open-gravesOpen Graves – Der Einsatz ist dein Leben

Originaltitel: Open Graves (USA/Spanien 2009)
Regie: Álvaro de Armiñán
Drehbuch: Bruce A. Taylor u. Roderick Taylor
Kamera: Iosu Intxaustegui
Schnitt: Mercedes Cantero
Musik: Fernando Ortí Salvador
Darsteller: Eliza Dushku (Erica), Mike Vogel (Jason), Jose Casasús (Novio),
Boris Martinez (Pablo), Ander Pardo (Miguel), Iman Nazemzadeh (Tomàs), Naike Rivelli (Elena), Lindsay Caroline Robba (Lisa), Gary Piquer (Detective Izar), Alex O’Dogherty (Malek) u. a.
Label/Vertrieb: Kinowelt Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 08.12.2009 (Leih-DVD) bzw. 21.01.2010 (Kauf-DVD u. -Blu-ray)
EAN: 4006680047676 (Leih- u. Kauf-DVD) bzw. 4006680047799 (Leih- u. Kauf-Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (1,85 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 85 min. (Blu-ray: 88 min.)
FSK: 18

Das geschieht:

Mamba Mosamba war eine böse Hexe, die Ende des 15. Jahrhunderts der Spanischen Inquisition zum Opfer fiel. Ihr Erbe ist ein Brettspiel, das aus ihren Knochen und ihrer Haut gefertigt wurde: Wer es spielt und gewinnt, dem wird ein Wunsch erfüllt. Die übrigen Pechvögel, denen das Schicksal eine der Unglückskarten des Spiels zuweist, erleiden allerdings den dort mit blumigen Worten umschriebenen, stets äußerst grässlichen Tod.

Der jeweils letzte Gewinner einer Runde muss das Mamba-Spiel weitergeben, damit sich besagter Wunsch erfüllt. Malek, den ein Unfall beide Beine gekostet hat, wählt skrupellos den US-amerikanischen Studenten Jason aus, der sich ahnungslos in seinen Kramladen irgendwo an der nordspanischen Küste verirrt. Begeistert über das vermeintliche Schnäppchen, lädt Jason am Abend fünf Freunde sowie seine neue Freundin Erica ein, mit ihm Mamba zu spielen. Das Unheil lässt nicht auf sich warten: Spät der Nacht stürzt Verlierer Pablo beim Pinkeln von einer Klippe und wird nach harter Felslandung lebendig von Krabben zerfleischt.

Ähnlich bizarr sterben weitere Teilnehmer der Spielrunde, während Erica und Jason allmählich die Zusammenhänge dämmern. Während sie versuchen, der Hexe Mamba in den toten Arm zu fallen, werden sie vom Polizisten Izar verfolgt, der Wind von dem Spiel bekommen hat. Der verzweifelte Mann hat Frau und Kind verloren und will mit dem Tod um ihre Rückkehr spielen. Um das Spiel an sich zu bringen, ist er zu jedem Schandtat bereit, womit er Erica und Jason zusätzlich in tödliche Bedrängnis bringt …

Gruseltrip ins Billig-Ausland

In Europa dreht Hollywood seit jeher gern Filme. Dort sind die Kosten niedriger, die Gewerkschaften (so es sie denn gibt) milder, und Steuern lassen sich durch den Film-Tourismus auch noch sparen. US-geschmackskompatible Schauspieler lassen sich zum Drehort transportieren, als Statisten sind die Einheimischen brauchbar, und hält sich die Exotik in schicklichen Grenzen, findet sie sogar der Durchschnitts-Amerikaner reizvoll. Für „Open Graves“ mussten sich die temporären Film-Emigranten nicht einmal ins Reich des Bösen – den ehemaligen Ostblock – wagen, sondern konnten sich im sonnigen Spanien tummeln, das einige Ähnlichkeit mit dem Sonnenstaat Kalifornien hat.

Der Vergleich kommt nicht von ungefähr, denn „Open Graves“ macht bemerkenswert wenig Gebrauch vom Lokalkolorit der spanischen Schauplätze. Mit ein bisschen mehr Geld in der Tasche wäre man offensichtlich lieber am kalifornischen Strand geblieben; der Arbeitstitel „Surfer Horror“ unterstützt diese These.

Vor Ort heuerte man Álvaro de Armiñán, der zuvor nur als Regie-Assistent oder „Second-Unit“-Regisseur gearbeitet hatte, als Regie-Söldner an. 6,5 Mio. Dollar durfte er ausgeben; ein Taschengeld für Hollywood und für das gewünschte Filmprojekt faktisch zu wenig.

Das Drehbuch dürfte nur einen kleinen Posten der Kostenaufstellung gebildet haben, denn das Vater-Sohn-Gespann Roderick und Bruce Taylor mischt schamlos die zündenden Momente aus den „Final-Destination“-Filmen mit Elementen des modernen Effekt-Klassikers „Jumanji“. Zusätzlich orientiert man sich am „Witchboard“-Trash der 1980er und 90er Jahre. Unterm Strich ergibt dies ein B-Movie ohne eigene Ideen aber mit Fehlern, welche die gesamte Filmgeschichte abdecken und die nicht nur wiederholt, sondern oft sogar übertroffen werden. Dazu kommen eine handwerklich kompetente aber träge Regie und Darsteller, die sich anscheinend im Urlaub wähnten, den sie spürbar ungern zwischendurch für einen Szenendreh unterbrachen.

Missglückte Morde = zuverlässiger Zuschauerverdruss

Auch die beliebte „Final-Destination“-Serie lebt primär von ihren aufwändig zelebrierten Morden. Sie bilden die Perlen einer Kette, deren Schnur – die eigentliche Handlung – das Anschauen ansonsten nicht wert ist. Freilich profitiert besagte Serie von der Erkenntnis, dass man dem Zuschauer geben sollte, was der Zuschauer verlangt. Die Metzeleien sind deshalb nicht nur einfallsreich ausgedacht, sondern auch detailfroh inszeniert. Bis zum nächsten Tiefschlag des Schicksals hält das Publikum deshalb ohne Murren durch.

Mit diesem Pfund kann „Open Graves“ nicht wuchern. Ein kluger Regisseur einigt sich dem Drehbuchautor und zeigt, was finanztechnisch überzeugend zu realisieren ist. Falscher Ehrgeiz schadet ebenso wie der Glaube, CGI werde es schon richten. Wer kam auf den Gedanken, ein Filmchen wie „Open Graves“ mit Spezialeffekten zu überfrachten, die den Budgetrahmen deutlich sprengen bzw. diesem angepasst werden mussten? Eine digitale Libelle gelingt noch hervorragend, aber ebenso ehrgeizig wie lächerlich getrickste Riesenschlangen und Krabben verderben dem üblichen Leidtragenden – dem Zuschauer – jeglichen Spaß.

Immerhin geht es erfreulich drastisch zur Sache, wie es sich gehört, wenn der Tod zum unterhaltsamen Selbstzweck gerinnt. Sogar der Zensor behielt dieses Mal die Schere im Halfter, sodass die Anblicke ausgestochener Augen, krachend zerdrückter Brustkörbe oder lichterloh brennender Autofahrerinnen ihre politisch unkorrekten Reize entfalten dürfen.

Wir machen mit – aber nicht gern!

Sommerdreh in Spanien? Da horchen in Hollywood vom Starruhm bisher verschont gebliebene Darsteller auf, und das Drehbuch wird nicht allzu sorgfältig gelesen. Wer sich für einen Film wie „Open Graves“ einfangen lässt, ist bisher ohnehin nicht wählerisch gewesen, hangelt sich nicht selten von einer TV-Gastrolle zur nächsten und verdingt sich für obskure „Direct-to-DVD“-Produktionen. Hauptdarstellerin Eliza Dushkus ‚Ruhm‘ basiert auf ihrer Rolle in dem modernen Backwood-Slasher „Wrong Turn“ (dem Original!) sowie auf ihren Auftritten als „Faith“ in den Horror-Trash-TV-Serien „Buffy“ und „Angel“.

Dushku kann durchaus schauspielern, wie sie u. a. 2008 in „The Alphabet Killer“ unter Beweis stellte, aber sie zehrt auch vom Ruhm ihrer Grusel-Vergangenheit und profitiert von ihrer möglicherweise naturgeschenkten Oberweite, die auch Álvaro de Armiñán gern ins rechte Licht rückt. (‚Richtige‘ Nackedeien gibt es übrigens nicht; auch die Pin-up-Fotosession im Holzlager eines heruntergekommenen Sägewerkes lässt aufgrund der ungelenken Darbietung von „Model“ Lindsay Caroline Robba keine erotischen Funken sprühen.)

Mit Mike Vogel (dem „Andy“ aus Texas Chainsaw Massacre“, Version 2003) übernahm ein absolut profillos bleibender Darsteller die männliche Hauptrolle. Jason ist kein Held, den das weibliche Publikum nebenbei anhimmeln könnten, sondern ein Trottel, dem der Zuschauer von Anfang an nur eine Chance zubilligt, den Hexenfluch zu bannen: Die Drehbuchautoren müssen das Denken für ihn übernehmen. Wenigstens setzt Vogel durch seine Dämlichkeit den einzigen guten Einfall der Taylors glaubhaft um: Wenn du dem Teufel einen Wunsch abschwatzt, denke sehr gut nach, denn er nimmt dich wörtlich und lacht auf diese Weise womöglich doch als Letzter … Was hoffentlich nicht so oft geschieht bzw. ihn ablenkt, damit er zukünftig Übeltäter, die solche Filmchen wie „Open Graves“ über diese Welt bringen, viel öfter holen kann!

DVD-Features

Die ‚Extras‘ zum Hauptfilm beschränken sich auf einen endlosen Trailer, der sämtliche sehenswerte Szenen skrupellos verbrennt, und eine mit Fahrstuhlmusik untermalte Foto-Show, bei der sich der Betrachter selbst zusammenreimen muss, was ihm da gezeigt wird.

[md]

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