikulieren, beschränkt sie sich auf kryptische Aktivitäten: Vorräte verrotten in Windeseile, Äste fallen von den Bäumen, nachts erklingen unheimliche Töne. Und jetzt muss die Frage doch gestellt werden: Wieso ist ausgerechnet dieser See eine Todesfalle? Probt die Natur hier erst einmal den Aufstand? Der Rest der Welt müllt jedenfalls fröhlich und unbestraft weiter.

Unheimlich unter die Nase gerieben

Vor Ort wird Mutter Natur allmählich deutlicher: Ein Adler attackiert Peter mit scharfen Krallen. Das bringt ihn ebenso wenig ins Grübeln wie sein Stolpern auf den Zeltplatz weiterer Unglücksraben, die ebenfalls dem fatalen Zauber des Sees erlegen sind. Sie haben ein schauerliches Ende gefunden, das Peter indes als menschliche Tragödie deutet. Was tatsächlich vorgeht, dämmert ihm erst, als ihm die Natur die schon erwähnte (und wie gesagt mausetote) Seekuh ins Lager robben lässt.

Da hat sich im Zuschauer bereits eine Menge Frustration angestaut. Was soll diese Geschichte eigentlich? Wir haben im Gegensatz zu Peter und Carla schnell bemerkt, was vorgeht. Wirklich rätselhaft ist ohnehin nicht, was sich Drehbuchautor Everett de Roche im Bund mit Regisseur Jamie Blanks hat einfallen lassen. Dem Duo schwebte offensichtlich ein Mystery-Thriller vor, wie er ihrem Landsmann Peter Weir gleich zweimal glückte – 1975 mit „Picnic at Hanging Rock“ (dt. „Picknick am Valentinstag“) und 1977 mit „The Last Wave“ (dt. „Die letzte Flut“). Genial hatte Weir Geschichten erzählt, die nicht seltsam zu sein behaupteten, sondern es tatsächlich waren. Die Unterwanderung der Realität und das Fremde blieben glaubhaft. Vor allem gelang Weir, was Blanks nur in Ansätzen umzusetzen vermag: Die australische Landschaft wird auf schwer zu bestimmende Weise lebendig, das Wunderschöne wirkt plötzlich fern und sogar bedrohlich. Dies funktionierte nur deshalb so perfekt, weil Weir sich auf die Kunst verstand, mit Andeutungen zu arbeiten, die der Zuschauer in seinem Kopf selbst deuten musste und mochte.

Diese Ambivalenz geht „Long Weekend“ ab. Blanks gelingen keine Rätsel, er reiht nur seltsame Ereignisse aneinander. Eine entsprechende, d. h. den phantastischen Aspekt widerspiegelnde Atmosphäre als verbindendes Element fehlt. Die nunmehr schon mehrfach zitierte (Zombie-) Seekuh ist da besonders kontraproduktiv.

Das Ende verrät Ratlosigkeit. Es soll einen ironischen Höhepunkt markieren und überraschen, ist jedoch so sehr Klischee, dass es höchstens aufgrund seiner Drastik verblüfft, nachdem Blanks bisher vergleichsweise subtil zu Werke ging.

Sachter Grusel in traumhafter Idylle

Obwohl er ihn wie gesagt nicht wirklich nutzt, vermag Blanks mit der Wahl des Drehortes zu punkten. „Long Weekend“ ist keine Studio-Produktion, sondern entstand unter freiem Himmel und in einem wirklich grandiosen Globus-Winkel: „Wilsons Promontory National Park“ liegt auf einer Halbinsel an der Südspitze des australischen Bundesstaates Victoria (www.parkweb.vic.gov.au). Den Kontrast zwischen unberührter Landschaftsschönheit und dem gleichgültigen Missbrauch durch den Menschen – hier symbolisiert durch Peter und Carla – vermag Blanks immerhin gut herauszuarbeiten.

Das war Colin Eggleston im ersten „Long-Weekend“-Film 1978 ebenfalls gelungen. Überhaupt hat Blanks dem Plot wenig Neues beizufügen. Bis ins Detail übernimmt er manche Szenen. Wieso dann überhaupt ein Remake? Die vor drei Jahrzehnten noch frische Mahn-Botschaft wirkt heute ohnehin etwas abgestanden.

Kammerspiel vor Landschafts-Kulisse

„Long Weekend“ ist ein Zwei-Personen-Stück. Die Wahl der ‚richtigen‘, d. h. in ihren Rollen überzeugenden Schauspielern war deshalb besonders wichtig. Mit James Caviezel und Claudia Carvan verpflichtete Regisseur Blanks keine Stars, sondern Schauspieler, die in zahlreichen Rollen ihre Wandlungsfähigkeit unter Beweis gestellt haben.

Die Rechnung ging auf, denn Caviezel und Carvan verschmelzen glaubwürdig mit ihren Rollen. Das ist wichtig, denn es lenkt von der Frage ab, inwieweit oder ob überhaupt der Streit der Eheleute relevant für das eigentliche Geschehen ist. Der Ablenkungs-Faktor wurde schon angesprochen, aber ansonsten ist es prinzipiell gleichgültig, ob Peter und Carla sich hassen oder lieben – der Zorn der Natur erwartet sie ebenso voreingenommen wie die Insassen des VW-Busses, die ebenfalls das Pech hatten, den ‚geheimen‘ See zu finden.

Die eindrucksvollen Schauwerte dieses Films, seine handwerkliche Brillanz – er ist eindeutig für die große Leinwand gedreht – und die gute Besetzung fallen unterm Strich positiv auf. Das reicht aber nicht für ein denkwürdiges Filmereignis. „Long Weekend“ ist gut gemacht und gut gemeint. Die ökologische Botschaft wird nicht nach Gutmenschen-Art aufdringlich, jedoch trotzdem mit Pauken- und Trompetenschall verkündet. Nur Peter und Carla sind dem taub gegenüber. Das Publikum begreift und beginnt sich sacht zu langweilen, als es begreift, dass Mutter Natur & Jamie Blanks uns mehr nicht zu sagen haben.

DVD-Features

Karg sind die Extras zum Hauptfilm ausgefallen, doch erfreulicherweise stellen Audiokommentar und vor allem die „Produktionsnotizen“ keine verlängerten Krakenarme der Werbung dar. Vor allem Regisseur Blanks hat viel zu seinem Werk zu sagen. Was genau, ist freilich schwer nachzuvollziehen: Aufgrund des unerhört ausgeprägten Akzentes könnten Blanks und seine australischen Mitarbeiter auch Mandarin oder Marsianisch sprechen. Englischkenntnisse sind hier nur bedingt hilfreich, und untertitelt wurden die Features leider nicht.

Deshalb muss man sich oft zusammenreimen, was in den „Produktionsnotizen“ gezeigt wird. Schade, denn dieser vierzigminütige Beitrag wurde ungewöhnlich sorgfältig als echter Informationsträger erstellt. Es gibt keine Interviews, in denen die Beteiligten einander über den grünen Klee loben (und lügen). Stattdessen werden in chronologischer Reihenfolge wichtige Sequenzen der Dreharbeiten vorgestellt und vom Regisseur kommentiert. (Ein Kapitel widmet sich speziell der unsäglichen Seekuh.)

[md]

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