bloody-valentineMy Bloody Valentine

Originaltitel: My Bloody Valentine (USA 2009)
Regie: Patrick Lussier
Drehbuch: Todd Farmer u. Zane Smith
Kamera: Brian Pearson
Schnitt: Cynthia Ludwig u.  Patrick Lussier
Musik: Michael Wandmacher
Darsteller: Jensen Ackles (Tom Hanniger), Jaime King (Sarah Palmer), Kerr Smith (Axel Palmer), Betsy Rue (Irene), Edi Gathegi (Deputy Martin), Tom Atkins (Jim Burke), Kevin Tighe (Ben Foley), Megan Boone (Megan), Karen Baum (Deputy Ferris), Joy de la Paz (Rosa), Marc Macaulay (Riggs), Todd Farmer (Frank, der geile Trucker), Jeff Hochendoner (Red), Bingo O’Malley (Officer Hinch), Richard John Walters (Harry Warden) uva.
Label/Vertrieb: Kinowelt Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 06.10.2009 (Leih-DVD) bzw. 06.11.2009 (Kauf-DVD)
EAN: 4006680051499 (Leih- u. Kauf-DVD)
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Englisch), Dolby Digital 2.0 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Englisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 97 min.
FSK: 18 (uncut)

Das geschieht:

Seit vielen Jahren betreibt die Familie Hanniger in dem Städtchen Harmony im US-Staat Pennsylvania eine kleine Kohlenzeche. Vor elf Jahren hat Sohn und Kronprinz Tom unter Tage Mist gebaut. Bei der daraus resultierenden Gasexplosion wurden sechs Bergmänner verschüttet. Als man sie nach einer Woche endlich retten konnte, lebte nur noch Harry Warden – dem Irrsinn verfallen, nachdem er seine Kameraden mit der Spitzhacke umgebracht hatte. Harry fiel ins Koma, aus dem er erst ein Jahr später am Valentinstag erwachte. 22 Morde später konnte Sheriff Burke ihn stellen, doch der angeschossene Harry tauchte in den Tiefen der alten Mine unter. Tom wäre dieses Mal beinahe ebenfalls seiner Rache zum Opfer gefallen. Seelisch gebrochen verließ er die Stadt und Freundin Sarah, die Liebe seines Lebens, die untröstlich zurückblieb.

Zehn Jahre später ist Sarah die Frau des neuen Sheriffs Axel Palmer, der immer noch eifersüchtig auf den untergetauchten Tom ist. Als der wieder auftaucht, um die Mine zu verkaufen, nutzt Axel deshalb seine Position aus, um dem vermeintlichen Nebenbuhler das Leben sauer zu machen, zumal Tom und Sarah einander treffen und die alte Liebe neu aufzuflammen scheint. Die private Fehde wird zur Polizeiaktion, als erneut Bürger mit der Spitzhacke ausgeweidet werden. Niemand will Tom glauben, dass Harry aus der Unterwelt zurück ist, um abermals zu morden. Für Axel ist er der ideale Hauptverdächtige, während Sarah zwischen Angst und Liebe schwankt.

Am aktuellen Valentinstag kommt es zur finalen Konfrontation. Wohin sich die Kameralinse auch richtet, überall springt Harry aus den Schatten und schnauft grausig in seine Gasmaske, während er die Spitzhacke schwingt. Doch verbirgt sich unter der Maske tatsächlich der wahnsinnige Bergmann? Ex-Sheriff Burke und seine honorigen Freunde könnten dazu etwas sagen, aber sie behalten ihr Wissen nicht ohne Grund für sich, bis es zu spät ist und Sarah in den Tiefen der Hanniger-Mine auf einer Blutspur aufgeschlitzter Leichen der Wahrheit entgegen schliddert …

Munkel-Meuchler mit Maske

Ein erfolgreicher Kino-Killer benötigt ein einprägsames Outfit. Seltsame Kleider sind gut, eine Maske noch besser: Was hinter den erstarrten Zügen des künstlichen Gesichts vor sich geht, bleibt nicht nur dem Opfer, sondern auch dem Zuschauer verborgen, dem zudem die Zeit bleibt, über die (hoffentlich) kunstvoll verwirbelte Identität des Finsterlings nachzusinnen.

So haben sich Jason Vorhees, Michael Myers oder Freddy Krueger erfolgreich durch viele Fortsetzungen gemetzelt und wurden sogar runderneuert bzw. neu aufgelegt. Harry Warden ist ihnen gegenüber im Nachteil; er hatte nur einen einzigen Auftritt. 1981 rottete er recht effektfroh möglichst viele Teenies aus. Schon damals trug er seinen Gummianzug mit Gasmaske und Sauerstofftank und wirkte wie ein an den Meeresstrand geworfener Taucher, was er mit blutigem Körpereinsatz wettzumachen versuchte.

Wie so oft bleibt mysteriös, was „My Bloody Valentine“ (dt. „Blutiger Valentinstag“) seinen Klassikerstatus verlieh; schaut man sich das Original heute an, dringt einem die Langeweile tiefer ins Hirn als Harrys Hacke. Höchstens das reizvolle Unterwelt-Ambiente einer verlotterten Mine und die mit Liebe zum Detail in Szene gesetzten Morde besitzen (neben der schönen „Ballad of Harry Warden“) einen gewissen Unterhaltungswert.

Er ist wieder da – und ganz der Alte!

Das reicht im Jahre 2009 anscheinend zur Wiederauferstehung aus. Schon seit einigen Jahren wird die jüngere Horrorfilm-Geschichte gesichtet und geplündert, werden die alten Geschichten mit jungen Darstellern neu aufgelegt. In den seltensten Fällen kann die eindringliche Wirkung des Originals wiederholt werden; mancher Erfolg ist zu fest seiner Entstehungszeit verhaftet. Dazu kommt die Denkfaulheit von Drehbuchautoren, die einfach ausmotten, was mindestens gründlich überholt gehört.

In die lange Reihe lauer, allein dem Profitstreben verpflichteten Aufgüsse gehört auch „My Bloody Valentine“. Faktisch ist es sogar schlimmer, denn dieser Film feiert sich vor allem für die Tatsache, dass 2009 wieder so heftig geschlachtet werden darf wie 1981. Die Story blieb leider so eindimensional und blödsinnig wie einst.

Dagegen wurde im handwerklichen Bereich nicht geknausert. „My Bloody Valentine“ ist ein kostengünstig (für 15 Mio. Dollar) produzierter aber nicht billiger Film. Immer wieder spielt sich die Handlung im Freien ab, und die Kulisse der alten Mine kann sich sehen lassen. (Gedreht wurde zwei Wochen in der Tour-Ed-Mine in Tarentum bei Pittsburgh, die in den 1960er Jahren aufgegeben wurde und seitdem als Museum dient) Licht und Kameraführung liegen in den Händen kompetenter Fachleute. Erfreulich hoch ist auch die Bildqualität der DVD.

Köpfe kullern fast wie früher

Schon angesprochen wurden die Spezialeffekte. Zur traditionellen Schmink- und Prothesentechnik treten heute verstärkt digitale Illusionen. Letztere fallen hier sehr hochwertig aus, lassen sich als solche jedoch weiterhin deutlich erkennen, was den Ekel-Faktor dämmt. Reminiszenzen an die große Zeit des klassischen Slashers in den 1970er und 80er Jahren – gleichzeitig Erinnerung an ein Kino, das neue Wege gehen konnte, bevor das moralische Pendel zurückschlug – sollen für Abhilfe sorgen. Einige Morde von Harry dem Ersten werden im Remake ‚wiederholt‘ und aufpoliert; der im Genre kundige Zuschauer wird den an sich unlogischen, weil aus dem üblichen Mordschema fallenden Mord unter Beteiligung einer Waschmaschine wiedererkennen.

Die Rückkehr der unterhaltsamen Unmoral soll zusätzlich eine offensiv inszenierte Sex-Szene belegen – es ist allzu offensichtlich die einzige, die sich bei Bedarf (z. B. für eine spätere TV-Ausstrahlung) leicht schneiden lässt. „Full frontal nudity“ – nur das US-Kino konnte vermutlich solche Fachausdrücke kreieren – ist im Horrorfilm des 21. Jahrhunderts in der Tat ungewöhnlich. Hier tummelt sich Darstellerin Betsy Rue mutig mehrere Minuten absolut hüllenfrei. In den prüden USA hat vermutlich diese Szene den Sensationserfolg von „My Bloody Valentine“ mitbedingt, aber auch weltweit hat der Film allein in den Kinos 100 Mio. Dollar eingespielt.

Eine weitere Attraktion bildet 3D. Völlig naturgetreu bilde die gründlich überarbeitete Technik die räumliche Tiefe ab, wird werbewirksam behauptet, aber weiterhin zwingt sie dem Zuschauer die bekannte Pappbrille mit rot-grünen Plastikeinsätzen auf die Augen, die trotzdem schnell zu tränen beginnen, weil Bildschärfe und Farbtreue zu wünschen übriglassen. Mit kindischen Effekten – in den Leib gerammte Mordinstrumente ragen scheinbar ins Publikum – sollte übrigens auch während des letzten 3D-Revivals in den 1980er Jahren – ich verweise u. a. auf „Freitag der 13te – IIID“ (1982) – Aufregung erzwungen werden. Der Effekt nutzte sich schon damals denkbar rasch ab.

Holzkohle-hüftsteife Hobbyschauspieler

Normalerweise werden die Darsteller in einer Rezension vor den Effekten gewürdigt. Dass dies hier umgekehrt wird, hat gute Gründe; sie entsprechen in ihrer Addition nicht zufällig der Gesamtzahl der auftretenden Schauspieler. Selten ließen sowohl Helden als auch Bösewichte und Spitzhacken-Opfer den Zuschauer so gleichgültig. Wie im Original sorgt die Story zwischen den Mordattacken in erster Linie für Langeweile und Verdruss. Die Rollen sind reine Klischees. Abweichungen sind nicht vorgesehen. Das zwingt die Darsteller immer wieder zu Handlungen und Dialogen, die dem Zuschauer körperliche Schmerzen zufügen. Deshalb drückt man dem guten Harry die Daumen, dass er hoffentlich alle Idioten erwischt.

Im klassischen finalen Showdown steht Sarah, die Schöne, den beiden möglichen Harrys gegenüber. Hier offenbart sich das darstellerische Unvermögen der drei Hauptdarsteller, die Misstrauen bzw. mögliche Schuld so tölpelhaft mimen, dass nicht Spannung, sondern peinliches Lachen die einzig mögliche Reaktion darstellt. Wer hinter der Gasmaske steckt, hat Regisseur Lussier außerdem schon früher in einer Szene von solch brutaler Offensichtlichkeit ‚angedeutet‘, dass höchstens der bis dahin vollständig betrunkene Zuschauer es ignorieren könnte. Der Verdruss über den konsequent durchgehaltenen Verzicht auf Originalität verwandelt sich durch die plumpe Ankündigung einer Fortsetzung erst- und einmalig in echtes Entsetzen. Ein „My Bloody Valentine II“ erneut mit solchen Nullgesichtern? Da wünscht man sich Harrys erlösenden Hackenhieb ins Hirn förmlich herbei!

DVD-Features

Die Features sind klein aber recht fein. Der Verzicht auf das eigentlich obligatorische „Making-of“ gefällt – es dürfte zwar existieren, wird sich aber vermutlich im üblichen „Hurra!“-Geschrei der vor und hinter der Kamera Beteiligten über den „besten Horrorfilm des Jahres“ (mindestens!) erschöpfen; das muss sicherlich nicht sein!

Unterhaltsamer und manchmal sogar informativ ist die Auflistung von 14 veränderten oder aus der endgültigen Filmfassung gänzlich geschnittenen Szenen. Sie verraten, wie die zunächst inhaltlich überfrachtete Geschichte ‚abgespeckt‘ wurde, was die Action-Sequenzen besser zu Geltung bringt, die (s. o.) allemal besser gerieten als die langweilige „Frau-zwischen-zwei-Kerlen“-Story. Darüber hinaus gibt es ein leicht variiertes Ende, das leider auch nicht die Drohung einer Fortsetzung aufhebt.

Nett aber nichtig: einige von der Kamera aufgezeichnete Dreh-Pannen. Früher wären solche „blooper“ auf dem Boden des Schneideraums geblieben oder wären gelöscht worden, aber heute giert der Filmfreund angeblich nach solchen Ballaststoffen. Was er garantiert nicht wünscht, ist dennoch wieder einmal vorhanden – die „Foto-Galerie“, eine wüste und unkommentierte Folge von Filmbildern und Schnappschüssen vom Dreh.

Die Website zum Film findet man hier.

[md]

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