Night of the Creeps 2 – Zombie Town

Originaltitel: Zombie Town (USA 2007)
Regie u. Drehbuch: Damon LeMay
Kamera: George Lyon
Schnitt: Z. R. Juan u. Damon LeMay
Darsteller: Adam Hose (Jake LaFond), Brynn Lucas (Alex), Dennis Lemoine (Randy), Phil Burke (Denton LaFond), Bernard Gavin (Jimbo), Daniel Hall Kuhn (Ray), Kerrin Jeromin (Jenna), Steve Nasuta (Sheriff Brubaker), Glenn Tarbell (Mitch) uva.
Anbieter: Ascot Elite Home Entertainment (www.ascot-elite.de)
Erscheinungsdatum: 13.03.2008 (Kauf-DVD)
EAN: 4041036340018 (Kauf-DVD)
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1   anamorph)
Audio: Dolby Digital 2.0 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 84 min.
FSK: keine Jugendfreigabe

Das geschieht:

Otis ist ein Nest irgendwo in den Bergen des US-Staats Vermont. Keine 200 Einwohner leben hier, und das Verbrechen erschöpfte sich bisher auf Sauforgien, Jagdunfälle und häusliche Gewalt. Sheriff Brubaker ist deshalb sichtlich überfordert, als sowohl ein schwerer Sattelschlepper verunglückt und dadurch die einzige Zufahrtsstraße nach Otis blockiert, als auch Automechaniker Jake LaFond und die Biologin Alex in die Wache stürmen, um mehrere blutige Morde zu melden.

Jake und sein Bruder Denton hatten im Wald einen verlassenen Pick-up abschleppen wollen. Als sie sich nach dem Fahrer umschauten, fanden sie ihn in einer nahen Hütte – tot und halb gefressen wie seine Jagdkumpane. Dafür verantwortlich war ein gewisser Mitch, der sich in einen irren, menschenfressenden Zombie verwandelt hatte, der kurz darauf Denton anfiel. Der dadurch selbst zum Kannibalen gewordene Pechvogel wird später von Brubaker festgenommen. In der Zelle brechen unzählige schneckenartige Parasiten aus Dentons Körper. Alex erkennt die Gefahr, und tatsächlich haben sich die Kreaturen längst in der Stadt ausgebreitet. Die Zombies jagen und fressen die schrumpfende Schar der Bürger, wodurch sie an Zahl und Präsenz weiter zunehmen.

Da Otis von der Außenwelt abgeschnitten ist, nehmen Jake und Alex den Kampf gegen die Zombies auf. Zu ihnen stößt Müllmann Randy, der die Achillesferse der (allerdings beinlosen) Parasiten entdeckt: Sie reagieren sehr empfindlich auf Salz! Deshalb fasst das Trio den Plan, die Befallenen in die Papiermühle des Ortes zu locken, deren gewaltigen Wassertank sie mit Streusalz versetzen; diese Lake soll sich über die versammelten Zombies ergießen und den Schneckenwesen den Garaus machen. Weil zumindest Jake und Randy nicht die Hellsten sind, weist ihr Plan in der Umsetzung gefährliche Lücken auf, die von der Tücke des Objekts noch tiefer aufgerissen werden. Zudem sind sich die Zombies wesentlich flinker auf den Beinen, als ihre Jäger es vermutet hätten …

Film ohne Hirn – ein Scherz auf Zuschauerkosten

Der peinlichste Witz ist bekanntlich jener, über den der Erzähler selbst am lautesten lacht. „Zombie Town“ ist so ein Witz und sollte durchaus ein Witz sein, der freilich schrecklich danebenging. Horror und Humor: Diese Paarung funktioniert besser, als mein zunächst meinen sollte. Gelächter ist eine Reaktion, die auch durch Schrecken ausgelöst werden kann. Horror-Komödien sind deshalb ein altehrwürdiges Filmgenre. Sie steigern den Schrecken bis zu dem Punkt, an dem er ins Lächerliche umschlägt. Das klappt sogar in der Abteilung Splatter, obwohl Blut- und Eingeweidespritzereien dem eigentlich einen Riegel vorschieben müssten. Wie weit man dabei gehen kann, hat vor allem Peter Jackson 1992 mit „Braindead“ eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Regisseur und Drehbuchautor Damon LeMay möchte ebenfalls in diese Kerbe hauen. Dass es ihm am nötigen Kleingeld gebrach, ist nicht das Problem. Gute Regisseure machen aus der Not eine Tugend. Nur die LeMays der Filmwelt rennen ins offene Messer, weil sie unbedingt zeigen möchten, was ihnen überzeugend einfach nicht gelingen KANN. (Man betrachte die lausig getricksten CGI-Dampfwolken über dem ‚brennenden‘ Truck und weiß sofort, was mit diesem Hinweis gemeint ist. Weitere Negativ-Beispiele springen sogar dem in Halbschlaf gesunkenen Zuschauer pausenlos ins Auge.)

Auch die obskure Story ist kein Beinbruch. „Zombie Town“ will ja übertreiben. Zudem ist die Handlung nur roter Faden zwischen möglichst vielen Splatter-Episoden. Allerdings enthebt dies den Regisseur nicht der Verpflichtung, sowohl Gags als auch Effekte zu timen sowie sie wenigstens ansatzweise in die erzählte Geschichte zu integrieren. Das zum Klischee Geronnene lässt sich entweder bloßstellen oder verfremden. LeMay beschränkt sich auf die bloße Nachahmung der ‚entliehenen‘ Vorbilder.

Holzhammer-Humor à la „Zombie Town“ wird wohl nur diejenigen Zuschauer in Ekstase versetzen, die ähnlich hirnarm sind wie die Bewohner von Otis sind oder sich künstlich durch Alkohol oder stärkere Mittel in diesen Zustand versetzt haben. (Wie ich erfahren habe, werden solche ungehobelten Zeitgenossen unter den schönen aber politisch sicherlich unkorrekten Begriff „Gore-Bauern“ gefasst.) Auch dann ist es kaum zu ignorieren, dass dieser Film ein Feierabend- und Wochenend-Produkt ist, das von Laien mit viel Liebe aber wenig Fachkenntnis hergestellt wurde. Damon LeMay stammt selbst aus einem Vermonter Miniaturstädtchen wie Otis. Er drehte in Orten, die Namen wie „Rutland“ und „Proctor“ tragen, und verpflichtete offenbar deren Bürger – die er womöglich persönlich kennt – als Statisten und Zombie-Darsteller. Nur so lassen sich die Massen ebenso begeistert wie ungelenk aufspielender Otisten erklären (unter die sich zahlreiche Mitglieder des LeMay-Clans mischen).

Hollywood kommt ins Hinterland

Was uns zu den Darstellern bringt; ein Kapitel, das schwer in Worte zu fassen fällt, die nicht nur Hohn und Spott zum Ausdruck bringen. Es sind Anfänger, die ihren Job entweder (noch) nicht im Griff haben oder von ihrem in Sachen Schauspielerführung ratlosen Regisseur/Drehbuchautor im Stich gelassen wurden. Vor allem Dennis Lemoine chargiert als Randy, dass es kaum zu ertragen ist. In seiner Rollengestaltung als proletarischer Held wider Willen setzt er ähnliche Maßstäbe wie die deutschen Privatfernseh-Comedians: Das Publikum lacht, wenn der Witzbold Grimassen schneidet und verbale Geschmacklosigkeiten absondert.

Adam Hose (für seinen im Deutschen wenig startauglichen Nachnamen kann er nichts) bleibt in seiner männlichen Hauptrolle erschreckend blass. Das gilt besonders, wenn er an der Seite von Brynn Lucas agiert, deren flammend rotes Haar augenscheinlich echt ist; ein Anblick, der immerhin die männlichen Zuschauer bei Laune hält. (Die im Horrorfilm der B-Kategorie obligatorische Oben-ohne-Szene fiel jedoch an eine wagemutige – und übergewichtige – Laiendarstellerin.)

Der Einsatz Vermonter Eingeborener hat trotz ihrer schauspielerischen Defizite unerwartete Reize. Mit Wonne suhlen sie sich förmlich in einschlägigen Redneck-Klischees – oder spielen sie nur, was Realität ist? Vermutlich unbeabsichtigt gelingen LeMay Momente absurden Humors, wenn der erste Ausbruch kannibalischer Zombie-Exzesse ausgerechnet in einem Bingo-Saal unter weißhaarigen und in Strickwesten gewandeten Rentnerinnen ausbricht. Auch der biedere Besitzer des örtlichen Waschsalons, der in seinem Büro Hochleistungsgewehre und automatische Pistolen hortet, lässt aufmerken.

Beißen, spucken & spritzen

Seit 2001 ist Damon LeMay ein vielbeschäftigter „assistent cameraman“. Mit diesem Wissen wundert die bemerkenswerte schlechte Bildqualität. LeMay scheint seine Kamera im Supermarkt erworben und die Gebrauchsanweisung ignoriert zu haben. Entweder ist das Bild überbelichtet oder die Farben sind flau; meist trifft beides zu. Außerdem bietet „Zombie Town“ die Möglichkeit, die schlechteste „Amerikanische Nacht“ der Filmgeschichte zu bewundern: Auch LeMay filmte Nachtszenen gern bei Tag, um sie nachträglich abzudunkeln. Das hat er wohl gemacht, indem er durch eine mit Kaminruß geschwärzte Glasscheibe aufnahm.

Schlechtes Filmhandwerk kann entschuldigt werden, wenn es gänzlich misslingt; dann entsteht „trash“, und der kann in der Tat sehr vergnüglich sein. Leider balanciert LeMay stets auf dem schmalen Grat zwischen gewollter und unfreiwilliger Komik. So ist sein Film weder Fisch noch Fleisch.

Apropos Fleisch: Was die reine Quantität der Schlacht- und Ekelszenen betrifft, kann sich „Zombie Town“ stolz sehen lassen. Parasiten, die im Inneren von Menschenkörpern hausen, und Zombies garantieren gemeinsam hübsch hässliche und blutreiche Effekte. Kunstblut ist billig in der Herstellung, sodass auch die Crew von „Zombie Town“ damit nicht geizen musste. Kopfschüsse und zerfleischende Bisse sind ebenfalls im Angebot, wobei Regisseur LeMay sorgfältig darauf achtet, dass jeder Effekt deutlich ins Bild gerückt wird; man möchte schließlich zeigen, wohin der Löwenanteil des 150-Dollar-Budgets geflossen ist. Auf den Höhepunkt – eine detailfroh in Szene gesetzte Beinamputation per Kettensäge – müssen die deutschen Zuschauer leider verzichten … (Näheres dazu s. u.)

Die Parasiten sehen aus wie schwarze Gurken, an deren Vorderende vier Haken befestigt wurden. Damit sie bedrohlicher wirken, lässt LeMay sie quietschende Laute von sich geben. Die Wirkung hält sich in engen Grenzen, zumal sich die Kreaturen dank minderwertiger Tricktechnik kaum vorwärts bewegen können.

Wo bleiben denn die Creeps?

Bei dem Versuch, das Desaster „Zombie Town“ so zu verschleiern, dass auch in Deutschland wenigstens einige zahlende Zuschauer auf dieses Machwerk hereinfallen, fiel einem findigen (bzw. dreisten) Zeitgenossen auf, dass LeMays Story gewisse Parallelen zur Handlung des Splatters „Night of the Creeps“ (1986; dt. „Die Nacht der Creeps“) aufweist. Hier wie dort sind es schneckenähnliche Parasiten, die ihre Wirte zu mordenden Irren mutieren lassen. Die Creeps von 1986 stammten aus dem Weltall, die Parasiten von 2007 aus einem verseuchten Waldsee. Von einer Fortsetzung kann jedenfalls keine Rede sein. Folgerichtig wird LeMays Film in dieser Rezension stets bei seinem Originaltitel „Zombie Town“ genannt.

Um dem deutschen Zuschauer endgültig den Spaß zu verderben, wurde „Zombie Town“ hierzulande in den Gewalt- und Ekelszenen um insgesamt drei Minuten zensiert. Ein Film, der primär auf einschlägige Schauwerte setzt, verträgt einen solchen Aderlass nicht. Die fehlenden drei Minuten machen aus „Zombie Town“ kein Meisterwerk. Ihr Fehlen wird aber deutlich, wenn in bestimmten Szenen die Handlung ’springt‘.

Unklar bleibt, wieso „Zombie Town“ Federn lassen musste. Die von der Zensur monierten Szenen sind keineswegs ’schlimmer‘ als das, was uns zugemutet wird. Wären sie im Film geblieben, hätten sie durch handwerkliches Ungeschick ihre schädliche Wirkung auf das Gemüt willensschwacher Zuschauer torpediert. Immerhin schenkt uns das Einschreiten der Zensur drei Minuten Lebenszeit, die in jeden Toilettengang besser investiert sind als in dieses krause Filmchen (dessen offenes Ende zu allem Überfluss eine Fortsetzung androht).

DVD-Features

Die ‚Extras‘ sind dem Hauptfilm in ihrer Kläglichkeit angemessen: Es gibt nur eine „Bildergalerie“, die wahllos einige Fotos aus dem Film und von den Dreharbeiten zeigt. Informations- oder Unterhaltungswert: null.

[Michael Drewniok]

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Night of the Creeps 2 – Zombie Town