Mortuary – Wenn die Toten auferstehen

Originaltitel: Mortuary (USA 2005)
Regie: Tobe Hooper
Drehbuch: Jace Anderson u. Adam Gierasch
Kamera: Jaron Presant
Schnitt: Andrew Cohen
Musik: Joseph Conlan
Darsteller: Denise Crosby (Leslie Doyle), Dan Byrd (Jonathan Doyle), Stephanie Patton (Jamie Doyle), Alexandra Adi (Liz), Rocky Marquette (Grady), Bug Hall (Cal), Courtney Peldon (Tina), Tarah Paige (Sara), Michael Shamus Wiles (Sheriff Howell), Adam Gierasch (Mr. Barstow), Lee Garlington (Rita), Greg Travis (Eliot Cook), Christy Johnson (Dottie) u. a.
Label u. Vertrieb: Koch Media Home Entertainment (www.kochmedia-dvd.de)
Erscheinungsdatum: 03.02.2006 (Kauf-DVD u. 2-Disc-Special-Edition)
EAN: 4020628989385 (Kauf-DVD) bzw. 4020628989378 (2-Disc-Special-Edition)
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1   anamorph)
Audio: DTS 5.1 (Deutsch), Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch), Dolby Digital 2.0 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 90 min.
FSK: 16

Das geschieht:

Nach dem Tod ihres Gatten versucht Leslie Doyle den Neuanfang. Man hat ihr einen Job als Leichenbestatterin in einer kalifornischen Kleinstadt angeboten, in die sie mit ihren Kindern, dem halbwüchsigen Jonathan und seiner jüngeren Schwester Jamie, übersiedelt. Leider hat man sie gelinkt, denn das Bestattungsinstitut erweist sich als Bruchbude, die nicht nur inmitten des Friedhofs, sondern auch auf gründlich verpestetem Boden steht.

Zu allem Überfluss soll in einer der verfallenen Grüfte Bobby Fowler, der missgestaltete, geistig gestörte Sohn der Vorbesitzer sein Quartier aufgeschlagen haben. Das erzählen Jonathan zumindest seine neuen Freunde, die hübsche Liz und ihr schwuler Jugendfreund Grady, die sich trotzdem nicht davon abhalten lassen, dem verrotteten Einbalsamierungskeller einen Besuch abzustatten.

Dort geht es auch deshalb wüst zu, weil Leslie ihr Wissen über das Bestattungswesen nur aus dem Fernstudium zieht, was groteske Zwischenfälle heraufbeschwört. In dem Chaos geht unter, dass einige der eingelieferten Leichen zwar tot aber nicht auf ihren Bahren bleiben, sondern umherwandern und ahnungslose Zeitgenossen mit grünem Schleim bespucken, der sie ebenfalls in Zombies verwandelt.

Denn unter dem Friedhof haust eine uralte Wesenheit, die sich ein Heer hirnloser Befehlsempfänger rekrutiert, mit deren Hilfe sie buchstäblich an die Oberfläche drängt. Auch Leslie fällt ihnen zum Opfer, aber ihre Kinder hat sie nicht vergessen, denen sie mit vielen untoten Gefolgsgenossen energisch auf die Hälse rückt. Zu ihrem Pech geraten auch Liz und Grady ins Visier der Zombies, zu denen sich ein quicklebendiger Bobby Fowler gesellt …

Es hätte durchaus schlimmer kommen können!

Wäre die Kritik gnädiger mit diesem Film umgegangen, hieße sein Regisseur nicht Tobe Hoopere? Er gilt als tragische Gestalt – ein „früh Vollendeter“, dem nur mit seinen ersten Filmen alles gelang. Mit „The Texas Chainsaw Massacre“ – dem Original von 1974 – sorgte Hooper für einen Donnerschlag im Horrorkino. Es folgten Klassiker wie „Eaten Alive“ und „The Funhouse“. Dann meldeten sich Hollywood und der Mainstream-Film: Hooper drehte 1981 für Stephen Spielberg „Poltergeist“. Mit „Lifeforce“ (1985) und „Invaders from Mars“ (1986) war Hoopers Höhenflug schon vorbei. Seitdem dreht er als Regisseur fleißig und sparsam aber oft wenig inspiriert Episoden für TV-Serien und kostengünstige Horrorfilme. An seine frühen Erfolge konnte Hooper nie wieder anknüpfen.

Auch „Mortuary“ ist Glied der langen Kette mittelmäßiger Routinefilme, die Hooper bis heute herunterkurbelt. Das Budget ist überschaubar, die Schauspieler teilen das Schicksal ihres Regisseurs (Denise Crosby) oder verdienen ihre Brötchen vor allem im Fernsehen, wo man sie oft sieht, ohne dass man sich jemals ihre Namen merkt. Die Spezialeffekte sind als solche ebenso deutlich zu identifizieren wie die wackligen Friedhofskulissen. Klischees bilden den Kitt zwischen wenigen Drehbuch-Einfällen, und viel zu oft können selbst sie gewaltige Logiklöcher nicht füllen.

Auf der anderen Seite ist Hooper ein Profi, der mit den wenigen Pfunden, die ihm zur Verfügung stehen, durchaus zu wuchern vermag. Aus „Mortuary“ konnte er beim besten Willen keinen ‚ernsthaften‘ Horrorstreifen formen. Folglich versuchte er es gar nicht. „Mortuary“ ist eine Grusel-Komödie – ebenfalls keine großartige, aber eine funktionstüchtige, die auf gar zu grobe Kalauer weitgehend verzichtet, sondern die Story mit einem gewissen „tongue-in-cheek“-Schmunzeln erzählt, der ihr sehr gut zu Gesicht steht.

Vom Unterhaltungswert menschlicher Verwesung

Ein ‚Markenzeichen‘ Hoopers ist seit „The Texas Chainsaw Massacre“ der großzügige Einsatz von Tod und Verwesung. Was dem Sterben folgt, wird für ihn zur Blaupause für abstoßend-unterhaltsame Effekte. Dazu tritt Hoopers Faszination für das spektakulär Missgestaltete, dem er stets auch tragische Züge und damit eine charakterliche Dimension gönnt, die das ‚Monster‘ menschlich werden lässt, auch wenn es tötet: Meist haben die ’normalen‘ Menschen es in die Rolle des Ungeheuers gedrängt. So ist es auch Bobby Fowler in „Mortuary“ ergangen.

Er hat sich im Untergrund des Friedhofs eine schauerliche Heimstätte eingerichtet. Mit scharfem Blick für morbide Details setzt er Särge, Knochen und Leichen als Möbel und Dekorationsobjekte ein. Den entsprechenden Einfallsreichtum der Kulissenbauer muss man würdigen, denn er trägt zu einem Gutteil zum Filmvergnügen bei.

Auch die Maskenbildner leisten gute Arbeit. Die naturalistische Darstellung des Todes ist dabei nicht Ziel ihre Anstrengungen. Selbst würdig entschlafene Greise entsetzen von vornherein als garstig grünliche Kadaver. Leslie Doyles Murksen als Bestatterin, das eher den Tatbestand der Leichenschändung erfüllt, kann da nicht mehr viel beschädigen. Die Transformation zum Zombie setzt der Scheußlichkeit an der Grenze zur Parodie noch kräftig eins drauf. Das ist Humor der groben Sorte, aber er wirkt immerhin.

Eine Story – muss das sein?

Hat sich der Zuschauer auf „Mortuary“-Niveau begeben, verfliegt der Ärger über das eigenwillige Drehbuch, das einerseits ein Potpourri sehr bekannter Szenen aus anderen Horrorfilmen darstellt, während es andererseits jeglichen Sinn geradezu fanatisch ausklammert. Wie realistisch ist es (selbst in den USA), dass eine Do-It-Yourself-Leichenbestatterin angeheuert wird? Dass der mörderische Dorftrottel seit Jahrzehnten unbehelligt in seiner Gruft hausen kann? Und welcher Hinterbliebene würde seine lieben Verblichenen einem Saustall wie diesem Bestattungsinstitut anvertrauen?

Zumindest der eingeweihte Horrorfreund weiß Bescheid, was ihm nun blühen wird, wenn Leslie Doyle in der Fowler-Gruft auf eine Inschrift stößt, die 1 : 1 dem fiktiven Zauberbuch „Necronomicon“ entnommen wurde, das dem Hirn des Phantastik-Klassikers H. P. Lovecraft (1890-1937) entsprang. Auch wenn der Name nie fällt, öffnet sich unter dem Friedhof das Portal zum Reich des „Großen Alten“ Cthulhu, der auf die Oberwelt drängt, um dort sein Schreckensregiment zu etablieren.

Die „Mortuary“-Version cthulhuscher Schrecken ist augenfällig Parodie. Mit einigen Büchsen Steinsalz lässt sich der uralte Finsterling bei Lovecraft jedenfalls nicht ausschalten. Hier sorgen die Folgen solchen Einsalzens für weitere Heiterkeit, die sich aus dem Zerfall der so behandelten Zombies speist; leider macht die Qualität der Tricktechnik die Wirkung teilweise zunichte.

Darsteller ohne Furcht vor Schmutz & verdächtigen Flüssigkeiten

Eine ausgesprochen hohe Toleranzschwelle in Sachen Schmutz und Staub war für die „Mortuary“-Darstellerriege Voraussetzung. Dies ist einer jener Filme, die auf äußere Schauwerte und Action setzen, während schauspielerisches Talent nur eine sekundäre Rolle spielt. Rollen wie die in der Inhaltsskizze genannten spielen Profis quasi im Schlaf. Erst recht spielt es keine Rolle, dass der Jonathan Doyle zum Zeitpunkt des Filmdrehs seinen 20 Geburtstag feiern konnte, während Alexandra Adi, seine ‚gleichaltrige‘ Freundin Liz, bereits 34 Lenze zählte … (Was mit dicker Schminke und später mit einer noch dickeren Dreckschicht erfolgreich vertuscht wird.) Womöglich als Ausgleich wirkt Stephanie Patton als Jamie Doyle weitaus reifer als ihre 12 Jahre.

Denise Crosbys Karriere ist nach verheißungsvollem Auftakt („Star Trek – The Next Generation“, „Pet Cemetary; dt. „Friedhof der Kuscheltiere“, 1989) nie richtig in Schwung gekommen. Sie schlägt sich als zuverlässige Nebenrollen-Darstellerin in oft obskuren Filmchen durch. Auch die Leslie Doyle in „Mortuary“ dürfte kaum ihre Traumrolle gewesen sein. Als besessener Zombie wirkt sie wesentlich überzeugender denn als Mutter. Ein ungeahntes komisches Talent legt sie immerhin im Kampf mit der Balsamierungsmaschine und einer störrischen Leiche an den Tag.

Die Nebenrollen sind wiederum Parodie. Michael Shamus Wiles warnt als Sheriff Howell schamhaft vor geilen Teenies und „Friedhofsbabys“ und legt selbst als Zombie großen Wert auf manierliches Benehmen; Diner-Chefin Rita (Lee Garlington) hat ihr Hirn in Mädchenjahren allzu intensiv in LSD getränkt; Eliot Cook glänzt als schleimiger Hauswirt, der die konsternierte Leslie übers Ohr haut und gleichzeitig anbalzt. Bug Hall, Courtney Peldon und Tarah Paige geben ihr Bestes in den Klischee-Nischen Proll-Hengst und Kleinstadt-Schlampen.

Erstaunlich ist der ständige Perspektivenwechsel. „Mortuary“ beginnt aus der Sicht der Tochter Jamie. Sie wird von Mutter Leslie ersetzt und verschwindet im Hintergrund der Handlung, wo sie höchstens noch als „Kind in Gefahr“ eingesetzt wird. Leslie wird wiederum von Jonathan verdrängt, der zunächst nur körperlich präsent war. Ein austariertes Gleichgewicht herrscht zwischen den drei Familienmitgliedern nicht. Genau das wäre jedoch nötig, um ein Gefühl der Sympathie beim Zuschauer zu erzeugen.

Schade, dass „Mortuary“ auf der Zielgeraden die Luft ausgeht. Es gibt keinen echten Höhepunkt. Stattdessen versucht es Hooper mit dem uralten, müden Trick eines ‚überraschenden‘ und ’schockierenden‘ Schlussgags, der völlig fehlzündet und sogar der verqueren Logik des bisher Gesehenen ins Gesicht schlägt. Aus unterhaltsamem Mittelmaß wird plötzlich Schwachsinn – ein Tiefschlag, der diesen grellen Film nachträglich völlig über die Grenze zum Trash jagt.

DVD-Features

Dem zwar welken aber weiterhin in der Werbung beschworenen Ruhm des Regisseurs Tobe Hooper ist es wohl zu verdanken, dass „Mortuary“ nicht nur als Single-DVD mit diversen Extras bestückt wird, sondern sogar als „2-Disc-Special-Edition“ auf den Markt geworfen wurde.

Bei näherer Betrachtung erweisen sich die Extras der Film-DVD als Mumpitz. Es gibt den Originaltrailer in deutscher und englischer Fassung sowie Bio- und Filmografien von Tobe Hooper, Dan Byrd, Denise Crosby, Lee Garlington und Price Carson – als Texttafeln, wie sie in der Urzeit der DVD-Features üblich waren!

Nur 75 Minuten währen die Extras der (überflüssigen) Zusatz-DVD. Ein beinahe episches „Making of“ gestattet immerhin aufschlussreiche Blicke hinter die Kulissen einer Horror-Billig-Produktion. Dazu gibt es – für Komplettisten – einen „Mortuary“-Promotrailer in Kurz- und Langfassung. Abgerundet wird das Ganze durch einen DVD-ROM-Part mit Schnickschnack wie „Mortuary“-Bildschirmschoner, Artwork und Poster, dem deutsch-englischen Dialogbuch, einer kunterbunt durcheinander gewürfelten Bildergalerie sowie einen (längst erloschenen) Link zu einem „Zombie Game“.

[md]

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