Neverlake

Originaltitel: Neverlake (Italien 2013)
Regie: Riccardo Paoletti
Drehbuch: Manuela Cacciamani u. Carlo Longo
Kamera: Cesare Danese
Schnitt: Francesco Galli
Musik: Riccardo Amorese
Darsteller: Daisy Keeping (Jenny Brook), David Brandon (Dr. Brook), Joy Tanner (Olga), Eva MacCallum (Malila), Martin Kashirokov (Peter), Lisa Ruth Andreozzi (Aurora), James Alexander Moule (Bill), Stefano Patti (Ricky), Liam Pascal Rigal (Anthony), Anna Dalton (Maya), Dianne Lynn Jones (Katharine Brook) u. a.
Label/Vertrieb: Lighthouse Film Entertainment
Erscheinungsdatum: 25.04.2014
EAN: 4250128411646 (DVD)/4250128411653 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 86 min. (Blu-ray: 90 min.)
FSK: 16

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Das geschieht:

Seit ihre Mutter, eine Italienerin, vor 14 Jahren gestorben ist, lebt Jenny Brook in den USA. Ihr Vater blieb in der Toskana. Der ehemalige Chirurg hat seinen Beruf aufgegeben. Seit vielen Jahren widmet er sich historischen Forschungen. Sein Heim liegt am „See der Idole“, einem uralten Heiligtum der Etrusker, die hier vor mehr als 2500 Jahren die heilende Kraft des Wassers beschworen.

Kurz nach ihrem 16. Geburtstag bittet Brook seine Tochter, ihn in Italien zu besuchen. Jenny freut sich, denn sie vermisst den reservierten Vater, den sie endlich besser kennenlernen möchte. Doch der Empfang ist kühl. Brook ist oft außer Haus, und Olga, seine ehemalige medizinische Assistentin, die ihm nun als Sekretärin und Hausdame dient, gibt sich ebenfalls wenig herzlich.

Jenny ist oft allein und unternimmt ausgedehnte Spaziergänge. Der See zieht sie magisch an, obwohl er ihr gleichzeitig Angst einjagt. Immerhin lernt Jenny die junge und blinde Malila kennen. Sie lebt mit anderen kranken Kindern in einem nahen Waisenhaus. Man freundet sich an, und Jenny besucht ihre neuen Freunde gern, um ihnen vorzulesen.

Eines Tages erwacht sie in einem örtlichen Krankenhaus. Man habe sie nach einem Nierenversagen bewusstlos in ihrem Zimmer gefunden, behauptet Jennys Vater, der sie nach Haus holt, wo er sie selbst medizinisch betreuen will. Allmählich wird Jenny misstrauisch. Dr. Brook hat auf verdächtige Weise drei kostbare etruskische Statuen an sich gebracht. Außerdem scheint sich irgendwo in dem großen Haus ein weiterer Bewohner verborgen zu halten.

Als Jenny die grausame Wahrheit erfährt, ist es für sie beinahe zu spät. Ein schreckliches Schicksal erwartet sie, doch in höchster Not stellen sich ihre Freunde und deren seltsamen Verbündete auf ihre Seite …

Anderes, fremdes Italien

Die Ingredienzen sind bekannt, die Mischung indes weniger: Wahnsinnige Menschen mit verborgenen und schlimmen Geheimnissen, Geister sowie Elementarwesen aus einer versunkenen und vergessenen Vorzeit geben sich in „Neverlake“ ein Stelldichein. Sie treffen sich nur selten im genretypischen Geisterhaus, sondern bevorzugen das Freie. Ein verwunschener See stellt das Zentrum dar, um das die Beteiligten – seien sie lebendig, tot oder übernatürlich – quasi kreisen.

Die richtige Kulisse ist für einen Gruselfilm, der das Mythische über den plakativen Horror stellt, mindestens die halbe Miete. Regisseur Riccardo Paoletti beschränkt sich keineswegs auf den genannten See. Er wählt die italienische Toskana als Schauplatz, bricht aber sofort mit eventuellen Vorstellungen einer sommerschönen mediterranen Idylle, indem er die Handlung in den Winter verlegt. Zusätzlich beauftragte er Kameramann Cesare Danese, den Bildern einen Großteil ihrer Farben zu entziehen. Das Ergebnis ist eine primär graubraune Landschaft, die feucht, kalt und unwirtlich wirkt.

In dieser Umgebung verlieren auch malerisch verwitterte Landsitze ihren Reiz. Die Brook-Villa ist weniger luxuriös als übergroß und ungastlich. Einerseits öffnen sich Jenny überall Gänge und Flure, andererseits bleiben ihr ganze Zimmerfluchten verschlossen. Noch ungemütlicher ist das alte Waisenhaus, dessen wahre Bestimmung sich ungeheizt und möbelfrei offensichtlich nur Jenny nicht bzw. erst sehr spät erschließt.

Wahnsinn kennt keine Grenzen

In diese isoliert in sich ruhende kleine Welt kommt Jenny als typische ahnungslose Außenseiterin, die nach und nach feststellt, im Netz einer heimtückischen Spinne zu zappeln. Hauptdarstellerin Daisy Keeping bringt die erforderliche Naivität glücklicherweise auf, denn der Zuschauer muss Dr. Brook und Olga nur einmal sehen, um zu wissen, dass dieses Paar Übles plant. Auch Paoletti lässt daran früh keinen Zweifel. Nur über die Art der Bedrohung schweigt er sich lange aus.

Genreüblich vergeht einige Zeit, in der Jenny stellvertretend für den Zuschauer ihre neue Umgebung erforscht. Dass sie sich an einer Stätte aufhält, wo die Vergangenheit ohnehin dazu neigt, nahtlos in die Gegenwart überzugehen, hilft bei der Schaffung einer Atmosphäre zwischen Traum und Wirklichkeit. Die Übergänge gelingen freilich nicht ganz so nahtlos, wie es sich Paoletti gewünscht haben mag, denn das Drehbuch weist gerade in diesem wichtigen Bereich diverse Holprigkeiten und Lücken auf.

Sie lassen sich verschmerzen, während ein kapitales Problem ungelöst bleibt. Man kann aber den Manuela Cacciamani und Carlo Longo nicht allein die Schuld zuweisen, denn offensichtlich wollte Regisseur Paoletti seine Geister-und-Götter-Geschichte mit einem Frankenstein-Handlungsstrang verknüpfen; eine Kombination, die nur oberflächlich gelingt und dem lange erfolgreich die Balance haltenden Film eine inhaltlich wie formal klischeehafte Passage beschert, in der Jenny im Nachthemd durch den schlammigen Winterwald flüchten muss, während ihr ein Skalpell schwingender Verfolger hart auf den Fersen ist.

Ein Ende mit Schrecken

Kurioserweise gelingt es Paoletti, genau diesen Handlungsstrang durch einen Schlusstwist zu krönen, der es in sich hat und mit dem in dieser Wucht nicht zu rechnen war. Dabei schien die Handlung bereits zu einem Ende gekommen sein – die Wesen im See hatten sich zurückgeholt, was ihnen gehörte, und Jenny gerettet. Nun galt noch zu klären, was es mit den Kindern im Waisenhaus auf sich hatte. Die Auflösung ist ebenso konsequent wie bitterböse, und diese Coda ist es, durch die „Neverlake“ im Gedächtnis haften wird!

Ebenfalls ein dicker Pluspunkt ist die gelungen Auswahl der Darsteller. Vor allem Daisy Keeping ist großartig. Anders als im US-Horrorfilm ist sie tatsächlich noch sehr jung, weshalb sie in der Rolle der Jenny bereits körperlich überzeugt. Positiv ist außerdem der Verzicht auf eine Teenager-Romanze zu werten. Sie hat in dieser Geschichte keinen Platz und wird ihr nicht in Erfüllung angeblicher Publikumswünsche aufgezwungen. Kurzfristig sieht es düster aus, als Martin Kashirokov die Szene betritt, denn er wirkt wie ein tragisch erbleichter Edward-Klon aus der Anti-Horror-Filmserie „Twilight“. Doch das Finale enthüllt, weshalb es zu einer Lovestory nicht kommen kann.

David Brandon ist nicht nur ein glaubhaft hinterlistiger Dr. Brook, sondern auch ein Kult-Darsteller des italienischen Exploitation-Films der 1980er und 1990er Jahre. Der 1940 in den USA geborene Brandon spielte u. a. in Trash-Heulern wie „She“ (1982, dt. „She – Eine verrückte Reise in die Zukunft“), „Ator 2“ (1984, dt. „Ator – der Unbesiegbare“) oder „La Casa 5“ (1990; dt. „Horror-House 2“). Daneben tritt er immer wieder in ‚richtigen‘ Filmen auf und spielt Theater.

Der See des Anstoßes

Den „See der Idole“ („Lago degli idoli“) gibt es tatsächlich. Er liegt unweit der Quelle des Flusses Arno am Südhang des Berges Falterona in der Region Toskana, die zum alten Königreich Etrurien gehörte. Hier war im ersten vorchristlichen Jahrtausend das Volk der Etrusker ansässig, das zu den frühen europäischen Hochkulturen zählte. Der See wurde als Heiligtum verehrt, dem kostbare Votivgaben geopfert wurden, indem man sie im Wasser versenkte. Im Gegenzug hoffte man auf die Linderung oder Heilung körperlicher Gebrechen. Unzählige Statuetten, Schmuckstücke, Münzen sowie Nachbildungen jener Körperteile, die man geheilt sehen wollte, lagen vergessen in dem kleinen See, nachdem die Etrusker im Römischen Imperium aufgegangen waren.

1838 fand eine ortsansässige Schäferin zufällig eine kleine Figur. Dies kam einer Gruppe von Hobby-Archäologen aus dem nahegelegenen Stia zu Ohren. Sie begannen systematisch zu graben sowie den See trockenzulegen. Zum Vorschein kam einer der größten vorzeitlichen Schätze überhaupt, dem die Wissenschaft entscheidendes Wissen über die Etrusker verdankt. Heute ist der See ein beliebtes Ausflugsziel.

DVD-Features

Obwohl es interessant wäre, etwas über die Hintergründe dieses etwas anderen Gruselfilms zu erfahren, gibt es keine Features. Im Internet findet man diese inhaltsarme Website.

Kurzinfo für Ungeduldige: Jenny besucht ihren verwitweten Vater in der italienischen Toskana. Der Empfang ist kühl, das Verhalten verdächtig. Seltsames geschieht außerdem an einer nahen vorzeitlichen Kultstätte. Eine Gruppe kranker Waisenkinder fordert Jennys Beistand … – Eher stimmungsvolle als handlungslogische Mischung aus Mystery-Grusel und Thriller, die durch gute Darsteller, morbidschöne Bilder und eine gelungene Filmmusik punktet.

[md]

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