Messengers 2 – The Scarecrow

Originaltitel: Messengers 2 – The Scarecrow (USA 2009)
Regie: Martin Barnewitz
Drehbuch: Todd Farmer
Kamera: Lorenzo Senatore
Schnitt: Matt Michael
Musik: Joseph LoDuca
Darsteller: Norman Reedus (John Rollins), Heather Stephens (Mary Rollins), Richard Riehle (Jude Weatherby), Darcy Fowers (Miranda Weatherby), Matthew McNulty (Sheriff Milton), Claire Holt (Lindsey Rollins), Laurence Belcher (Michael Rollins), Michael McCoy (Mr. Peterson), Kalina Green (Geistermädchen) Erbi Ago (Randy), Atanas Srebrev (Tommy), Vladimir Yosifov (Vogelscheuche)
Label: Falcom Media
Vertrieb: Ascot Elite Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 06.05.2010 (DVD u. Blu-ray)
EAN: 4048317359035 (DVD) bzw. 4048317459032 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 90 min. (Blu-ray: 94 min.)
FSK: 16

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Das geschieht:

Die Farmer-Familie Rollins steht am Abgrund. Auf dem Feld verdorrt der Mais oder wird von den Krähen gefressen, die Bewässerungsanlage ist defekt, und die Bank droht wegen der überfälligen Kredite mit Zwangsräumung. Vater John wächst die Situation über den Kopf, was er oft an Ehefrau Mary und den Kindern Lindsey und Michael auslässt.

Nun hört John auch noch Stimmen im Maisfeld. In der Scheune findet er wenig später in einem Geheimversteck eine uralte, riesengroße, überaus hässliche Vogelscheuche. Obwohl Michael ihn inständig bittet, das angeblich böse Schreckgespenst wegzuwerfen, lässt John sich vom neuen Nachbarn Jude Weatherby überreden, es im Mais aufzustellen; es werde sich schon für ihn lohnen, deutet besagter Nachbar geheimnisvoll an.

Dies stimmt, auch wenn sich zunächst nur Miranda, die deutlich jüngere und schöne Gattin des alten Weatherby, John nackt zu zeigen beginnt. Wenig später fallen jedoch die gierigen Krähen tot vom Himmel, die Bewässerungsanlage funktioniert wieder, und der Mais wächst so üppig wie nie. Der fiese Banker wird von einem Sattelschlepper zermatscht, seine gut gefüllte Brieftasche und die goldene Rolex-Uhr findet John im Maisfeld.

Es dauert seine Zeit, bis unser Farmer den Zusammenhang zwischen seinem neuen Glück und der Vogelscheuche erkennt. Dann begreift er jedoch schnell, dass die Kreatur nicht ihn, sondern nur das Land schützen will. Als deutlich wird, dass Mary und die Kinder nicht am selben Strang ziehen wollen, ist ihr Todesurteil gesprochen. Diverse Geister sitzen John im Nacken, der seine Familie ausrotten soll, und als er nicht spuren will, macht sich die Vogelscheuche selbst ans blutige Werk …

Monokultur mit ungutem Eigenleben

Eigentlich ist ein Maisfeld ein denkbar ungeeigneter Ort für spukhaftes Wirken. Eine Pflanze sieht wie die andere aus; sie werden in schnurgerader Linie und regelmäßigen Abständen gesät. Es ergibt sich ein Bild, wie es langweiliger nicht sein könnte.

Und doch … Der Besuch eines Maisfeldes bei oder gar nach Anbruch der Dunkelheit weckt ganz andere Assoziationen. An den Stängeln sitzen breite Blätter, unter denen Schatten brüten und schon in kurzer Distanz Formen regelrecht auflösen. Außerdem trocknen Maisblätter schnell, und dann rascheln sie – nein: sie wispern und flüstern, ein ganz eigenes und eigentümliches Geräusch, in das sich bei lebhafter Fantasie viel Unheimliches interpretieren lässt.

In den USA besitzt der Mais zusätzlich eine fast mystische Bedeutung. Seit Jahrhunderten bildet er im Mittelwesten das Rückgrat der Landwirtschaft. Vor allem in vormodernen Zeiten beobachteten die Bauern mit Bangen die Entwicklung des Getreides, das sie ernähren musste. Hinzu kam die Sorge um den Verkaufserlös. Die Hoffnung auf eine ertragreiche Ernte wurde durch inbrünstige Gebete begleitet, zwischen die sich bittere Flüche gegen Krähen, Maiskrankheiten und Banker mischten.

Diese archaisch anmutende Atmosphäre liegt noch über der Landwirtschaft des 21. Jahrhunderts, die allen technischen Errungenschaften zum Trotz weiterhin vom Wetter und vom Boden abhängig ist. In vielen Kritiken zu „Messengers 2“ wird der ‚pathetische‘ Grundton moniert, in dem aus deutscher Sicht in der Tat ein Hauch von „Blut & Boden“ mitschwingt. Allerdings ist der zumindest auf 90 Minuten beschränkte Glaube an ein unsichtbares Band zwischen Bauer und Boden hilfreich, um diesen Film trotz aller hollywoodtypischen Trivialisierung in seinem Kontext zu verstehen.

Das Ding im Mais

In diesem Um- und Maisfeld hat auch die Vogelscheuche eine besondere Bedeutung. Sie soll einerseits ganz prosaisch die Vögel verjagen, die dem Bauern die Ernte streitig machen. Andererseits ragt sie wie ein urzeitliches, an ihr Haltegerüst förmlich gekreuzigtes Menschenopfer über dem Feld auf. Nicht grundlos findet John Rollins Geld und Gold auf dem ‚Altar‘, den er der Vogelscheuche errichtet hat.

Drehbuchautor Todd Farmer geht nun einen Schritt weiter: Er verleiht der Scheuche ein Eigenleben. Sie kann sich selbst um die Dinge kümmern, die für sie Bedeutung haben. Folgerichtig sorgt sie sich um das Land, denn dafür wurde sie ja ursprünglich gebastelt. Insofern kann man der Vogelscheuche keine Vorwürfe machen, weil sie ihrem Job sehr konsequent nachgeht.

Unheimlich ist eine Vogelscheuche sowieso, wie sie still und als bedrohlich verzerrte Karikatur des Menschen in ihrem Feld steht. In „Messengers 2“ hat sie zu allem Überfluss einen verrotteten Kürbisschädel mit bizarr verzerrten ‚Gesichtszügen‘ und einen skelettknochigen und lumpenschlotternden aber kräftigen Körper: Insgesamt wirkt sie eher wie eine Mumie. (Darunter steckt übrigens Vladimir Yosifov, ein riesengroßer aber schlaksiger bulgarischer Kostümbildner, der perfekt für solche Rollen ist, was er u. a. als mörderischer Buhmann im Dummhorror-Spektakel „Boogeyman 3“ unter Beweis gestellt hat.)

Eine Geschichte auf zwei Pfaden

„Messengers 2“ erzählt einerseits die Vorgeschichte zum Film „Messengers“ (2007) und spinnt andererseits ein uraltes, überraschungsarmes aber bewährtes Garn, das nicht einmal mit der ‚Fortsetzung‘ abgestimmt wurde: Hier überleben die Rollins ihre Heimsuchung, während sie dort als Geister ihre Nachmieter plagen. (Allerdings könnte das offene Ende von „Messengers 2“ andeuten, dass ein weiterer Teil geplant ist, der diese Lücke logisch schließt.)

Vor den Augen der Zuschauer rollt ein konventioneller Horrorfilm ab. Der gute Mann Rollins wird vom Teufel versucht und erliegt ihm in seiner Not; als guter Mensch und US-Amerikaner bereut er später und wendet sich gegen seinen ‚Partner‘, der prompt die Maske fallen lässt. Weil der Teufel nicht nur ihn, sondern auch seine Familie bedroht, wächst der kleine Sünder über sich selbst hinaus. Viele Prügel- und Schnittwunden später hat er trotz vorgeblicher Überlegenheit seinen Peiniger buchstäblich in die Hölle gejagt, wo dieser jedoch sofort seine Rückkehr plant.

In diese Suppe werden Geschmacksverstärker gerührt: reichlich Blut, das hier vor allem mit Hilfe landwirtschaftlicher Gerätschaften verspritzt wird, und ein wenig nackte Haut, die Miranda Weatherby so lächerlich auf offenem Feld zu Markte tragen muss, dass jegliche Erotik noch erfolgreicher im Keim erstickt wird als dies der Sommertrockenheit mit den Maiskörnern gelingt.

Leider kann Drehbuchautor Todd Farmer sich nicht entscheiden, was er erzählen will. „Messengers 2“ beginnt als ‚reales‘ Drama eines in der Krise scheiternden Mannes, der sich die übernatürliche Heimsuchung womöglich nur einbildet. Soll heißen: Bis ins letzte Filmdrittel sieht es so aus, als werde hinter der Vogelscheuche John Rollins als übergeschnappter Mörder zum Vorschein kommen.

Da dieser Handlungsstrang durchaus logisch und spannend aufgebaut wird, irritiert der finale Umschwung, der „Messengers 2“ zum konventionellen Horrorfilm degenerieren lässt. Die Vogelscheuche stakst plötzlich steif aber quicklebendig in den Vordergrund und beginnt so offensiv zu würgen und zu metzeln, wie dies in einem Film möglich ist, der ab 16 Jahren freigegeben wurde.

Erzählen mit Hindernissen

Leider macht diese Wendung die zuvor umsichtig aufgebaute Stimmung gruseliger Unsicherheit – was geschieht hier wirklich? – ziemlich zunichte. Das ist doppelt schade, da „Messengers 2“ zwar eine für 2 Mio. Dollar nicht vor Ort in North Dakota, sondern in Bulgarien binnen 18 Tagen heruntergekurbelte Billig-Produktion ist, die jedoch in die Hände eines Regisseurs mit Talent und Gestaltungswillen gelegt wurde. Martin Barnewitz ist kein typischer, d. h. zynisch ausgebrannter Inszenator trashiger Serien-Phantastik. Zehn Jahre drehte der in Dänemark geborene Regisseur Kurzfilme der eher künstlerischen Art. Ebenfalls noch in Dänemark entstand 2007 ein erster, schon phantastischer Langfilm („Kollegiet“), bevor Barnewitz, der bei dieser Gelegenheit Professionalität und Tempo unter Beweis stellen konnte, für „Messengers 2“ angeheuert wurde.

Barnewitz sorgt dafür, dass die Rollins nicht gänzlich zur Klischee-Familie verkommen. Vor allem Norman Reedus mimt das allmähliche Abgleiten in den Wahn sehr zurückhaltend. Heather Stephens ist zu sehr hingebungsvolle Ehefrau und Mutter; ihr Aufbegehren kommt zu plötzlich und überzeugt nicht. Für Laurence Belcher und besonders für Claire Holt gibt es gar nichts zu tun. Sie existieren nur, um von der Vogelscheuche gejagt zu werden. Zu erwähnen ist außerdem Richard Riehle. In einem der fünf bis zehn Filme, in denen er jährlich auftritt, gibt er routiniert und gelungen den ebenso bösen wie tragisch verfluchten Jude Weatherby.

Entstanden ist „Messengers 2“ wie schon erwähnt in Bulgarien. Nur in Osteuropa war es möglich, diesen Film so kostengünstig zu drehen und trotzdem ein ansehnliches Ergebnis zu erzielen. Die Rollins-Farm mit Scheune und Maisfeld wurde als Komplett-Kulisse errichtet, was der Kamera eine Bewegungsfreiheit gab, die hin und wieder genutzt wurde. (Leider beging Regisseur Barnewitz den Fehler, dieses Feld nie wenigstens einmal von oben in seiner Gesamtheit zu zeigen, um dem Publikum dessen Größe zu vermitteln. So wirkt es, als stolperten Rollins, die Vogelscheuche und ihre Opfer wenig glaubwürdig nur in einer kümmerlichen Pflanzung von Vorgarten-‚Größe‘ herum.)

Dies alles macht aus „Messengers 2“ keinen guten Film aber eine Billig-Fortsetzung, die leidlich trocken dem Trash-Tümpel entkommt und anderthalb Stunden Unterhaltung bietet, die im Zuschauer nicht den Wunsch aufkommen lässt, ebenfalls schwarzmagisch tätig zu werden, um eine verhexte Vogelscheuche gen Hollywood in Marsch zu setzen.

DVD-Features

Zwar gibt es kein „Making of“ zum Hauptfilm, doch erstaunlicherweise existiert ein Audiokommentar von Regisseur Martin Barnewitz und Drehbuchautor Todd Farmer. Falls sie Interessantes zu erzählen haben, geschah dies allerdings unter Ausschluss des Rezensenten, der deshalb kein Urteil abzugeben hat.

[md]

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